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Der Israelit · 1915-12-16 · Heft 52 (16.12.1915) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 52 (16.12.1915)
Date
1915-12-16
Page
– (sequence 14)
Language
German
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WM r< i '* l V * I, % I i?;i' . 23 Dezember 1915. Merein für jüdische Krankenpflegerinnen zu Arankfurt a. M. In der am 16. November d. I. stattgefundenen ordentlichen Mitgliedern ersammlung erstattete der Vorsitzende den Geschäftsbericht für das die Zeit vom 1. Oktober 1914 bis 30. September 1915 umfassende Geschäftsjahr. Danach betrug am 30. September 1915 die Zahl der Schwestern 51, die der Lehrschwestern 17. Diese 68 Pflegekräfte waren fast sämtlich im Dienste der Berwundetenpflege tätig. 4 Oberschwestern, 15 Schwestern und 17 Lehrschwestern versahen den Pflegedienst im hiesigen Krankenhaus der Israelitischen Gemeinde, in dem etwa 120 Verwundete untergebracht sind. Im eigenen neuerbauten Schwesternhaus unterhält der Verein seit Kriegsbeginn ein Lazarett mit 50 Betten, in dem bis 30. S ptember d. Js. 236 verwundete Offiziere und Mannschaften mit insgesamt 15,658 Verpflegungstagen verpflegt worden sind. In diesem Lazarett waren dauernd 4 bis 5 Schwestern beschäftigt. Weitere 6 Schwestern befanden sich im Festungslazarett XXII b in Straßburg, dessen Oberin eine Schwester des Vereins ist. Außerdem arbeiteten in Kriegslazaretten zuerst in Westfiandern, später in Ruß- Land 6 bezw. 5 Schwestern des Vereins. Auf der Etappe Dtedenhofen waren während einer Reihe von Monaten 2 Schwestern beschäftigt. Im Frankfurter Lazarettzug P. I., zu dessen Ausrüstung und Betrieb dem Verein von ungenannter Seite Mk. 30,000 zur Verfügung gestellt worden find, waren zuerst 2, später 1 Schwester des Vereins dauernd tätig. Vorübergehend beschäftigt waren mehrere Schwestern im Städtischen Krankenhaus-Ost (davon eine als Oberin), sowie gleichfalls mehrere Schwestern im inzwischen aufgelösten Lazarett im Hotel Kyffhäuser (davon eine als Oberin). Schwestern des Vereins versehen den Odertnnendtenst in folgenden Anstalten: Israelitisches Krankenhaus in tannover, Minka von Goldschmtdt-Rothschtld'sche tiftung und Gumpertz'sches Sirchenhaus, hier, /Israelischer Asylverein, Aachen, Friedrich-Luisentospiz in Bad Dürrheim, Genesungsheim der ann-Sttftung in Oberstetten i. T., Kinderhaus der Weiblichen Fürsorge, hier. Die drei erstgenannten beherrdergen zur Zeit ausgedehnte La- . zarette. Der Betrieb im Israelitischen Krankenhaus in Straßburg, in dem Schwestern unseres Vereins seit einer Reihe von Jahren den gesamten Pflegedienst versehen, ist wegen der ungünstigen Züreiseverhältnisse der Festung Straß- „Dor Frankfurter Israelit". bürg, seit dem Monat Oktober d. I. zeitweise eingestellt. Der Verein konnte durch die freigiebige Gesinnung einiger seiner Freunde der Medizinalabteilung des KrtegsmtnisteriumS 10 Automobilanhänger für Berwundetentransport zur Verfügung stellen, wofür der Betrag von Mk. 16,000 aufgewendet wurde. Dem Verein standen ferner von befreundeter Seite gestiftete Liebesgaben, sowie größere Bettäge zur Beschaffung von solchen zur Verfügung. Die Verteilung an der Front, hauptsächlich aber an Kriegs- und Feldlazarette erfolgte durch die Leitung des Frankfurter Lazarattzuges P. I., durch den Herrn Delegierten des Krtegslazaretts No. 126, in dem die Feldschwestern tätig sind, sowie durch Feldrabbiner Dr. Rosenack. Von den Kriegsschwestern des Vereins wurden 11 wurden Roten Kreuz Medaille ausgezeichnet. Pie Israelitische KinderHeikstälte in Aad Wauheim. Wir lesen im „Oberhessischen Anzeiger": Die Israelitische Kinderheilstätte