Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 39 (16.9.1915)
- Date
- 1915-09-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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&ÖHflEUT * , * . v 16. September 1915. Frmrkfttrt a. M., den - -- M 39 M 39. 8. Tischri 5676. 3#?n lMßM 11^7 Der „Frankfurter Israelit" wird mit dem Israelit" abonniert- Abonnement für beide Blätter zusammen Mt. 1.60 vierteljährlich (Inland). Inserate im „Frankfurter JSraelit" kosten 25 Pfg. für die sechsgespaltene Lolonelzeile- Rabatt nach Tarif. Die Woche: 1. Jüdische Frnuenver.'inigung. 2. Brotuerteilung. ^uv dritten 5kriegsanleihe. PereLnskalender. — Gebrtzeiten. Wj " h » ieeüü^i^@iÜBei^©®ü^üieü^DiBS Jüdische Arauenvereinigung. Das seit Ausbruch des Krieges sowohl von hiesig e n als auswärtigen Freunden w reichlich unterstützte Kleiderdepot der „Jüdischen Frauenvereinigung" ist durch dre seither ununterbrochen statrgehabten Verteilungen an Flüchtlinge nahezu erschöpft. Die Vereinigung bittet' daher um erneute Zuweisung von Kleidern und Wäsche (Herrenkleider und Stiefel besonders dringend erwünscht.) Das Depot befindet sich Schützenstraße 14. Rrotverteikirrrg. Der Rechenschaftsbericht, des Israelitischen Brotverteilungsvereins für 1913/14 ist jetzt erschienen. An Geschenken gingen ein Jt 1389 im Jahre 1914, gegen Jt. 2201 im Jahre 1913. Naturgemäß entfällt der weitaus größte Teil der Mindereinnahmen auf die Kriegsmonate August bis Dezember 1914. Die Mctglrederbeiträge gelten 'ich fast auf gleicher Höhe. Die Einnahmen iuecfeu daher Jt 845.50 und das Bereinsveruiögen Jt 1070.30 weniger als 1913 aus. — Während der Verein 19!3 monatlich durchschnitt- 5ch für Ji 466 Naturalien verteilen konnte, .st er 1914 wieder auf das gewohnte Maß von ra. Jt. 430 zurnckgegangen. Diese Ausgabe wnnte aber auch nur dadurch bestritten werden, .aß von den Reservefonds bei der Sparkasse 5 1300 abgehoben wurden. Anstelle des zurückgetretenen verdienstvollen 'Kassierers, Herrn Emtl Goldschmidt, übernahm >err Max Mayer dieses Amt. Wohl hat, wie im Berichte mitgeteilt wird, :ne verstärkt einsetzenöe Propagandatätigkeit aüger BorftandsmitglteLer im ersten Drittel des -nfenöen Jahres einen srfreuiichen Erfolg ge^ ravtallem dieser reicht nicht aus, .der immer l'.ehr zuuehmenden Not zu steuern. Nur eiuen steil der Bittsteller kann nran berücksichtigeii, stn großer Teil aber muß leider unbefriedigt -nö vom wichtigsten Lebensmittel — dem Brore - entblößt, sich selbst überlassen bleiben, weil oem Verein die Mittel fehlen. Man darf hoffen, daß der im Berichte enthaltene Appell an die Mil Hilfe edler Wohltäter rächt ergebnislos verhallen wird. Zur dritten Kriegsanleihe. Die erste Kriegsanleihe hat nicht weniger erbracht als 4 V2 Milliarde«. Die zweite mehr als dos Doppelte. Welcher Erfolg wird der dritten befchieden sein? In Schätzung der Summen gehen die Meinungen der Sachverständigen auseinander, aber darin stimmen alle überein, daß die Voraussetzungen für gutes Gelingen auch diesmal gegeben sind. 1) An verfügbaren Geldern und Kapitalien fehlt es nicht. Deutschland lebt nicht mehr in der Knappheit früherer Zeiten, 21 Milliarden betragen die Einlagen bei den Sparkassen, über 15 Milliarden, liegen bei Banken und Genossenschaften. Auch jetzt, nachdem Millionen von Zeichnern zweimal schon ihr Erspartes dem Vaterlande dargebracht haben, ist Geld in Fülle vorhanden, ßmlidj, bie 13—14 Milliarden der ersten Anleihen spielen zu großem Teile wieder mit. Fast restlos und sie in Deutschland verblieben. England und Frankreich -ahlen, was sie aus Anleihen erlösen., an Amerika — Rußland an Amerika und Japan,. Deutschland aber zahlt au tausende und abertausende einheimischer Fabriken, einheimischer Lieferanten und Arbeiter. Die Hände wechseln, aber es sind deutsche Hände, die die Milliarden erhalten haben und willig sie den neuen Anleihen dienstbar machen. Ein Kreislauf des Geldes! Und kodann: große Ausgaben fallen fort im Kriege — für Ausdehnung der Industrie, Neueinrichtungen u. dgl. — die sonst hierfür verwendeten Summen suchen nach Anlage. Nicht minder auch Millioncnerlöse aus dem Verkauf der Bestände und Läger. Der Ankauf der Rohstoffe ruht. So fließen auch diese Millionen nur in bescheidenstem Maße dem '»Auslande *:a. 2) Dank der Fülle des Geldes ist der Geldstand überaus leicht. Ec ist leichter noch als im Frühjahr und viel leichter als im vorigen Höchste. Die Sparkassen gewähren an Zinsen etwa 3]/2°/o- Die Einzahlungen auf die zweite Anleihe haben sie hinter sich und inzwischen beträchtliche Spargelder neu vereinnahmen können. Die Zinsen für Einlagen bei den Banken sind noch geringer. Für tägliches Geld l tz2"/o! Nur solche Zinsen können die Banken vergüten, denn ihre Kassen sind überfüllt. Die Einleger empfanden dies peinlich, der '»Anleihe aber kommt eö zugute. 