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Der Israelit · 1895-01-24 · Heft 7 (24.1.1895) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 7 (24.1.1895)
Date
1895-01-24
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXVI, Jahrgang. ümeitr Keilage ju M 7 des „Israelit". Zeitungsnachrichten nnd Correspondeuzen Deutschland. Berlin. „Rasch tritt der Tod den Menschen an," ist cin altes Dichterwort und gar oft schon ward in den Spalten dieses Blattes der Oeffentlichkett von dem Hinschetden edler, verdienter Personen Kunde gegeben, und einem solch' traurigen Zwecke diene auch dieser Bericht. Wird auch der Schmerz der Hinterbliebenen in keiner Weise dadurch gelindert, daß der Verblichene ein hohes Alter erreicht hat, finden sie auch keinen Trost darin, daß sie ihn hochbetagt in's kühle Grab betteten, da es ja doch immer das stumme, seine Beute nicht wiedergebende Grab ist, so wird der Schmerz aber um so mehr gesteigert, ja b s in's Unheilbare gesteigert, wenn ein blühendes Leben erlischt, und des Todes unerbittliche Hand ein jugendliches Opfer fordert, und ein solches ist es, das die Familie des Herrn Rabbiner Dr. Höxter zu beklagen hat. Am tpi 's pwff verschied dahier nach einem mehrmonatlichen Leiden eine Stieftochteer des letzteren, die Gattin des Herrn Dr. Olitzkt, Rabbiner in Allenstein, erst 23 Jahre alt. Hier hatte sie Heilung gesucht und leider so früh ihre ewige Ruhestätte gesunden. Sanft und milde entschlief sie, wie ihr Leben gewesen. Kurz nur war die Frist ihres Erdenwallens, aber musterhaft und segensreich ihr Wirken. Sie war eine Zierde der Frauen, die mit vollendeter Geistesbildung auch Bescheidenhett und Herzensgüte in höchstem Maße verband, und sie erfreute sich daher auch allseitiger Beliebtheit und Verehrung in Allenstein. Ihre hohe Stellung innerhalb der Gemeinde, ihre Bildung, sie vermochten nicht dieser Edlen Stolz beizubringen, — ein nachahmungswürdiges und dringend zu empfehlendes Beispiel für so manche unserer Rabbinerinnen. Am 14. l. M. ward sie unter zahlreicher Bethetligung zur ewigen Ruhe bestattet, und ihrem Stiefvater, Herrn Rabbiner Dr. Höxter war die schmerzliche Aufgabe geworden, seinen und seiner Familie tiefen Schmerz und Trauer zum Ausdrucke zu bringen. Das Schicksal selbst hatte hier in erschütternder Weise gesprochen, und der bekannte vortreffliche Redner brauchte nur deffen Sprache in ihrer ganzen Schwere wiederzugeben und ein Bild des unersetzlichen Verlustes zu entwerfen, den er und seine Familie erlitten. Der gewiegte Redner ging von dem Umstande aus, daß ihre reine Seele, wie, nach Ausspruch des Midrasch, die aller Frommen, am Sabbat von Gott abberufen worden sei, weil wie der Sabbat die Vollendung der Werkthätigkekt bedeute, so scheide auch die Seele der vollendeten Menschen, die ihre Aufgabe hienieden gelöst, am Sabbat aus ihrer sterblichen 'Hülle. Die hohe Tugenden, welche die Verblichene zierten, ihre auserlesene Frömmigkeit, ihre unbegrenzte Güte nnd Milde, ließen sie vor Gott früh vollendet erscheinen und Ihm hatte es gefallen, sie so frühe aus einem glücklichen Familienkreise von der Seite eines edlen Gatten zu reißen. Nur Gott allein kann hier Trost spenden und möge Er ihn der schwerbetroffenen Familie spenden. Homburg v. d. H. Der hiesige Club Freundschaft, dessen erste Aufgabe es ist — wie sein Name schon sagt — die Geselligkeit und Freundschaft unter seinen Mitgliedern zu hegen und pflegen, zeigt nebenbei das nicht minder eiftige Streben auch für wissenschaftliche, belehrende Unterhaltungen, meistens auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte, Sorge zu tragen. Auch in dtesem Jahre läßt der Verein eine Reihe populär wissenschaftlicher Vorträge halten und gewann als ersten Redner unseren allverehrten Herrn Rabb. Dr. Kottek, der am vergangenen Dienstag, den 8. Januar, uns durch seinen Vortrag über das Leben und Wirken Jehuda Halevl's einen genußreichen Abend geschaffen bat. Der gewandte Redner entwickelte ein Lebensbild des Dichterfürsten und führte nicht nur die Gattungen seiner Gedichte und Namen seiner Werke an, sondern suchte auch durch Cttate den Zuhörern einen thatsächltchen Be. griff von der Tiefe seiner Empfindungen und der Fülle der Schönheit seiner poetischen Werke beizudringen. Namentlich verstand er es zu betonen, was der begeisterte Säuger für seinen Glauben auf dem Gebiete der Dichtkunst nnd Philosophie geleistet und schloß seinen meisterhaften Vortrag mit den Worten Heine's: „Ja er ward ein großer Dichter, „Stern und Fackel seiner Zeit, „Seines Volkes Licht und Leuchte „Eine wunderbare, große „Feuersäule des Gesanges,? „Die der SchmerzenSkarawane „Israels vorangezogen „In die Wüste desrExilS. Für den so herrlichen Vortrag erntete der geschätzte Redner von dem zahlreichen Auditorium lebhaften Beifall, dem der Vorsitzende des Vereins Herr Jules Braunschwetg noch besonderen Ausdruck verlieh. Für die folgenden Vortragsabende hat der Verein die Herren DDr. Lew in und Heinemann, Frankfurt a. M. gewonnen. (Wir bitten den verehrten Herrn Cornspondenten auch über diese Vorträge uns freuudlichst zu berichten. Red.)

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