Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 45 (28.10.1915)
- Date
- 1915-10-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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:h'! 38 Oktober 1015. Der Israelit. 9to. 45 Seite 7 Mit ^chmerzerfüNtem Herzen möchte ich es verbuchen, den Lesern ein Bild dieses wahrhaft edlen Mannes, dieses guten und mustergiltigen Lebens, dieses großen Gelehrten und Thoraforschers zu geben. Unsere Zeit ist nicht überreich an solchen Männern, deren Herz, von Gottesfurcht erfüllt, sich in den edelsten Taten stets und immer bewährt. Rabbi Liepmann Philip Prins nft war am Schwchan Purim 1835 in.Arnheim in Holland geboren. Ausgewachsen in Thora und Jirah trat er in das elterliche Geschäft ein; bald indessen sehnte er sich danach, ausschließlich dem Thorastuvium sich hinzugebcn, und so siedelte er zu Beginn der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts nach der großen und frommen Gemeinde Amsterdam über?,' allwo er Gelegenheit fand, mit den bedeutenden Lamdonim dieser Mutterstadt jüdsichen Lernens in Berkehr zu treten. Hier war sein Haus weit geöfinet gllen denen, die an der Quelle unseres Lebens zu trinken geneigt waren, und so gestaltete sich, durch den Geist der Thorah erleuchtet, das ganze Leven des Heimgegangenen zu einem fortlaufenden, ununterbrochenen Gottesdienste. In kurzer Zeit Nichte und fand man das Haus Prins in Amsterdam, da wo es galt, in diesen! großen Gemeinwesen für die Allgemeinheit zu wirken. Man wählte ihn zum Vorstand, Kerkeraad, wie die Bezeichnung in Holland lautet; das von dem berühmten Rabbi Meier Lehren Vtt begründete Komitee zur Unterstützung der Armen des Heil. Landes, die Pikidim und Amarkalim machten ihn zu ihrem Vorsitzenden und als äußerst geschickter Mohel führte er Tausende und Abertausende jüdischer Kinder in den Bund Abrahams ern. War der Bris in der Familie eines Bedürftigen zu vollziehen, so erhielt diese stets von dem edlen Mohel reichlichste Unterstützung. Junge Leute aus Deutschland, die geschäftlich in Amsterdam sich aufhielten und zu Hause eine strengfromme Erziehung genossen hatten, fanden in seiner Familie Anschluß und in dem Nemden Lande eine Heimstätte. Man kann aus Prins das große Wort anwenden: v'vr» vir»? ">n vtbye bs. Auch die Verherrlichung der MizrvothI bereitete ihm eine besondere Genugtuung. Da waren keine Tefillin schön, kein Esrog teuer genug, die Prins nicht haben mußte. Und wer seinerrnn nco in ihrem kostbaren Schmucke gesehen hat, weiß, was ihm rvatö *n*n galt. Von den vielen Wohltätigkcitsanstalten, die Amsterdam seiner Anregung verdankt, wirkt besonders die Jesaja Klerekooperstistung zur Unterhaltung der Talmndjünger am Amsterdamer Rabbinerseminar-segensreich. Aber amb sonst war er bemüht, Gemilus chasodim in einer Weise zu erfüllen, die Alle, die ihn kannten, ihn wahrhaft bewundern ließen, zu iedem wohltätigen Wirken war er bereit, hatte immer Zeit und ließ sich leine Mühe verdrießen. Dabei verlangte er selbst vom Leben nichts und gab ihm alles, er strebte nur danach, die Gebote unseres Gottes in ausgedehntestem Maße, in sorgfältigster Weise zu erfüllen. Zn Ende der achtziger Jahre des vorigen Jahr Hunderts Hebelte Rabbi Liepman nach Frankfurt a. M. über, und hier hatte er, durch seine übergroße Bescheidenheit anfangs in seiner Bedeutung lvenig gekannt, die willkommene Gelegenheit, sich ganz seinen geliebten, heiligen Studien hinzugeben. Nicht lange dauerte es da versammelte sich ein enger Kreis gelehrter Männer und Schüler um ihn, die mit Wonne und Staunen feinen neuen, eigenartigen Schrifterklär urigen lauschten, die Zusammenhänge.in Mora und Talmud, die er entdeckte, bewunderten. Dazu kam seine, einzigartige