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Der Israelit · 1915-08-05 · Heft 33 (5.8.1915) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 33 (5.8.1915)
Date
1915-08-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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b**« —V*f- I Der Israelit |. Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründet oon Or. Lehmann in Mainr 36. Jahrnang. Sranltfurt a M-, den S. Aiijiust 1915 25. A!> 5675. M 33. K»***tmt*t »** mietitlinUi Gewöhnliche UuSeabe mi.BG, veftarrSaabe («mtfönitf) «k. 8.—. Auslandspreise.' «ewr-alich» «aS-abe: Oesterreich-Unaoru, Ki„ Rußland l BabM Bualaud 8 sh,, Amerika 50 et«., Riesettaade l.to fl., Frankreich Fr». MO. Abonnementbei allm Voflanstfllten, Bochhandlan-rn, sowie »irrtt bei \m VeAa». vettauSaa», nur Mvrfi Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate: 30 Pfennig für die fechSgespaltenr Colonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenannavme durch den Verlag deS JSraelit @. m. b. H., Frankfurt, a.M., Gr. Efchenheimerftr. 23 Del.884S.Amt Hansa, sowie sämtl. Amroncen-Exped. deS In- und Auslands. Ptatzvorstyrifteu ohne Nervtvdtichtrr». Zahlungen kSnnm außer direkt au de« Verlag erfolgen der Sexta »ei -er V. fl. Vastfparkafle «Wien ft«. 79 MB. Santo »ei de« V. Vostfparkaffenanet Bßn-aWeW Mo. 184U. Santo »ei »er Migner Sononerz-anI in Miga an» deren Mlialm. Der Nackdruck 8er Flrfihel und £orrefponden?en 3es „Israeli!“ ifl nur unfer genauer Quellenangabe, und. lometf es fleh um größere fluffäfce ——handelt, nur nadi vorheriger öenehmigung gestatte!. KtttzaUsSvevstcht. 1. Leitartikel: Drsp-rte«trostundGlulfchofar. S. Aufsätze: Fekdraöö. D. L. Rosenak, Bremen: Stryj unter russischer Krrrschaft. 3. Vermißte jüdische Famtliru.--- 4. Homiletik: Rabbiner Dr M. Letviw Wreschen: Die Fürsorge flir das heilige Land. -- 5. Kleines Feuilleton: Meine Muttrr (Gedicht.) — Um der Thora Ern. — Tischobemo im Felde. -. Die Gesichtsnerven des Hasses. — Womit die Russen ihre Unterstände abdichten. — 6. Korrespondenzen und Nachrichten: Lodz (Aus den okkupierten Gebieten.) — AuS denGemeinden: Budapest, Budapest, Munkacs, Budapest, Großwardein. — Petersburg (Die Heimatlosen aus Kowno und Kurland.) — Stockholm (Die Tragikomödie von Kuszte.) - Netv-Aork (Verlorene Ideale.) — New-York (Ein kindisches Unternehmen.) — New-Aork(Amerikanisches Allerlei.) — 7.Personalien: Uehlfeld. — Bischhetm. — Mainz. — New-Iork. 8. Vermischtes: WürzbUrg. — Wreschen. — Zürich. — Nikolsburg. — Kopenhagen. ---- 9. Vereinsnachrtchten: Berlin. — 10. Briefkasten. --- 11. Feuilleton-Beilage : A. M.: Die Kriegsgeschichten des alten Mofcheh Grrssn. prophetenttost und Clulschosar. Von der Trauer über den Trost führt der Weg zur Einkehr. Dreimal erhebt sich Israels bittere Klage, worauf siebenmal das „Nachamu" des Propheten ertönt, der gekommen war, „den Elenden frohe Botschaft zu bringen, zu heilen, die wunden Herzens sind, den Gefangenen Freiheit, den Gefesselten Erlösung zu verheißen." Aber schon der dritte Trostsabbath kündet den Elul-Monat an, die Zeit ernsten Jnsichgehens, beschaulicher Sammlung. Sodaß Trostruf und Schofarton zusammenklingen in der Symphonie, die mit der Trauer- Ouvertüre beginnend, in der Friedensfinale der Teschuwo, Taharo und Simcho, der Rückkehr, Reinheit und Freude ausklingt. Von dreifacher Trauer über siebenfachen Trost zum inneren, ewigen Frieden. Wie es der Prophet der Trostsabbathe so meisterhaft versteht, gerade aus Oede und Trauer, aus Schmerz und Gebrochensein seine wundersamen Licht- und^Trostgedanken bildhaft zu formen! Wüst und weit, kahl und kalt breitet sich die Einöde aus zwischen Babylon und Zion, zwischen Einst und Jetzt, zwischen Heimat und Feindesland. Da bekommt die tote Fläche blühendes Leben und heütönende Sprache, und in hundertstimmigem Echo dröhnt es von Berg und Hügel: „In der Wüste bahnet den Weg dem Ewigen, in der Einöde ebnet eine Bahn für unseren Gott. Jede Niederung wird erhöht und jeder hohe Berg erniedrigt!-" In gewaltiger Ueberzahl und Uebermacht stürmt die Lüge einher, um mit ihren ungezählten Legionen Recht und Wahrheit und alles, was zu der diese Insignien tragenden Gottesfahne schwört, schonungslos ntederzutreten.