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Der Israelit · 1895-01-03 · Heft 1 (3.1.1895) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 1 (3.1.1895)
Date
1895-01-03
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXVI, Jahrgang. Zweite Beilage;u M 1 ües „Israelit“. ZeituugSuachrichte» nnb Eorrefpondeuzeu. Deutschland. Frankfurt a. M. Der Petersburger Berichterstatter des „Jewish Chronicle" behauptet, einflußreiche und hochstehende Persönlichkeiten in Petersburg hätten ihm versichert, daß eine „starke Agitation" in einflußreichen Kreisen besteht, um die den Juden auferleaten drückenden Beschränkungen aufzuheben. Die Juden im westlichen Europa sollten aber etwas mehr Vertrauen zu den guten Absichten der russischen Regierung zeigen. Die Frage sei eine „riesige" und ein bloßer Ukas über Gleichberechtigung würde nichts nützen, doch wünsche gegenwärtig Jeder, daß ein Anfang gemacht werde. Berlin. Der „Staatsbürger Zig." zufolge, werden die Antisemiten in Eschwege-Schmalkalden einen eigenen Kandidaten aufstellen, da es in ihren Augen eine Ehrenpflicht sei, den Kreis zu halten. Als Erhalter soll der unlängst in Pinneberg durchgefallene Hamburger Bruder Raab ausersehen sein. — Nicht weniger als 13 Prozent Juden befinden sich der „Staatsb. Ztg." zufolge unter den sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten. Dos stimmt etwa, wie der Leußeid; unter den 46 Abgeordneten sind nur drei Juden, Singer, Stadthagen und Wurm, also nicht ganz 7 pCt. Eisenach. Herr Lehrer Heidungsfeld hielt vorige Woche mit seinen sämmtlichen Schülern eine erhebende Chanukafeter ab. Vorträge, lebende Bilder und sonstige entsprechende Aufführungen würzten dieselbe. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Neuhäusel, 26. Dez. Im Namen der hiesigen orth. Gemeinde theile Ihnen gramersüllt die Trauernachricht von dem Ableben eines großen Mannes, des Herrn Bezirks-Rabbiners Chesktjoh Plaut in Surany mit. Der Verstorbene, der ein Alter von 76 Jahren erreichte, wird von Groß und Klein allgemein betrauert. Er war ein wackerer Religionskämpfer, dessen Thun und Lassen nur darauf gerichtet war, die Religion zu erhalten und zu unterstützen. Beweise hiefür liefern uns seine zehn Werke, die er verfaßt und welche ein wahrer Schatz der jüdischen Literatur bilden; den Erlös für seine Geistesprodukte widmete er den armen Coloniften in Jerusalem, wie überhaupt sein Woblthätigkeitssinn sich weithin erstreckte, namentlich für Wtttwen und Waisen. Seinem Wunsche gemäß wurde er auf dem Friedhofe in Neutra begraben, wo er seine Ruhestätte neben der des großen Rabbiners Ezechiel Binetter fand. Aus Mischen Pereinen, Schulen lind Stiftungen. Höchberg. Dem Jahresbericht der Israelitischen Präparandenschule (Talmud-Thora) in Hochberg für das Schuljahr 1893/94 und Rechnungs-Auszug der Lazarus Ottensoser-Stifrung in Höchberg nebst Spenden- und Legate-Verzeichnis pro 1893 entnehmen wir: Das Schuljahr 1693/94 ist das 53., seitdem die Anstalt — leicht die älteste bestehende isr. Praparandenschule — gegründet worden ist. Es verlohnte sich gewiß der Mühe, auch über die entschwundenen 52 Jahre, so gut es eben noch möglich, einen Rückblick zu werfen; gar vieles würde dem menschlichen Vergessen entrissen werden, was dem einen als Lehre, dem andern zur Nachahmung dienen könnte. Dem menschlichen Vergessen'. — Denn das Wirken und Streben des edlen, frommen Gründers der Schule, des seligen Ortsrabbiners Lazarus Ottensoser, wie all' derjenigen, die für dieselbe, derjenigen, welche in derselben vortheilhaft wirkten, steht sicher beim gütigen Himmel in einer Schrift verzeichnet, die ein Verblassen nicht zuläßt; sind Denkmale geworden, die — dem menschlichen Auge wohl unerreichbar — für alle Zeiten errichtet sind und fortbestehen. Der Versuch, auch über die verflossenen Jahre eingehend zu berichten, soll einer späteren Arbeit Vorbehalten bleiben; nur auf eines soll diesmal schon hingewiesen werden, darauf, was den 53 Jahren, auf die nunmehr die Höchberger Talmud-Thora-Präparandenschule zurückblicken kann, gemeinsam ist, worin deren Organe sich vollkommen eins wissen mit dem großen Gründer, das Streben, die Aufgabe: jüdische Knaben einzuführen in das Studium unseres Gottesgesetzes, sie anzuleiten, die hehren Lehren unserer göttlichen Thora aus dem Borne selbst schöpfen zu können, der sie vom Sinai her in reinster, klarster Weise zu uns leitet; in die Schachte selbst hinabsteigen zu können, die „Fürsten gegraben und Edle des Volkes ausgehöhlt haben" und die ewigen erhabensten Schätze bergen — damit sie sich dereinst im Leben vermögen emporzuschwingen auf die Höhe reinster Gotteserkenntnis, auf die Empore wahrster Nächstenliebe, was allein erheben kann über alles Gemeine und Niedrige, über alles Laster und Böse. Hierdurch ist aber gleichzeitig schon seit Bestehen der Schule — also über einem halben Jahrhundert — einer Forderung in idealster Weise Rechnung getragen, die an die heutige Lehrerbildung in unserem engeren Vaterlande — in Bayern — mit vollstem Rechte gestellt wird: der Erlernung einer fremden Sprache. Darüber obwaltet wohl keinen Zweifel, daß derselben bedeutende Bildungsmomente zu Grunde liegen. Der Gesichtskreis wird erweitert, der Sprachschatz gemehrt, die Ideenwelt bereichert, der Verstand geschärft, die Sitte verfeinert und der Charakter befestigt. Werden solche und andere Vortheile durch das Aneignen einer jeden fremden Sprache ermöglicht, in welch' höherem Maße muß dies geschehen bei dem Erlernen der hebräischen, der heiligen Sprache, bei dem Studium der Thora in ihrem Urtexte. Ist es doch die Sprache, in der sich der Allherr geoffenbart, deren sich die Engel bedienten, in welcher unsere Ahnen gesprochen, die Propheten uns gepredigt, unsere Weisen gedacht, geforscht und gelehrt haben, in der endlich das göttliche Gesetz niedergeschrieben ist, das nunmehr Gemeingut aller civilisierten Menschen geworden und die Grundlage bildet von Tugend, Recht und Sitte. Jener modernen Forderung wurde und wird aber die Höchberger Praparandenschule in idealster Weise gerecht! Denn das Hebräische wird da um seiner selbst willen gelehrt, nimmer aber um irgend einer materiellen Erwerbsquelle dienstbar gemacht zu werden. Daß da die Schule von einem höheren

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