Bücherei, die alle Zweige jüdischen Wissens in ausgedehntestem Maße umfaßt. Was dieser Bibliothek den vorzüglichen Reiz verleiht, ist, daß ihr Sammler nicht nur hervorragender Gelehrter, sondern auch Bücherliebhaber, verständnisvoller Bibliophile gewesen ist: die beste, schönste und seltenste Ausgabe irgendeines Talmudexemplars, eines Ehumeschs, eines Midraschs wußte er sich zu verschaffen, vereinzelte Sonderausgaben, aus besserem Papier und in sorgfältigerem Drucke hergestellt, mußte er besitzen, und bei ihm rändert diese erlesenen Werke stets die entsprechenden kostbaren Einbände. Es gewährte geradezu einen ästhetischen Genuß, die Prins' schen Pücher in die Hand zu nehmen. Schönheits- Psl^e war hier mit Wissenschaft sozusagen vereint. Zappet und Sem. Fast immer machte man auch die merkwürdigsten Entdeckungen, schlug man ein solches Buch einmal auf. Wan merkte, daß fein Besitzer mit allen geistigen Größen des lebendigen Judentums in Fühlung war. Da war irgendwo auf einer Seite eines Werkes eine eng beschriebene Postkarte von . Prof. Bacher eingeklebt, die die betreffende Stelle in dem Werke rrchttg stellte, an der Titelseite eines anderen Buches liegt ein Brief von David Kaufmann sestgesteckt, der wertvolle Ergänzungen zu dem Inhalte der r-christ gibt, in einem kasuistischen Sefer trifft man eine „Antwort von Rabbi Jtzchok Elchonon in Kowno oder N. Z. Berlin-Wölfin, der'seinen Psak aus eine Anfrage wiedergibt. Wieviele Briefe bedeutender Männer seiner Zeit müssen sich erst in seinem Nachlasse vorfinden. Das bemerkenswerteste war aber bei alledem, daß Prins auch mit vom Inhalt aller seiner zahllosen Werke aufs innigste' vertraut war. War einem jüdischen Wifsenschaftter irgend eine gesuchte stelle in Bibel, Talmud, Midrasch, den Kommentaren u.s.w. nicht gewärtig, so brauchte er nur zu Prins ,zu gehen, um wfort alles Wünschenswerte zu erfahren. ct verwies oen Besucher selbst häufig an den Bücherschrank. „Gehen Sie an jenes Gefach hin. nchmen Sie aus oer fünften Reihe das achte Buch, schlagen Sie Seite ... auf, so werden Sie Gesuchtes finden." Wir möchten hier der Hoffnung Ausdruck geben, daß die mit solcher Liebe zusammengestellte wundervolle Bücherei nicht auseinander gerissen werden möge. Aber nicht nur in Tat und Wort, auch in Schrift hat der edle Heimgegangene sich vielfach im Dienste des Heiligen betätigt. In den verschiedensten hebräischen Zeitschriften wir nennen nur Tel Talpijaus, Wajlaket Jauseif. Hamagid - sind Längere Abhandlungen von ihm halachischen, hagadtschen und midraschischen Inhaltes zu finden. Homiletische und exegetische Ansätze enthalten aus seiner Feder die holländfich-jüdischen Blätter der siebziger und achtziger Jahr«, des vorigen Jahrhunderts. Als der Herausgeber des ..Israelit". Rabbiner Tr. Lehmann in Mainz, im Jahre 1890 vorzeitig von hinnen schied, unternahm Prins cs, einen Tvil der von demselben begonnenen Werke, wie „Sprüche der Väter", „Hagadah schcl Pesach" u.s.w. fortzusetzeu. Einiges davon ist spater in Buchform erschienen und gibt dauernd Kunde von oes Heimgegangenen Meisterschaft in der Schrifterklärung und in der ermahnenden, erziehenden und erbauenden Literatur. So bilden die Prins'schen Schritten eine Fundgrube für geistvolle .und tiefgründige Thorahworte. Denkmäler 'einer literarischen Tätigkeit sind ferner der von ihm herausgegebeue rascdlum Abndrsbsm, die Aboda des Jose ben Jose und andere Piutim mit Kommentar von Abndraham, Anmerkungen im W:l naer Schaß für dessen Herstellung er den Ankauf eines Talmud-Exemplars mit Randglossen von R. Jakob Emden aus einer alten Amsterdamer Drucke rer vermittelte. In seinem Nachlaß muß sich ein von ihm begonnener Kommentar zum Ramban ruf die Thauro