Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 51 (9.12.1915)
- Date
- 1915-12-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Deiisrae Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum isgjg^a Begründet non Dr. Lehmann in ütainz lahvnann Vranhhirt a 117 Ra* Dezember 1815 ßssci WS Sfl. wi/i truill (fUllgf* dlUJIfllUII «. «... Z Tebet 5676. «Han»c«Ont tzra Bierteliahrr Gewöhnliche Ausgabe *h.i.bo vrftauSgabr (Kunstdruck) SH. 8.—. Auslandspreise: Gewöhnlich, Ausgabe: Orfterreich-Uuaaru » Ar.. Rußland l RubH England i ih„ Amerika 60 «ta., Niederlande 1.10 fl., Frankreich Fn. IAO. Kfeommsmtg Sei allen «ollaaftattm. Buchbandlnngeu, sowie direkt *cf htm SetlQQ. ®ffto»4öo6* mir direkt Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate: 30 Pfennig für die sechsgespaltene Tolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenannavme durch den Verlag deS Israelit <M. m. 6. H., Frankfurt a.M., Gr. Eschenhermerstr. 83 Tel.S84S,Amt Hansa, sowie sämtl. Annoncen-Exped. deS Inand Auslands, tztatzvorschrlfteu ohne Verbindlichkeit« Zahlungen können außer direkt au dm «erlag erfolg« Per «onto »ei dr» Jt. ft. Gostsp«*raste «Sie» Ko. TOM* Santo »ei »c« «. «oft1»c*f«fctt*att Bnd atzest Ka. 184*4. Santa »et »e* Kig«a* C*MNt<cft»*ttl in Kit« and deren Filialen, Der UackSruck fler Artikel und ftjrrefoonöeiuen des „Israeüf“ iss nur unter genauer Quellenangabe, und, soweit es Ildi um größere ftuffäfee bündelt, nur nach oortierkger öenetmikgung gektnttet. Irrhaitsübrrstcht 1.Leitartikel: „Die Uerbündeten respektieren sich gegenseitig." ----- 3. Aufsätze: Dr. S'. Halevy: Der Kampfgegen Kotteks Geschichtsbuch. — Meur Kücher. --- 3. Uermißte jüdische Familien. — 4. Kleines Feuilleton: Mas das Ktchtlein erzählt ... — Gan; der Alte! — Gtar neue Zeitschrift. — Alexander der Große und seine Flugmaschine. — 5. Korrespondenzen und Nachrichten: Tilsit (Deutsche Verwaltung für Litauen. — Warschau, Warschau (Aus den okkupierten Gebieten.) — Warschau (Zu den Neuwahlen der Warschauer jüdischen Gemeindeverwaltung.) — Warschau (Arbetterversorgung.) — Petrikau (Einweihung vier konfessioneller Soldaten-Friedhöfe.) — Lodz (Sitzung der jüdischen Gemeindeverwaltung.) — Zgterz (Der Kampf gegen das Analphabetentum.) — Wien (Dringende Gegenwartsaufgaben in Polen.) — Wien (Die Befreiung der verschleppten galtzischen Rabbiner.) — Aus den Gemeinden: Budapest, Budapest, Eperjes. — Petersburg (Flüchtlingshilfe in Petersburg.) — Stockholm (Die gefährlichen jüdischen Zeitungen.) — Moskau (Prozentnorm für Juden aufgehoben.) — London (Jüdische Kriegsopfer.) Paris (Eme neue Champagne gegen die jüdischen Ausländer.) — Paris (Die A. I. Ufür die Notleidenden Rußlands) —6. Personalien: Frankfurt a. M. — Köln (Henry Kreutzer S*itr.) — Stuttgart. — Derikelsbühl. — Nentershausen. — Bad Kissingen. — Straßburg. — Bindsachsen. — 7. Vermischtes: Ludwigshafen. 8. Beretnsnachrichten: Berlin. — 9. Briefkasten. — 10. Feuilleton-Beilage: Die heilige Kade. Me Verbündeten respektieren sich gegenseitig." Die Engländer lieben die kleinen Unehrlichketten nicht. Sie betreiben sie nur im Großen. Gilt es, neue Länder zu erobern und Millionenvölker zu unterjochen, so kommt es ihnen gewiß nicht darauf an, dem grandiosen Stretfzug mit der Bibel in der Hand den Nimbus der „Kulturarbeit rat Dienste der Menschheit" zu verleihen. Geht es darum, die Herrschaft über alle Meere an sich zu reißen, so geschieht das selbstverständlich nur, weil man in selbstlosester Aufopferung als Wächter des Weltfriedens wirken muß. Man setzt eine Welt in Brand unter der stillen Voraussetzung, daß das eigene Haus ja doch von der Lohe unberührt bleiben und später den größten Teil der SiegeSbeute aufnehmen würde, wobei man nach außen hin aus rein moralischen Motiven, im Namen deS verletzten Völkerrechtes als besten -berufenen Schutzwächter sich aufspielt. Ja, die Lüge im Großbetriebe! In kleinen Dingen ist jedoch der liebe Vetter jenseits des Kanals von einer anerkennenswerten Ehrlichkeit und herzgewtnnenden Aufrichtigkeit. Da sind Zeugen die “ HriHsbertchte, die nicht gleich den englischen französischen, diverse Nullen in den