Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 7 (24.1.1895)
- Date
- 1895-01-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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xxxvi z-hrg-n». m 7. Der Israelit Ein Aenlrat-Grgan für das orlhodoiee Zudenlhum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, de« 24. Januar 5655 (1895). Leitender Artikel. Der zwanzigste Brief Von «and. phil. et. theol. A. Tänzer. Mein lieber Benjamin! Die Hand, die Ihnen in 19 vortrefflichen Briefen ein so herrliches, vollendetes Lebensbild des „Mensch - Jlsroel" entwarf, die Ihnen das Judenthum in feiner wahren, lebensvollen Gestalt alS Inbegriff aller Tugenden und ethischer Vollkommenheiten zeigte — die teure Hand, sie ist erstarrt, fie kündet nicht mehr die Wahrheit, Ihr edler Freund Naphthali Ben Ustel weilt längst in den geweihten Gefilden des ewigen Lebens- --und wenn nun ein zweiter Naphthali es wagt, an Stelldes ersten, unersetzbaren Ihre Fragen zu beantworten, so weiß er wohl, daß Sie da erst recht den Verlust des Edlen fühlen, und tiefbekümmert, wie einst Mose (Deut. 4,12) rufen werden: „Eine Stimme von Worten höret ihr, aber eine Gestalt schauet ihr nicht, die begeisternde Gestalt des unvergeßlichen Samson Raphael Hirsch fehlet Ihnen — — nun, ste fehlet dem ganzen Ueberreste Jakobs, fehlet allen rechtgestnnten Juden und das um so mehr, als fie zu uns nur durch ihre kostbaren Werke spricht, im Leben selbst aber unersetzbar ist-doch eines hat Ihr jetzt schreibender Naphtali mit jenem ersten und einzigen dennoch gemein, auch dieser will Ihnen, wenn auch ohne im Besitze jener gewaltigen Gristesmittel zu sein, Klarheit verschaffen, Klarheit da, wo moderne Zettgebilde, Gestalten der jüngsten Gegenwart Ihren Blick trübm und die mitunter grundverschiedene Auffassung derselben Ihnen das freie Urtheil rauben, auch die Feder des zweiten Naphtali ward, wenn auch nicht zu so großartigen Schöpfungen, wie die des ersten, aber dennoch ebenfalls durch Ihre Zweifel und Unsicherheit in Bewegung gesetzt und auch ste soll Licht zu verbreiten und Jrrthümern vorzubeugen suchen, sofern tiefiunere Ueberzeugung und unumschränkte Wahrheitsliebe ihr die Worte diktieren. Darin mögen Sie eine Entschuldigung für meine Kühnheit finden, denn der Wahrheit darf jeder dienen. Ste, mein l. Benjamin, haben bisher zufriedene Tage verlebt, zufrieden als deutscher Unterthan und Bürger mosaischer Confessio«, den Kampf um die Existenz im Leben draußen, hat Ihnen der Staat erleichtert, der Sie als gleichberechtigt mit allen andern Landesktndern in seinen Schooß ausgenommen und mit dem schirmenden Fittiche seiner Gesetze geschützt hat. Den Kampf in und mit Ihrem Innern hat die Religion zur Ruhe gebracht, deren Führung Sie sich anvertraut — und nun finden Sie sich aus Ihrer harmonischen Ruhe aufgestört, dahin ist die schöne Zeit des seelischen Einklanges, wieder sind Sie unsicher an Ihren Aufgaben und Zielen geworden, der alte Kampf zwischen Mensch und Jude — Jude und Deutscher, er macht sich auch in Ihrem Innern wieder geltend, und das alles, das alles, durch ein freilich zahlloses Heer von Flugschriften, die in letzter Zeit auf Ihren ahnungslosen Schreibtisch herniedergeströmt sind — nun, trösten Ste sich, mein l. Benjamin, so plötzlich wie diese Kinder der Nacht hereingeflogen sind, so rasch und ohne Hinterlassung eines anderen als mitleidigen Eindruckes werden sie wieder verfliegen, keines rechtgesinnten Juden Herz wird sich ihnen öffnen, wenn ste auch den uns allen theuren Namen „Zion" an ihrer Spitze tragen und wenn auch „Zionisten" ihre Erzeuger und Verbreiter sind. Freilich auch Sie, mein Theurer, hat dieser vielverhetßende Name angelockt und Sie möchten nun gerne wissen, mit welchem Rechte und zu welchem Zwecke sich Juden urplötzlich „Z ontsten" nennen, möchten wissen, was Zionisten sind? Ich habe Ihnen Klarheit zugesagt und fie soll Ihnen werden. Zionisten nennen stch die Mitglieder eines Vereines,