Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1895)
- Date
- 1895-02-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXVI. Jahrgang. Beilage ju M 12 -es „Israelit". Leitender Artikel. MslNsMes als mWuW AatorM. Von Dr. I Miiuz in Berent. (Fortsetzung.) Nach dem Tode des ritterlichen Sultan Saladin im Jahre U93 (3. März) traten in Egypten politische Wirren und Thronstreitigketten ein, die wiauf alle andern Bewohner, auch auf die Stellung der Juden in diesem Lande von großem Nachtheile waren. Es nahte auch für unfern Matmonides eine Zeit schmerzlicher Erfahrungen heran, die nicht ohne Rückwirkung auf seine Gesundheit blieben. Wie sollte er, der Mann, der Segen und Frieden zu verbreiten bemüht war, den Anblick der verheerenden Wirkung entfeffelter Leidenschaft und roher Pöbelgewalt ertragen? Während dieser Parteikäwpfe herrschte noch in Egypten eine furchtbare HungerSnoth, welche das so blühende Land gleichsam in eine traurige Einöde verwandelte. Unter diesen trübseligen Verhältniffen entfaltete unser Weise eine überaus angestrengte Thätigkeit; er war mit Aufopferung in seinem medicintschen Berufe thätig und stand den Kranken und Armen hilfreich zur Seite. Doch Maimonides that in seinem edlen Eifer mehr, als seine Gesundheit zu ertragen vermochte; seine Kräfte versagten ihm den Dienst und er verfiel in eine schwere Krankheit, die ihn ein volles Jahr an das Siechbett gefeffelt hielt. Wie oft mag es vorgekommen sein, daß der Kranke die Kranken heilte und der Mann mit schmerzerfülltem Herzen anderen Trost spendete. Matmuni befand sich in einer so trüben Lage, daß er nicht einmal im Stande war, das so überaus schmeichelhafte Sendschreiben, welches die Gemeinde Lünel in Betreff des Mischne-Thora um diese Zeit an ihn gerichtet hatte, zu beantworten. Als er mehrere Jahre später dieses that, entschuldigte er seine lange Verzögerung mit dem Hinweis auf die schwere Krankheit und die vielen Verwirrungen",^ die im Lande herrschten. „Noch jetzt" — klagt Maimuni in seinem Schreiben — „sitze ich den großen Theil des Tages auf.dem Bette und das Joch der Kranken lastet schwer auf meinem Halse. Durch ihre Heilungen haben ste meine Kräfte verzehrt und sie ließen mir keine freie Stunde zurück, weder des Tages noch des Nachts. Was kann ich aber dagegen thun.^nachdem sich mein Ruf verbreitet hat in vielen Ländern?" *) Doch bald klärte sich der Horizont über Maimonides wieder aus. Im Jahre 1198 (November) bemächtigte sich der Sultan El Melik Alafdhal nach dem Tode seines jüngeren Bruders (Alaziz) der Regierung und bestieg den Thron seines großen Vaters Saladin. Mit diesem Ereign sie trat für unfern Weisen eine neue glänzende Periode seiner medicintschen Wirksamkeit ein. Dieser Fürst ernannte Maimonides gleich zu seinem vertrautesten Leibärzte und stellte dessen medicinische Kunst ganz in den Dienst seines Hofes. Matmuni's Ruhm als medicinische Autorität hatte nunmehr den höchsten Gipfel erreicht. Aus Nah und Fern strömten zu ihm die leidende Menschheit herbei. Maimonides war einerseits wegen seiuer immensen Gelehrsamkeit als praktischer Arzt so sehr geschätzt und andererseits war man von der Lauterkeit und dem unvergleichlichen Adel seines Charakters so sehr überzeugt, daß selbst seine persönlichen Feinde, an denen es ihm, wie einem jeden großen Manne nicht fehlte, keinen Abstand nehmen, seine ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen und ihre Gesundheit ihm anzuvertrauen. Hatte unser Weise um das Jahr 1189 an feinen Schüler Josef ibn Aknin geschrieben, daß wegen seiner hohen Stellung die gewöhnlichen Leute aus dem Volke zu ihm nicht gelange» könnten, so konnte er sich etwa 9 Jahrespäter dem Andrange des großen Publikums nicht mehr entziehen und die aüsgebrettete med'cinische Praxis gar nicht mehr bewältigen. Hören wir die schöne Schilderung, die uns Maimunt selber von seiner angestrengten medicinischen Thätigkeit entwirft. „Du wirst Dich" — schreibt er an den französischen Gelehrten Ibn T bbon, der ihn besuchen wollte (8. Tischri- 10. Skpi. 1199) — „Dich vergeblich den Gefahren der Reise aussetzen; denn weder des Tages noch des Nachts wirst Du Dich mit mir unterhalten können. Mein Aden ist in folgender Weise eingerichtet: Ich wohne selbst in Misr (Fostat oder Altkairo) und der König refidirt in Kairo, zwischen beiden Städten eine Entfernung von zwei Techum Sabbat (4000 Schritte). Täglich muß ich den König des Morgens besuchen, und wenn ich ihn, eines seiner Kinder oder seiner Frauen krank finde, muß ich den ganzen Tag in Kairo bleiben und bringe den größten Theil desselben am königlichen Hofe zu. Dasselbe muß ich thuu, wenn einer der Beamten des Königs krank ist und meine ärztliche Hilfe nöthig hat. Ich muß überhaupt täglich nach Kairo gehen und wenn daselbst auch nichts Neues vorgefallen, kehre ich erst nachmittags nach Mtfr 1) meinen sd. 2) RechtSgutachlen 49.