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Der Israelit · 1895-02-11 · Heft 12 (11.2.1895) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 12 (11.2.1895)
Date
1895-02-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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MWBWWWWWMW YJg*«*i* XXXTI, Jahrgang. jyg 18. Der Israelit. Ein Gentrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 11 Februar 5655 (1895). Leitender Artikel. Die Deutsch Gonservativen üöer das Hteformjudentfium. Mainz, 10. Februar. Der Berliner deutsch-conservative Wahlverein hat am 31. Januar einen conservattven Parteitag berufen, auf welchem RechtSanwalt Dr. Klastng (Bielefeld) über die „Conservattven und die Judenfrage" refertrte. Der Vortragende nennt die heutigen Führer der antisemitischen Bewegung politische Eintagsfliegen und bezeichnet ste in politischer und sittlicher Beziehung als abgewirthschaftet. Die Führung der antisemitischen Bewegung bleibe den Conservattven. Es sei Pflicht der Conservativen dieser Bewegung neues Leben einzuhauchen. Es ist Aufgabe der Conservattven die Judenfrage nicht versumpfen zu lassen. Der stürmisch anhaltende Beifall, den die Kreuz-Zeitung bet diesen Worten verzeichnet, verräth mehr Gefühl als Verstand seitens der Herren Betsallspender. Drohe der antisemitischen Bewegung wirklich der Athem auszugehen, daß sie neues Leben eingehaucht haben und bereits vor den Versumpfen gerettet werden muß? Soweit hielten wir die Deroute noch nicht, aber bet ihrer guten Fühlung mit den Antisemiten, darf man den Conservattven schon ein zutreffendes Uctheil in diesem Punkte Zutrauen. Ob man mit den alten Tiraden und dem abgedroschenen antisemitischen Stroh, die dann von dem Redner gegen die Juden aufgesührt wurden, der judenfetndltchen Bewegung wirklich neues Leben etnzuhauchen vermag, das ist eine andere Frage, die uns aber für den Augenblick weniger interessirt. Von ungleich höherem Interesse find für uns die nun folgenden Auslassungen: „Wir kehren uns nicht gegen die „Religion der Juden, welche an der „Sitte ihrer Väter hangen. Wir wenden uns gegen das moderne Juden- „thum, das selbst abgefallen von der „Religion ihrer (?) Väter, nun auch „unserem Volk den Glauben aus dem „Herzen zu reißen bestrebt ist. Rechtschaffene Juden hätten niemals eine „Judenfrage geschaffen. (Allgemeine Zustimmung.) Das ist unser Kampf auf „sittlich-religiösem Gebiete. Er ist „ebenso nothwendig, als edel undvor- „nehm. Es gilt unsere heiligsten Gü- „ter und Ideale zu schützen." Auch diese Bemerkungen find allerdings nicht neu. Bon den poltttfchen Eintagsfliegen und Schwarmgeistern, wie hier die gegenwärtigen antisemitischen Wortführer genannt werden, haben wir sie oft genug gehört. Was davon zu halten ist, ist auch schon oft genug ausgesprochen worden. Was uns an diesen Aeußerungen interessirt, ist lediglich die autoritative Sette, von der ste ausgeheu. Es handelt sich dabet doch um ernste, social hochstehende Männer, deren politische Einseitigkeit uns hier nichts angeht. Wenn hier eine scharfe Grenze zwischen Juden und Reformjuden gezogen wird, so darf man zunächst nicht daran vergessen, daß man aus der Roth eine Tugend macht. Was den Konservativen die Antisemiten gewöhnlichen Schlags verhaßt macht, ist zunächst deren Pletätslosigkeit, ja demonstrative Verachtung aller Religion. „Zwischen den Verächtern des alten Testaments und uns ist das Taseltuch zerschnitten" haben schon auf dem T vo.«Parteitag und neuerdl.-gs wieder die Konservauoen betont. Wie könnten sie die Bibel nur ehren und das Volk der Bibel verachten, ohne sich in einen unausgletchbaren Widerspruch mit sich selber zu setzen? Deshalb sondern

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