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Der Israelit · 1895-01-24 · Heft 7 (24.1.1895) · page 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 7 (24.1.1895)
Date
1895-01-24
Page
– (sequence 21)
Language
German
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für dasÄ^ Mrthodoxe MuderrlhumÄ A RON^f), ■OM 0 5 E S \T>' l»r 1. 34. Jan 1895 ] {ä\mä4k MM WLI wsBaiaEäfiy Aus dem Tagebuche eines russischen Hausirers? i. Zürich, im Ab 5654. H min Ich muß mich aussprechen, um mir Erleichterung zu schaffen. Meinen Namen vertraue ich nur Ihnen an, da man auch in unserer Stadt in Rußland den „Israelit" liest, und ich nicht möchte, daß sie zu Hause erfahren, ich sei zum Hausirer avancirt. Vor einem halben Jahre hatte ich noch eine» blühenden Holzhandel und große eigene Steinblüche. Jetzt ist alles dahin; doch ich selber bin gerettet. Uebcr das Holz und die Steine hat der Himmel seine Zornesglnth entladen, — D’jaMi o'sy hy unn ■js» — doch an mir und meiner Familie Leben ist sein Zürnen gnädig vorübergezogen. Wir leben, wir sind gesund. Kurz vor Peßach überschritt ich die russische Grenze und kam über Königsberg nach Berlin, wo ich den Peßach verlebte. Ich hatte damals noch eigene Mittel und war noch nicht auf die Wohlthätigkeit angewiesen. Mit meinen paar Rubeln hätte ich noch etwas anfangen können. Mit Kohlen, Holz, Petroleum, Bier zu handeln, eine Restauration anzulegen, als Ehasan und Lehrer ein Unterkommen zu suchen, alles probirte ich durch, alles schlug fehl. So passtrte ich die größeren jüdischen Gemeinden, zwischen Berlin und Frankfurt a. M. Hier mußte ich längere Zeit Halt machen; denn die Geldmittel waren mir jetzt vollständig ausgegangcn. Frankfurt genießt auch bei uns zu Hause den Ruf einer wohlthätigen Stadt und das mit Recht. Aber ich hatte noch nie die Hilfe von Fleisch und Blut angesprochen; und das war hart. Ich hätte *) AuS dem Hebräischen frei übertragen; der Titel lautet: N’on ins imo? "oiyjyDD n?N dem Rathe unserer Weisen s. A. gemäß gern die niedrigste Arbeit verrichtet, aber ich fand keine. Dabei widerstrebte es mir die Wohlthätigkeit in Frankfurt a. M. in Anspruch zu nehmen, da ich sah, wie groß die Zahl der Mitbewerber war, die schon vor mir da waren und die zum Thetl noch unglücklicher waren, als ich. Einen braven Mann und guten Bekannten aus meiner besseren Zeit hatte ein ähnliches Schicksal vor einigen Jahren nach Frankfurt a. M. verschlagen, der sich kümmerlich von einem kleinen Hausirhandel nährte. Dieser nahm mich gastlich auf und theilte seine geringe Habe gern mit mir. Ich entschädigte ihn so gut und schlecht ich eben konnte, aber doch so ungenügend, daß es mich nicht lange da duldete. Von Frankfurt zog ich weiter gegen Süden nach Darmstadt, Karlsruhe, Basel, Baden, Zürich, wo ich mich nun seit einigen Wochen niedergelaffen und ein Patent als Hausirer erworben habe. Wenn ich meine Erlebnisse niederschreiben wollte, von dem Augenblick an, wo ich die Grenze überschritten habe, bis zum heutigen Tage, ich müßte ein großes Buch schreiben. Wer von dem Walten einer göttlichen Vorsehung durchdrungen ist, die über jede Menschenseele vom ersten bis zum letzten Athemzuge wacht, glaubt deren Spuren in jedem Schritt, in jedem Begegniß zu finden. An die Begegnisse, die mich persönlich betroffen, denke ich nicht einmal in erster Reihe, sondern mein Blick richtet sich dabei mehr auf die Gesammtheit. In den genannten und fast in allen Städten mit jüdischen Gemeinden, die ich durchzog, haben sich im Laufe der jüngsten Jahre ausgewanderte russische Familien in größerer und geringerer Zahl

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