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Der Israelit · 1915-10-14 · Heft 43 (14.10.1915) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 43 (14.10.1915)
Date
1915-10-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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14. Oktober 1915 No. 48 Sette 6 Gngtcrnd. Freiheiten gegen öelö. London, 3. Oktober. Kurz vor seiner Abreise aus London hat der russische Finanzminister Bark den Vorsitzenden des „Vereins zur Befreiung der Juden/ Appleton, zu sich gerufen und ihm folgende Erklärungen gemacht: „Die russische Regierung ist ernsthaft bemüht, das Problem der Juden in Rußland zu lösen. Zweifellos haben die Juden Ursache zu klagen und die russische Regierung ist dringend aufgefordert worden, Gesetze zu erlassen, um den Juden weitere Rechte zu verleihen. In Abetracht des Umstandes jedoch, daß derlei Gesetze falsch aufgefaßt werden könnten und unnötige Feindschaft erwecken würden, erscheint es der russischen Regierung weiser, die Lage der Juden in eigene Hand zu nehmen und denselben Freiheiten und Privilegien auf administrativem Wege zu verleihen, in der Hoffnung, daß ihre Handlungsweise bereits bis zur Beendigung des Krieges Früchte getragen haben wird. Es ist bereits den Juden an verschiedenen Stellen erlaubt worden, ansässig zu werden und mit der übrigen Bevölkerung zusammenzuleben. Allerdings sind noch verschiedene Distrikte den Juden verschlossen, besonders diejenigen, wo Kosaken wohnen, jedoch geschieht dies nur im Interesse der Juden selbst. Rußland braucht Kapital und Unternehmungsgeist. Rußland weiß, daß die Juden beides liefern können. Wenn die liberalen Juden ihre Unterstützung leihen würden, würde das neue Rußland glücklicher und stärker sein, als es unter dem alten Regime gewesen ist. Die russische Regierung wird sich ihrer Pflichten bewußt sein, und die Tatsache, daß sich Rußland mit dem republikanischen Frankreich und dem demokratischen England zusammengetan hat, um für Freiheit und höhere Zivilisation zu kämpfen, ist der Beweis ihrer löblichen Ansichten, und kann denjenigen, deren Herzen noch immer sorgenvoll sind, als Ermutigung dienen." Bark bat Appleton, von diesen Worten denjenigen Gebrauch zu machen, der ihm gut dünke. Gar zu ernst wird er sie wohl selbst nicht nehmen. Fvankretrh. Von der franjnfifchen fl. J. U. Mollerdam, 4. Oktober. Einer Rotterdamer Meldung aus Paris zufolge/ erklärte die „Alliance Jsraelite" von Frank- Der ISraeUr. reich in einem Aufrufe an die Judenschaft in den neutralen Ländern u. a. folgendes: „Die Revolution brachte den Juden des Westens die Befreiung aus der Knechtschaft, und nur ein Sieg des Vierverbandes vermag das Judentum in dem übrigen Europa zu erlösen. Wir warten daher mit Vertrauen auf einen Sieg des Vierverbandes!" Es kann sich nur um die patriotiotischen Ergüsse der französischen Landesgruppe der Organisation handeln. Der Leitung der großen internationalen A. I. U. sollte schon der Takt verbieten, derartige Agitation im Auslande zu treiben. Sie' dürfte überdies auf Grund ihrer Erfahrungen auch wissen, was von einem Siege des Vierverbandes, nüt Rußland an der Spitze, für die Judenheit Europas zu erwarten sei. Amerika. Lin Protest gegen die Ermoröung Leo Franhs- Aew-Aork, 29. September. Die Jüdische Organisation zum Schutze der jüdischen Rechte hat gegen die Lynchung Leo Franks folgende Resolution gefaßt: „Das Amerikanisch-jüdische Komitee beklagt gemeinsam mit allen amerikanischen Bürgern aufs Tiefste den brutalen Lynch-Mord an Leo Frank. Gemeinsam mit unseren Mitbürgern brandmarken wir die Tat der Lynch-Mörder als gesetzwidrig und staatsfeindlich. Hier handelt es sich um ein Gebiet, auf