„Siehe", ruft der Prophet, siegesgewiß, in der ruhigen Gefaßtheit des durch der Zetten Flucht blickenden Hellsehers, „die Völker, sie sind gleich einemTropfen im Eimer geachtet, gleich dem Staube in der Wage", darin Völkerschicksale gewogen werden. Es vermag aber der Einzelne mit seinem kleinen Leiden, Hoffen und Sichsorgen nur mit dem Maßstabe seines begrenzten Jchkreises die Dinge der Welt zu messen, und unter dem Drucke großen persönlichen Schmerzes gedeiht die bekannte Irrlehre alter Heiden von dem Weltenlenker, der über dem Weltenlenken, dem großen Weltgeschehen das Etnzelschicksal vergißt,- dem großen Baumeister, dem, da es auf das Ganze eht, der einzelne Stein nichts bedeutet und daer das Ohr nicht nach dem Schrei Uv. leidenden Kreatur steht. Da ist es schon gut, den Schritt der. liebenden Vorsehung in einem täglichen Bilde aus dem Leben der Familie zu zeigen. „Wenn du noch eine Mutter Haft . . ." „Vergißt eine Frau ihres Kindes, sich zu erbarmen ihres Sprosses? Und könnte auch dieses geschehen, so vergesse i ch deiner nicht." . . Der goldene Sonnenschein, der der verheerenden Sturmflut folgt, der Regenbogen, der in prangender Farbenpracht durch die Wolken leuchtet, sie sind ein Bild menschlicher Erlösung im Großen wie im Kleinen, das allen und jedem zuruft: „Eine kleine Weile verließ ich dich, und mit großem Erbarm e n nehmeich dich wieder auf,- in der Sturmflut des Zornes wandte ich mein Antlitz eine Weile von dir ab und mit ewiger Huld erbarmte ich mich deiner."- „Mögen Berge weichen, Hügel wanken, so weicht meine Gnade nicht von dir und der Bund meines Friedens wankt nicht."- So der Trostprophet der Menschheit, der aus Wüste, Tod und Trauer seinen Heilbalsam bereitet, und mitten int Sturm um uns den ewigen Frieden in uns schafft. Berge weichen, Hügel wanken, aber „der Bund seines Friedens" steht aufrecht. Damit sind wir aber schon an dem höheren Grad der „Nechomoh" ongelangt, der „Teschuwo." Die innere Ruhe, die geistige Ausgeglichenheit des in sich gefestigten, auf Gottesboden stehenden Menschen, der Weltfrieden in uns ist es, zu dem uns sanft und mählich die Trostverheißunqen des Propheten hinübergeleiten) als letzte Akkorde durchzittert es die jauchzende Bolksseele: 'p7>K2 ’ttSJ '*73 V'VA m „Meine höchste Freude ist Gott, es jubelt meine Seele bei meinem Gotte." Ein Jahr des Leidens und des bangen Höffens hat sich gerundet, in dem wir die Metamorphose von Trauer zur Einkehr in stetem innerem Erleben und Erbeben zurücklegen konnten. Auch diesem traurigsten Tischobeaw der Geschichte sind in der Folge der Ereignisse genug der lichten Trostmomente gefolgt. * Die Bilanz, zu der uns heute das Elul-Horn aufruft, müßte aber für jeden Einzelnen mit „Teschuwah" schließen. Als wir voriges Jahr um diese Zeit des Hangens und Bangens vor der unbekannten über die Welt herabprasselnden Sturmflut die Gotteshäuser füllten und früher denn sonst, „unseren i Vater, unseren König" um Schutz und Beistand anflehten, da war es dreifache Sorge, die unser Herz bedrückte: die Sorge um das geliebte Vaterland, die heilige Scholle der Heimat, die wir plötzlich von Feinden ringsherum bedroht und bestürmt sahen. Danach die tiefe Sorge um die jüdische Gesamtheit in der Diaspora, die erfahrungsgemäß alle Stöße der Weltgeschichte am ehesten und härtesten zu spüren hat. Zuletzt aber die bange Sorge um uns selbst, um das geliebte Haupr, das wir aus Heim und Herd und trautem Familienkreise heraus in Not und Tod ziehen sahen. Heute, nach einem Jahre blutigen Ringens, vuffen wir's und dürfen es mit unserem Kaiser — in seinem letzten Ausruf an das deutsche Volk — dankerfüllten Herzens bekennen: „Gott war mit uns!" Die gewaltig anstürmenden Heere der Lüge, Rachsucht und Raubgier sind in Ost und West geschlagen. Und mächtiger und ehrsurchtgcbietender als je zu einer anderen Zeit seiner Geschichte steht das Deutsche Reich da, eine Gewähr des Friedens und der kraftvollen Entwicklung aus allen Gebieten wahrer Menschenkultur für alle Zukunft. Auf unserer Seite kämpft das Recht, und aus ihm erwuchs die gigantische Kraft, die

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