Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 5 (17.1.1895)
- Date
- 1895-01-17
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXVI. Jahrgang. Zweite Beilage j« J 5 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correfporrderrzerr Deutschland. A«S dem Grotzherzogthum Hessen. Zu Handelsrichtern wurden auch in diesem Jahre wieder folgende Glaubensgenossen ernannt: Hofbankier Ferdinand Sander in Darmstadl bet dem Landgericht der Provinz Starkenburg; Commercienrath Stegmund Heichelheim in Gießen bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen; George Hirsch in Mainz bei dem Landgericht der Provinz Rhein« Hessen. Keine Glaubensgenossen befinden sich in den Handelskammern zu Offenbach und Worms. Es ist dies besonders in WormS auffallend, da seit einer Reihe von Jahren Herr M. Baruch Vice- Präsident der Handelskammer ist. R Worms Wir möchten auf einen Umstand aufmerksam machen, der sicher sehr der Beachtung verdient. Von Zeit zu Zeit werden in den jüdischen Zeitungen die neuesten Erzeugnisse auf dem Gebiete der jüdischen Litteratur besprochen. An der Spitze der Recenston erscheint immer der Titel; Verfasser und Seitenzahl werden genannt, nicht aber der Preis des Werkes,und das scheint mir sehr wichtig zu sein. Dashalb möchten wir hier an die Herren Rccensenten die Bitte richten, für die Folge den Preis des recenfirten Buches nicht zu vergessen. (Die Preise sind meistens von den Verlegern nicht angegeben. Red.) Aus Starkeuburg. So muß es kommen! Wie in weiteren Kreisen bekannt sein dürfte, hatte sich der Bauernverein zu Groß-Rohrheim, als dort die Wogen des Antisemitismus üochgingen, dem mitteldeutschen Bauernverein des Dr. Böckel angeschloffen. Dadurch stoffen, da jedes Mitglied an den Verband M. l zahlen mußte, ca. M. 140 jährlich nach Marburg. Diese Einnahmequelle ist jedoch fernerhin für den mitteldeutschen Bauernverein versiegt. Die dieser Tage stattgehabte Generalversammlung der Mitglieder des hiesigen Bauernvereins hat beschlossen, aus dem Verbände auszutreten und die M. 140 statt nach Marburg in die eigene Kasse fließen zu lassen. Berlin. Der Erlaß des Ministers des Innern Herrn v. Köller in Sachen des staatsgefährlichen Turnens entlockt dem Stöcker'schrn „Volk" folgenden Stoßseufzer: „Alle nicht zur „deutschen Turnerschaft" gehörigen Vereine, also auch die dem Deutschen Turnerbund angehörigen werden somit von staatswegen boykottirt! Diese Maßregel wird unter den Maßregeln gegen die „staatsgefährlichen" Turnvereine aufgeführt. Hält Herr v. Köller den Deutschen Turnerbund etwa wegen seiner „ausgesprochen antisemitischen Tendenz" für staatsgefährlich2 Aufklärung dringend erwünscht!" Aufklärung hierüber zu erhalten, wäre auch für andere Leute, als Herrn Stöcker nicht uninteressant. Dresden, 6. Januar. Ein hiesiger Einwohner gebrauchte in einer Wtrthschaft gegen die Juden im Allgemeinen beschimpfende Ausdrücke. Ein anwesender Jude fühlte sich hierdurch beleidigt und stellte Strafantrag. Das Schöffengericht gelangte jedoch zu einem freisprechenden Urtheil, ebenso erkannte das Landgericht als Berufungsinstanz, eS fei nicht erwiesen, daß durch die allgemeinen Schimpfreden auf die Juden der Kläger persönlich getroffen werden sollte und mitbeletdtgt sei, wie er im Strafantrage betont hatte. Vermischtes. Der neu ernannte Oberst und Eommandeur des I. b. 11. Infanterieregiments von der Tann, Herr Ferdinand Freiherr von Feilitzsch in RegenSburg machte jüngst seine Antrittsbesuchs und fuhr am Sonntag auch bei Herrn Distrikts-Rabbiner Dr. Meyer vvch. — Der im Oktober gegründete Verein „Reunion" in Zürich, eine Vereinigung, in welcher die Juden dieser Gemeinde eine Stätte finden sollen, einerseits für näheren freundschaftlichen Zusammenschluß durch Veranstaltung von geselligen Zusammenkünften, Anlässen (Abendunterhaltungen rc.), andererseits für die nothwendige Förderung der geistigen Bildung durch Abhaltung von DiSkussionS- und Vortragsabenden, Errichtung eines Lesezimmers und einer Bibliothek, zählt bereits 70 Mitglieder, darunter 20 verheirathete. ES ist die Aussicht vorhanden, daß in Folge der bereits unter großer Betheitigung stattgehabten DiSkusstonSabenden die Zahl derselben demnächst sich bedeutend steigern wird. Der wegen Mißhandlung des antisemitischen Abgeordneten Kaiser zu vier Monaten Arrests verurtheitte Assekuranzbeamte Pollitzer in Wien wurde vom Kaiser von Oesterreich begnadigt und ist bereits aus der Haft entlassen. — Der Gemeinderath in Wie« hat für die Ertheilung des israelitischen ReligionS-UnterrichteS an den Wiener BolkS- und Bürgerschulen im Schuljahre 1893/94 einen Kredit von 13,778 st. und für die Instandhaltung der Schullokalitäten einen Zufchußkredit von 35,000 st. bewilligt. Budapest, 29. Dezember. Heute beging das^ hiesige israelitische Knaben-Waisenhaus das Fest seines fünfundzwanzigjährigen Bestehens. Die überaus segensreich wirkende Anstalt dankt ihr Entstehen der Hocherzigkeit des Herrn Anton Fochs, ihr Wachsthum der hingebungsvollen, opferfreudigen Thätigkeit des Herrn Jakob Deutsch, welcher seit dem 31. Mai 1874 den Borsitz im Borstande inne^hat. Zur dauernden Fundirung des Instituts hat Herr Deutsch beschlossen, die fünfundzwanzigjährige Jubelfeier dadurch','zu verewigen, daß er aus diesem Anlässe einen Fonds von 100 000 Gulden aufzubringen sich bemüht. Die bisherigen Erfolge sichern dieser hochherzigen Initiative glänzendes Gelingen. Bravo!