Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 33 (5.8.1915)
- Date
- 1915-08-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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5, August 1915 Ein ftinöifcfies Unternehmen. Nerv-Kork, 12. Juli. ' Der sehr tatendurstige Redakteur des hiesigen „Tog", Hermann Bernstein, ist auf die sonderbare Idee gekommen, sich an die obersten Heerführer aller Kriegslünder mit der Bitte zu wenden, ihre Meinung über die kriegerischen Qualitäten der in ihren Heeren kämpfenden jüdischen Soldaten zu äußern. Antwort ist bis jetzt nur vom französischen General Pau eingegangen, die in der Nummer des „Tog" vom 10. Juli, unter photographischer Wiedergabe des Originals, veröffentlicht wird. Der General bedauert, die gewünschte Auskunft nicht geben zu können, da das französische Heer keine Juden oder Katholiken, sondern nur Franzosen in seinen Reihen habe. Die Antwort Hindenburgs und Mackensens steht noch aus. Die Herren scheinen zur Zeit etwas Befferes zu tun zu haben. . . . fimerihanifdies Allerlei. Nerv-Kork, 18. Juli. Das New-Aorker Jüdische Hilfskomitee hat bis jetzt über 800.000 Dollars nach Europa und Palästina zur Linderung der Not der jüdischen Bevölkerung in den kriegführenden Staaten gesandt. Allenthalben finden Besprechungen statt, um die nach dem Kriege zu erwartende starke jüdische Einwanderung zu regeln. Wie gering zur Zeit die jüdische Einwanderung ist, beweist, daß im Hafen von Philadelphia im Monat April nur 8 Juden, im Monat März kein Jude gelandet wurde. Der Streik der jüdischen Schneider nimmt fortgesetzt an Ausdehnung zu. Dieser Tage schloffen sich 3000 Westenschneider der Streikbewegung an. Heute findet eine Versammlung von 30.000 Rockschneider statt, die sich aller Voraussicht nach, gleichfalls am Streik beteiligen werden. Die Gegner Franks geben sich mit der Begnadigung ihres Opfers nicht zufrieden. Man ist einer Verschwörung auf die Spur gekommen, die Frank aus dem Gefängnis holen will, um ihn zu lynchen. Der Gouverneur von Georgia hat umfassende Vorkehrungen zum Schutze Franks getroffen. Personalien. Uehlfeld, l. Aug. Von einem schweren Verluste wurde die ftamilie des Herrn Emil Dingfelder dahier betroffen. Am 25. Juli fiel der älteste Sohn des Genannten, Herr Leutnant Alfred Dingfelder, im Kampfe fürs Vaterland. Kurz war die militärische Laufbahn des Helden und doch so reich an Taten. Am <3. Dezember v. I. wurde er zum Heeresdienste einberufen. Ende Januar zog er ins Feld. In kürzester Zeit erwarb er sich hier das Vertrauen und die Zufriedenheit seiner Vorgesetzten in dem Maße, daß er schon mitte Februar zu einem Ofsizierskurs abkommandiert wurde. Nach sechswöchentlicher Ausbildung erhielt er hier das OsfizierSpaient. Als schmucker Offizier verbrachte er hierauf einen sechstägigen Urlaub bei seinen lieben Eltern. Es war der letzte Aufenthalt im trauten Elternhause. Am Erew Pesach mutzte er wieder zu seinem Truppenteile einrücken. Nach kurzer Tätigkeit an der Ostfront kam er vor einigen Wochen wieder in die Vogesen zurück. Durch kühne Tapferkeit, treue Pflichterfüllung und kameradschaftliches Benehmen machte er sich und dem Judentum alle Ehre. Am 25. Juli, nachmittags 33/4 Uhr, traf ihn das tödliche Geschoß. Er ruht in der nächsten Nähe des Ortes, wo er die größten Strapazen ertragen und das Opfer seines Lebens für uns alle gebracht hat. Sein Bataiüonsfiihrer berichtet, daß er wegen seiner Liebenswürdigkeit und Tüchtigkeit äußerst beliebt war. „Er hat uns allen Ehre gemacht und im schwersten Granarfeuer seinen Zug tapser und mit kühner Tatkraft geführt. Wir werden den teuren Kameraden nie vergessen." Allgemeine Teilnahme wendet fich der schwerbetroffenen Familie zu. Möge der Allbarmherziße die trauernden Eltern und Verwandten trösten. ' n'ajuzi: Abterode, 29. Juli. Wieder ist einer unserer