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Der Israelit · 1895-01-03 · Heft 1 (3.1.1895) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 1 (3.1.1895)
Date
1895-01-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXTI. Jahrgang. / M l. Der Israelit. Sin Genlrat-Hrgan für das orLHodore IudentHum. Begründet von Dt. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 3. Jaunar 5655 flft95>. Leitender Artikel Mckvlick. Mainz, 2. Januar. Das neu begonnene bürqerliche Jahr lädt uns auch diesesmal zu einem Rückblick auf den nun abgeschlossen vor uns liegenden Zeitabschnitt. „Vorwärts, Vorwärts" ist die Losung unserer Zeit und in der eiligen Hast fortzuschreiten, vergessen die Eilenden nur allzuletcht, einen Augenblick tnne zu halten und auf das bereits Erreichte zurück zu schauen. Das ist im allgemeinen täglichen und noch mehr in dem spezifisch jüdtschenlLebm.- der Fall. Der hastige Drang, mit welchem alle vorwärts stürmen, läßt sie leicht jeden Rückblick und jede Rückkehr als einen Rückschritt begreifen und die Zeit für verloren zu erachten, welche für Orientirung und Jnventarisirung des bereits Erlangten verwendet wird. Gerade deßhalb benützen wir gern jeden Markstein, welchen die rastlos vorüberfluthende Zeit bietet, um einen orientirenden Blick auf die Strecke zu werfen, die bereits mit Gottes Hilfe hinter uns liegt. Immer weiter zu schweifen, ohne sich das Erreichte zum lebendigen Bewußtsein zu bringen, wäre ein fortgesctzttsSäen ohne zu ernten. Und doch ist nauern nosn n»ion D’ipyöi Zweck und Ziel alles Wissens und Erforschens die Rückkehr und Vertiefung in das erlangte Wissen, um es für dieTyat zu verwerthen. Werfen wir unter diesem Gesichtspunkte einen orientirenden Blick auf die Geschehnisse, welche die jüdische Gesammthett während des abgelaufenen bürgerlichen Jahres unmittelbar berührten, so zerfallen dieselben in solche, welche unser äußeres Geschick in den verschiedenen Staaten betreffe» und in die Momente, welche unser innerstes Wesen, die Entwickelung und Erstarkung des Judenthums in den Geistern und Gemüthern seiner Bekenner zum Gegenstand haben. In Rußland, dem Reiche, tn welchem der größte Theil der jüdischen Zerstreuten lebt, vollzieht sich durch den Tod des Kaisers Alexander III. und den Regierungsantritt seines Sohnes Nicolai II. allem Anscheine nach ein erfreulicher Wechsel hinsichtlich des Geschickes unserer unglücklichen Glaubensgenossen. Eine Anzahl bereits erfolgter Erlasse und sonstiger Aeußerungen lassen mit Gottes Hllfe eine entschiedene Wendung zum Besseren hoffen. Biele Anzeichen deuten darauf hin, daß in der inneren Politik Rußlands sich eine der bedeutendsten und folgenschwersten Umwälzungen anbahnt, welche die Freunde des Fortschritts und der Menschlichkeit -mit lebha fter Befriedigung zu erfüllen geeignet sind. Das neue Regime, das mit besonderer Entschieden* heit das Gesetz als den obersten Leitstern prokla» mirt, dem sich Jeder, ob hoch oder niedrig, unterwerfen muß, hat den unteren Verwaltungsorganen viel zu denken gegeben, so daß schon heute unter den noch bestehenden Ausnahmsgesetzen doch die Lage der Juden eine weit erträglichere geworden ist, als noch vor einigen Monaten. Es scheint zudem, daß man sich in Petersburg mit dieser relativen Btsserung der Lage der jüdischen Bevölkerung nicht zufrieden gibt. Der junge C;ar, der auf der Höhe der modernen Bildung steht und dessen sämmtliche Regierungsakte den Stempel der Humanität tragen, ist weit davon entfernt, sich in seinem Palaste zu isoliren und sein Ohr nur einselttgen Eirflüsterungen von Leuten zu leihen, deren Anschauungskreis über die Vorstellungen des Mittelalters nicht hinausreicht. Rach der „Reuen Freien Presse" hat auch der Prinz von Wales bet seinem Aufenthalt in Petersburg die Gelegenheit wahrgenommen, den Czar in der Ueberzeugung zu bestärken, daß der neue Weg, der in der „Judeupolittk" etngeschlagen werden soll, der richtige lst. Es ist natürlich, daß der Verwirklichung der gerechten und humanen Absichten des Czars noch mancherlei Hindernisse in den Weg treten können, und es deß-

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