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Der Israelit · 1915-05-18 · Heft 22 (18.5.1915) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 22 (18.5.1915)
Date
1915-05-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Der MraeM IS. Mai ivlö Wk»rvä. Mit de« -tveiÜnftanzUchrn Urteil der königuchen Taftr tzät ein intereffanter -Prozeß ^r biefigen Gemeinde feinen günstigen AuSgang gefunden Josef, Ritter v. Engel hinterlietz vor 8 Jahren sein MilUonenvermögen der damals einheitlichen aber »rchodoxen hiesigen Gemeinde, zur Gründung von Inftitutiowen, die dem Geiste des Judentums entsprechen. Nach-feinem Ableben fand der Austritt der neologcn Mitglieder statt, die konsequent genug waren, eine eigene auf prinzipieller Bast» beruhende neologe Gemewde zu gründen. Ihre sogenannte Intelligenz wußte damals den Minister zu bestimmen, ihnen die Hälfte de» Nachlasses zuzuteilen. Dagegen protestierte die orthodoxe Gemeindelettllvg. Sie konnte und durfte es prtnzipiell nicht zugeben,daß der letzte Wille eines Mannes, der den konservativen Gedanken stärken wollte, kurz nach seinem Tode gebrochen und au» seinem Vermögen Institutionen erhalten und gegründet werden soll en, mit denen er nie im Leben sympatisterte. Zwei Instanzen haben sich nun den L landpurM der klagbaren orthodoxen Gemeinde zu eigen gemacht und die auSgetretwre Neologengemeinde verurteilt die beträchtlichen Protestkosten zu trage« und die Orthodoxen im Besitze ihres Erbes zu belassen. Z. B. A. Re Kulten in LnrouV Karuow, 11. Mat. Seit dem 10. November in russischen Händen, hat die Bevölkerung der »uvmrhr befreiten Stadt T arn nw die Invasion der Russen und die andauernde Beschießung gut Überstunden. Schlecht behandelt, wurden nur die Juden, die zum Straßenreintgen und zu Befestigungsarbeiten gezwungen wurden. Eine deutsch verfaßte Kundmachung des Armeekommandanten sprach der jüdischen BevittEerung unter Berufung aus die sechSmvnakltche Krtegsersahrung das Bürgerrecht ab, verbot ihre .Anwesenheit im Armeeberetch westlich Jaroslau und ordnete an, Beiseln zu nehmen. Für jeden Einwohner, dev. wegen RussophMe von den Oesterreichern oder dev Reichsdeutschen in Polen,. Galizien oder der Bvkmvina bestraft wurde, sollte eine. Judengeisel..gehängt werden. Dreißig Juden wurden weggesührt. Die Nachrichten vermittelten die Pslenblätter aus Lemberg. Beim Verlassen der Stadt, wurden von den Russen die Pr o v.i a n t - züge mit dreihundert Waggons Weißmehi angezündet. Wele Kaufläden find noch geschlossen, in andern. find russische Waren ethÄilich. Jetzt bietet Tarnow das Bild einer galtzischen Mittelstadt wett hinter der Front. ItctUerr. €inc VerfaranUung 4fülleiti|dier Juden. Mailand, 16. Mai. Es muß verzeichnet werden, daß zur Zeit, da das ganze schöne. Italien, von Krlegsgeschcei der Interventionisten wiederhallt, die Juten Italiens -ganz andere Sorgen an den Tag legen. „Nu, was lagen Sie zu dem verfluchten Nüssen? Er schießt schon wieder. Verbrannt soll er werden, stein Stückchen Knochen soll von seinem Leibe übrig bleiben. Unsere Soldaten werden ihm schon zeigen, was es heißt, mit uns ansaugen. Sie wollen also schon fünf Kronen geben? Aber schauen Sie! Ich kann wirklich nicht. Geben Sie noch etwas herauf!" Ein neuer Schutz. „Der Russe redet schon wieder. — Ich danke schön", fährt sie gegen Osten gewendet fort: „Wenn wenigstens über Dich einmal die schjvarze Pest kommen würde, für das, was Du uns schuldlosen Juden getan. Man schlägt und schlägt diesen Russen und er hat noch immer nicht genug. Aber kommen wir zum Geschäft zurück! Schauen Sie, wieviel ich da reden mutz, damit Sie diesen prächtigen Rock kaufen!" Plötzlich wird ein etwas stärkerer Knall hörbar, die Fenster dröhnen. Es ist so, als ob unweit von Czernowitz auf diesem Ufer ein Schuß abgegeben worden wäre. Die Kaufleute auf dem Markt schauen sich gegenseitig an. „Jetzt haben die Übrigen geschossen. Diesen furchtbaren Rufs' wird die gerechte Strafe erreichen." „Also wissen Sie was? Damit Sie wissen, daß heute ein guter Tag ist, weil unsere Kanonen eingearrffeu haben, geben Sie die fünf Kronen und nehmen Sre den Rock!" Der Käufer begriff die „Güte" des Tages und nah« den Rock. In Mailand fand dieser Tage eine große jüdische Versammlung statt, an welcher zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten der italienischen Judenheit, unter ihnen auch Minister teilnahmen und Reden hielten. Die Versammlung faßte eine Resolution, wonach die Juden Italiens sich den Aktionen der großen jüdischen Körperschaften der übrigen Länder zur Erlangung der