Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1895-02-07 · Heft 11 (7.2.1895) · page 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 11 (7.2.1895)
Date
1895-02-07
Page
– (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448559-2448571--40179-2489080
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

222 sichten und zum ThellbereltS vollzogenen Gründungen. Der Redner zeichnete zunächst die Stellung, welche der Vorstand des Vereins jüdischer Lehrer in Schlesien und Posen zu dem von Hannover geplanten deutsch-israelitischen Lehrerbunde etnnehme und legte die Gründe klar, weshalb die endailtige Erklärung über den Beitritt zu diesem Bunde nicht überstürzt werde. Der deutsch-israelitische Lehrerbund müffe ein fester, dauernd gefügter Bau werden, und werde als solcher um so eher aufgerichtet werden können, wenn alle für seine Begründung notwendigen Vorbedingungen, durch eine ruhige, fachgemäße Beratung in den Etnzelvereinen erfüllt sein werden. Für diese Vorsicht bürgen aber die Personen, in deren Hand die Leitung der Einzelvereine seit lanaer Zeit liegt. Zu dem bereits „begründeten" Reichsverband jüdischer Religionslehrer übergehend, unterzog Dr. B r a n n die von diesem angestrebten Ziele einer durchaus sachlichen Erörterung. Die Proj cte auf dem Gebiete des Gemeinde- und Schullebens und die Wohlthätigkeitseinrtchtungen, welche der Reichsverband anstrebe, fordern selbst den Unbefangensten zu ernstem Nachdenken auf; die Frage könne und dürfe nicht umgangen werden, aus welchen Mitteln die vielen, gleichzeitig kundgegebenen Projecte auch nur in ferner Zeit ihrer Verwirklichung entgegen geführt werden sollen. Sodann dränge sich allen denen, die, seit langer Zeit im Vereinsleben tätig sind, die dringende Erwägung auf, welchen Einfluß die nur einseitig erfolgte Gründung des Reichsverbandes auf das in schönster Entwicklung stehende jüdische Lehrervereinswesen haben müffe. Ohne den Männern, welche bei der Gründung wie bei der Leitung des Reichsverbandes hervorragend beteiligt sind, andere als die besten Motive unterzuschieben, sei es doch mindestens unerklärlich, daß, während sich die Mitglieder der freien Vereinigung zu ihrer am 26. Dezember d. I. in Beuthen anberaumten Versammlung rüsten, einer Anzahl derselben plötzlich am 24. Dezember Einladungen zu einer auf den 27. Dezember in Kattowitz von dem Reichsverbande abzuhaltenden Bezirks Versammlung zugesandt werden, welche schließlich wegen Mangel an Beteiligung abgesagt werden mußte. Am Schluffe seiner Ausführungen legte Dr. Brann der Versammlung eine Resolution zur Berathung vor, welche er zu einstimmiger Annahme empfahl. — Auch die nun folgende Debatte, an welcher sich die College« sowohl, wie Rabbiner Dr. Kopfstein- Beuthen beteiligten, bewahrte die strengste Sachlichkeit und die nöthtge Mäßigung. Unverkennbar standen alle Thetlnehmer an der Versammlung in Uebereinstimmung mit den von Dr. Braun- Breslau geäußerten Anschauungen und so gelangte die vorgelegte Resolution mit geringen Abänderungen in nachstehendem Wortlaute zu einstimmiger Annahme: „Die VIII. Versammlung der freien Vereinigung jüdischer Lehrer Oberschlestens erklärt sich bereit die Bestrebungen einen Einheitsverband der jüdischen Lehrerschaft des deutschen Reiches herbeizuführen mit allen Kräften zu unterstützen, aber nur einen solchen Verband, der sich auf den bestehenden lokalen Vereinigungen aufbaut. Die anderweitigen Bestrebungen, die darauf ausgehen, die bestehenden Organisationen zu zersetzen, weist sie als einen unberechttgen Eingriff in die langjährige, stetige und gesunde Entwicklung des jüdischen Lehrervereinswesens mit Entschiedenheit zurück." Nach Erledigung dieses wichtigen Gegenstandes der Tagesordnung hielt College Abraham seinen Vortrag über das Thema: „Jüdische Geschichte in der Volksschule." Da die hochintereffante, durchdachte Arbeit auf Wunsch der Versammlung durch Veröffentlichung in den Tagesblättern von dem Referenten auch weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden wird, geben wir nachstehend nur einen kurzen Abriß des Gedankenganges: „Die Klagen über Gleichgiltigkeit, Kälte und Lauheit vieler Bekenner des Judenthums wollen seit langem nicht verstummen. Jene Erscheinungen find zu einem großem Theil mit begründet in dem Mangel jüdischer Geschichtskenntniß. Darum haben unsere geistigen Führer in jüngster Zeit in vielen größeren Gemeinden „Vereine für jüdische Geschichte und Literatur" ins Leben gerufen. Doch auch schon der Jugend müssen jüdische Geschichtskenntniffe vermittelt werden. Deshalb ist auf der Oberstufe mehrklaistger Schulen eine Stunde für jüdische Geschichte anzusetzen, entsprechend der Kirchengeschichte im christlichen Religionsunterricht. In etnklasstgen Schulen sind hervorragende Momente über Ereigniffe in dem übrigen Unterricht, besonders in die Geographie und Weltbez. vaterländische Geschichte einzuflechten. So kann MosesMendelSson bet Friedrich dem Großen zur Sprache gebracht werden. Bet der Durchnahme von Spanien im erdkundlichen Unterricht läßt sich die Vertreibung der Juden aus diesem Lande anführen. Was die Art und Weise der Behandlung der jüdischen Geschichte anbetrifft, so deckt sich diese mit der vaterländischen. Als geeignetes Hilfsmittel zu einem fruchtbringenden Unterricht in der in Rede stehenden Disciplin ist u. a. zu empfehlen: „Geschichte der Juden und ihrer Literatur" von Dr. M. Brann-Breslau bei W. Jacobsohn.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.