Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 22 (18.5.1915)
- Date
- 1915-05-18
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Mai ISIS. __ verstehen und begreifen, die Größe des Erlebten will entziffern die Rätsel der Schicksalszeichen und will Sein und Sollen aus dem Augenblick zu eigenem Nutz und zum Frommen der Menschheit erkennen. Mit Nietzsche können auch wir wohl heute ausrufen: „Der große Neuordner und Schaffer des Lebens ist der Kampf, ist der Krieg." Weiter können wir ihm aber in der Verherrlichung des Krieges nicht folgen. Das Paradies suchen wir nicht „im Schatten der Schwerter", sondern unter dem schützenden Laubdach des Baumes deS Lebens, der friedlichen Geistesarbeit und des beglückenden Segenschaffens. Gewiß ist ein Volk, das sich stets in der Minorität befand und befindet, kampfgeübt und ein Volk, deffen äußeres Glück so sichtlich von dem Grade seiner sittlichen Lebensführung abhängig ist, wie Israel, weiß sehr wohl den äußeren Druck als Jnnenläuterung zu bewerten. Einem jeden jungen jüdischen Menschensproß wird an seiner Wiege als Geleit durchs Leben zugerufen: „Durch Dein Blut lebe." — Aber Lebensziel bleibt uns doch der Friede, freilich nicht ein solcher des Wohllebens, des Erschlaffens aller Energie, der Entnervung im Genuß. Der jüdische Ausdruck für Friede ist und bedeutet Ganzheit, Harmonie, fordert Zusammenstimmen aller Kräfte und Werte, Bereinigung des äußern und innern Lebens auf ein Ziel des gleichen Wollens und Sollen«. Das Mittel hierzu ist der Wille. Leichte Arbeit hat dieser Wille nicht. Das beweist das Leben, beweiset die Menschen, lehrt die Geschichte, zeigen die Völker. Die schwersten Hindernisse hat er zu überwinden, weil sie derselben Quelle entspringen, aus der er seine Kraft sich schöpft, dem Innern der Menschenbrust. Seine Kraft ist daher die gewaltigste, seine Macht die größte, wenn er den Steg erreicht. Wir wissen drum nicht, welcher „Wille zur Macht" ihm gleich gestellt werden könnte. Der Wille zur Macht erweist sich deshalb als der Wille zur Tugend, zur Selbstbeherrschung, zur Selbsthkillgung. Die Heiligung derMenichenpersönlichkeit ist die Macht im Leben, die einzige Macht. „Wenn Du hinausziehest gegen Deine Feinde, so kann Gott nur den einen Feind in Deine Hand geben" — den andern hast Du in Deiner Hand, wenn Du den Willen zur Macht hast. Und: „Gott wandelt inmitten Deines Lagers, Dich zu retten und Deine Feinde vor Dich hinzugeben — drum sei Dein Lager heilig, damit Er bei Dir keine sittliche Blöße gewahre und von Dir weiche." Das sind Worte, die dem Inhalt entsprechend an jeden Einzelnen gerichtet sind, jedem einzelnen das Recht und die Pflicht, die Fähigkeit und das Gebot zuweiftn, den Willen zur Macht zu hegen. Jeder Mensch, jedes Emzelindividuum ist zur Macht berufen. Ein jeder kann Uebcrmensch werden, „jkder Jude kann zu einem Messias erwachsen." Wenn die Uebermenschen so aussihen sollten, wie Zaralustra träumt, dann gäbe es heule wohl nur einen —: N colai Nicolajewitsch. Das ist die Probe aufs Exempel vom Niktzscheschen Uebermenschen. — Der Rechenfehler ist erwiesen. Wir würden uns dann schon lieber Hindenbürg wäh en. Er aber beanspruchte wohl für jeden seiner Soldaten diesen Titel. Und er hätte recht. Der Krieg und das Leben hat gesprochen, laut und vernehmbar aus den Feuerschlünden, die den Willen zur Macht nachdrückitchst verkünden. Die Spekulation und Phantasie muß schweigen. Was wahr ist, besteht, waS erdacht und erdichtet ist, wird entlarvt. Der menschenwürdige Uebermensch, der dem denkenden und sittlichen Menschentum Ehre macht, erblüht ausschließlich auf dem Boden des kategorischen Imperativs Kants. Wiederum : Der wahre Gedanke, den die Menschheit findet, deckt sich, muß sich decken