hoffnungsvollsten jungen Lehrer im Feindesland gefallen. Daniel Katzen st ein hauchte am 17. v. Mts. auf den Feldern Rußlands im Alter von 31 Jahren seine reine Seele aus. Katzenstein stammte von hier und genoß seine Ausbildung in der Präparantenanstalt in Burgpreppach und im Lehrerseminar zu Cassel. Durch rastlosen Eifer eignete er sich vielseitige und gründliche Kenntnisse auf allen Gebieten der Schule an. Dabei Der Israeli». No. 33 Sette b schmückten ihn die schönsten menschlichen Tugenden. Im Besitze eines für sein Alter großen jüdischen Wissens, war er auch als pn und Klip Pjn sehr geachtet. Nach seinem Abgang vom Seminar fand er Anstellung an der dreMaffigen Israelitischen Volksschule in Cassel und erwaro sich Liede nnd Vertrauen der Vorgesetzten und Kollegen. Freudig, voll Mut und Begeisterung, trat er im Januar 1915 in die Reihen der Tapferen, um die heiligste Pflicht fürs geliebte Vaterland zu erfüllen, der er nur» das Leben geopfert. Tief betrauert wird er von den gottergebenen frommen Eltern und Geschwistern, aber auch von seiner Heimatgemeinde. nom Bischheim b. Straßburg i. E., 28. Juli. Von einem schweren Schicksalsschlage getroffen wurde die Familie des Herrn Jules Klein, des weil über das Elsaß hinaus angesehenen Mitgliedes des unterelsässifchen Konsistoriums. Im Blütenalter von 19 Jahren wurde nach langer Krankheit dem schwergeprüften Vater sein ältester Sohn entrissen. Wer den verblichenen Jüngling gekannt hat, weiß die Größe des Schmerzes zu würdigen. Bescheidenen Wesens wie er war, war es alle Zeit fein Streben gewesen, des Namens, den er mit Stolz trug — er war Enkel des berühmten Kolmarer 21 — sich würdig zu erweisen. In der Realschule der Israelitischen Religions-Gesellschaft zu Frankfurt a. M. hatte er sich während seiner Schulzeit durch feinen Fleiß, feine Gewiffenhaftigkeit und sein verträgliches Wesen die üneingefchränkte Zufriedenheit seiner Lehrer und die Liebe seiner Mitschüler erworben. Seinem Vater war er ein treuer, liebevoller Sohn, der Stolz und die Hoffnung seines Lebens. Die überaus starke Beteiligung beim Begräbnis legte Zeugnis ab von der Beliebtheit, der sich Salomon Klein N'p in weitesten Kreisen zu erfreuen hatte. Zwei Rabbiner, Herr Dr. Weil, Fegersheim und Dr. Lev y, Brumath, gaben der tiefen Trauer beredten Ausdruck, rrajwn. New-Nork, 25. Juli. Rabbiner Dr. Philipp Klein ist nunmehr seit 25 Jahren Rabbiner der Ersten Ungarischen Gemeinde Ohab Zedek und es hat sich ein Komitee gebildet, um dem geschätzten Lehrer welcher die Gemeinde zu großer Blüte gebracht hat und ein Führer in der Sache des traditionellen Judentums in Amerika ist, eine Ehrung zu feinem Jubiläum zu Teil werden laffen. Dr. Philipp Klein wurde in Baraeska, Ungarn, am 22. Mai 1818 geboren. Er besuchte das Gymnasium in Preßburg und studierte am Berliner Rabbiner- Seminar. Auch besuchte er Kurse in den Universitäten von Wien, Berlin und Jena. In Berlin erwarb er den Doktortitel. Von 1880 bis 1890 war er Rabbiner in Libau, Kurland. 1890 kam er nach New-Aork. Mainz, 29. Juli. Willy Krieger, Sohn des Herrn Moses Krieger, Kanonier im Feld.-Art.-Reg. Nr. 27, wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. nuttmehr ein überaus schmeichelhaftes Dankschreiben Sr. Exzellenz des Herrn Statthalters in Mähren zugangen, worin die vielseitigen Bestrebungen des jüdischen Geistlichen zum Wohle der Flüchtlinge besonders anerkannt werden. Kopenhagen, 28. Juli. Wie aus Warschau berichtet wird, find die beiden dort in jüdisch-deutscher Sprache erscheinenden Tageszeitungen „Haint" und „Moment", sowie die hebräische Tageszeitung „H azefttat)'' vom Warschauer Gouverneur für die Dauer des Krieges verboten worden. Vereiisnachrichiell. Berlin, 1. Aug. Die hiesige Vereinigung Jüdischer Akademiker kann mit Genugtuung feststellen, daß sie guch im 2. Kriegssemester den Zielen, die