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Der Israelit · 1895-01-31 · Heft 9 (31.1.1895) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 9 (31.1.1895)
Date
1895-01-31
Page
– (sequence 22)
Language
German
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184 Heer solcher gedanklichen Wesen gegenübertritt, die eS einzeln alle zu töten vermag, durch deren Ueberzahl eS jedoch allmählich überwunden wird. Das Ziel unserer Religtonsschule ist: Fülle jüdischen Wissens mit Berücksichtigung der modernen Bildung. Drei Faktoren müssen Zusammenwirken, dies Ziel zu erreichen. Geeignete Lehrkräfte und entsprechende Lehrmethoden, ein großes Quantum von Zeit, ein mehr alS zehnjähriger Kursus und eine hohe Stundenzahl in der Woche und die Unterstützung der Eltern. Unsere Zeit gestattet es nicht, die ersten Punkte auch nur zu berühren, wollten wir sie er» schöpfend behandeln, so würden viele Stunden nicht auSretchen, denn unsere Schule kann zurückblicken auf die Erfahrungen einer mehr als fünfandzwanzigjährigen Wirksamkeit. Ein kurzer Apell an die Eltern sei noch gestattet. Ueber die Wichtigkeit des Religionsunterrichtes noch viele Worte zu verlieren halten wir überflüssig. Daß er allein dieselbe Bedeutung hat, wie die Gesammtheit aller anderen Wiffensfächer ist unsere feste Ueberzeugung. Dort wird das Kind für seinen Beruf vorbereitet, in den Stand gesetzt, sich am Leben zu erhalten, hier erfährt es, was das Leben erst lebenswerth macht. Es war kein Religions- Lehrer, sondern ein sehr weltlicher Pädagoge, der den Satz aussprach: Die Herstellung der Gottähnlichkett ist der oberste und allumfassende Zweck aller Geistesbildung. Nun der Religionsunterricht ist der nächste Weg zu diesem Ziele. Aber er kann auch seiner Aufgabe gerecht werden ohne Schaden der weltlichen Schule. Denn ist das Kind befähigt, so ist das Reden von der Ueberbürdung thörichtes Geschwätz. Bringe nur einem solchen Kinde Freude an einer Beschäftigung bei, und sie ist ihm eine Erholung. Und ist das Kind nicht begabt, nun dann soll eS keine Mnstkstuvde nehmen, denn es wird doch kein Künstler werden, dann soll es kein Gymnasium betreten, denn eS wird's doch nicht zu einem ordentlichen Gelehrten bringen, aber die Religionsschule soll es besuchen, dann kann es sich wenigstens zu einem guten, einem braven Menschen bilden. Nickt über die Wichtigkeit des Religionsunterrichtes wollen wir mit den Eltern uns auseinandersetzen, diese Erkenntniß setzen wir bei ihnen voraus. Aber es giebt eine Reihe von scheinbar unbedeutenden Momenten, durch deren Berücksichtigung sie die Schule in hohem Maße unterstützen können. Wenn unfreundliches Wetter ist, dann bleibt hier und da ein Kind aus. Es kommt selten vor, die Mutter denkt vielleicht, das Pensum der Religtonsschule ist nicht ein so festumgrenztes, das Kind wird es schon nachholen. Aber wie gefährlich wirkt in der Seele des Kindes der Gedanke, daß mit zweierlei Maß gemessen wird, daß eS sonst frühmorgens auf dem Pötten sein muß wie ein Soldat, hier aber die Pflicht nicht von solcher Bedeutung ist. Und dann haben wir Mütter gesprochen, die thränenüberstlömten Antlitzes einst ihr Leid klagten über die schlechte Zensur, die der Junge nach Hause gebracht, aber nach dem Zeugmß der Religionsschule hatten sie sich gar nicht erkundigt. Das Kind bemerkt dies und zieht seine Schlüsse daraus. Und es merkt auch, wie die Mama jeden Abend seine Schularbeiten beaufsichtigt, ihm das Pensum abfragt, nur am Sonnabend vergißt sie, daß morgen Sonntag ist und daß das Kind doch vielleicht auch etwas für die Religtonsschule auf hat. Mit einem Wort, es soll durch ein hohes, zur Schau getragenes Interesse die Achtung für diesen Unterricht in der Seele des Kindes gesteigert werden.*) Ums unh Cstnö. Auf den Bericht der Kgl. Regierung zu Arnsberg, vom 13. Juni d. I., betreffend Unterrichtsfrethett der jüdischen Volksschulen an jüdischen Feiertagen, kam vom Ministerium für Schulangelegenheiten der Bescheid, daß gegen die Freilassung der jüdischen Feiertage, die nicht in die Schulferien fallen, und zwar ohne Anrechnung auf die Gesammtdauer der Ferien, keine Bedenken gefunden werden könnten, indem dadurch die jüdischen Schulen hinsichtlich der Ferien den übrigen Schulen gleichgestellt werden. *) Den Schluß bildet der Dank an alle, welche zum or tt n h t j e n. Für den folgenden Theil ist die Rcdaction nicht verantwortlich. Gtellen-Rachwets-Berer» jnd. Kaufleute, Breslau. Ehest u. Bewerber werben bringend ersucht, uns ihre Gesuche zu überweisen. — Unser Bestreben ist einzig und allein daraus gerichtet, beide Theile zu befriedigen und der hochheiligen Tendenz unserer Vereins zum Stege zu verhelfen. I. A.: Marti« Kraeukel. Schriftführer. Zehnte Auftage l JTuitfi.tntrfi für israelit. jgvaisett von Rebekka Wolff — geb. Heinemann. — Zehnte, durch 100 Recepie vermehrte u. vervefferre Austage. Elegant gebunden. Als vorzüglich anerkannt. Nicht mit werthlosen Nachahmungen zu verwechseln. Preis Mk. 3.50. Frankfurt a. M. 44c) I. Kauffmauu. Verlag. verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des .Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Iah. Wirth'schen Hofbuchdruckeret-Actien-Gesellschast in Mainz.

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