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Der Israelit · 1915-10-07 · Heft 42 (7.10.1915) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 42 (7.10.1915)
Date
1915-10-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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»er ASrarltt. 7. Oktober 1915 Vette 1 Nr. IS_ geben und int gleichen Atem den Juden gewissermaßen als bisher notwendiges Uebel dahinzustcllen, der seine Rolle gut gespielt, nun aber ausgespielt hat, das ist mehr als Verkennung der wirklichen Tatsachen, das läuft schon auf Uebelwollen hinaus, über das der armselige wissenschaftliche Apparat keinen hinwegtäuschen wird. An der „germanischen" Begeisterung, Opserwilligkeit und Karnpfesfreude hat das Judentum Anteil genommen, und zwar nicht nach Sem Maßstabe seines Bevölkerungsprozentsatzes, scndern im Maße seiner Beteiligung am deutschen Handel, an der deutschen Industrie und Jinanzentwicklung. Und das will viel heißen. Der Jude hat das neue Deutschland, wie es ja Fritz selbst klar genug beweist, aufbauen helfen, und er verteidigt, indem er ins Feld zieht oder sich daheim mit seiner reichen Opfergabe einstellt, sein Eigenes und Bestes mit der ganzen Begeisterung und Vaterlandsliebe, deren er fähig ist. Der Welthandel wird, das hoffen wir zuversichtlich, mit dem Kriege seinen Abschluß nicht erreicht haben, und es müßten all die Ströme von Blut und Tränen umsonst geflossen sein, wc lltc man damit rechnen, baß es nach dem Friedensschluß, mit dem stolzen Kaiserworte von der Einheit der deutschen Nation im! Sinne der Frrtz'schen Betrachtungen über rassenreine Kultur und Wirtschaftspolitik, aus und zu Ende sein sollte. Daß nach all diesem der eigentliche Wunsch des Autors, die Grenzsperre frkr die östlichen Juden, keine gar zu hohe Wertung erfährt, ist erklärlich. Es liegt die Vermutung nahe, daß auch hier, wie gar oft in Presseauslassungen der letzten Zeit, in dem polnischen Inden ser deutsche Jude getroffen werden soll. Müßte man einen solchen Vorschlag ernst nehmen, es würde einen der entsetzliche Gedanke überkommen, daß der ethische Sinn des Weltkrieges, der uns allein mit den grauenvollen Geschehnissen noch einigermaßen auszusöhnen vermag. die Befreiung der unter zariq cher Faust seufzenden Fremdvölker, A sein Gegenteil verkehrt werden könnte. Es ^ars und wird nicht sein, daß die Tscherta zu einer Zeit, da sie Rußland, der Not gehorchend, abgeschasst hat, von Deutschland neu errichtet w 11 d. Die imaginäre Gefahr einer Judeninvasion nach Deutschland kann für eine solche Maßnahme keine Grundlage bieten. Die Auswanderung nach Amerika war bedingt durch die drakonischen Gesetze, die das Leben innerhalb des R a tz o n s unerträglich machten. Wird dem Ghetto nunmehr Licht, Luft und Sonne in genügendem Maße zugeführt, so fällt die wesentlichste Voraussetzung für die Auswanderung weg. Der Jude liebt seine polnische Heimat und hängt! niit allen Fasern seiner Seele an der Scholle, an die er sich je mehr gekettet fühlen wird, je wirtlicher und angenehmer sie ihm gestaltet wird. Von unserem jüdischen Standpunkt aus kann uns eine größere Bodenständigkeit des polnischen Juden und ein möglichstes Verbleiben der Massen in den altgeheiligten jüdischen Geistessphären nur sehnlichst erwünscht sein, und es wird von jüdischer Seite nach dieser Richtung gewiß nichts versäumt werden; man wird einem Aufgehcn des gewaltigen jüdischen Kraftreservoirs, wie es sich im Osten aller Zeiten Stürmen zum Trotze erhalten, in einem blutlosen, reformverseuchten Großstadt-Judentum mit allen Mitteln der religiösen und wirtschaftlichen Belehrung und Aufklärung entgegenzuwirken suchen. Der Selbstentwürdigung einer Grenzsperre wird Deutschland, nachdem es rein und geläutert in neuer nationaler Größe aus dem Weltbrande hervorgegangen, dazu nicht bedürfen. Me Men und die industrielle Entwicklung in Rußland. Einem sehr beachtenswerten Artikel des bekannten russischen Schriftstellers Wladimir K o g a n in einem unter dem Titel „Rußland im Innern" erschienenen Sonderhefte der „Süddeutschen Monatsschrift" seien folgende Angaben entnommen.