sie sich gesteckt hat, und den Erwartungen, die man an sie stellt, in hohem Maße entsprochen hat. Wenn sie auch nicht wie in Zeiten des Friedens als die stärkste der Bundesvereinigungen einen Ueberschutz an Kräften und Mitgliedern hatte, so suchte doch die noch verhandene Schar der Mitarbeiter — und auch die ist ,T2 noch ganz stattlich — durch verstärkte Tätigkeit die Aufgabe des Bundes durch die Stürme der Gegenwart hindurchzutragen. Dies ist umso nötiger, als leider nicht alle Bundesvereinigungen mehr im Stande waren, die reguläre Arbeit zu leisten. Der Vorstand fetzte sich zusammen aus den Bbr. Bbr. csnd. mell. Wolfsberg, 1. Vorsitzender, Rabb. Dr. Für M Henametell ift die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere Ift e» anSschließltch Sache der Leser, vis im «eklameteU enthaltene« Empfehlungen ritueller Waren oder sonstiger Angabe» religionsgesetzliche» Etzaratterß ans ihre AnverlLsssgleit »n prüfe«. j2axin2s££L regelt den Stuhlgang Erwachsenen and Kindern. Proben nnd anfkhirende Broschüre F. 60 gratis durch die Pharmakon fiesellsckalt eham. Fabrik, Fraakfart a. Main Kaiser Friedrloh Quelle — Offenbach a. K. —— ■ Gegen Gleht und Rheumatismus bewährt. Alleiniger General - Vertreter: Friedrieh Stahi, Frankfurt a. M., Günthersburgallee 37. Te!. 259 a. 714 Vermischtes. Würzburg, 2. Aug. In der hiesigen Synagoge fand am 1. August, vormittags 9 Uhr, unter außerordentlich großer Beteiligung von Zivil und Militär feierlicher Gottesdienst anläßlich des Jahrestages des Kriegsbeginns statt. In seiner großangelegten Rede gedachte Herr Distriksrabbtner Bamber ger der im Kriege Gefallenen und forderte auf, in erneuter Weise zur Hilfeleistung für die durch den Krieg hetmgesuchten familien bereit zu stehen. Mit einem Gebete für önig, Kaiser und Reich endigte die würdige Feier. In Verbindung mit dieser Feier fand die Eidesbelehrung für die jüdische Mannschaft statt. Wreichen, 1. August. Herr Moritz Brummer aus Gnesen, der bis vor Ausbruch des Krieges ein schätzenswertes Mitglied unserer Gemeinde war, hat derselben zur Ergänzung und Vollendung des Friedhofszaunes den ansehnlichen Betrag von 5909 M. gespendet und außerdem der Friedhossverwaltung zur Herstellung eines würdigen Portals 500 Mk. überwiesen. Zürich, 21. Juli. Die zahlreichen Juden in Galizien haben durch die Besetzung ihres Landes und durch die gezwungene Auswanderung sehr viel erdulden müssen. Die Befreiung Galiziens von der Russenherrschaft hat begreiflicherweise bei den Juden den größten Jubel ausgelöst. Auch die in Zürich weilenden galizischen Juden haben anläßlich des großen Sieges der Zentralmächte und der Befreiung Lembergs ihrer Freude Kund gegeben und ein Huldigungstelegramm an ihren Kaiser gesandt, das von den Herren Ch. I. Eitz und Rabbiner Dr. Ch. Lauer unterzeichnet war. Sierauf lief vom hiesigen K. und K. Oesterr.-Ungar. eneralkonful, Herrn Ritter Ernst v. Maurig, im Allerhöchsten Auftrag ein warmes Dankschreiben ein. Nikoldburg, 23. Juli. Der hiesige Rabbiner, Herr Dr. Morin Lewin, der sich während der Kriegszeit als ein wahrer Vater der von Haus und Hof geflüchteten galizischen Familien bewährt und insbesondere als Vertrauensmann der „Agudas Jisroel" eine weitverzweigte Wirksamkeit entfallet, hat bei Beginn der ersten Evakuierung Galiziens ein großes Jlüchtlingskataster angelegt, das zu etwa 159,009 Namen anwuchs. Aus dem Kataster kann der gegenwärtige Aufenthalt vieler tausende Flüchtlinge ersehen werden. Für seine wertvolle und mühereiche Arbeit ist Herrn Dr. Lewin Telegramm-Adresse: Nesop Frankfartmain. Telephon: Nr. 83. Amt Hansa. Spezialhaus für Silberwaren Modelliern. Ciselierwerkstätte Lazarus Poren me. Hoflieferant Frankfurt a. M. Berlin V. Steinweg 12. Unter den Linden 5. Künstlerisch ansgeführte Knltnsgegenstände. 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