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Der Israelit · 1915-11-04 · Heft 46 (4.11.1915) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 46 (4.11.1915)
Date
1915-11-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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i;. Ein Centralorgan für das srtfiodoxe Judentum Begründe! oon Or. Lehmann in lüainz 56. Jahrgang. 8^1 Frankfurt a M. gen 4. November 1916 27. Marcheschwan 5676. M 46. **outte«e«t Pro «ierleHoyrr Gewöhnliche LuSgabr Mk!.K0. keflauSgabe (Kunstdruck) MC. 8.—. «uSlandSvreife: Gewöhn!ije L-rSgabe: Oesterreich-Unamca, Kr., «ußland 1 ßub., England f ah., AmrriCa 60 cti., «ieoertonde 1J0 fl., Frankreich Fn. »FO. SbonaemeatS fei allen Vostanstaltcn, Buch-anölnngen, sowie direkt sei dem Aerkao. tttKauSaabr nn hhtft. Der JSraelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate: 30 Pfennig für die sechSgkspaUem Eolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenaunahme durch den Verlag deS JSraelit V. m. b. H.. Frankfurt a.M., Gr. Efchenheimerstr. 23 Del.884L,Amt Hansa, sowie sämtl. Annoncen-Erved. deS In» and Auslands. Platzvorschrifteu ohne UerbindtichKett. Zahlungen können außer Lire» an den Verlag erfolgen per Louro »ei der ». K. Vostfparkaffe »ie« Mo. 7»«»L Lsnts »ei de« St. Vostspaa^kaffenaint Budapest Mo. 18L»L^ L-nte sei des Skigaes Loa^errdenk i» Itiia und deren Killalm. Der nadtdrudi der Artikel und Correfpondenjen des „Israelit“ M nur unter genauer Quellenangabe, unö, soweit es fleh um größere fluffäbe hanöelf, nur nach norheriger öenehmigung gestattet InhaltsAhrrstcht 1. Seitaxttlel: grie ein Kruder?um Kruder .. — 2. Aufsätze: Personen und Prinzipien. — Die Ma;;osoersorgung;um bevorstehenden Pessachfeste. — :iiabbiner Dr. Bamberger, Schönlanke: Die Hohenrostern und die Juden. — 3. Homiletik: Rabbiner Dr. M. Venmi, Wreschen: Abraham. 4. Kleines Feuilleton. Kord Rothschild und dir russische Anleihe. — Mischer Humor. — Das fromm gewordene Belgien. — Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin!Die Heiligen Stätten in Palästina.) — Königsberg i. Pr. «Notschrei ans Kowno.) — Warschau (Die Inden in Warschau.) — Lodz (Die jnbischen Schulen in Lodz. — Wien (Das Agudas-Jisroel-Schulwerk in Wien.) — 0. Personalien: Würzburg (Barend Prys b"Xt) — Altona (Dr. Jakob Möller *?"atT.) — Wallertheinn 7. Familiennachrichten. 8. Feuilleron-Beilage:?vnn: Der Rabbiner oon Krala. — Der Tag des Gerichts. Wie ein Bruder zvm Bruder... In einer Zeit, da das oftjüdische Problem im Mittelpunkte des allgemeinen jüdischen Interesses steht und das Polenland von Kommissioneli und Delegationen aller Art besucht wird, erscheint es nicht unwichtig, sich vor Augen zu halten, daß der Ostjude nicht als Objekt, als Gegenstand wohlgeleiteter Hilfsaktionen sich behandeltwiffen und kein „Men scheu material", wie das harte Wort auf dem Gebiete der Bolksökononie heißt, stellen will. Er ist der Annahrrung nicht unzugänglich und für die ihm gereichte Hilfe, ja schon für das ihm gezeigte Interesse herzlich dankbar, allein, Interesse und Hilfe müssen aus warmem Bruderherzen kommen. Wer nicht wie ein Bruder zum Bruder zu ihm kommt und spricht und für ihn zu arbeiten willens -ist, der spare sich die Mühe und bleibe zu Hause. Das ist ungefähr der Tenor eines Artikels lm „Warschauer Tageblatt" vom 19. Oktober, den wir mit Hinblick auf seine hohe Aktualität und seinen beachtenswerten Inhalt hier dem Gedankengange nach wiedergeben: Von Zeit zu Zeit empfangen wir hier hohen Besuch, prominente Persönlichkeiten der deutschen Judenhett. Die Gäste find uns stets willkommen und immer knüpfen wir an sie große Hoffnungen nach der Richtung einer Verbesserung unserer Lage, einer Linderung der Not. Vielleicht sind die Hoffnungen etwas übertrieben. Allein, in unserer Lage, die von soviel Weh und Jammergezeichnet ist, ist etwas übertriebene Hoffnung vonnöten, da ansonst das Leben gar zu trübe und traurig wäre. Wir schauen zu den Gästen, die uns mit ihrem Besuche beehren, hinauf, wie der jüngere Bruder zu dem älteren. Und