- Die russische Industrie hat sich ungemein schnell entwickelt, und zwar begann die industrielle Entwicklung am frühesten in Russisch-Polen. Die Anfänge der Industrie liegen hier noch in der Zeit vor dem Wiener Kongreß. Eine selbständige Jndustrieentwicklung datiert jedoch erst seit den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Seitdem nimmt die Produktion rapid zu. So produzierte die polnische Industrie im Jahre 1865 für 65,571,000 Rubel Werte bei einem Arbeiter stand von 90,642 Personendagegen gab.es im Jahre 1905 schon 267,747 Arbeiter, dte für 413V» Million Rubel Werte produzierten. Die Juden konnten und wollten diese großartige Entwicklung der Industrie nicht mitmachen. Sie waren infolge ihrer ökonomischen Stellung dafür nicht im geringsten prädestiniert,- ihre wirtschaftliche Beschäftigung drängte sie vielmehr dazu, gegen die industrielle Entwicklung des Landes zu kämpfen. Als Händler — und vor allem Kleinhändler — und als Handwerker stand die breite Masse des jüdischen Volkes (und nur von dieser spreche ich hier) der industriellen Entwicklung zunächst vollständig fern. Der Klein- Händler deshalb, weil ihm für die Vermittlung der von der Industrie geschaffenen Werte auf dem Wege eines groß angelegten Exports die nötigen großen Mittel fehltender Handwerker deshalb, weil für ihn die Stellung eines Fabrikarbeiters eine Erniederung und einen Verlust seiner Selbständigkeit bedeutete. Nur eine beispiellose ökonomische Not, eine starke Verschlechterung bi r Lage der Handeltreibenden und der Handwerker führten die jüdischen Massen in die Fabrik. Die durch die unerhörte Konkurrenz vollständig mittellos gewordenen Kleinhändler wollten nunmehr als Fabrikarbeiter ihr Auskommen finden, w rren aber für die Fabrikarbett vollständig unvorbereitetdasselbe versuchten die durch die Zerrüttung aller Grundlagen eines gesunden Handwerkertums völlig verarmten Handwerker. Es begann ein Kampf der jüdischen Maffen um die Fabrik, der jedoch für sie sehr unglücklich verlief. Man darf diesen allgemeinen Gesichtspunkt nicht aus den Augen verlieren, . wenn man die Entwicklung des jüdischen Proletariats in Rußland begreifen will. Und man kann nicht oft genug diesen Gesichtspunkt betonen, weil ja bei anderen Völkern der Prozeß der Jndustriealisierung der Massen ganz anders vor sich gegangen ist. Für die breiten jüdischen Massen der östlichen Städte — und die jüdische Bevölkerung Rußlands ist eine Stadtbevölkerung pur excellence1) — bedeutete der Werdegang des Industriearbeiters — geschichtlich betrachtet — zunächst einen Niedergang aller mehr oder weniger gesunden Grundlagen kiner alten in sich geschlossenen nationalen Volkswirtschaft. Die jüdischen Vermittler, Kleinhändler, Pächter und Handwerker, die jahrhundertelang in Russisch- Polen in einer verhältnismäßig soliden Position ihre volkswirtschaftlichen Funktionen erfüllten und in selbständigen Stellungen, wenn auch kein glänzendes, so doch ein anständiges Auskommen hatten, wurden zunächst durch eine Reihe von rechtiichen Beschränkungen, vor allem auf dem Gebiete der Freizügigkeit, in der Ausübung ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit ziemlich empfindlich gehemmtdazu kamen im Laufe der Zeiten politische Wirren (polnische Ausstände) und Unterdrückungen (Pogrom?.) Am stärksten jedoch wurde die ökonomische Lage der jüdischen Massen durch die Verschlechterung der LebenSbedlngungen der sie umgebenden Landbevölkerung und durch das Emporkommen der Fabrikinduftrie erschüttert. Der selbständige jüdische Städter — sei er Kleinhändler oder Handwerker oder Makler — versuchte zunächst den Kampf >) Mehr als die Hälfte der jüdischen Vevolkeruna Rußlands wohnt in den Städten, nämlich 2,&Jl,8ü'.