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Der Israelit · 1915-09-08 · Heft 38 (8.9.1915) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 38 (8.9.1915)
Date
1915-09-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14. Nr. 38. Der Israelit. 8. September 1915 ein Mehr und verurteilt ein Minder. Jeder Versuch," es mit Aufwendung aller Kraft herbeizuführen, muß notaedrungen auf die Lauterkeit des obersten einen Gedankens verzichten und Muß die vielen Meinungen mrd Ansichten auf eine einzige Formel bringen — unter Beibehaltung bei prinzipiellen Verschiedenheit. Uub damit, fällt,, die Einheit. Der beste Wille das “in» zu fördern/' wird - dabei zum Handlanger des "in**: Händeringend steht Man hinterher vor dem Zusammen-' brach aller Müh und Arbeit. Statt die Wahrheit zu mehren, hat man die Verwirrung vergrößert. Die Schönheit der Idee und die Lockung, ihrer Größe deckte die Kehler zu, die Ztfr zu Grunde lögem. Mvm» j&jg endwo „Realpolitik" am Plätze wäre, dann ist es dort, wo Massen zu einem Ziel geleitet werden sollen. Lieber ein Verzicht in Ehren, als ein unglückliches Mißlingen. Nur ein herbes Geschick und die dröhnende Donnersprache des Megschenleids lassen die Gottesfurcht einziehen, wo sie geschwunden. Dann, nur dann w e r d e n die.Menschen zu einein Treubund zusammengeschweißt, um Gottes Willen mit ganzem Herzen zu erfüllen. Leider, leider kann heute nur der Zwang ersetzen, was an freiem Willen verloren ist. Der Allmächtige schafft sich selbst mit starker Hand seine Anerkennung im jüdischen und menschheitlichen Kreise, wie die Geschichte des 'jüdischen Volkes es schon so oft gelehrt hat. . So beten wir denn jit diesem Jahre mit besonders verständnisvoller Inbrunst: „So lege bas Bangen nach über all „Deine Werke und die Furcht vor Dir über „alles, was Du geschaffen .hast, auf daß „Dich ehrfürchten alle Werke mrd sich vor „Dir hinwerfen alle'Geschöpfe und sie alle „zu einem Bunde werden, Deinen Willen „mit ganzem Herzen auszuführen — wie wir „es erfahren haben, daß die Herrschaft vor „Dir. liegt, -Widerstandskraft in Deiner Lin- „ken und obsiegende Macht in Deiner Rechnen und Dein Name.ehrfurchtbar ist über „alles was Du geschaffen.hast." Erst mit dem Bewußtsein von Gott und der Furcht vor Gatt zieht das Bewußtsein vom Recht und das Rechtsgewisscn in die Herzen der Menschen, der Fürsten und Völker ein. Der heutige Rechtsstaat bestrebt sich wohl in der Rechtsprechung sich den Grundsätzen des Rechtsideals zu nähern. In der Berwaltungspraxis aber gelten in erster Reihe politische Grundsätze.. Diese entspringen einem stillschweigenden oder auch geheim ausgesprochenen Uebereinkommen derjenigen, die im Augenblick die Macht in Händen haben. Die politische Macht ist indessen innerhalb der Staaten auf äußeren Machtmitteln des' Besitzes oder der Masse begründet und ging infolgedessen noch nie in die Hände Lines ethisch bedeutsamen Kreides über. Der Uebermensch wurde bisher noch nie in den Leidensftarken, in den in Treue Bewährten erkannt und anerkannt. Die Tagesgrößen der Vergällglich feit, spotten der vieltausendjährigen Helden der Jdee^ Auch diese: Wertung des Dnldens leuchtet der Welt erst im .Erleben ein. Erst wenn der Machtstolz durch das Unglück, das er erzeugt, gebrandmarkt ist und der Diplomcttendnnkel in der Grausamkeit seiner geschäftlichen Nüchternheit den Abscheu der von ihm ins Elend gestürzten Menschheit trägt — wird die Zeit für die Bescheidenen gekommen sein. Dann wird der Welt als einzige wahre Philosophie die Geschichte des jüdischen Volkes entgegenleuchten. Die Gottesfurcht, die als Rückständigkeit verlacht wurde, wird als Ruhmesstern erglänzen, das Volk, das ibr einziger wirklicher aufopserungsfrendiger Träger gewesen, findet Verständnis und