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Der Israelit · 1895-01-17 · Heft 5 (17.1.1895) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 5 (17.1.1895)
Date
1895-01-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXVI, Jahrgans, M 5. Dcr Israelit. Ein Genlrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenlhum. Begn'indet von Vr Lehmann in Mainz. Donnerstag, de« 17. Januar 5655 (1895). Leitender Artikel. Pie Itadifche Synode. Karlsruhe i. B., tm Januar. E. B. Die Wahlen zur Synode sollen nach nunmehriger Feststellung im Februar d. Js. stattfinden. Demgemäß veröffentlicht das „Verordnungsblatt des Oberraths der Israeliten" in seiner neusten (4.) Nummer bereits Bekanntmachungen dieser Behörde über „die Wahl der geistlichen Abgeordneten zur Synode" und über „die Aufstellung und Auslegung der Wählerliste« für die Wichl^d« weltliche» Abgeordneten zur Synode", an der uns vorwiegend die eine, kurze Schlußbemerkung tnteresstrt, daß „Vorlagen religiöser Natur nicht in Aussicht genommen sind." Die Zusammenberufung der Generalsynode, die damit in greifbare Nähe gerückt ist, bedeutet einen wetteren Schritt auf der schiefen Ebene jener Nachahmung außerjüdischer und nichtjüdischer Institutionen und ihrer kritiklosen Ukbertragung in die Verfaffung der jüdischen Reltgionsgenoffenschaft, deren Ausgangspunkt das an offenkundigem marasmus senilis leidende Oberrathsthum von jeher und btS in unsere Tage hinein zum Schaden der ganzen badischen Judenheit abgegeben hat. Was in der Verfaffung der christlichen Bekenntniffe in der Ordnung, braucht darum in dem Rahmen der israelitischen Landesgemeinschaft noch lange nicht am Platze zu sein, und nür jener Geist der Uniformität und des starren Schematismus, der mit dem Aufhören des frischspradelnden LebenSguelles echt jüdischer Sinnesart von den maßgebendsten Stellen im Judenthum Besitz ergriffen hat, kann über diese Erkenntntß zeitweilig hinwegtäuschen. Das Judenthum hat sich — ein „Räthsel in der Geschichte" nur für den Unkundigen — unter dem Drucke aller der Gewalten, die über eS htnwegbrauste», lediglich und allein durch jene Eigenschaft erhalten, die, für den ersten Blick, gerade seine Zersetzung zu begünstigen scheint: durch jenen Geist unbändigen und ungezwungenen ceutrifugalen Strebens, der, indem er jede andere als die freigewählte Autorität der Vertreter der göttlichen Lehre perhorresctrt, das Gefühl der eigenen Verantwortlichkeit, der Verbindlichkeit des Einzelnen für die Erhaltung der Gesammtheit und die Erkenntniß, daß nur das eigene Können und Wollen dem religiösen Trieb Genüge verschaffen könne, erstehen ließ und förderte. Dieses Gefühl mehr und mehr erstickt, ertödtet zu haben, das ist das unzweifelhafte Verdienst aller jener durch und durch «»jüdischen centralen Institutionen, die staatlicher Zwang dem Judenthum als wildes ReiS aufgepfropft bat. Mag man Ausschau auf den Grabesgefilden Württembergs halten oder auf daS täglich mehr und mehr ersterbende Jntereffe für das Judenthum in unserem Lande sein Augenmerk richten, oder schließlich über die Grenzen des Reiches hinaus einen Ausflug in die von einem Conststorium tu süßen Schlaf gelullten Judengemeinden Frankreichs unternehmen: überall dasselbe Bild steinerner Todesstarre, die um so unangenehmer mit dem mehr oder weniger regen jüdischen Leben in den mit solcherart Institutionen nicht gesegneten Religionsgemeinschaften kontrafiirt. Diese Erkenntniß bricht sich, langsam zwar, doch stetig, auch in unserem Lande Bahn, und nichts konnte ihrem Durchdringen förderlicher sein, als die Geschäftsführung des OberrathS, wie sie feit langen Jahren Platz gegriffen hat. Nie zur Stelle, wo sein Eingreifen erwünscht war, entwickelt er eine krampfhafte, beängstigende Thätigkeit, wo man dieselbe gern vermißt hätte; deß Zeuge find die ruhmvolle Kizzur-Schulchan-Aruch-Campagne auf der einen, die leidige Lehreruichtausbtldungsfrage auf der andern Seite, Über die das Urtheil in allen einsichtsvollen Kreisen des Landes unerschütterlich feststeht. Rechnet man noch andere Unerqutcklichkeiten, die zunächst praeter senteutiam bleiben

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