Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 25 (10.6.1915)
- Date
- 1915-06-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum II Begründe! oo& 5r. Lehmann in IDiinz cssss 10. Juni 1915 28. Siwcin 5675. M 25 56. JafirganQ. Sranhfurf g. M.. de ßSSS «So»»e«e»t pro Vierteljahr r SrtvSbnlrch« AüSgiräs M IM, HrftauSgabe (KunstdruÄ Mt. . Auslandspreise.' Sm^n'ikir Ausgabe: Oesterrrich-Unaaru x Kr., Kurland l RuK Eusrnch S Amerika 60 cts., Rieveuaade 1.10 fl„ Frankreich Fis. 2.£v\ Abonnements Sei allen Bo kan statten, BuchhanbUmgrrr. sr:^n bei htK SerJac.. KestauLMüiv V-..v!-: De-. J^is.elii kriciieint jröiii D»''Uerft«tz. Jusrrote: Psrinnii hu bi? skckSqespaUuu - Co!'N>rl-.geilr; Rava.t nach Tarif. Jrrseratenakmakme durch den 58nriaß deS Israeli! G. in. b. H., ikaiu» furt a.M., Gr. Elchmbeimerst.. 23 2tei.584*i.9lmt Hansa, (otüif fiitnt!. Annvucen-Erved. des Kn' und Auslands. Vladvorfchriften ohne Verbindttchkei». ZahlungSÄ ’Znr.tn außrr tialt er bo Sirino erfolgen vrc «o«to m der «. « VoftfporLsffe Wie« «o. 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Lodz (Die Bor gänge in und bei Kielce.) — Wien (Ein Kosakenzirkulnr.) — Aus den Gemein den: Budapest, Nemeskvsztolam». — Riga (Die Austreibungen aus Kowno.) — Kopenhagen (Agudas Jisroel-Versanimluug in Dänemark. — 7. Pe rsonalien: Fürth i. B. (Abraham Birnbaum jn.) — Mansbach (Salli Nußbaum b"i.) — Schweinfurt. — Vermischtes: Wiesbaden. — Rastatt. — 9. Briefkasten. — Familtennachrichten. 10. Feuilleton Beilage: In der Flüchtlingsschule der „Agudas Ais roel";u Frankfurt a. M. Die llmwerbung der Zu den in den neutralen Ländern. Von Dr. Arthur Kahn in Berlin. Ein deutschfreundlich gesinnter Amerikaner, — Nichtjude — New-Anker Groß-Kaufmann, der beim Ausbruch des Krieges von der Schweiz nach Deutschland kam und sich hec zwei M >nate aufhielt, machte, bevor er die Heimreise an,rat, eine Rundreise durch die neutralen Länder Europas und weilte daun noch einige Zeit in Brasilien und Argentinien. Als angesehener Mann wurde er natürlich bei seiner Ankunft vielfach interviewt und gab dann in einem Klub die Eindrücke wieder, die er aus seiner mehrmonatlichen Reise empfangen hat. Er äußerte u. a., daß ihn die Empfindung nicht verlassen habe, als ob die Christenheit der ganzen Welt als Todfeind Deutschlands dessen völligen Untergang wünsche. In Deutschland leben Protestanten und Katholiken und in Belgien und Frankreich sei die ganze Bevölkerung katholisch, in England, wo die größte Bevölkerungsziffer protestantisch sei, ebenso wie in Dänemark, Schweden und Norwegen, haßt die Christenheit dieser Länder ohne Unterschiedenheit beider Konfessionen Deutschland grenzenlos. So ist es auch in den griechischkatholischen Staaten des Balkans. Nicht m der Gesinnung, sondern nur in der Aeußcrung der Gesinnung, behauptet der Amerikaner, seien Dänemark, Schlveden und Norwegen noch neutral. Hingegen machen Griechen, Rumänen u. f. w. i'ciiinU’t Hehl aus ihrer Deutschfeindlichkeit. N^cht weniger als dieses gemeinsame Gesühi des .Hasses bei allen cimniKlwu Völkern Europas (natürlich mit Ausnahme Oesterreich-Ungarns) gegen Deutschland, ebenso sehr überraschte den Amerikaner die leidenschaftliche Parteinahme der Anden üb.roll, wohin er kam, für Deutschland. In Dänenrare uuD Schweben, wo erst seit d,n letzten Jahren eine größere Zahl Juden wohnen, — in Norwegen sind es vielleicht kaum tausend Seelen — scheint die De?itschsreundlichkeit der Juden schon natürlicher, weil dort die weitaus größte Zahl der Inden aus Rußland und Russischpolen stammt) vielleicht auch in Saloniki, wo die Juden und Griechen tagelang m Straßenkämpsen sich gegenseitig verprügelten, für und