Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 11 (7.2.1895)
- Date
- 1895-02-07
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXVI. Jahrgang. -^awf^"a>v»7*«y.'-ni-;^-rf ^■y't '*-'7; Zweite Beilage |U M 11 des „Israelit". ZeitnngSnachrichten «ud Correfpoudeuzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 31. Jan. (Die Fabel bei den Juden.) Das war vorgestern Abend das VortragSthema des Herrn Provinzialrabbiners Dr. Munk-Marburg im Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Ob der Ursprung der Fabel bet Indern, Griechen oder Semiten zu suchen sei, ist noch zweifelhaft. Der Name des Aesop, des griechischen Sklaven und Fabelerfinders, ließe fich auf hebräischen Ursprung zurückführen. Jedenfalls aber haben die Juoen an der Fabeldtchtung der Kulturvölker einen hervorragenden Antheil, und der unverhältntßmäßig größte Prozentsatz aller in der europäischen Literatur umlaufenden Fabeln ist durch jüdische Vermittlung ins Abendland gekommen. Der Referent ging von den ältesten Fabeln der Bibel, Pflanzenfabeln im Buche der Richter und im Buche der Könige, aus, verfolgte sodann die Geschichte der Fabeln im Talmud und Midrasch und gab interessante Beispiele. Da begegnen unS die Zeder auf dem Libanon, der Dornstrauch, der Wetnstock, der Fuchs und der Wolf, der von Reinecke geprellt wird, der Löwe, dem ein Knochen im Halse stecken bleibt, und der den Retter aus dieser Noth für hinreichend durch den Ruhm belohnt erachtet, im Rachen de8 Löwen gewesen und doch nicht gefressen worden zu sein. Es begegnet uns ferner der thörichte Rabe, der allerdings nicht den Käse beim Singen aus dem Schnabel fallen läßt, wohl aber beim Fund eines Aases durch sein Freudengeschrei den Adler herbeilockt und von diesem um seinen Fraß gebracht wird. Auch ein Pendant zu der römischen Fabel des Menenius Agrippa vom Magen und den Gliedern findet sich in der jüdischen Literatur, wo es die Zunge ist, die mit den Gliedern um den Vorrang streitet und dabei auch gewinnt, insofern Zungengewandhekt oft über Leben und Tod entscheidet. Hamburg, 29. Jan. Zum Mitglied der diutsch-israelitischen Gemeinde zu Hamburg ist an Stelle des aus Gesundheitsrücksichten ausscheidenden zweiten Vorsitzenden Herrn L. O. Bunzel der bisherige erste Vorsitzende des Repräsentanten- Collegiums, Herr Dr. zur. Max Cohen, einstimmig gewählt worden. — Die am Neuen Steinweg belegene älteste Synagoge Hamburgs, welche auf ein Alter von mehr als 125 Jahren zurückblickt, wurde gestern verlassen, da die Baulichkeiten den Anforderungen der Jetztzeit nicht mehr entsprechen. Bei der Schlußfeier sprach das langjährige Vorstandsmitglied M. S. Heymann einige Worte des Abschiedes. In einiger Zeit wird, wenn erst die Gemeinde-Synagoge vor dem Dammthor erbaut ist, eine Verschmelzung der kleinen in der Stadt belesenen Bethäuser mit den Gemeinde-Synagogen stattfinden. Oesterr.-Ungar. Monarchie. J. Wie«, 30. Jan. In der gestern abgehaltenen General-Versammlung des „Vereins der Fortschrittsfreunde" gelangte der Jahresbericht zur Verlesung, der namentlich bei folgenden Sätzen lebhaft akklamirt wurde: „Arrknüpfend an eine Debatte, welche vor fast einein Jahre im Vereine unter freundlicher Assistenz des Abg. Menger stattgefunden, können wir die Bemerkung nicht unterlassen, daß wir von der Regierung, die mit dem Programme der Vereinigung der gemäßigten und arbeitsamen Parteien gegen die destruktiven Elemente des öffentlichen Lebens in's Amt getreten ist — noch immer jene entschiedene, offene und wahre Stellungsnahme gegen das häßlichste und destruktivste Element unseres öffentlichen Lebens — den Antisemitismus — erwarten, die der zu bekämpfenden Gefahr entspricht. Um eine solche Gefahr — nicht mehr etwa um eine Partetsache handelt es sich, aber in eminenter Weise. Die Untergrabung des Parlamentarismus und j der berechtigten Autorität in demselben, der gesetzwidrige Kampf gegen gleichberechtigte Staatsbürger, der sich bis zur Bedrohung der Person und des redlichen Erwerbes steigert, der Mißbrauch der Immunität zur ungestraften Schändung der Ehre Solcher, die nicht dem Wahnwitz dieser Partei verfallen sind und dadurch die Ausübung eines maßlosen Terrorismus und andere, uns ferner liegende, aber nicht minder bedenkliche Erscheinungen, dte der Antisemitismus dort hervorruft, wo er als „chrtstlich-social" auftritt — alle diese Erscheinungen erfordern ein Mehr, als nur jene zum Thetle schwache, zum Theile verunglückte Abwehr, zu welcher die Regierung bisher Anlaß genommen. Wir wollen nicht dte Poltzeigewalt, obwohl sie diesem Treiben gegenüber vergleichsweise mindestens ebenso berechtigt wäre, wie gegen andere, ihrer Strenge verfallende Ausschweifungen —r was wir aber wollen, ist ein klares, unzweideutiges und entschiedenes Wort, durch welches die Regierung dieses Treiben — das ihrer eigenen Autorität nicht zum Wenigsten nahetrttt — verurthetlt und dte ftille Duldung desselben ablehnt. Alle drei großen Parteien des Hauses,