worauf es uns ankommt, das sind weniger Spenden, reiche Geldunterstützungen, als vielmehr ein Wort des Trostes, ein brüderlicher Rat. Wir sind noch immer nicht recht zur Besinnung gekommen. Die Schwäche und Mutlosigkeit, natürlich? Folgen des schweren Golusjoches, drücken noch immer schwer auf uns, d!e schwarzen, finsteren Schatten der jüngsten Vergangenheit drängen sich immer noch zwischen uns mtb das neue, freie Leben. Wenn je, so bedürfen wir jetzt des brüderlichen Rates, dis Trostes, der Ermutigung und Aufmunterung. Die deutschen Gäste müffen aber vor allem wiffen, daß wir polnische Juden, keine Schnorrer¬ und Bettlerbande sind. Sie pflegten uns Oestler in den Unterstützungsbüros zu Berlin, Hamburg und Bremen zu sehen, wo wir, getrieben von bitterer Not, Rettung suchten. Welchen Begriff konnten sie sich von unserem Wesen und Leben nachen nach den Musterproben, die sie bis jetzt von uns zu Gesicht bekamen? Die Not war noch nie eine Schule der Aesth tik und seinen Lebensart, der Mann mit dem Wanderstabe in der Hand, seinem Väterboden entwurzelt und herausger ffen aus seiner natülichen Umgebung, war nie der würdigste Representant seiner Gemeinschaft. Nun aber kommen sie zu uns, in unser alltäglich Heim, zu unseren fisten Wohnsitzen, wo wir seit Generationen unser eigenes Leben leben. Unsere Türen sind ihnen weit geöffnet und unser Gruß soll an Warmherzigkeit ntchrs. zu wünschen übrig lassen, aber er gilt nicht den „edlen Spendern" und „hochherzigen Philantropen", sondern den lieben, älteren Brüdern. Sind sie mit der ernsten Absicht gekommen, durch die ihnen gköffneten Türen zu schreiten und unser Innenleben kennen zu lernen, so werden sie hoffentlich recht bald einen ganz anderen Begriff von uns bekommen, und der alte phllantroplsche Ton, der uns oft genug bitter weh getan und verstimmt hat, würde von selbst verschwinden. Dazu ist es aber nötig, daß die Gäste nicht allein die offiziellen Stellen besuchen und sich nicht von bestimmten Kreisen führen und bearbeiten lassen, sondern den aufrichtigen Willen mitbringen, tiefer in unser Leben einzudrtugen und nicht an der Oberfläche haften zu bleiben. Die Massen, da wo sie am dichtesten leben, müffen sie zu erkennen suchen. Freilich ift dazu neben dem guten Willen auch ein gut Teil spezieller Fähigkeit notwendig, ein gutes, weitblickendes und urteilsfähiges Auge, zu allernächst aber — rin Gefühl von Brüderlichkeit. ®;n rechtes Wort am rechten Piatz kann jetzt mehr Bedeutung für uns gewinnen, als viele Tausende aus den Unterstützungskassen. Personen und Prinzipien. In der letzten Nummer von Wohlgemuths „Jeschurun" sin den wir eine prächtige Würdigung der wissenschaftlichen Wirksamkeit Prof. Abraham Berliners aus der Feder Dr. Eppenftetns, an die sich eine durch ihren Wahrheitsmut bemerkenswerte Auseinandersetzung des Herausg-bers an schließt. Grade während des Krieges, der unter der Parole des Burgfriedens manche notwendige prinzipielle Auseinandersetzung verhindert, berührt es wohltuend, daß Dr. Woh!- gemuth keinen Anstand nimmt, in aller Ehrfurcht und Liebe für den Heimgegangenen Gelehrten und Kämpfer d^e Punkte zu bezeichnen, in denen seine Anschauung nicht als maßgebend für die deutsche Orthodoxie gelten darf. Der Wert der Wohigemuth'schen Darstellung geht aber über den Einzelsall weit hinaus. Die gesetzcstreue Jugend muß heute mehr als jemals lernen, ihr Urteil über manche zeitgeschichtliche Erscheinung an dm alten jüdischen Ouellen, an biblischer und talmudischec Literatur, zu orientieren, in der Ehrfurcht vor der Vergangenheit alles einseitige Aburtkilen über gewaltige Erscheinungen und ganze Perioden der jüdischen Geschichte — wie z. B. den Chassidismus — nicht gerade als Zeichen besonderer Reif: zu betrachten und vor allem jedem Verstoß gegen von vornherein mißtrauisch gegenüberzustehen. Dann werden ihr die gegnerischen Versuche, die Einseitigkeiten dieses oder jenes zeitgenössischen Führers oder Gelehrten gegen tie Prinzipien : i-' : n ■ : p n r >

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