gegen Deutschland. Hier war oer Amerikaner Augenzeuge dieser Straßenszenen. Griechischer Pöbel, von der „Intelligenz" verhetzt und angeführt, verunglimpfte deutsche Flaggen, Schilder, u.s. w. und trug dafür russische, englische und französische Fahnen in der Stadt umher, bis sie mit spanioliichen Juden, die sich ebenfalls zusammengeroUet, ins Handgemenge gerieten, wobei daun die Fahnen der Verbündeten von den Juden weggenommen und zerfetzt wuroen. Erstaunt war der Amerikaner darüber, weil diese Juden viel mehr Beziehungen zu England und Frankreich, als zu Deutschland unterhalten, auch die Sprachen jener viel mehr beherrschen als die deutsche. Noch unbegreiflicher als der grenzenlose Haß der europäischen Länder gegen Deutschland erschien dem Amerikaner der Deutschenhaß in Brasilien und Argentinien, wo, zweifellos durch die Macht des englischen Sovereigns, m den größten wie den unöedeuiendsten kleinen Zeitungen, in öffentlichen Versammlungen und in Clubs der Deutschenhaß zum guten To >. und zur Mode gehört. Am Tage seiner Ankunft in Rio erlebte der Amerikaner, daß die drei angesehenüen Juden der S:adt so energisch g^gen die Deutichenhetze austraten, daß duraufh-n eine große Zeitung deutschfreundliche Erklärungen an der Spitze ihrer Blätter adqab. In Argentinien, sind es nur Anden, die umrmüdlich allen deutschfeindlichen Kundgebungen cntg.'genarbeilen. Nach allen diesen E ndrücken kommt der Nelv- Aarker Kaufmann zu der Schlußfolgerung, daß Deutschlands und Oesterreich-Ungarns einzige, wirklich treuen Verbündeten d i e Mo - bammedaner und die einzigen Freuilde Deutschlands in der ganzen Weit die Juden find. Daß man dies aber nicht nur iu Rußland, sondern auch in England und Frankreich wie iu Italien sehr wohl auch iu seiner Wirkung aas die Juden aller neutralen Staaten zu ermessen weiß, geht wohl auch daraus hervor, daß. besonders englischerseits unablässig der Versuch gemacht wird, die Sympa th ieu der amerikanischen Juden für Deutschland zu zerstören. Hier ist nun allerdings mit Geld nichts zu erreichen, denn der ärmlichste und erbärmlichste Jude läßt sich nicht für Nationen Anfängen, die sich mit dem jüdischen Erb- und Todfeind, Rußland, in Waffenbrüderschaft eingelassen haben, so geschickt auch die Deutschfein-' e neuerlich versuchen, an die Gefühlswelt der Juden zu appellieren. Die russisch-amerikanischen Juden werden jetzt daran errnnert, daß d'.e deutsche Regürung niemals ein Wort zugu'.sten der russischen Juden bei dem engb.freunderen Nachbarstaat Rußland gesprochenja, Deutschland sogar der intellektuelle Urheber der Pogrome gewesen sei. Auch daß die deutsche Polizei russische Juden, die in Deutschland Schutz gesucht, gegen alles Völkerrecht an die russiche Grenze und der russischen Polizei auSgeliefert hat, wird den O ft j u d e n Amerikas in unleugbar geschickter Weise ins Gedächtnis ged rufen. Ebenso werden die aus Deurschluustammenden Juden Amerikas von neuem daran erinnerr, daß ein deutscher Reichskanzler (gemeint ist Bülow) d:e gesamten Juden durch die Namen Silberfarb und M a n ö e l st a m m mit verächtlichen Gesten im deutschen Reichstag öffentlich allen Kulturländern habe lächerlich machen wollen. Es wird den amerikanischen Juden zugleich auch ins Gedächtnis gerufen, daß ein deutscher Krieqsminister vor kaum drei Jahren, ebenfalls öffentlich im Reichstag allen Ernstes den jüdischen Soldaten Deutschlands die physischen, geistigen und sittlichen Qualitäten zu -Offiziersstellen in der stehenden Armee schlankweg abgesprochen habe, solange das betreffende Individuum seinen jüdischen Glauben nicht ab geschworen habe und sich nicht taufen ließ. Da Wien Vorkommnisse, die doch nie und nrrgendw