Anerkennung. Gleich ihm wird man den sinnenden Blick von dem im letzten Grunde uns verschlossenen Naturerkennen dem nwralischen und sozialen Pflichtenkreis zuwenden und im Anbau dieses Wissenszweiges die Thorawissenschaft verehren lernen. Dann wird die Zeit gekommen sein, in der die Berheißungsfrohen und- Vertrauenden ihre Stim'me frei erhoben dürfen. Erscheint ihr Hoffen doch der Wirklichkeit.nahe, ihre Ideale , nehmen reale Formen' an. Und das Volt, das Zeinen Ideen Treue gehalten) läßt man sich 'gern pnd freudig in seinen berechtigten nationalen Suki sonnen.' Seiner EMsHmachi ordnet ble Wcll sich gerne nnter und der Kührung seines * Lichtes folgt, die Welf Luv. eyblichey Erlösung.,1 .So beten wir im deutlichen Gefühle der schon, "bähenden Entwicklung des Menschengeistcs: - ' „So gib Ehre Deinem Volke, Ruhin denen/ „die Dich fürchten, Hoffnung denen, die Dein ZMVrt zü ergründen streben und Freiheit „der Rede denen, die ans Dich vertrauen, „Freude Deinem Lande, Wonne Deiner „Stadt mrd Machtzuwachs David, Deinem „Diener und Entzündmrg des Lichtes des „Sohnes Isars, Dernes Gesalbten, bald in „unseren Tagen." - Hand in Hand mit diesen großen welterlösenden und Israel beglückenden Umwälzungen geht die Befreiung der leidtragenden Einzelnen \a Israel selbst. Es war seit je das größere Goluß, das Israel sich selbst bereitete. Zerfällt in Parteiungen, hat, wie in der Welt, die uns umgibt, die materiell stärkere Volksschicht die schwächere unterdrückt. Ein j’accuse könnte man als Summe der jüdischen Geschichte der Diaspora schreiben. Das Unrecht, die Vergewaltigung, die der gesetzestrcue Teil der Judenheit von den aller Gesetzesfessel sich ledig dünkcnden Seite zu tragen Hatte, läßt die bittere Frage nach der Auffassung des Liberalismus, nach dem Gegensatz zu der Betätigung der Bruderliebe gegenüber entfernter wohnenden Brüdern nicht verstummen. Während der körperlichen Erhaltung Hunderttausend er von Brüdern in anderen Staaten und Erdteilen ungezählte Millionen gespeLM.. wurden/konnte man den Bruder neben sich" kaltblütig öerhungern sehen, wenn er seine Ueberzeugung nicht zum Opfer bringen wollte und dein Gewisseitsdruck nicht wich. Schärfer als der politische und konfessionelle Gegner schliff man die Waffe zum Kampfe gegen die Gemeinde der Thvratreuen und mit Gehässigkeit und Spott, mit Gewalt und List suchte man ihre Lebensader in der Gesamtheit und im Einzelnen zu unterbinden. Und auch dieser'doppelte Druck von außen und von innen vermochte nicht im gesetzestreuen Kreise die Einigkeit zu schaffen, welche die Starke des Realen zur Schwungkraft des Ideellen fügt. Es galt da oftmals in der-Geschichte jenen verhängnisvollen Gegensatz anszumerzen zwischen den Pflichten gegen die Menschen und denjenigen gegen Gott. Der jüdische .Mensch erreicht im reinen Menschentum erst seine ideale Blüte. Jude sein heißt das edle, wahre Menschentum zur Voraussetzung der Lebensführung nehmen, ans den. die Selbsterziehung durch die Pflichten gegen Gott zu einer der übrigen Menschheit nicht verständlichen Höhe der Vervollkommnung gelangt. Nur aus geraden und ehrlichen Wegen, nur mit Wahrheit und Billigkeit, nur mit Aufrichtigkeit und Treue wird das Lebensziel eines Inden erreicht. Drum hcten wir, daß der Pflichttreue nicht mehr getäuscht, der Grade nicht inehr hinlergangen, der Ehrliche nicht mehr verlacht, der Offene nicht mehr gemieden, der Aufrichtige nicht mehr verdrängt, der Wahrhaftige nicht mehr um seiner Wahrhaftigkeit willen bei Seite - geschoben, der Selbstlose nicht mehr um seiner Selbstlosigkeit willen verfolgt werde: „So mögen Pflichttreue schauen und sich „freuen, Grade frohlocken und Selbstlose „jubeln und fauchzen. Das Unrecht aber „wird seinen Mund schließen müssen mrd „aller Frevel wird