in Bad- Nauheim blickt mit Schluß der diesjährigen Kurzeit auf eine 26 jährige segensreiche Tätigkeit zurück. Die Anstalt wurde im Jahre 1891 von einigen Frankfurter Wohltätern gegründet, von denen der bekannte Menschenfreund, Herr Michael Mos. Mainz, heute noch an der Spitze der Verwaltung steht. In den letzten Jahren wurde er wegen Arbettsüberhäufung (er hat in Soden, Baden-Baden, Nordrach usw. ähnliche Anstalten gegründet) von Herrn Josef Bender, Frankfurt, wirksam unterstützt. Im Jahre 1898 erhielt die Anstalt, die mit einer ganz kleinen Bettenzahl begonnen hatte, durch die hochherzige Stiftung der Frau Baronin Mathilde von Rothschild ein eigenes schönes, Praktisch eingerichtetes Heim in der Frankfurterstraße, das in den letzten Jahren während der Kurzeit nahezu 300 Kinder verpflegte. Für die Kriegsdauer hat die Anstalt ihre Räume einschließlich des Jsolierhauses in selbstloser Weise dem Reservelazarett überlasten. Um ihrer übernommenen Pflicht, armen, kranken Kindern zu helfen, bezw. ihnen eine Badekur zu ermöglichen, Nachkommen zu können, hat die Anstalt diesmal einen Teil des Frauenhetms zur Unterbringung der Kinder benutzt und es konnten daher in diesem Jahre die Kinder nur in beschränkter Anzahl ausgenommen werden. Es wurden 97 Kinder verpflegt, meistens Herzkranke, fkrophulöfe und blutarme, die sich gut erholten und kräftigten. Die ärztliche Behandlung war auch diesmal in den bewährten Händen deS j Nr. 53. Sette 10. Herrn Dr. Hirsch, der schon 22 Jahre als ärzttcher Leiter der Anstalt vorsteht. ■ . . Amerikas Neutralität. Eine amerikanische -timme aus Frankfurt«. M. (Schluß.) Folglich habe ich vorzügliche Gelegenheiten, in Privatwie auch int öffentlichen. Verkehr, Charakter, Gefühle und zeitweilige Stimmung der Deutschen richtig zu beurteilen. Zu meimm großen Leidwesen mußte ich wahrnehmen, daß vie Gefühle der Deutschen, vormals so freundschaftlich zu uns, seit Ausbruch des Krieges'einer großen, gegensätzlichen Verwandlung unterlegen sino. Die Gründe hierfür sind wohlbekannt und bestehen aus folgenden Anklage-Paragraphen: 1) Daß die Regierung und. Bevölkerung der Bereinigten Staaten in Art, Wort und Tat eine so hochgradige Parteilichkeit für England angenommen haben, daß sie ihre eigene Würde und ihre Selbstinteressen hintansetzen und sich drein ergeben, daß Englano den amerikanischen Handel und Verkehr mit Deutschland und anderen Ländern Europas (Holland, Skandinavien, Schweiz) inhibiert oder schwer belästigt, 2) Die andauernde und anwachsende Fabrikation von Waffen, Munition, Luft- und Wasserkriegsfahrzeugen, womit sie Deutschlands Feinde versorgen, 3) Die rauhsprachigen und unfreundlichen Noten, welche die amerikanische Regierung an Deutschland richtete, 4) Die im amerikanischen Volke vorherrschenoen Gefühle von Abneigung und Feindseligkeit gegen Deutschland, wie sie zum Ausoruck kommen in der Presse der Vereinigten Staaten und in den öffentlichen Reden hervorragender Personen der amerikanischen Gesellschaft. Ich erachte es für meine Pflicht, die Aufmerksamkeit meiner'Mitbürger auf diesen Stand der „öffentlichen Meinung in Deutschland" zu lenken, worin ich eine Gefahr für unser Land erblicke. Im Gespräch mit vielen intelligenten Deutschen versuchte ich ihre bitteren, grolltönenden Gefühlsausdrücke zu beschwichtigen, doch war mein Bemühen erfolglos. Es stimmt zum Weinen, wenn man ihre Argumentation änhört, die ungefähr fo lautet: M den Heimatlosen hinter der russischen Front. Einer Schilderung in der „Rußkoje Slowo" ans der Jeder des bekannten russischen Schriftstellers Doroschewitzsch, entnehmen wir fol* gmdcs: Vieie der Flüchtlinge find bereits