mit dem Ideen gang der Thora, dir man mit einem Wort bezeichnen kann — nicht „Glauben", nicht „Religion", sondern Mizwvh, Pflicht! Es ist der Maßstab für den Wert einer Philosophie, ob sie von der Thora bestätigt werden kann oder von ihr verworfen werden muß. Die Geschichte der Philosophie hat daS _ Der JSraellt. bewiesen. Die Erfahrung des Krieges ist der . lebendige Zeuge dafür, daß „das Gotteswort für i alle Zeiten Bestand hat." Denn die ihm im Prinzip huldigende Lehre des deutschen Imperativs hat bisher schon Wunderkraft bewirkt' und wird den Steg erkämpfen. Dieser Wille zur sittlichen Macht schafft noch einen anderen Wert. Cr findet die Formel für die Einschätzung des Menschen. Die Rangordnung der Menschen untereinander verlegt er in das Gebiet der Betätigung. Nicht der Besitz, sondern die Leistung entscheidet. Selbst in der Leistung duldet er keine Ueberhebung. „Wer sich rühmen will, mag sich seines Willens zum Guten, Gott zu erkennen und durch Gehorsam-Übung zu verstehen, rühmen. Seine Weisheit, seine Körperkrast und sein Reichtu« machen die Werte nicht aus, die er selber schafft. Sie sind die Faktoren seines Seins, aber nicht die Produkte seines Willens, seiner Macht und nicht seines Willens zur Macht. So vermag also auch der Sieche und Arme einen ernsten Anspruch auf ein zweckvolles Dasein und werkschaffendes Wirke« zu erheben. Und in der Tat! Lasten wir selbst s«t»en subjektiven Willen außer Acht. Sein Leiden schafft objektiv an Umsang und Inhalt unschätzbare Werte. Sein Siechtum läßt vielfach Früchte der Menschenliebe reisen, die ohne ihn nie zur Entfaltung gekommen wären. DaS Herz deS Reichen, Gesunden und Starken würde verhärten, wenn er, waS die eigene glückliche Lebensgestaltung gnädig von ihm abwendet, nicht an anderen erleben würde. Kein Etelsinn und keine Hilfsbereitschaft, keine Liebe und keine Hingebung würden im leistungsfähigen Gesellschaftskreise geweckt, wenn Armut und Siechtum nicht um Linderung flehten. Ohne Arme und Schwache gäbe es keine Liebe in der Welt, keine Tat, kein Gutes. Der Wille zum Guten wäre nicht da, wenn keine Not ihn zur Welt bringt. Die Passivität im Leiden gebiert die Aktivität im Handeln. Die Todesnot wird die Mutter des Lebens. Erst als dem ersten Menschen -er Fluch in den Ohren gellt: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot effen, bis du wieder nach der Rückkehr zum Erdboden dereinst zur Staubhülle zurückkommst, von der du ursprünglich genommen wurdest," da nannte er den Namen seines Weibes: Mutter alles Lebendigen. Wer kann da entbehrt werden von allen einzelnen Jntividuen. Wer will da entscheiden, wo das Uebermenschentum zu suchen ist, im Schwachen oder im Starken — wer ist der Stärkere von beiden? Für beide gilt: „inorssount animi virescit volnere virfcus.“ E< wachsen die Geister, es erstarkt d:e Kraft durch Leiden. Möchte nur die Menschheit auf den Ruf des Psalmisten hören: „Du führest zur Zermalmung entartete Menschheit und sprichst: Kehret zurück, ihr Söhne des reinen Menschen." An Spende« gingen ein: Anr den Hlerel« für die jüdische« Interessen Rheinlands: Her Kommerzienrat Siegmund Fränkel-München im Aufträge derHinterbliebenen der verew. Frau Ra hel Frankel 100 M. Sür die Stiftung „Israetitifihes Altersheim für die Rheinprovinz": Herr Adam Cremer, Neuwied 25 M., N. N. 1 M., N. N. 2 M. Zur freien Anfügung für wo-ttülige Zwecke: Herr S. Grünsseid, Cöln 5 M., N. N. 10 M., Frau Ww?. Berg, Cöln 10 M., Herr Referendar Leo Adler 1 M., Herr I. A., Cöln 5 M., Herr D. Gottschalk, Neuenahr am Sterbetage seines Sohnes Eduard 5 M., N. N. 2 M., Herr d. Heymann, Höxter 5 3». Air bestimmte wohltätige Zwecke: Für Galizien: Herr M. L. Munk, Cöln 30 M., durch Herrn Rabbiner Dr. Carlebach, Cöln 28 M., von