dem alle Bürger dieses Landes in gleicher Weise interessiert sind. Die Behörden des Staates Georgia haben die Pflicht, alles auszubieten, um die Lynch-Mörder vor die Schranken der Justiz zu bringen. Wir wollen hoffen, daß die Bürger dieses Landes vor derartigen schändlichen Ausartungen der Rechtslosigkeit gewarnt und die Lynch-Prakttken endlich ausgerottet sein werden." Die Juden Polens Sanken Deutldiland. Aew-Lork, 7. Oktober. Eine der größten jüdisch-amerikanischen Zeitungen in New-^ork, „Die Wahrheit", die in einer Auflage von über 120000 Abzügen erscheint, berichtet in ihrer Ausgabe vom 29. August über die Stellung der deutschen Regierung zu den Juden Polens. Der „Wahrheit" zufolge hat der Direktor der Reichskanzlei, Unrerstaatssekretär Wahnschaffe, sich gegenüber dem Komitee für den Osten, das sich mit der Lösung der Oftjudenfrage beschäftigt, folgendermaßen geäußert: „Es ist selbstverständlich, daß wir alle Teile der polnischen Bevölkerung gleich behandeln. Unsere Behörden wurden angewiesen, die Juden nach den Grundsätzen der Gleichberechtigung und Menschlichkeit gleich den andern Nationa litäten zu beschützen. Wer die deutsche Staats« Verwaltung kennt, weiß, daß wir Gegner der Ausnahmebehandlung und der unmenschlichen Verfolgung sind, denen die Juden in Rußland ausgesetzt sind. Wir haben aus den besetzten Provinzen keine Beschwerden, im Gegenteil erhalten wir Tausende von Dankbriesen für die Loyalität und Unparteilichkeit unserer Ver Wallung." Tffux den SteNameteit tfi vie Mevaktip« «tcht verantwortlich; insbesonvere Ist es au-schlietzlich Sache ver Leser, vis i« «eklaweteil enthaltene« Empfehlungen ritueller Waren oder sonstiger Angaben religionSgesehliche» Eharakter» ans ihre KnverläfKgreit z« prüfe«. JSaxii C •Konfekt regelt den StuliIgaiig bei Erwachsenen und Kindern. Proben nn<i anfklärende Broschüre F. 60 gratis durch die Pharmakon Gesellschaft ehern. Fabrik, Frankfurt a. Hain Kaiser Friedrich Quell* ■ ' ' ■ Offenbaeh a. H. —- Gegen Gieht and Rhenmatismas bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich_Stahi, Frankfurt a. M., Günthersburgailee 37. Tel. 259 u, 714 Familiennachnchien. Geburten. Eine Tochter, Simon M. >lnotier (Bodenheimer) Berlin. Barmizwoh-Aeier. Moses I., Sohn des Herrn Abr. Samson, Kopenhagen. Verstorbene. Soldat Joses Kemeny aus Budapest, 20 I. alt, Strzemeschyee sBendzlner Synagogen- Bezirk.) Sabbat^ Anfang u. Ausgang. "f? retf ir 18 Ts! Anfang Datum Ausgang I UbrMin. 1»15! 567«; Uhr Mn. Kranksnrt a. M.! ° ' V,. Okt. 7, Marche- 17» Berlin ... i- __ schwan. — — München 5 ir» o 04 Gtratzbrrrg 5 3» 6 20 Stuttgart. . . 5 - 0 Vi Posen . — — — Nürnberg. . _ ... — — Hamburg. i ) — ♦ i U'ilnahmlos oder gar feindselig gegenübergestanden hatten. Die Aufgaben, die dem Jeldrabbiner gestellt sind, scheinen unüberwindlich. Welten trennen die Teilnehmer seiner Gottesdienste voneinander, und er soll den Schlüssel zur Wahrheit finden, die sie alle eint. Gesetzestreue, Zionisten, Liberale, Indifferente und Assimtlanten stehen friedlich beieinander, und es gilt das Zauberwort zu sprechen, das sie alle in gleicher Weise erwärmt. Herr Rabbiner Dr. Levy hat das Zauberwort mehr als einmal gesunden; er besaß den Schlüssel, um, alle Herzen zu öffnen, auf daß es in ihnen warm werde. 