Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1895)
- Date
- 1895-01-10
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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seinen Lehrern warm empfohlen, als Professor der Anatomie nach Constantinopel berufen, wo er unter den größten Schwierigkeiten die Elemen'e des modernen medicinischen Unterrichtes einzuführen bemüht war. 1845 verfiel Sultan Abdul Medschid in eine schwere Krankheit. Dem österreichischen Arzte gelang es, ihn von derselben zu befreien und zugleich sein persönliches Vertrauen zu gewinnen. Er wurde zum ersten Leibarzt des Sultans und 1847 auch zum Direktor der medicinischen Schule ernannt. Aber nicht ungestraft bekleidet man im Lande der persönlichen Regierung wichtige Vertrauensstellungen. Als einige hohe Würdenträger des Reiches dessen inne wurden, daß der neue Leibarzt sich nicht als Werkzeug von Partei-Jntriguen gebrauchen ließ, suchten sie ihn, besten unbeugsame Redlichkeit allen dahin zielenden Bemühungen einunüdersteiglichesHindcrniß entgegenstellte, bei seinem kaiserlichen Herrn anzuschwärzen. Da erbat Dr. Spitzer seinen Abschied, und der Sultan mußte, wenn auch widerstrebenden Sinnes, diesem Verlangen willfahren. Der Leibarzt wurde 1850 zum Botschaftsrath in Wien und 1857 zum ottomanischen Geschäftsträger am Hofe von Neapel ernannt. Diesen Posten bekleidete er bis zur Eroberung Neapels durch Garibaldi. In demselben Jahre (1860) starb Spitzer's Gönner, Abdul Medschid. Noch in seiner letzten Krankheit hatte er die Berufung des befreundeten veibarztes gewünscht, und als diese, wie er scheint, durch Jntriguen vereitelt wurde, soll er noch auf dem Todtenbette geklagt haben, man trenne ihn gewaltsam von seinem treuesten Freunde. Fortan lebte Dr. Spitzer als Privatmann, die wissenschaftlichen, politischen literarischen Strömungen der Zeit mit regem Interesse und Verständnis; verfolgend, erst in Paris und dann in Wien. Unter seinen nahen Freunden befanden sich noch von Constantinopel der Achmed Visik Pascha, L. A. Frankl und der füngst verstorbene fe'nsinnige Uebersetzer persischer Gedichte, Baron Schlechter. Unter den beim Begräbnisse Erschienenen befanden sich der Präsident des Reichsgerichtes Dr. Unger, FZM. Freiherr von Tiller, Herrenhausmitglied Nikolaus Dumba, Hofrath Professor Gomperz, belgischer Genral-Consul Doret und Andere. S.-A-Njely, im Dezember: Der Typus des für die Ereignisse des Freiheitskampfes auch heute noch schwärmenden alten Honveds, der 1848/49« pensionirte Honvedlieutenant Samuel Jung ist hier heute unter überaus großer Theilnahme zu Grabe getragen worden. Bei Ausbruch des Freiheitskrieges trat er als österreichischer Soldat mit dem ganzen Regimente, das aus Galizien nach Hause flüchtete, in die Hovedarmee, wo er unter Klapka zum Lieutenant avancirte. Nach der Capitualion von Komorn kehrte er hieher in seine Heimat zurück. Seitdem blieb Koffuth sein Abgott und wo eS nur eine Kostuth-Feier gab, mußte „Jung bacst" dabei sein, und so oft ein Kamerad, ein alter Honved das Zeitliche, segnete, setzte er seine alte Honvekappe auf, um an der Spitze der noch lebenden 1848/49« Veteranen mit der alten Honvedsahne in der Hand als Funerator zu fungiren. Zum Leichenbegängniß des Grafen Julius Andraffy, das an einem Samstag stattsand, fuhr er als Honved-Funeraior schon am vorhergehenden Freitag nach Töke-Terebes, um als frommer Jude den Sabbat nicht zu entweihen. Nach dem Tode Kossuth's ließ „Jung bacsi" den Kopf hängen und betheuerte, daß nun auch an ihn die Reihe kommen werde. Bei seinem statlgehabten Leichenbegängnis widmete Vicegespan Attila Matolai „seinem ehemaligen braven Honved Officierscollegen" einen kurzen, aber wirkungsvollen Nachruf. Jung hinterläßt eine Witwe in großer Armuth. MiSkolcz, 12. Dez. In der benachbarten Ortsschaft Porjarf hat diese Woche ein rrauriges Familienfest stattgefunden Der dortige geachtete jüdische Geschäftsmann Rosenberg verheirathete nämlich zwei Töchter, und fand die Hochzeit Beider an ein und demselben Tage statt.*) Im Hause des doppelten Brautvaters herrschte, ob dieses zweifachen Familienfestes unbeschreibliche Freude, die sich natürlich auch auf die zahlreich geladenen Gaste übertrug. Diese wurden gar nicht müde, das Glück des Hausherrn und seiner beiden Töchter zu preisen. Plötzlich änderte sich jedoch dieses glückliche Familienbild. Wenige Minuten nach Beendigung des Hochzeitsmahles ergriff nämlich der junge Gatte der ältesten Tochter, Jacob Guttmann, ein Messer und stürzte damit ans seine junge Gattin mit den Worten: „Du mußt sterben!" Der Arme hatte vor Freude über seinen schönen Ehrentag den Verstand verloren. Es kostete nun große Mühe dem Unglücklichen, der mit dem Messer wüthend um sich hieb, wobei er zumeist nur sich verwundete, sestzunehmen und ihn dann zu s<strln. Briefkasten der Redaetion Lehrer B. in B. Die Höhe der Provision, die eine Lebensversicherungs-Gesellschaft für Gewinnung neuer Versicherungen ihrer Agenten und sonstigen Geschäftsvermittlern zahlt, ebenso die Höhe der Vergütung an die versicherten Lehrer steht natürlich in umgekehrtem Verhaltniß zu ihrer Güte. Je weniger gut die finanzielle Lage einer Gesellschaft ist, desto höhere Abschlußprovision muß sie bieten, wenn sie sich brauchbare Agenten verschaffen will. Für Anstalten von anerkanntem Rufe arbeitet es sich verhältnißmäßig leicht; aus diesem Grunde findet der Agent hier auch bei niedrigen Provisionssätzen seine Rechnung. So kommt es, daß die Provisionssätze bei den verschiedenen Gesellschaften außerordentlich verschieden sind. Es giebt Gesellschaften, die ihren Agenten Abschlutzprovisionssätze zubilligen, die die bei guten Gesellschaften üblichen um das Doppelte, ja noch mehr übersteigen. Die Agenten solcher minder guten Gesellschaften sehen nun in ihren hohen Provisionssätzen ein Mittel, sich in einzelnen Fällen das Acquisiiionsgeschäft erheblich zu erleichtern. Sie theilen einfach ihre Provision mit dem Versicherungscandidaten, und bei der Unkenntniß, die im Publikum immer noch über die Einrichtung der Lebensversicherungs-Gesellschaften herrscht, beseitigen sie damit in der That zuweilen die Concurrenz gerade der besten Anstalten. *) ES geschieht gewöhnlich nicht in jüdischen Kreisen, daß man zwei Kinder an einem Tage verheirathet. Red. Anzeigen. 'ü Für den folgenden Thcil ist die Redaetion nicht verantwortlich. £ouid Siwow Sft&n&futA ct. 9TL Tm, i. fi^uynh. i*. .. scfvivex, in. $CiUtu4-§eci4n&t<pnde. 9K««Uc o9*c