Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 38 (8.9.1915)
- Date
- 1915-09-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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11. Jahrgang. Monsts-veilage rum „Israelit" Ycraritwortlicbe Rcdafttiom Rabbiner Or. B. (flelf ln Köln. wr*' WM Zur uvrsruug von der Rszcd-Ksrchousd eorrrrpsudeur gaben Spenden: Alfons Heymann und Frau, Höxter, S. Grünsfeld und Frau, Cöln, Lazarus Wolf und Frau, Cöln, Ph. Weil, Cöln, M. L. Munk, Cöln, Leo Munk, Cöln, B. Schneider, Cöln, N. N., Cö'.n, I. V. Cleef, Cöln, B. Hirsch, Cöln, Jos. Strauß, Siegburg, Rabb. Dr. Wolf, Cöln, Carl Frank, Cöln. llladrdalt mit Sott, für Kaiser und Reich kämpfen jene jüdischen Soldaten, die selbst im Kriege und in Feindesland nur rituell erlaubte Speisen genießen. Zu ihrer Beschaffung erbittet dringend die Zuwendung von Geldspenden Rabbiner De. Molf, Köln, Ko Yen st aufen ring 14. Postscheckkonto Mo. 50648 des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands. In diesen heiligen Tagen spendet reichlich kür die Zwecke des Vereins für die Jüdischen Interessen Rheinlands und insbesondere für Eure eigenen Brüder und Söhne und Batten in Garnison und Feld zur Rozdmdelrikilgiiug. Die eigene Not ist die nächste Pflicht. Wer Gebet am Aofch Saschonoh. Als R. Jochanan ben Sakkai auf seinem Sterbelager seine Schüler mit den Worten segnete: „möge eure Gottesfurcht eurer Menschenfurcht gleichkommen", hatte er gewiß ein wahres Wort; gesprochen. Im! allgemeinen pflegt das'Streben, den Menschen zu gefallen, das sittliche Werturteil der Handlungsweise und diese selbst in un.- pnfUgem Sinne zu beeinflussen. Das Nützlichkeitsprinzipbeherrscht die Welt und erniedrigt das' Gute zur Handhabe, der man sich bedient oder auf deren "Dienst man verzichtet, wie es gerade das vermeintliche Gegenwartsinteresse zu gebieten scheint. Daß solche Rücksichtslosigkeit gegen die ewigen Grundsätze der Wahrheit nicht ungestraft bleibt, liegt in der Natur der Dinge begründet. Nicht das unterdrückte Gute, vielmehr das verhätschelte Schlechte wird wie ein verwöhntes Kind seine Stimme erheben und sich auch nicht mehr für einen Augenblick die Stube zu verlassen, bereitsinden, in der nach Herzenslust zu schalten man es gewöhnt hat. Mit allen Mitteln wird es seinen Willen durchzusetzen wissen und sich so verriegeln, daß das Gute für immer draußen bleiben muß. Die Geister, die man rief, wird man so leicht nicht los. Wenn dann das brave Kind verdrängt ist und das verzogene das Haus beherrscht, tritt die Kehrseite ein. Man schämt sich des erzieherischen Mißerfolges und möchte in den Augen der Menschen doch den Grad von scheinbarem Anstand wahren, der nach hergebrachter Sitte zum guten Ton gehört. Denn Izie schönen Begriffe von Kulturleben und Zivilisation verlangen immerhin ein Minimum von Wahrheit und Treue, Rechtlosigkeit und Ehrlichkeit, um damit das hohe Lied von Fortschritt und Errungenschaft zu rechtfertigen. Man muß darum Ottvas Menschenfnrckt aufgeben und Gottesfurcht heucheln, damit man die Menschen .nicht noch mehr fürchten müsse. Aber diese Dosis Ethik, in beschränktem Maße genossen, bekommt dem Körper des Einzelnen ebenso schlecht, wie dem .Volkskörper und dem Völkerkonzern. „Dies etwas Gute, etwas Schlechte, schlägt schließlich völlig.tot das Rechte." Was diese Salonkultur der Welt für Werte eingebracht hat, lehrt dieser schrecklichste aller Kriege, der in Europa, jm Zentrum' der Weltkultur von den Kulturvölkern geführt wird. Wer dabei blind bleibt, wird.niemals mehr sehend, wer dabei taub ist, soll niemals mehr hören dürfen. Ec gehört zu denen, .die zur Selbststrafe verurteilt sind und die an ihrer Krankheit rettungslos zu Grunde gehen. Es gibt doch angesichts der Weltlage, die niemand aus. politischer Notwendigkeit erklären kann, sondern die nur gus ethischer Entspan-1 nung zu begreifen ist, nur eine logische Schlußfolgerung: Alles oder nichts. Es gibt keine halbe Wahrheit