Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 7 (24.1.1895)
- Date
- 1895-01-24
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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138 Rußland. KirtaiS, 2. Januar. Der Charakteristik der kaukasischen Juden widmete kürzlich die in Tiflis erscheinende „Now. Obosr." einen längeren Artikel, dem wir Nachstehendes entnehmen: Die kaukasischen Juden, die mehrere Jahrhunderte lang gemeinsam mit den verschiedenen dortigen Völkerstämmen dahingelebt haben, sind so mit denselben verschmolzen, daß sie sich, außer der Konfession, in keiner Weise von ihnen unterscheiden. Die kaukasischen Juden standen unter der russischen Herrschaft im Genüsse aller Rechte und Privilegien, wie die Personen uichtchristlicher Confession, und sämmtliche die Rechte der russischen Juden beschränkenden Gesetze fanden auf sie keine Anwendung. Das speziell für die Juden erlaffene Gesetz der Korobka (Fleisch)- Steuer wurde auf Allerhöchsten Befehl bei den transkaukasischen Juden nicht etngeführt. In allen Fällen, wo Angelegenheiten der kaukasischen Juden sowohl auf administrativem, als auf gerichtlichem Wege an den Senat gelangten, machte dieser auf Grund der erwähnten gesetzlichen Verordnung zwischen der örtlichen Bevölkerung und den Juden in Bezug auf deren Ctvilrechte keinen Unterschied. Besondere Beachtung verdient die jüdische Bevölkerung des Gouvernements Kutais, die sich auf circa 7000 Personen beläuft und in mehreren Dörfern, hauptsächlich aber in der Stadt Kutais lebt. Alle diese Juden wurden in den Leibeigenenstand ausgenommen und gehörten Kirchen, Klöstern und mehreren Fürsten. Nicht selten machte sich hierbei eine sonderbare Metamorphose bemerkbar: diese Juden wurden nämlich zu den eifrigsten leibeigenen Dienern der Kirchen, denen sie als Steuer Wachs und Weihrauch entrichteten. Während der Statthalterschaft im Kaukasus wurde den Kutatser jüdischen Kaufleuten das Recht eingeräumt, sich ebenso, wie die übrigen örtlichen Kaufleute christlicher Konfession, „Mokalaki" (d. h. Städter) zu nennen. Nach der Aufhebung der Leibeigenschaft kauften diese Juden ihre Landantheile, Gehöfte rc. aus, erwarben in verschiedenen Ortschaften immobiles Vermögen und wurden in den Dörfern zum Bauernstände, in der Stadt Kutais zum Kleinbürgelstande eingeschrieben. Die zum Bestände von Landkommunen gehörigen Juden nahmen an allen Wahlen Antheil und wurden selbst zu Richtern und Gehilfen der Aeltesten gewählt, trotz der geringen Zahl jüdischer Wähler. In Kutais aber wurde, vor der Einführung der neuen Städteordnung, von der städtischen Bevölkerung zu der Zahl der Stadtverordneten stets auch ein Jude gewählt. — Im astatischen Rußland (außer Merw und der Bucharet, über welche sichere Zählungen nicht vorliegen) leben ca. 36000 Juden. Griechenland. J. Korfu, 30 Dezember. An Stelle des kürzlich verstorbenen judenfreundlichen Metropoliten von Zante, DioysiusBatta, dem ich bekanntlich in diesem Blatte einen ehrenvollen Nachricht gewidmet, wurde nun Monsignor Dionysius P l a i s e s, ein gleichfalls judenfreundlicher Prälat, zum geistlichen Oberhaupte der genannten Insel gewählt. Hier erfüllte sich gleichfalls der Spruch unserer Weisen -121 nypw *6# ny. Es ist von den Griechen bekannt, daß, wenn sie auch in den entlegensten Ländern wohnen, so erinnern sie sich doch meist ihrer Heimath und bedenken sie mit wohlthätigen Spenden. Ebenso machen es auch die griechischen Juden. So hat der von hier nach Manchester ausgewanderte jüd. Kaufmann Haijim Bes so der hiesigen Talmud - Thorafchule, die jetzt von 110 Zöglingen besucht wird, zum Beginne des Wintersemesters eine beträchtliche Summe Geldes überschickt, um dafür für die armen Schüler die nöthigen religiösen Lehrbücher anzuschaffen. Auf der Insel Zante ist der dort ansässige jüd. Kaufmann aus Metz in Lothringen, Herr Joachim Fould, im hohen Greisenalter gestorben. Derselbe kam noch als junger Mann nach dieser Insel, und als dann in den Dreißiger-Jahren der griechische Fceiheitskampf ausbrach, da unterstützte Herr Fould die griechischen Freiwilligen mit Geld und Waffen, und half ihnen so ihr Vaterland von der türkischen Herrschaft unabhängig zu machen, und wird dieser edlen That schon in dem 1827 in Paris gedruckten Werke: „Odampa^ne ä'an jeune Frangais en Gröce“ („Feldzug eines jungen Franzosen in Griechenland") rühmlichst und ehrenvoll gedacht. H « 1 e i ö e Für den folgenden Theil ist die Redaktion nicht verantwortlich. Co't'H'd S'HI'KWI'! »Awm Safefy&tätfi ck 9TL. vyi. 2(w(tu*-§eycn*tand6. M TM : 1$, am n n ntnh tKUmU* o3w