befinden, in Wilna muß ein Kommentar zur Tefillo von ihm liegen, den er druckfertiq zur Herausgabe v^r Beginn oes Krieges dorthin geschickt hatte. Aber all der blendende Sonnenglanz und die frohe Seele des Prins'schen Genius leuchtete doch am hellsten aus dem peinlichen Verkehr mit ihm. Was der Tahingeschiedene als Gatte, Vater, Großvater, Bruder. Freund den Seinen gewesen, entzieht sich jeder Beschreibung. Tie Kinder wurden in der Prins'schcn Familie in einer Weise erzogen, die überall als mustergültig bettachtet werden darf. Demgemäß verschwägerte er sich denn auch mit oen ersten und frömmsten Familien, mit Söhnen und Töchtern hervorragender v'orn Seine langwierige, schmerzvolle Krankheit ertrug der Heimgegangene in 'größter Ergebung, mühsam mit den Besuchern noch Worte der Thorah wechselnd. Als es schien, oaß seinem kostbaren Leben ein Ziel gesetzt sei, da ließen es die Mitglieder der Frankfirrter Heiligen Bruderschaft sich nicht nehmen, 'in großer Zahl an feinem Lager Tag und Nacht Wache zu halten, und so stieg seine Seele in Reinheit und Lauterkeit, so wie er sie aus der Hand d.e§ Schöpfers empfangen, zu Gott empor. Gestern, am 21. Oktober, fand die Ueberführung der Leiche vom Tranerhame in Frankfutt nach dem Bahnhofe statt, da die Beisetzung in Amsterdam erfolgen wird. Im Trauerhause sprach Herr Rabbiner Dr. Nobel nur wenige, aber lieferschütternde Worte, er verlieh dem Verewigten den wohlverdienten Morenutirel, den er — »oviel uns bekannt bereits schon von niederländischen Gaonim besaß. In die Sterbekleider gehüllt, in denen der Vollendete mehr denn 50 Jahre an den heiligen Feiertagen die Gemeinde als Borbeter zur heißen Andacht mit sich fortriß, trug man nun das kostbare Gut aus dem Hause, das dem Sinai gleich Thorah und Jirah weithin verbreitete. Möge der Allerbarmer die trauernden Hinterbliebenen trösten, die ihnen geschlagene, tiefe Wunde heilen und ihnen den Trost geben, daß das Andenken an den uns verlorenen Frommen fort und fort,segensreich wirkte. p’Tät “DT O. L. Gerolzhofe«, 24. Oktober. Einen schweren Verlust hat die hiesige Gemeinde durch den plötzlichen Heimgang der Frau Milka ^Lichte nauer erlitten. Geschmückt mit dem herrlPhsten Kranz edler Frauentugenden, betätigte sich diese wahre ne« auf dem Gebiete des Zedoko und Gemiloth Ehesed in hervorragender Weise. Am Grabe entwarf Herr Lehrer Reiter in beredten, zu Herzen gehenden Worten ein Lebensbild der Entschlafenen. jrsaün. Reickensachsen, 2b. Oktober. Der Assistenz- und BataillonSarzt Dr. Joseph B a ch r a ch, Sohn des Herrn Lehrers Bachrach, wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Wien, 20. Oktober. Zum Tode des Herrn Tr. Gustav Cohn wird uns iwch geschrieben: Die Wiener Kultusgtmeinde hat einen unersetzlichen Verlust erlitten. Im Alter von 75 Jahren verblich der erste Bizepräsiocnt der Knltusgemeinde Herr Tr. Gust. K o h n. der dem Borftande durch 30 Jahre angehörte. Unermüdlich widmet«, er tagtäglich viele Stunden dem Dienste der Gemeinde; seine genaue Kenntnis aller Zweige der Verwaltung, seine Liebe zur Gemeinde, machte seine Arbeit zu erNer sehr produktiven, die wohl mehrere Kollegen zu erledigen, Mühe haben dürften. Hervorragend wirkte er auf dem Gebiete des Armknwesens: Eine unerschöpfliche Herzensgüte, besondere Liebenswürdigkeit im Verkehr?, erwarben chm alle Herzen. Wer immer in Wien Unterstützung, Rat oder Hille brauchte» kannte nur eine Zufttrcht: „Ich -ehe pn Doktor Gustav Kahn". — Ein Freund der Orthodoxie, wurde er auch von den Orthodoxen hochgeschätzt, da er beim Helsen keinen Unterschied machte. Sein Hilsicheiden läßt eine ungeheure Lücke in der Wiener Judenschast zurück. Die Teilnahme am Lcichenvegängnrs war eine