wie Rauch vergehen, „wenn Du die Herrschaft des' Uebermntes „von der Erde entfernest." Nichts-anderesals die Rückkehr der Menschheit zur Menschlichkeit bildet den Inhalt der ' Menschheitserlösung. An die Anerkennung Gottes als gebietenden Weltenkönigs kmchft sie ü#r* und in Erhebung Israels und seines Landes, die lebendigen Zeugen der. Gotteßherrschast auf Eiden, schallt sie aus: ' „Du allein wirst "König fein über all Deine >,Werke aus dem/.Berg Zwn, der .Stätte -i./ „Deiner Herrlichmt' und in Jerusalem, der ■. - : . „Stadt Deines. Heiligtums,^wie-D geschrie- U t ‘ ,)bek steht in dchi Worten Heiligtums./..,, „Körrig, sein.Mrd Gott für ewig; rc-Dein Gott, Zion, für Geschlechter, „Hallelujah."" Mit diesem Ausblick schließt aber die Gebetseinschaltung noch nicht. Vielmehr wird zunl Schluß nochmals das Moment hervorgehoben, das diese endliche Verheißung ermöglicht. Der überwältigende Sieg der Gotteswaltung, das furchtbare Niederringen der ihr entgegenwirkenden dunklen 'Kräfte der Erdengewalt und Menschenmacht. Bis das Maß erreicht ist, läßt der Allgewaltige sie zur Höhe steigen, um! sie dann um so tiefer niederzuschmettern. „Würde in Fel-- scnklüften hoch der Völker Hochmut sich verschanzen, im Herzen sprechend, wer könnte mich zur Erde werfen, — wenn.du zum Adlershöhenfl ug dich erheben würdest und zwischen den Sternenwclten dein Nest dir bauen wolltest, von dort würde der Allerbarmer zur Rettung seiner Menschenwelt dich niederhvlen." Heil dem Volke, das ausersehen ist „zur Zuchtrute im Dienste des göttliche Zornes, in dessen Hand der Gottes groll eine Macht wird." heil dem Volk, „das gegen ein Recht und Wahrheit lästerndes Volk entsandt und entboten wird gegen einen Staat, der den Gottesgrimm sich zngezogen." Möge solches Volk nur dieser feiner den höchsten Aufgaben dienenden Bestiminüng bewußt bleiben und in seinem Herzen keine selbstischen- Pläne hegen", — So selbstlosso auf das Gute gerichtet wie der Einzelne, kann und . muß auch eine Volksgemeinschaft wirken. —; So absolut gut leuchtet' der Menschheit als Ideal der^beb endige Gott voran, ein Rufer' und Mahner.zur Pflicht, gut im Ziel, furchtbar im Wirken, führend die Sache des Rechts, Bürge der Wahrheit, Vollender des .Heile in heiliger.Hoheit — „Heilig bist Du und ehrfurchtbar ist Dein „Name und es gibt keinen Gott außer Dir, - „wie es geschriebenist in Deiner Lehre, „Erhaben erscheint der Gott der Heerscharen „im Gericht und der heilige Gott wird ge- „heiliget durch Pflichttat-" Air Spenden gingen ein: Aür Palästina erugegangeu vei dem <Lokalkomitee der Deutsch-KollÄrrdkfchert F^atästinaverwatturrg Komitee, Kot«, Ientrate für Wewtand «nd Westfale«: Fr. Alföns Heymann, Höxter, 5 M., Heinr. Baehr, Nümbrecht, 5 M., Andreas Jsaac, Calear, 14.50, Frl. Rosalie Simons, Cöln, 3 M., Gemeinde Schermbeck, 25 M., R. Simons, 3 M. Gesammelt durchSiegfr.Servos und Walter Hirs^ch in der Gemeinde Kempen. Simon Winter, Kempen, 5 M., Abrah. Rath sen., Kempen, 1 M., Sam. Münz, Kempen, 5 M., Siegm. Winter, Kempen, 1.50 M., Emil Winter, Kempen, 2.50 M., Geschw. Marx, Kempen, 0.50 M., Moritz Lamberts, Kempen, 0.50 M., Simon Lamberts, Kempen, 0.50 M., Adolf Lamberts, Kempen, 1.50 M., Geschw. Berghoff, Kempen, 0.50 M., Linchen Winter, Kempen, Andreas Rath, Kempen, 0.50 M., Isidor Hirsch, Kempen, 0.50 M., Abrah. Rath jr., Kempen, 1 M., Leop. Servos, Kempen, 0.50 M., Hermann Winter, Kempen, 0.25 M., Albert Goldschmidt, Kempen, 1 M., M. Sommer, Kempen, 1 M., Frauenverein Kempen, 5 M., N. N./ 5 M., Frau Ltßner, Neustadt, 0.60 M., Rabb. Dr. Carleback, Cöln, 10 M., Moses Weites, Cöln, 5 M., Schweizer, Euskirchen, 10 M., S. Pfeiffer, Düsseldorf, 25 M., ^Frau S. Cohn und Söhne, Mülheim/Nühr, 100 M.

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