3) Die Käufer der früheren Anleihen haben ein gutes G e f.ch ä f t gemacht. Wer vom Deutschen Reiche 5 % erhält und daneben schon int Kriege einen Kursgewinn zu verbuchen har, darf zufrieden stin. Seit die bislang über 'Gebühr bevorzugten fremdländischen Renten schon hinsichtlich der Zinszahlung böse im Stich gelassen haben, sind die Staatsanleihen wieder in Gunst, wird namentlich die Kriegs« r:leihe geschützt, die nicht im Stiche läßt und noch dazu hohe Zinsen gewährt. 4) Mau weiß es im Volke: der K rieg kostet Geld und doppelt Geld, wenn jetzt doppelt so viele Soldaten ir.r Felde stehen. Man w c i ß aber auch, diese Vorsorge verbürgt uns den Sieg. Der deutsche Krieger, der bei Dannenberg den schweren Anfang mitgernacht, brennt darauf, jetzt auch bei dem EntscheidungSkamps mitzutun. So auch das deutsche Volk. Es hat in bangeren Lagen die Kriegslasten gefüllt. Es wirs auch jetzt — und jetzt erst recht dabei sein, wo die Waffcnerfolgc unserer Söhne —' um bescheiden zu sprechen — die Zuversicht des Gelingens gefestigt haben. * Au den Anlerhebediugungen: Der stprozentige Zins kn ß ist beibe- Hallen. Er wird auch diesmar starken Anreiz ausüben. Deutschland zahlte im Frieden 4 Prozent. Es hat für die Kriegsanleihen diesen Latz um ein Prozent erhöht. Ter Versuch England-, gleich uns mit solcher Erhöhung auszutommen, ist mißglückt. Es mußte zuletzt seinen Friedenssau um volle 2 Prozent erhöhen: von 2.V2 aus 4i/2",o. Der Preis der 5pr0z. Anleihe beträgt 99 °, 0; Schuldbucheintragun gen kosten nur 98,80 0/0. Der AusgabckutS der ersten Anleihe stellte sich auf 97,501/0, der der zweiten auf 98,50 0/0. Tie trurse beider Anleihen haben inzwischen eine so wesentliche Erhöhung erfahren, daß oer jetzt festgesetzte Kurs von 99 oder 98,80 "/o als mäßig bezeichnet werden muß. Uebrigens genießt der Zeichner noch Zinsvorteil. Es werden ihm 5 v Lrückzinsen vom Zahlungstage vis zum 1. Avril 1916, mit welchem Tage der Zinsenlauf der Anleihe beginnt, vorweg vergütet. Vor dem Jahre 1924 ist die 5 pr 0 zent. Anleihe nicht kündbar. Die neunjährige Laufzeit dürste für Kursgewinn erfreuliche Aussichten ervfsrwn. Diese Untündbarkeit bedeutet aber nur, daß das Reich die Anleihe bis 1924 nicht kündigen und also auch den Zinsfuß nicht bt'abietzen kann. Die Inhaber der Schuldverschreibungen können natürlich über diese wie über jedes andere Wertpapier (durch Verkauf, Verpfändung u.s.w.j verfügen. Die Zeichner können die gezeichneten Beträge vom SO. September ab jederzeit voll bezahlen oderauch die vis zum Januar 1916 geräumig bemessenen Einzahlungstermrue innehälten. Die frühere Bestiunnung, wonach Zeichnungen bis 1000 Mark voll bezahlt werden mußten, ist im Interesse der kleinen Zeichner fallen gelassen. Rer chsschatzan Weisungen gelangen nicht zur Verausgabung, für die Reichsanleihe aberift ein Hoch ft betrag der Verausgabung nicht re st gelegt. Es wird hierdurch auch diesmal der Ueöelft'jmV vermieden, daß Zeichner leer ausgehen oder sich mit geringerer Zuteilung zu begnügen haben. Tie Zeichnungen können vom 4. S e ptember bis zum 22. September, mittags 1 Uhr, v 0 rgcn 0 mnren werden. Die Festsetzung einer mehrwöchigen Frist hat sich bewährt. Jedermann har Zeit, sich Aufklärung In verschaffen und in Muße seine Zeichnung vorzubere,- ten. Es empfiehlt sich aber, die Zeichnung nicht bis zum letzten Tage arüMchieben. Für^ Gelegenheit, die Zeichnungen Königlichen Hauptbank in Nürnberg stehen alle Banken und Bankiers, arle Sparkassen und Lebensversicherungsgesellschaften, olle Kreditgenossenschaften, alle Postanstalten uns in Preußen alle Königlichen Regierungs-Haupt- und Kreistagen zur Verfügrmg. W e r S t ii ck e v 0 n 1000 M a r k u n t> darüber zeichnet, erhält auf Antrag Zwischenfcheine. Hiermit wird den Wünschen Vieler Rechnung getragen. Technische Schwierigkeiten verbieten es, die Verausgabung von Zwischenscheinen auch auf kleinere Zeichner auszudehnen. Zum Ausgleich sollen abelkleine Zeichner bei Ausgabe der Stücke vorweg befriedigt werden. Wenn hiernach hinsichtlich der Anleihebcgcbung im Wesentlichen alles beim -»Alten bleibt, so bestehr die sichere Hoffnung, daß auch hinsichtlich der Freudigkeit und Begeisterung, mit der ganz Deutschland sich den früheren Anleihen zuwandte, alles beim Alten bleiben wird. Wer für das Wohl des Vaterlandes sorgt, sorgt für die eigene Zukunft. In allen Fällen deckt sich