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Der Israelit · 1915-05-27 · Heft 23 (27.5.1915) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 23 (27.5.1915)
Date
1915-05-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit Ein Centraloraan für das orthodoxe Mentum Begründe! oon Or. Lehmann in ITIainz 56. Jahroano. Frankfurt a- M . den 27. Mai 1915 14. Siwan 5675. Ai 23. »*- Viertel,«hrr Gewöhnliche AnSgabk WI.l.60, vrftauSaabe (KunstdruM «k. 8.—. »uSlandSvrnise: Gewöbnliche RuSaabe: Oesterreich-Unaarn » Kr., Rußland 1 Bnb., Unaland 9 «h., Amerika 80 et«., Maetuu&t l.*0 fl., Kraakrtch Vm. MO, RöomttmmtS lei aflen Vostaustalten, Buchhandlungen, fowi« direkt bei de« Verlag. HestauSaabe nur direkt. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate: 30 Pfennig für die sechSgespaltene Lolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. §k«ser<rteua«Vörbme durch den Verlag deS JSraelit G. m. b. H., Frankfurt a.M., Sr. Sfchenheimerstr. 23 Lel.884S,Amt Hansa, sowie sämtl. Annoncen-Exped. des In« und Auslands. Platzvorschrifteu oh« KerbtudUchkeN. ZahIn«ge» können außer direkt an den Verlag erfolg« per «onto bei der ft. « VostfpartaUe «Vien Mo. 79 MS. Vonto Sei de« 9. Goftfpartaffenanet «»dopest Mo. LS 4ML. «ssto »ei de« Migarr Coanmlati, in Miga und der« Mlialen. 0er Tladidrudi der Rrflkel und Correfpondenjen 9es „Israelit“ iff nur unter genauer Quellenangabe, und, soweit es kick um größere ftuffäfee handelt nur nsck vorheriger Genehmigung geltsttet Zrrhaltsüdevstchl I. Leita rtikel: Italiens Treubruch. — 2. Auf sätze.- Die „Agudas Iisrsel" im Meltkriege. — Russische Greuettate« in Voten. — 3. Kleines Feu i llc to n. Feldpostbrief eines Honoed Ketdrabbiners. — Rabbrnischer Humor aus alter und neuer Zeit. — 4. Korresvonbcn^cn und Nachrichten: Frankfurt a. M. (Not in Palästina.) — Berlin (Das Shnagogenkonzert in der Reprä'entantensitzung.) — Straßburg (Schächten-Berordnung.) — Aus den okkupierten Gebieten: Lodz, Lodz. — AuS den Gemeinden: Budapest- Budapest- Budapest, Pest, Großwardein, Debrecsen. — Warschau (Jüdisches aus Rußland.) — New-Aork (Der jüdische Kongreß.) — New-Iork (Die Jüdische Einwanderung nach den Bereinigten Staaten.) — 5. Vermißte Jüdische Familien. — 6. Personalien: München. — Hamburg. — Friedberg. — Schlüchtern. — Tempelburg. — Osnabrück. — 7. B erm i s ch te s: Halle a. S. — Birkental. — Kempen. — Amsterdam. — Posen. — Wien. — Wien. — Petersburg. — 8. Briefkasten. — Familiemrachrichren. - 9. Beilagen: Feuilleton - Beilage: Z. B. A.: Iü dischr Episoden. — Die Kriegsmelodie. — Eine ..indische Frechheit". — Erziehung und Lehre: Was hat die Darbietung der biblischen Geschichte fachlich;u leisten'? — A. N.: Pädagogische Streitfragen. — Aus der Jugendreit. — Aus der!lot der Zeit. Italiens Treubruch. Ms d-as Kriegsgeheul der italienische)! Straße zum schönsten Himmel der Welt hinaufdrang, waren wir Inden gerade dabei, im Glanz der blühenden Natur das Wiegenfest der Thora, der Lehre von Wahrheit, Liebe und Recht, zu begehen. Da konnte uns schon der ganze Jammer einer Zeit erfassen, die es erleben muß, daß Vernunft zum Unsinn, Wohltat zur Plage und Treue ein leerer Mahn wird. Und nun, da das Unglaubliche und Ungeheuerliche als fertig.' Tatsache vor uns steht, ist es gewiß nicht bleiche Sorge und bange Magst vor dieser neuesten Gefahr, der unsere Heere mit den gleichen reinen Waffen unddem gleichen blanken Schilde wie den anderen begegnen werden, was unser .Herz erfüllt. Vielinehr ist es bittere Enttäuschung ob dieses neuen Bankrotts der Menschenmoral, des neuesten und größten Zusammenbruches der sittlichen Kultur in einen! Lande, das die Var -fehtiüg init so viel liebensroerter Schönheit auSgestattet hat. Bei all denk mag es für uns- Inden ein Trostgedanke sein, daß die wetligen bekannten jüdischen Namen, die iiji italienischen politischen undöffertttzchen Leben eine Rolle spielen, auf der Liste derer, die die.Volksleidenschaften aufgepeitscht und derr Krieg künstlich gern acht haben, vollkommen fehlen. L u z z a t t i an der Spitze von Persönlichkeiten, deren Wanten non weittragendem Klange sind, hatten, das fei ihnen hier oankbar anerkannt, mit diese Zeit ganz andere, von einer