Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1895)
- Date
- 1895-01-10
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXVI. Jahrgang. Meile Beilage;u J 3 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Dresden, 1. Jan. Herr Theodor Adler, Mitinhaber des hiesigen Bankhauses Quellmalz u. Adler (Sächsische Bankgesellschaft) seit dessen zwanzigjährigem Bestehen, siedelt Milte dieses Monats nach Paris über, um bet dem bekannten Philantropen Baron v. Hirsch die Stellung eines Direktors der finanziellen Angelegenheiten der jüdischen Kolonisations-Gesellschaft für Argentinien (Jewish Colonisatton Affoeiation) einzunehmen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Halas, 23. Dezember. Unsere Gemeinde hat verflossene Woche einen großen Verlust erlitten. Eines unserer vornehmsten und achtbarsten Mitglieder pj/o# rvaiEj Yin ist plötzlich im schönsten Mannesalter Dienstag Hvd '2 zum großen Schmerze seiner Gattin und seiner Familie, zur tiefen Vetrübniß seiner um ihn trauernden Gemeinde, durch Gottes Rathschluß, nach kaum achttägigem Krankenlager vom unerbittlichen Tode dahingerafft und in ein besseres Jenseits abberufen worden. Der Dahingeschiedene war durch seinen integren Character, durch sein offenes, biederes Wesen, durch seine wahre Frömmigkeit und tiefe Religiösität im ganzen Orte, eine sowohl bei Juden und Christen beliebte Persönlichkeit. Er war ein rinn und Ypw pzn. Seine Gemeinde überhäufte ihn mit Ehrenämtern, deren Ar. ^hme er in seiner Schlichtheit und Einfachheit lange Jahre verweigerte, bis er vor einigen Jahren auf das viele Zureden der vornehmsten Mitglieder zur Annahme derselben sich entschloß. So war er Vorstandsmitglied und Caffaverwalter des min nr^n-Vereins, des Vereines pix tyis, welcher sich mit der Unterstützung von armen zugereisten jüdischen Orchim befaßt, und Repräsentant des jüdischen Gemeindevorstandes. Alle diese Ehrenämter verwaltete er mit einer peinlichen Gewissenhaftigkeit und einer Aufopferung, wie sie selten zu finden ist. Die Trauer über das Hinscheiden dieses Frommen kam am prägnantesten, in der großen Theilnahme der Gemetndemitglteder und auch vieler christlichen Mitbürger an der m?n und in dem ergreifenden Tso.n, den der Rabbinatsverweser Herr Herschkowitzim Trauerhause hielt, bei welchem kein Auge trocken blieb, zum Ausdruck. Wenn es einen Trost für seine trauernde Gattin und sein Kind gibt, so ist es der, daß das Andenken des Dahingeschiedenen, bei Jedem, der ihn gekannt, stets ein gesegnetes sein und sich bei ihm der Spruch rmafr pns -dt bewahrheiten wird. n*3S»n. HDD ff’N. Rußland. (Juden von Bessarabien.) Bekanntlich entriß Rußland nach dem russisch-türkischen Kriege von 1877—78 dem türkischen Reiche die ehemalige rumänische Provinz Bessarabien. Seit undenkliche« Zeiten waren die Juden in zahlreichen Städten der Provinz wohnhaft. Als sie infolge der Abtretung Beffarabiens an Rußland ihre Rechte als rumänische Unterthanen verloren hatten, konnten sie den Schutz Rumäniens nicht mehr anrufen; andererseits weigerte sich Rußland, sie als russische Unterthanen anzuerkennen. Zu verschiedenen Malen wandten sich die Juden Beffarabiens an den Senat und baten ihn, ihre Lage zu regeln. Der Senat hat soeben über ihr Schicksal durch Veröffentlichung eines Ukases, der vom Woskhod vom 23. Oktober/4. November abgcdruckt wird, entschieden. Durch kaiserlichen Ukas. der am 9. Oktober 1878 nach der Besitzergreifung des südlichen Theiles der Provinz Bessarabien veröffentlicht wurde, ist verordnet worden, daß von allen Bewohnern der Eid der Treue für Rußland geleistet werden sollte und daß jedem Einwohner, der seine Rechte als rumänischer Unterthan bewahren wollte, ein Aufschub von drei Jahren bewilligt würde. Die Leistung des Treueides ist ein Akt, durch welchen jeder fremde Unterthan zum russischen Unterthan wird. Infolge dessen sind alle Juden des annektierten Gebietes (außer denjenigen, welche mit Auslands-Pässen versehen sind,) sofern sie vor der Besitzergreifung in die Bevölkerungslisten eingetragen sind, ferner ihre in dicseListen eingetragenen oder nicht eingetragenen Familienmitglieder, die Juden, welche vor der Annektierung Immobilien-Eigenthum erworben haben, sowie endlich diejenigen, die zwar diese beiden letzteren Bedingungen nicht erfüllen, beweisen können, daß sie den annektierten Bezirk immer bewohnt haben, als russische Inden anerkannt worden und müffen dieselben auf ihrer Stelle belassen werden. Die Provinzial - Behörden Beffarabiens sind daher beauftragt worden. Listen der in der annektierten Gegend heimischen Juden einzurichten und ihnen alle Rechte russischer Bürger, die mit den die russischen Juden betreffenden Gesetzen und Verordnungen vereinbar sind, cinzuräumen. Vermischtes. Wie«, 26. December. (Legationsrath Dr. S. Spitzer.) In tiefster Zurückgezogenheit hat der müde Greis, der heute hier unter reger Theilnahme seiner Freunde zu Grabe getragen wurde, seine letzten Jahre verlebt. Allein wenn er seinen Blick rückwärts wendete, konnte er auf ein an Ereigniffen und Erfolgen reiches Leben zurückschauen. Wer den gebrechlichen alten Herrn, auf einen Stock gestützt und von feiner fürsorglichen Gattin geleitet, sich im Stadtpark ergehen sah, konnte nicht ahnen, daß einst mächtige orientalische Würdenträger sich um seine Gunst beworben halten. Sigmund Spitzer war 1813 in dem mährischen Landstädtchen RikolSburg geboren worden. Alsbald wurde er, von