Herrn Dr. Hch. Cahen, Cöln 10 M., Sammlung durch Herrn Alex Carlebach 2.30 M., durch Herrn Beruh. Walter, Siegburg, Teilbetrag von einem Skatklub, bestehend aus den Herren Herzmann, Müller, Cohn, Schöneberg und Walter, 25 M., Frau A. Jsaac, Calcar 5 M., P. P. 50 M. _ No. 22 Sette V Iür KofcherVeüöstignng jüdischer Soldaten: Durch Herrn Hch. Goldschmidt, Cleve 30 M., Herr Carl Elkan 4 M., Sammlung durch Herrn Werter, Cöln: Herr Stadtverordneter L. Eliel, Cöln 100 M. (wiederholt), Herr Salomon Linz 10 M., Herr Sally Wolfs 5 M., Herr H. Meyer 5 M., Herr Jul. Hirsch 5 M., Herr L. B. W. 2 M., Herr L. Götz 3 M., Herren Gebrüder van Clees 20 M., Herr Dr. Bodenheimer 10 M., Herr Juwelier Goldschmidt 20 M., Herr Benno Hirsch 20 M., Firma Tietz A.-G. 100 M.,Firma Gerson Rothschild 100 M., Firma Merfeld und Hertz 50 M., N. N. 2 M., Herr A. Rubensohn 10 M., Herr Max von Geldern 3 M., N. N. 3 M., Z. D. 5 M., Firma Michel & Cie. 25 M., terr Siegfrtod Alsberg 5 M., Herr Leo imon 5 M., Herr S. Lucas 3 M., N. N. 3 M., Herr M. Simons 10 M., Herr Max Müller 5 M., Herr Carl Frank 10 M., Herr Hrch. Liffmann 100 M., Herr HanS Rollmann 100 M., Herr Düring 1 M., Sammlung durch Herrn M. Herz, Grevenbroich 48 M., Herr A. Dahl, Cöln 3 M., Herr I. Neuhaus, Lechenich 8.50 M., Herr M. Wolf, Cöln 5 M., Herr Unteroffizier Alfons Heymann, Ncudurga. D. 10 M., Herr M. Dinkel, Cöln 20 M., Herr Marc. Moses, Dinslaken 10 M., Herr E. Heymann, Höxter 5 M., Herr Prcchner, Cöln, anl. d. Bejchnetdung seines Söhnchens 20 M., N. N. 1.51 M., Soldat Lümenthal 11.40 M., Herr Js. Weißmanu, Cöln 5 M., Herr I. Neuhaus, Lechenich 2 M., Herr Abrah. Elsberg, Hamm 100 M., Synagogengemeinde Dinslaken aus dem Krtegsfürsorgefonds 50 M., Frl. Katz, Cöln 3 M., Herr Lehrer I. Adler, Frechen 5M., Herr E. Heumann, Frechen 5 M., Herr Carl Cahn, Commern 30 M., Herr S. Grünsfeld, Cöln 40.77 M. Frau Levy, Siegbura 5 M., Herr S. Auerbach, Elberfeld 10 M., Frau Cappel, Cöln 10 M., Frau S. Winter, Kempen 3 M., Herr S. Kaiser I., Mardorf 1.85 M., Herr Fritz Kaiser 1 M., Herr S. Kaiser II., Mardorf 2.50 M., Herr Mendel Werthetm, Kassel 0 50 M., Herr M. Schilling, 1.55 M., Herr Res. Israel, Mardorf 0,75 M., Herr Herr S. Geis, Mardorf 1.30 M., Herr D. Haas, Mariors 1 50 M., Herr S. Haas, Mardorf 1 M., Herr I. Haas, Mardorf 2 M., Herr D. Ehrlich 3 M., Herr Gunzenhäuser, Hamnr 10 M., Soldat Roer 5 M., Frau H. Kälbermann, Großeichholzhetm 8 M, Herr Kanonier Myer III., Riehl 17.20 M., Herr Alb. Katz, Dormagen 10 M., P. P. Düffeldorf 50 M., Soldat E. S.ern 10 M., Soldat Kallmann, Bttti.urg 1 M., Herren Gebr. Katzenberger, Nürnberg 30 M., Herr Lehrer I. Weingarten, Sinzig 2 M., Herr S. Auerbach, Elberfeld 10 M., Herr Frust, München 10 M., Herr Siegmund Dingfelder, Nürnberg 10 Dt., Frau Helene Geismar, Cöln, 5 M, durch Frau Ferber, Cöln 2 M., Frau Julius Lwn, Sötern 5 M., Frau Frohwein, Cöln 40.30 M., Herr Baruch Marx, Nürnberg 3 M., Frl. Benjamin, Cöln 1 M., JonaS & Philipp Berg, Dirmerzheim 20 M., Frau Sal. Gottschaik, Mülheim a. d. Ruhr 3 M., Frau Mohl, Mülheim 40 M, Siegmund Weil, Düsseldorf 10 M., N. N. 15 M., N. N. 2 M., Moritz Hehmann-Siegburg 5 M., Frl. Wetzlar Ems 10 M., ges. durch Alfred Alexander-Vallendar 10.80 M., Dagobert Wolf-Frankfurt 30 M. Lieöesgaöe« für Soldaten: Frau Wwe. Löwen- . stein, Cöl« 1 Paar Tesillin, Herr Srorazun 2 TrsillauS, Frl. Jeltch.'n Wmter, Kempen 2 Tefillaus. Aür Palästina etngegangen bei den Mitgliedern der Deutsch-Holländischen Palästina-Verwaltung, Lokalkomitee Cöln, und zwar bei der Redaktion: durch Herrn Heinr. Goldschmidt, Cleve, 30 M., I. NeuhauS, Lechenich, 8,50 M., durch Herrn Emanuel Kaufmann, Kirchfeiffen, (Frau Robert Katz, Blumenthal, Frau Simon Kaufmann, Blumenthal, Frau Jacob Haas,