riesige. Durch das Ableben Dr. K o h nT£ dürste auch die Rabbinersrage in Fluß kommen und steht zu hossen, das; die konservative Richtung zur Geltung kommen wird. Man spricht von sehr konservativ"« uno aller konservativsten K.inoidaren. Ob da nicht der Kultusvorstand zu sehr auf die Nachgiebigkeit des Gewählten, die Kandidaten zu viel aus den angeblichen Konservativismus der Wiener Gemeinde rechnen, sodaß sich beide Teile täuschen, steht noch zu erwarten. Vermischte-. Frankfurt a.'M. 26. Oktober. Wie wir der »Allgemeinen Deutschen Bäcker- und Konditor-Zeitung" in Stuttgart entnehmen, hat vorigen Dienstag das OberlandeSgericht in Breslau eine Entscheidung gefällt, die für die Mazzo'sb.äckereien besonders.'wichtig ist: Das Schöffengericht hatte seiner Zeit eine Anzahl im Bäckereibetriebe des BreslauerMKonsumoereines beschäftigte Angestellte zu je 3 Mk. Geldstrafe verurteilt, weil jene gegen den 8 9 der Bundesratsverordnung betr. die Backereibetriebe vom 5. Januar 1915 verstoßen haben sollten. Der bett. Absatz bestimmt, daß mit der Bereitung von Backwaren nicht vor 7 Uhr morgens begonnen werden dürfe. Hiergegen hatte man nach Ansicht der Anklagebehörde in der Dampfbäckerei des Breslauer Komsumvereines verstoßen. Hier werden bei der Brotbäckerei die Oefen fortwährend unter Feuer gehalten. Das Schöffenwie auch das Landgericht, das sich als Berufungsinstanz mit der Frage zu beschäftigen hatte, stellte sich auf den Standpunkt, daß vor 7 Uhr früh alle Arbeiten in Bäckereien verboten sind, auch die, welche den Backprozeß vorbereiten. DaS Reinigen wollte das Gericht am Sonntag zulaffen, aber nicht das Anheizen. Letzteres diene der unmittelbaren Zubereitung des Gebäckes. Der Senat des Oberlandes gerichtes entschied nach längerer Beratung: Die Bundesratsverordnung trifft alle Arbeiten, die unmittelbar mit dem Backen Zusammenhängen. Das Anheizen der Oefen sei kein unmittelbarer Backvorgang. Deshalb falle diese Arbeit nicht unter die Bundesratsverordnung. Die Urteile des Schöffengerichts wie des Landgerichts sind aufzuheben und sämtliche Angeklagte sind freizusprechen. Die Kosten ttägt die Staatskaffe. Es wäre sehr wünschenswert, daß sich das Reichsgericht, das wohl angerufen werden dürfte, die Rechtsauffaffung des Breslauer Oberlandesgerichtes zu eigen machte, da gerade bei der Herstellung von Mazzos, die ja unmittelbar nach der Teigbereitung in den Ofen geschaffen werden müssen, die Heizung vor Beginn der Tagesarbeit geradezu eine Notwendigkeit ist. Selbstverständlich ist die Auffassung des Breslauer Gerichtes absolut nicht maßgebend für die Polizeibehörden im ganzen Reiche, worauf wir die Bäckermeister besonders aufmerksam machen. Mülhaufe«, 26. Okt. Entgegen böswilligen Angaben antisemitischer Blätter stellen die „Mitteilungen" deS Abwehrvereins fest, daß der als Spion erschossene Spediteur Alfred Meyer in Mülhausen i. E. kein Jude gewesen ist. Bühl (Baden), 21. Oktober. Am 31. d. Mts. feiern die Eheleute Wilhelm Maier das seltene Fest der Goldenen Hochzeit. JSaxi m.Konfekt regelt denSStnblgang «ei Erwachsenen und Kindern. Proben und aufklärende Broschüre F. 60 gratis durch die Pharaahta ftaatUachalt eh»». Fafcrtk, Framfcfart a. Mala Kaiser Friedrich Quelle ■ Offeabaeh &. K — Gegen Gleht und Rheumatismus bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stabil Frankfurt a. M., GftnthersbnrgaUee 87. Tel. 259 a. 714 Labbat-Anfang u. Ausgang. N1V."N712V m Ti Stmdfarti« M. Berit» . . . MSuche» . . Stn#ntg . 0t»tt**rt. . Stofta . . . SlflfMhtFS . . Hamburg. . Anfang Datum MrMin.'1Sl 5 5676. 29. 21. 46 Ott. Marcheschwan AuSgang 50 45 30 Uhr Min. 55 5 40 5 > 55 5 > 48 45!*. c i; i ■fti iU i.: i? J; h t f: t; ,'H. vfl, J. A A I ,;i '! 51 ■ t I