eigenen Verlustzahlen unterschlagendie Urteile, die man in englischen Zeitungen über deutsche Verhältnisse findet und die sich gar so vorteilhaft von den französischen Ausbrüchen der Leidenschaft über die Boches abhebendie Selbsterkenntnis, auf richtiger Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit und der aussichtslosen Zukunft fußend, die in Presse und Parlament in England zuweilen zu mehr oder minder klarem Ausdruck gelangt. Nun hat dort wieder einmal ein Verantwortlicher offen und ehrlich gesprochen und damit den Nebel dunkler Andeutungen, die von gewisser Seite seit Kriegsausbruch über ein Einwirken der englischen Regierung in Petersburg zu Gunsten der Juden verbreitet wurde, restlos zerstreut. Lord Robert Ce eil, verantwortlicher Leiter des Ministeriums des Aeußern, ließ sich von Vertretern russischer Zeitungen interviewen, um ihnen folgende Erklärung abzugeben: „Die englische Regierung hat immer mit der Forderung einer völltaen Emanzipation der russischen Juden sympathisiert, allein die Judenfrage ist eine innere Angelegenheit des russischen Reiches, in die wir, die Verbündeten Rußlands, uns nicht einmischen dürfen und wollen. Die Verbündeten respektieren sich gegenseitig und wir werden uns deshalb mit jeder Art der Lösung dieser Frage durch die russische Regierung zufrieden geben müssen." Das ist deutlich und vom Standpunkte des Herrn Ministers auch ohne weiteres begreiflich. Mögen Moralisten darüber zetern, daß England, der Hort aller Freiheit und Ziv lisation, sich mit einer solchen Lösung der Judenfrage in Rußland zufrieden gibt, mögen sie die Erklärung Englands als eine Sanktionierung von Mord, Brandstiftung und politischer Vergewaltigung brandmarken, es muß doch andererseits gerechterweise anerkannt werden, daß England heute in hilstoser Machtlosigkeit nicht anders als im Sinne dieser Erklärung, in der ja nur ausgesprochen wird, was tatsächlich ist, nämlich, daß sich England mit seiner ganzen weltbeherrschenden Kultur im Schlepptau des russischen Verbündeten befindet, handeln kann. Das Aussprechen von Tatsachen kann nicht schwerer wiegen, als die Tatsachen und nicht mehr als diese die Gemüter erregen. Tragisch fügt es sich freilich, daß diese Erklärung Cecils just mit der überpatriotischen Kundgebung der Alliance in Parts zusammenfällt, die von Anfang bis zu Ende die „Gewißheit" zur Voraussetzung hat, daß nunmehr durch Einwirkung der kulturdurchtränkten Westmächte ein neuer sonniger Morgen für die Juden des Ostens heranblühen wird. Tragisch in erster Reihe für die Alliance, die sich selbst, in Deutschland, Oesterreich und der Türkei das Rückgrat gebrochen und nun es erleben muß, auf solch hochoffizielle Weise von der Vormacht der Westkultur desavouiert und kompromitiert zu werden. Nicht weniger tragisch für Mr. Israel Z a n g w i l l, der nun seit bald anderthalb Jahren seiner Harfe die holdesten Töne zu Ehren des glorreichen Jnselretches entlockt, das, ein Befreier der Völker, auch dem leidenden Israel als der erlösungvrtngende Messias naht. Er hatte freilich in den neutralen Staaten mit dieser einschmeichelnden Zukunftsmusik nicht viel Glück, der arme Dichter, der es überdies jetzt erleben muß, daß just da er dabei ist, mit England die Abtretung Mesopotamiens für die Juden des Ostens perfekt zu machen, es in der Gegend von Bagdad so kräftige türkische Hiebe regnet, daß die Herren Engländer im Eilmärsche von den Grenzen des Zangwiü'schen Zukunftsstaates zurückstuten müssen. Und doppelt tragisch fürdie armenJuden im Whitechapel, die in Scharen zu den englischen Fahnen eilten, in der dunklen Hoffnung, für eine bessere Zukunft ihrer Brüder in der alten Heimat kämpfen zu können. Sie wissen nun endlich, wofür sie Leib und Leben aufs Spiel setzen, dafür nämlich, daß sich „die Verbündeten gegenseitig respektieren." Ser Kampf gegen Kotteks Geschichtsbuch. Von Dr. G. Halevy. II. Im zweiten Teile seiner Erwiderung befaßt sich Elbogen speziell mit Kottek und halt ihm ein ganzes Sündenregister vor, welches vier Anklagrpunkte aufweist. Der vierte Anklagepunkt, welchen Eibogen selbst für den entscheidendsten hält, lautet dahin, „daß die