Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 11 (7.2.1895)
- Date
- 1895-02-07
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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218 (eS ist damit das Abgeordnetenhaus gemeint) vor Allem aber die Bevölkerung der am Meisten durch die geschilderten Verhältnis se geschädigte nReichshaupt st adtWten haben ein Recht und ein Interesse, daß ein solches Wort der Abwehr endlich gesprochen werde!" Das sind wahrhaft wohlklingende Worte, die da zu lesen sind! Mögen sie an die richtige Adresse gelangen! Emil Jelinek. Wien. Während die Antisemiten den Boykott auf das Schärfste verurtheilen, betreiben sie ihn selbst gegen die Juden in unerhörter Weise. In der Sitzung des Niederösterreichtschen Landtages vom 22. Januar erzählte der Statthalter von der antisemitische» Agitation in Spitz a. Donau: „08 habe sich dort unter Führung des Pfarrers und deS eisten GemeinderatheS eine Vereinigung gebildet, welche gegen die Israeliten in der Weise auftritt. daß der Bezirkshauptmannschaft im Frühjahr die Anzeige gemacht worden ist, diese Agitation könnte möglicherweise die Sicherheit und das Eigentum der Person gefährden. Die Bezirkshauptmannschaft habe sich daher veranlaßt gesehen, diesbezügliche Erhebungen zu pflegen und der Gemeindevorstehung zu bedeuten, daß sie gewäriige, daß Angriffe gegen die Betreffenden nicht Vorkommen werden. Solche Angriffe seien auch thatsächlich nicht vorgekommen. ES habe sich eine ganze Reihe von Bürgern von Spitz durch Unterschrift und Ehrenwort verpflichtet, bei den jüdischen Geschäftsleuten im Orte keinerlei Einkäufe zu besorgen und eS heiße auch in dem Übereinkommen, daß sie sich im Uebrigen Anfeindungen der Israeliten enthalten wollen." Rußland. Aus Rußland kommen in dieser Woche weniger zuversichtliche Nachrichten. So schreibt man dem B. T. aus Petersburg : Absolut falsch ist die Ansicht, daß Pobjedonoszew unter dem neuen Regime keinen Einfluß mehr besitze. Nur in den ersten Tagen desselben trat Pobjedonoszew recht sta'k in den Hintergrund, seitdem aber ist es ihm gelungen, seine Stellung wieder zu befestigen und seinem Wort groß:S Gewicht zu verschaffen. WaS speziell die Judensrage anbetriff-, so sind damit die Hoffnungen auf eine Aenderung der bestehenden Verhältnisse in weite Ferne gerückr. Es ist richtig, daß der Prinz von Wales bei seinem hiesigen Aufenthalt sich für die Lösung dieser Frage in liberalem Sinne auf das lebhafteste interefsirte, und daß der Prinz Grund zu der Annahme zu haben glaubte, daß ftine Ansichten sympathische Aufnahme gefunden haben, aber die Gegenpartei scheint doch stärker gewesen z>> sein. Selbst die Mehrzabl derjenigen Staatsmänner, denen librrale Neigungen nachgesagt werden, hält heute eine Lösung der Judenfrage für verfrüht. Erst müsse da8 russische Volk selbst ans eine höhere Stuft der Bildung gebracht werden, erst müsse der obligatorische Volksunterricht eingefühlt werden und dann, wenn ein Menschenalter darüber hingegangen sei, könne man erst daran denken, dem russischen Juden größere Bewegungsfreiheit zu geben. Literarisches. <Ein Wunder deutsche« Fleißes und deutscher Gründlichkeit.) „Das ist das Meyer'sche Konversations- Lexikon nun allerdings stets gewesen, aber nichtsdestoweniger müffen wir sagen, daß nach den uns vorliegenden Bänden die neue Ausgabe in vollem Maße den auf dem Titelblatt erhobenen Anspruch rechtfertigt, eine gänzlich neubearbeitete zu sein. Sie hat eine gründliche Durcharbeitung erfahren, welche sie in jeder Beziehung auf die Höhe der Zelt gebracht hat, und unter den Werken ähnlicher Art steht das „Meyersche" unübertroffen da. Der Inhalt ist zu mannigfaltig, als daß wir hier genauer darauf eingehen könnten; eS nennt sich ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wiffens, und diese Bezeichnung ist in der That gerechtfertigt. Cs wäre schwer, irgend eine Frage zu finden, auf welche „MeyerS KonverfationS-Lexikon" nicht eine Antwort hätte, und mit Bezug auf alle Dinge, die man billigerweife in einem Nachschlagewerk dieser Art zu finden hoffen kann, ist die Auskunft genau, bündig und zuverlässig. Wir nennen aus den uns vorliegenden Bänden nur die Artikel: Afrika, Amerika, Asien, Australien, denen Karten und Farbendrucktafeln beigegeben sind, den Artikel Berlin, der sich durch besondere Reichhaltigkeit auszeichnet, von biographischen Artikeln eine ausgezeichnete Darstellung des Lebens von Lord BeaconSfield, Graf Andraffy, Kardinal Antonelli und einer Menge anderer Berühmtheiten aus alter und neuer Zeit. Besonders müffen wir den Artikel „Aristoteles" als ein bewundernswürdiges Beispiel der zugleich gelehrten und volksthümlichen Art bezeichnen, in welcher solche Gegenstände in dem „KonversationS-Lexikon" behandelt werden; aber auch auf minder wichtigen Gebieten finden wir die gemachten Angaben, besonders, wenn man den verhältnismäßig geringen zur Verfügung stehenden Raum berücksichtigt, ebenso gründlich als allseitig befriedigend. Trotz der Ausdehnung über alle Gebiete des Wiffens wird es nicht leicht sein, irgend einen Gegenstand zu finden, über den das Werk nicht eine genaue und zuverlässige Auskunft ertheilte. Selbstverständlich paßt sich „Meyers Konversations-Lexikon", weil deutsch geschrieben und für deutsche Leser bestimmt, vor allem den deutschen Jnterefseokreisen an, aber man kann nichtsdestoweniger behaupten, sein Inhalt sei ein wahrhaft allumfaffender. So ist z. B. der englischen Geschichte und den Biographien englischer Berühmtheiten aus alter und neuer Zeit der volle dafür nothige Raum gewährt worden, und daß auch die englische Geographie nicht vernachlässigt ist, mag daraus geschlossen werden, daß eS kaum eine Stadt von irgend welcher Bedeutung auf den Britischen Inseln gibt, die nicht ihrer Größe und Bedeutung gemäß gewürdigt wäre. Das Gleiche gilt von allen andern zivilistrten Ländern und trotz der unermeßlichen Menge des Aufzunehmenden findet sich in dem Werke doch noch ausreichend Raum für eine ausführliche und genaue Behandlung von in der That wichtigen Dingen. Der Artikel über die Banken z. B. bietet eine gedrängte Darstellung der Geschichte und des gegenwärtigen Zustandes des Bankwesens in allen großen Handelsstaaten der Welt, jener über die Arbeiter-Frage kann ebenfalls als eine förmliche Monographie über diesen Gegenstand bezeichnet werden. Unsere Glaubensgenossen machen wir noch besonders auf die hochinteressante in den Artikel „Deutschland" eingefügte Karte „Der Verbreitung der Juden im deutschen Reich" aufmerksam. Dieselbe ist in 8 Farben ausgeführt, die je die Dichtigkeit der jüdischen Bevölkerung bezeichnen. Bei dem sonst objectiv gehaltenen Artikel „Antisemitismus" hätten wir gewünscht, daß bei Angabe der Litteratur nicht nur auf die antisemitischen, sondern auch auf die entsprechenden philosemitischen Werke verwiesen worden wäre. Man mag das Werk aufschlagen, wo man will, man wird stets finden, daß es die Bezeichnung „ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens" verdient. Dem mannigfachen Inhalt des Buches in einem so kurzen Bericht gerecht zu werden, ist unmöglich; wir müffen uns damit begnügen, zu sagen, daß es uns bei keiner Probe im Stich gelassen hat." Nr. 11, S. 219/220 folgt erst hinter S. 224