höheren Auffassung der Neutralität zeugenden Sorgen. Sie saunen auf Mittel und- Wege, wie dem Rachen der entfesselten Kosakenbestie das unschuldige, jüdische Opfer zu entreißen sei. Und als es sich hcrausstelltc, daß die Polen es waren, die einen Verrat an der unter der russischen Knute mitleideudeu Nation begangen und die den Juden der tobenden Soldateska als - „Landesverräter" zuni Fraß hingeworfen haben, da trat Luzzatti mit einem flammenden Proteste hervor, der auch den sonst polen freundlichen dänischen Schriftsteller Georg Brandes zu einer gründlichen Abrechnung mit der edlen Nation an der Weichsel hinriß. Luzzatti glaubte an die Neutralität Italiens, die mitten im wogenden Meere der Kriegsgreuei die Gottesinsel sein sollte, zur Wahrung der letzten Heiligtünler des Menschengeschlechts. Nur dieser feste Glaube an den endlichen Sieg der Vernunft und des Rechtsempfindens in ihrem Lande, das sie gerviß nicht minder leben als die Minister und dekadenten Dichter der Kriegspartei, konnte diese Männer um Luzzatti erst vor kurzem, als die Straßen bereits vom Kriegs-Barden Annunzio und seinen Getreuen beherrscht war, veranlassen, in Mailand (siehe Korrespondenz in der jüngsten Nummer unseres Blattes) eine große jüdische Versammlung einzitberufen und eilte Aktion einznleiten z u r Erlangung der Gleichberechtigung s ü r die Juden Rußlands. „Wir, die Neutralen," so sagte der Wortführer, ..sind von der Vorsehung nachgerade dazu berufen, darüber zu wachen, daß es nach dein Weltkriege, in welchen! die Juden aller Länder den vpfer mutigsten Patriotismus für ihre Heimatländer an den Tag legen, keinen einzigen Staat m eh r gebe, in lv el ch ein d ie I u d eu n ich t die gleichen Rechte wie ihre anderen M i t b ü r g e r besitzen." Es ist also nicht ihre Schuld, daß Italiens Juden h e u t c diese stolze Sprache nicht inehr führen können. Sie gehören in ihrrw großen Masse gewiß zu denen, die in den italienischen Pfingsterr 1915 bie schwersten Schicksalstage in der Geschichte ihres geliebten Landes sehen. Die stärksten Lungen haben, nicht zum erstenmale unter der südlichen Sonne, recht behalten, und in tiefer Trauer verhüllen die Männer, deren Blick für Recht und Wahrheit nicht getrübt, bellen Treue kein leerer Schall ist, die wahrhaften Patrioten, ihr Haupt. Nicht Angst vor neuer Gefahr, sondern viel urehr tiefe Verachtung löst die Kriegserklärung des achten Feindes', des Bundesbruders von gestern, in Nils ans. Uns Inden ist darüber hinaus auch die Enttäuschung nicht erspart geblieben, daß Männer von hohem sittlichen Wollen uns glühender Liebe für ihre Brüder nunmehr in Italien als Sachwalter des jüdischen Rechtes, des jüdischen Anteiles an der sittlichen Beute des blutigen Weltrrngens, aüsscheiden. Trauernd und beschämt, werden 'sie sich, heute als Söhne ihres Staates, in die Rolle der Helfers Hel f e r r u s s i s ch e r Barbarei finden, i n die Ralle jener Ritter von der traurigen Gestalt, die da Ausziehen, um den .Militarismus" zu b.> kämpfeu und dem Kvsakentum den Thron ver Weltherrschaft Zurechtstellen.. Die »Agudas Äsroel" im Weltkriege. (Fortsetzung.) R ii s fisch Polen. Gleich Galizien bietet auch der sich stetig vergrößerende okkupierte Teil Russisch-Polens ein zweifaches Arbeitsfeld für die Hilfsaktion der Aailda, ein geistiges und ein materielles. Die Natur der 'Sache erforderte es, daß 7msreichende und zuverlässige Informationen über die dortige Lage der Leitung vorliegen, bevor an eine systematische Aktion geschritten wird. Zn diesem Zwecke unternahmen drei Bertraueilsmän - ner der Aguda mit Genehmigung der zuständign Behörden eine Informationsreise nach Russisch Polen. In der Plenarsitzung des Provisorischer! Komitees, die am 13. April in Berlin stattfana, wurde sodanil über diese Reise ausführlich berichtet undüber die einzuleitenden Schritte beraten. Es wurde für die Hilfsaktion in Russisch Polen eine Spezialkommission gewählt, die geuleinsam mit den lokalen Vertrauensmännern die jeweiligen Vorschläge einer sachkundigen Prüfung zu unterziehen hat. Einfttoeilen wurden größere Subventionen zur Erhaltung der Schulen und zur Fortbildung der schulentwachsenen In-

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