> 50 Prozent. MseS Tod und Abschluß der Thoraschrifi. Bon Rabbiner I. Horoviez'in Jerusalem. Bortrag, aehilten im Verein „Mekor Chajim", Frankfurt a. M., am 2. Tag Chol Harnord SukoS. Wenn wir alljährlich im Anschluß an das SukoSfest den Abschluß der Thora"durch-Simchath Thora feiern, dann lausen wir leicht Gefahr, im Rausch der Freude den Ernst nicht in seinem vollen Umfang zu würdigen, der über den »Schluß« orten der; Thora' lagert. Wenn roir uns daher auf den würdigen Abschluß der Thora vorbereiien, gebührt es sich auch, auf die ernsten Schwierigkeiten hinzuweisen, die sich dem Verständnis der Schlußsätze der Thora'entgegenstellen. * Das letzte Kapitel der Thora, das uns den Tod 7oscheh^Rabbenu's schildert, teiltIuns iuftEingang mit, ..aß ihm vor seinem Tode noch der Wunsch teilweise gewährt wurde, in welchem dte Sehnsucht seines ganzen Lebens aufging; Er durfte das Land wenigstens sehen, dessen Betreten ihm versagt blieb. Man braucht eben nicht durch widrige Zeitverhältnisse vom heiligen Lande gegen seinen Willen entfernt zu sein, um die Sehnsucht nachzufühlen, die den von seiner zeitlichen Wirksamkeit scheidenden Lehrer nach Erez Jisroel erfüllte, und das Glück zu begreifen, das wenigstens ein Blick auf das Land seiner Sehnsucht im Angesicht des Todes für ihn bedeute. Vielleicht gehört die heiße Liebe für Erez Jisroel, die alle treuen Söhne unseres Volkes und besonders den Kreis auszeichnet, vor dem ich hier zu sprechen die Ehre habe, auch zu dem geistigen Erbe, zum 3p' rftnp nemo, das wir Mvscheh Rabbenu verdanken. Das letzte Wort, das Gott an Moscheh zu richten hatte, betraf Erez Jisroel: „Dies ist das Land, von dem ich Abraham, Jizchak und Jakob geschworen: Deinen Nachkommen werde ich es geben. Gezeigt habe ich es Dir, Deinen Augen. Dorthin hinüber sollst Du jedoch nicht kommen." Tcyn noBfi! Wenn Gott mit diesen schwerwiegenden letzten drei Worten an Moscheh die Versagung fetnes^heißesten Lebenswunsches unwiderruflich besiegelte, so ist uns damit zugleich der Gedanke an die Gewährung nahegelegt, die selbst dieser Versagung zugrunde liegt Für Moscheh war es sicherlich überaus schmerzlich, ohne Erfüllung dieser Bitte von der Erde zu scheiden. Aber sein Lebenswerk, sein Lebenszweck, die Thora, die er seinem Volke gebracht, hat auch damit das Gepräge ihrer Göttlichkeit erhalten. Die Thora enthält - faßt könnte man sagen - zum überwiegenden Teile p»2 nwSm myö, Satzungen, deren Erfüllung nur bet der Eigenart von Erez Jisroel möglich ist. Unter diesen stehen an erster Stelle die Gesetze über die Brachlegung des Bodens für Schemita und Jauwel, die für das geistige und wirtschaftliche Leben des jüdischen Volkes auf geheiligtem Bäterboden von größter . Tragweite sind. Ein einziges Mißjahr, d. h. ein Jahr, i in dem nur wenig wächst, hat für die davon Betroffenen eine ganze Reihe von Kalamitäten zur Folge. Aber mehrere Jahre hintereinander gar nichts zu säen und nichts zu ernten, das konnte nur für ein von der höchsten Borsehung gesegnetes Land, wie es Erez Jicroel war, dekretiert werden. Wenn Moscheh dieses Land betreten und gekannt hätte, so hätte man vielleicht auch feine Schemita- und Jauwel-Gesetze auf diese Lokalkenntnis Moscheh's zurückgeführt. Jetzt, wo Moscheh mit keinem Fuße dieses Land betreten Hane und eine seiner letzten Botschaften der Niederschrift der von, ihm vollendeten Thora, als erste Handlung in dem Augenblick des Ueberganges auf heimischen Boden galt, der Niederschrift des GottesgeseyeS, für dessen Erhaltung und Erfüllung ja überhaupt das verheißene Land bestimmt war, sind auch diese der Eigenart des Landes entsprechenden Gesetze die Bestätigung dasiie, daß die Thoras Moscheh, welche diese Gesetze enthält, in Wirklichkeit n rrrn, Gottesgesetze sind. Vielleicht gilt das in ähnlichem Sinne auch von allen denjenigen, denen es versagt ist, Erez Jisroel mit eigenen Augen zu schauen, wenn es ihnen aber vergönnt ist, für Erez Jisroel zu leben, wenn sie es sich angelegen sein lassen, ihre werktätige Liebe für Erez Jisroel in pte? pn besser, opferfreudiger und fruchtbarer zu gestalten, als in Erez Jisroel selber. Dies alles ist menschlichem Verständnis zugänglich. Die nun folgenden acht Schlußverfe der Thora, welche mit '.i 13V ntPö 3V DD’i einleiten, starren uns dagegen, wie ein unlösbares Rätsel an. Diese Schwierigkeit hat bereits unsere Weisen beschäftigt. Sie fragen: Da die ganze Thora von Moscheh Rabenu niedergeschriebei: ist und deshalb den Namen Thoras Moscheh führt, wie konnte dann Moscheh seinen eigenen Tod mit den Worten nv& ot? nrm berichten? 3V31 n& nttfb ,-iVv ‘tpcs*

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