'Das beweist die tiefe Ergrisienheit, in die sein Wort alle zu bannen verstand, das beweisen zahllose mündliche Acußerungcn, die aus dem Munde aller „Richtungen" an mein Ohr klangen, das beweist endlich so mancher Brief in die Heimat, voll dessen Inhalt ich inzwischen Kenntnis nehmen durfte. Wenn der Kaufmann oder Akademiker, der mehrere Jahre seines Lebens dem ausschließlichen Thorastudium geweiht hat, der jeden Tag seines Lebens, an dem er nicht sein Pensum „gelernt" hat, als verloren bucht, sich in einer Begeisterung findet mit dem, der — hoffen wir - gestern ein Assimilant oder Indifferenter war, so hat Herr Rabb. Dr. Levy das rechte Wort gesprochen. Wie herrlich legte er beispielsweise den Midrtsch aus, der uns von Abraham erzählt, während er mit Isaak und zwei Knechten zur Opferung schreitet. Der abgeklärte Greis und Gotteserkenner sieht Berg und Gipfel, Isaak sieht wohl den Berg, doch der Gipfel scheint ihm in eine undurchdringliche Wolke »getaucht zu sein, die Knechte hingegen sehen nichts als Wüste und Einöde. Knechtesseelen diejenigen, denen der gegenwärtige Krieg das Auge trübt, die sich ln unfruchtbarem und verzweifeltem Pessimismus verlieren. Wir halten'- mit Isaak) mag auch das letzte Ziel in Dunkel gehüllt sein, unser Gottvertrauen ist nicht zu erschüttern. Wir sehen den Weg und wissen, daß wir oder unsere Nachfahren einst — gleich Abraham endlich auch den von der Wolke befreiten Gipfel erschauen werden. Ten Teilnehmern an den Roschhaschonoh-Gottesdiensten könnte kein schöneres Andenken an die herrlichen Tage gewidmet »verden, als eine Sammlung der Predigten, die Herr Rabb. Dr. Levy in jenen Tagen zu ihnen gesprochen. Ja, es waren herrliche Tage, die wir miterleben dursten; sie haben sich nrit unauslöschlichem Griffel in die Herzen der Teilnehmer eiugcgraben. Ein enger Kreis Gleichgesinnter hatte sich am Freitag Abend um Dr. Levy geschart — der Urlaub der Meisten war schon vorher abgelausen und bis spät in die Nacht hinein sprach man über des Judentums große Fragen, die uns alle bewegten. Wir vergaßen Sri. Zeit und Umstünde unseres Zusammentreffens und hatten unser Denken konzentriert aus das Schicksal unsere» Volkes. Im Innersten erschüttert, trennten wir uns voneinander, ein jeder mit der stillen, aber unverrückb ren Zuversicht im Herze-, daß dieser Krieg den Kreislauf unserer Leiden schließen werde. Ein Telegramm rief uns am Schabbos-Morgen allzufrüh zu unserer Kompagnie zurück. In die Gräben, in die Quartiere, zur Hacke und Schaufel wanderten sie alle zurück, dopt wohin sie treue Pflichterfüllung ries. Ein jeder trug ein „Etwas" mit sich, das ihm zu unverlierbarem Besitz geworden war. Heinrichs Eisemann, Armierungssoldat. Man schreibt uns aus Brüssel unter dem 21. September : Auf Veranlassung des Offizier-Stellvertreters und Kantors Baum aus Cöln a. Rh. und des Wehrmann Schartenberg ans Weulheim (Baden» fand am Bdrabend und Tag des Jom-Kippur ein Militärgortesdienft hier statt, der von ea. 2oo Kameraden von hier und auswärts besucht war. Herr Baum, der das xHmt eines Predigers übernahm, hielt von Herzen und zu Herzen gehende Redei: besonders die Seelenfeier verursachte viel Tränen. Die üblichen Gebete wurden von oerschiedeuelr Kameraden abwechselnd vorgerragen. Ganz hervorragend zeichnete sich hierbei Kamerad Scharierverg aus und wurde ihm allgemeines Lob gezollt. Am Schluffe des Gottesdienstes hielt Herr Stabsarzt Tr. Le in in uom Regt. 20 eine Ansprache und dankte den amtierenden Kameraden für ihre Mühe und wvhigelungenen Bor träge im Flamen aller anwesenden Kameraden, denen dieser Jom-Kippur in Brüssel ein ewiges Andenken bleiben werde. (Ein „Apfel" für »0 Rubel.; Unter diesem Stich- Worte schreibt die „Deutsche Warschauer Jeiuma": „Wohlhabende Juden »Lrrhodore» miiiserr für einen sogenannten ParadkeS-Apsel, den sie zur Feier des Laubhütleufesles benötigen, den „geringen" Preis von öl) Rubel bezahlen. Früher, vor dem Kriege, kostete ein -vlcher ans Triest, Oon der Insel Korfu oder aus Palästina bezogener Apfel l Rubel."

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