Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 6 (21.1.1895)
- Date
- 1895-01-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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sondern Vorliebe, welche Freude und Aufregung im Elternhause herrschte, als eS hieß, daß der Vater den „Bruder Ahron" milbringen würde. Er dachte fich darunter ein Sptelzeuq und war ganz enttäuscht als die Koffer geöffnet wurden und „Bruder Ahron" nicht zum Vorschein kam. Die beiden Brüder pflegten während ihres ganzen Lebens die innigsten Beziehungen und besuchten sich gegenseitig deS öfteren. Ahron Lehmann, obwohl ebenso begeistert für die hehren Aufgaben des echten JudenthumS, war nicht wie fein Bruder eine Kampfesnatur. An der Ausbildung zu einer solchen hinderte ihn auch ein schon frühzeitig eingetretenes Gehörletden. Dagegen war sein Sinn für Gemeinde, Schule und Haus in hohem Grade entwickelt. Mitbegründer der Verdener Israelitischen Gemeinde und langjähriger Vorstand derselben, sorgte er stets für die Erhaltung der Einrichtungen nach überkommener Weise. Auch die Stadt Verden bedachte ihn zu verschiedenen Zeiten mit allerlei Ehrenämtern. Sein von ihm vor 45 Jahren begründetes und nunmehr von feinem ältesten Sohne >** fortgeführtes Bankgeschäft brachte er zur hohen Blüthe. Seine Liebenswürdigkeit im Verkehr und seine Gutmüthigkeit waren in Verden sprichwörtlich. An der Entwickelung und dem Gedeihen des „Israelit" hat er stets den regsten Anthetl genommen. Nun ist auch er dahiagegangen zum unendlichen Schmerze seiner Gattin und Söhne und des einzigen noch Lebenden von den zehn Geschwtstern, deS Herrn GeorgeLehmann v"vx. Möge der Allvater ihnen seinen Trost spenden. tn» ■pna pm »Van. Bnk, 14. Januar. Montag den 14. d. M., am nior 'a beging die hiesige onori nboa man die seltene Feier ihres 75jährigen Bestehens. — Nachdem am Tage, wie üblich ein Fasttag abgehalten wurde, fanden sich Abends die Mitglieder der man im Grätz'schen Saale ein, um in würdiger Weise das Fest zu begehen. — Der erste Vorsitzende, Lehrer Spieldoch beleuchtete in längerer Rede die Geschichte des Vereins seit dessen Begründung durch den damaligen Rabbiner Horwitz W', bezeichnete unter Anderm die schönen Tendenzen des Vereins, die Kranken zn besuchen, die Trauernden zu trösten, den Armen beizustehen; außerdem wird bei einem Todesfälle G. b. im Trauerhause sieben Tage po gemacht, ferner am Jahrestage eines verstorbenen Mitgliedes vom Rabbiner ein Abschnitt m'zov gelernt und pan tnp gesagt. — Nach dieser Rede war Rabbiner Gutw ir th Tara für sämmtltche im verflossenen Jahre verstorbenen Mitglieder, sowie für den Begründer des Vereins. — An diese gottesdienstliche Feier reihte sich ein Festessen an, wobei der Vorsitzende als ersten Toast ein Hoch auf Sr. Majestät den Kaiser brachte, worauf die Versammlung die Nationalhymne anstimmte. — Im wetteren Verlauf der Ater nahm Rabbiner Gutwirth das Wort, um in einem schönen philosophischen Vortrage die Bedeutung dieses Vereins darzuthun; unter Anführung der betreffenden Thorastellen und Q'Hin legte der Redner den Unterschied dar zwischen Q"n und roo und verstand es, die tiefen Gedanken seines Themas so klar zu legen, daß selbst die anwesenden Laien seinem Vorträge mit voller Aufmerksamkeit folgen konnten. — Am Schluffe der Rede wurde eine Sammlung pH veranstaltet. — Alsdann ließ jedes anwesende Mitglied für seine verstorbenen Angehörigen xta ^h o'om vortragen und für die nächsten lebenden Verwandten 'v. — Die htefür bestimmten v'nr wurden der nan-Caffe zugewiesen. — Bor Beginn des Tischgebetes wurde das Benschen versteigert und brachte eine schöne Summe ein, die ebenfalls in die nan-Kasse floß. Nach Aufhebung der Tafel blieben die Festthellnehmer noch bis Mitternacht in gehobener Stimmung beisammen, und alles trennte sich, in dem schönen Bewußtsein, eine echt jüdische Feier würdig begangen zu haben. Schwerin i. M., 14. Januar. Sie thun dem Hofpredtger a. D. Stöcker zu viel Ehre an, wenn Sie in Nr. 2 Ihres Blattes, Pag. 32 ihn mit dem Düffeldorfer Cttat geistig schmücken wollen l — Auch dieses Lorbeerblatt ist ein Raub geistigen Eigenthums und zwar des sel. Fritz Reuters, der von einem Getauften spricht: Dat so'n Kirl ein ümmer vörkömmt, a8 dat Witte Blatt twischeu oll u nin Testament." Ein hehreS Dichterwort unseres großen Landsmannes möchte man nicht durch den Mund des Obgenanten profanirt wissen! vermischtes. Benthe« i. O. S. Am 14. Januar fand Hierselbst eine BerbandSversammlnng der Rabbiner OberfchlefienS statt, in welcher über mehrere wichtige Angelegenheiten berathen und Beschluß gefaßt wurde. Briefkasten der Expedition. Lehrer M. (3169) in W. Betrag erhalten. Die Einsendung der Räthsel ist unS willkommen. Wenn sie brauchbar sind, wollen wir sie gern zum Abdruck bringen. N. in Mannheim. Betrag erhalten (Cso. 362). R. E. in Wehrda. Betrag erhalten. Drnckfehler-Berichtignng. In dem Artikel „Mischnah-Unterricht" in'der Pädagog. Beilage zu Nr. 3 muß eS heißen: Seite 57, Spalte 2 krassen statt grasten; Seite 59, Spalte 2 Heroen statt Herren.