und keine halbe Ethik. Die Halbheit der Kultur, die H'albf’cit im sozialen und moralischen Leben erzeugt ihren Rächer und Selbstentlader. Air ihrer Selbstentzündung geht die Welt.in Flammen ans. Nur an Ernst und Ganzheit kann die Welt gesunden. Das traurige Kriegsjahr, das hinter uns liegt, hat uns den Anschauungsunterricht zu der theoretischen Lehre erteilt, die in den Gebetsftücken gegeben wird, die wir an den DVnan D'ö1 in die dritte der ersten drei Segenssprüche der nhsn einschatten. Der Mangel an innerer Befriedigung bei der Jagd nach äußeren Gütern wurde von denkenden Menschen bewußt, von leichtsinnigen .unbewußt empfunden. Wo Wünsche statt Pflichten die Menschentat beherrschen, da empfindet.man Leere des Lebens und Zwecklosigkeit des.Arbeitens. Unbehagen und Unlust, Unzufriedenheit und- Ueberdruß lähmen Gedanken und Handlung und bewirken Teilnahmlosigkeit des Herzens selbst an den eigenen äußeren Erlebnissen. Jeder unerfüllte Wunsch erscheint als Schreckens- und Schreckbild am Horizont und umwölkt Stunden und Tage, die von wahrer Glückssonne beschienen sein könnten, wenn unser Herz empfindungsreich, unser Geist geweckt und der Wille stark genug wäre, über das äußere Erleben siegreich zu dem wahren Werturteil durch- und vorzudringeu. Der letzte Grund aber jedes sittlichen Begriffes und jedes ethischen Urteils ist Hascheim. Denn gut und böse sind praktische Begriffe, die nur int Zusammenleben der Wesen eingeschätzt werden können. Gut und böse bilden also die Grundforderung des Altruismus, der Menschenliebe. Der Eigennutz und die Selbstliebe gebraucht zwar dieselben Ausdrücke, gibt ihnen aber Nützlichkeitsbestimmungen zum Inhalt. Der Egoismus hat zur erkenntnistheoretischen Grundlage die von jeder Gemeinschaft mit anderen losgelöste Entwicklung des Einzelwesens. Die Uebernahme humanitärer Begriffe und.Betätigungen ans Anhänger der Entwicklungslehre ist eine unlogische .Anleihe von feindlichem Staat, die nur Papierwert hat, aber keine vertrauenswürdige Finanzierung bedeutet, ist die Ueberführung einer .Kulturpflanze auf unkultivierten Heideboden, wo sie zu Grunde gehen muß. All das beweist die Erfahrung von heute. Der Altruismus beruht indessen auf der überlieferten Zusammengehörigkeit und Gemeinsamkeit der geschaffenen Wesen und hat den Gedanken zum theoretischen und praktischen Ausgangspunkt: „Kinder seid ihr Gott, eurem Gotte." Es gewährt dem Menschen und der Menschheit das ernste Bewußtsein von Gott und die daraus folgende Verpflichtung der Rechenschaftsablage vor unserem Gewissen, der Gottesstimme in uns, das größte Glück. Das Gefühl beständig von einem unsichtbaren Sehenden umschwebt zu sein, vor dessen Auge alles' sichtbar ist, das beständige Bangen vor seinem richtenden Auge bestehen zu können, die tief innerlich im Herzen geborgene Sorge, nicht zu sündigen, erzeugt Gewissenhaftigkeit und Ernst der Lebensauffassung, deren Ziel die wahre ethische Kultur des Menschen und der Menschheit bildet. In sieghafter Ueberzeugung, ehrlichem Bekennermut und wahrhaftiger Offenheit wird zielbewußt jeder Schleier hinweggehoben und jeder Firnis zerstört, der in anmutsvoller Täuschung der Welt in wohlberechncter Massenwirkung die Rohheit verdecken soll, in der das Menschenmaterial trotz aller Künste und Anstrengungen geblieben ist. Es hat die Prüfung dieses Krieges wahrlich nicht bestanden. Ohne bangendes Sehnen zu Gott, ohne buchstäbliche Gottesfurcht keine Gesamtvereinigung. Und wahrlich! unsere weisen Gebetsordner täuschten sich nicht selbst; darum wählten sie den passiven Ausdruck kinrr JT7JK Solche gemeinsame Erhebung der Weltzu ehrlichem Gottesdienst des Lebens erzielt mau nicht durch Menschenwirken. Stämme und Völker. Länder und Leute sind zu verschieden geartet, als daß menschliche Zunge und menschliche Ueberredungskünste sie zu einem graden, wahren unverrückbaren Ziel vereinigen könnte. Dieses Ziel kennt kein Schwanken, gestattet kein Abweichen, verbietet mm Müäi MjMMW