drei Monate unterwegs, die meisten fahren in großen Aeltwagen, die den Anblick von Zigeunerkacawanen bieten. Der Wagen, der nur von einem Pferde gezogen wird, ist von 5—7 Personen besetzt und mit Habseligkeiten aller 'Act bepackt. Da kann man die merkwürdigsten und unglaublichsten Dinge finden. Aus einem Wagen liegt ein großes Stück Blech, das der Hausbesitzer dem Dache feines Hauses entnommen hat. Er hörte, daß heute Blech von größtem Werte sei. In einem anderen Wagen krönt eine Singer-Nähmaschine, die einzige Erwerbsquelle der Familie, den. ausgestapelten Ballast. 'Aus Betten, beschädigten Stühlen und anderen ärmlichen halb zerschlagenen Hausgeräten ragt in einem Änderen Wagen ein eleganter Wiener Sessel hervor. So schleppt sich der Zug des Elends' lcmgsäm die unwegsame Straße hinaus. Die Pferde schreiten ganz apathisch und können sich taM dazu entschließen, dem rasenden MMärouto aUszuwebchen. Die Hpnde bellen MK mehr. Auch die Menschen schweigen.. Sogä^MMnder verbeißen Schmerz und Hunger und schweigen. In den Städten,die Zder 'ganze Zug passiert. halten aber die Wagen vor den weißgetünchten Spitälern und laden die Kranken ab; meistens Rheumatismus, von Kälte und Nässe herrührend und Hungertyphus. Zwischendurch Bronchitis und Lungenentzündung. Die Kinder, bi? mit Scharlach und Aiphterie abgeliesert werden, sind zumeist bereits in einem Zustande, daß Rettung ausgeschlossen ist. Man muß diese herzzerreißenden Bilder miterlebt haben, wenn so eine Familie mit dem Wagen -ohne das Kind, oder gar die Kinder, weiter ins Elend hinan sfahren muß, um die ganze Fülle und Tiefe menschlichen Herzleides zu erfassen. Eigenartig mutet es an, daß die meisten Frauen ihre besten Festkleider anhaben. Besser konnten sie diese Kostbarkeiten, von oenen sie sich nicht trennen wollten, nich: unterbrinegn. Die Teilnahme auf den Dörfern hat durch der: täglichen Anblick dieses Elends ganz nachgelassen. Das Brot wird den 'Airmen zu unglaublich hohen Preisen verkauft, trotz der Fülle an Lebensmitteln. Und keine Behörde denkt daran, gegen diese grausame aller Ausbeutungen einzu schreiten. Müde und abgehetzt lassen sich die Flüchtlingsscharen in den Wäldern nieder, fällen das Holz und graben die Kartoffeln auf den Feldern aus. ohne nach dem Eigentumsrecht zu fragen.' Ist die Stelle gründlich abgegrast, zieht man weiter. Kahle Oeden und schwarze, ausgebrannte Erde zeigen die Spuren des Wüchtlingsstvomes an. Das Leid hat ein Stadium erreicht, das die Begriffe von Eigentum und Recht ganz außer Geltung geraten sind. Gin Monument für gefallene Krieger. Die Wiederkehr des 700. Todestages von Rabbi Jehuda ha-chafid (1217) aus Regensburg am 13. Adar 5677 wird mtt der Herausgabe eines zweiteiligen Werkes gefeiert. Es handelt sich um eine bisher noch unedierte Abhandlung des Gaon nach einem in der Hof- und StaatS- Btbliothek zu München vorhandenen Manuskripte' Dazu kommt eine Anzahl noch nicht veröffentlichter Abhandlungen nach ebenda befindlichen Sandschriften seines großen Schülers Rabbi leasar Rokeach (1238). Dieses Werk ist auch als Denkmal für die auf dem Felde der Ehre gefallenen Krieger gedacht, und zwar durch eine dem Werke betgegebem Gedenk-Tafel, die die Namen der Helden verewigen soll. Interessenten die den Namen ihrer Angehörigen oder Freunde auf diese Weise ehren wollen, wenden sich um Feststellung der evt. Bedingungen an * Rabbiner Ksiel Kamelhar aus StaniSlau, d. Z. in OberleuterSdorf (Böhmen.) 2^ m fll «I Di Ku dis po Srdkt un akt ghr Kri ruj En Mi so Ol ri fm wi G, Ei he sie m« bli bei tei un W fiv <jti tnc Ze Bl des voi da: W lm SN

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