Gleichberechtigung für die Juden einzelner Länder, in denen ihnen die Gleichberechtigung bisher versagt blieb, anschließen. Die Versammlung sprach den Wunsch und die Hoffnung aus, daß es nach diesem Weltkrieg, in welchem die Juden aller Länder den opfermuttgsten Patriotismus für ihre Heimatländer an den Tag legen, keinen einzigen Staat mehr geben werde, in welchem die Juden nicht die gleichen Rechte wie ihre anderen Mitbürger besitzen würden. In der Versammlung wurde auch zur Kenntnis gebracht, daß die Juden Frankreichs beschlossen haben, anläßlich des Friedensschlusses mit aller Energie in diesem Sinne tätig zu sein. Amerika. Leo SranK rum Code verurteilt. Hkrw-Wrk, 23. April. Das Unerwartete ist Ereignis geworden: Der oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten hat die Berufung Leo M. Franks gegen das von dem Staatsgerichtshof von Georgia wider ihn erlassene Todesurteil verworfen, obgleich kein unbefangener juristischer Beurteiler des Falles an Franks Unschuld zweifelt. Die Mehrheit des obersten Gerichtshofes, der allerdings eine dissentterende Minderheit gegenüberstand, hat sich auf einen rein formalistischen Standpunkt gestellt, erklärt, daß die Prüfung der Tatfrage nicht Sache .der Berufungsinstanz fei und den formellen Etnwand der Nichtanwesenheit Franks bei der Urteilsverkündung damit zurückgewiesen, daß der Anwalt vergessen hat, diesen Einwand bei der ersten Berufung geltend zu machen. Nach amerikanischem Gesetze bleibt nun noch ein Appell an den Gouverneur des Staates Georgia übrig, der das Todesurteil in eine mildere Strafe umwandeln kann. Man rechnet darauf, daß die notwendigen Formalitäten solange dauern werden, bis die Amtszeit des derzeitigen Gouverneurs zu Ende geht, und sein Nachfolger alsdann vielleicht imstande ist, die amerikanische Justiz wenigstens vor der äußersten Konsequenz ihres Irrtums, vor der Hinrichtung eines unschuldigen Menschen, zu bewahren. Man sieht mit Entsetzen, wie auch in Amerika die antisemitische Volksleidenschaft im Bunde mit einem blinden juristischen Formalis mus ganz gut eine Dreyfus-Afaäre schaffen könnte. Vermischtes. Drmftadt, 17. Mai. Bom Truppen. Uebungsplatz Darmstadt wird uns geschrieben: Anfangs war das Leben für die dhw hier sehr schwer, weil mir höchstens einmal täglich ein richtiges Essen erhielten. Wir gingen zu diesem Zweck nach Griesheim, und die verschiedenen Familien, die sich mit der Verabreichung von Kost befaßten, gaben sich sogar alle Mühe, uns mehr zu bieten als ein KosthauS. Soweit es unsere Zeit erlaubte, fanden wir dort eiu Heim zur Sammlung und Erholung. ES war aber doch beschwerlich, nach anstrengendem Dienst noch einmal nach Griesheim zu laufen, und ebenso war es auch mit Zeitverlust verbunden, ein Umstand, der sehr stark ins Gewicht fällt, weil die sogenannie dienstfreie Zeit zum großen Teil wieder mit Jnstandsetzen der Bekleidungs- und Ausrüstungsstücke auSgesüllt werden muß Eine wesentliche Erleichterung brachte uns nun die Errichtung des Israelitischen Soldatenheims, das durch die unausgesetzten Bemühungen des Herrn Rabb. Dr. Marx, Darmstadl, zustande kam. DaS Haus liegt dicht beim Barackenlager und gehört zur Garnison, ist also jederzeit und ohne Ausgangsanzug zu erreichen. Dadurch kommt eS den von den ntchtjüdifchen Kameraden viel aufgesuchten Kantinen völlig gleich. ES übertrisft sie aber durch seine Leistungen. Die Küche bietet alles, was im Rahmen der Preise und bei den jetzigen hohen Einkaufspreisen geleistet werden kann. Der ganze Eindruck ist ein freundlicher, man findet hier die.verschiedene» Bekannten oder.schließt sich Kameraden an, vergißt so vorübergehend den rauhen Krieg und fühlt sich behaglich. Oester ist ev möglich, mit po zu beten; auch kann man hier ungestört p'ren legen, allerdings nicht zur vorgeschriebenen Zeit, kurz daS ganze Unternehmen zeigt, daß eine geschickte und wohlwollende Hand es leitet. Inhaber ist Herr A. Malinowski, seither Besitzer eines gutrenommierten Restaurants in Wiesbaden, jetzt auch Inhaber des bekannten Caf6s Stamm, DlNNistadt, Alexandcrstraße. Es liegt gewiß im Interesse aller von dieser Einrichtung Kenntnis zu erlangen, auch weil sie zur Nachahmung an anderen Plätzen anregt. Sie glauben gar nicht roie dankbar von allen hiesigen Soldaten die Eröffnung des Heims begrüßt wurde, und wieviel mehr wir uns darüber freuen, da wir feine Vorteile kennen. Ist es doch eine große Sache, die Vorschriften des mips auf so bequeme Art halten zu können und gleichzeitig auch jüdisches Leben zu sehen. Geeftemüude, 14. Mai. In unserer kleinen Gemeinde, wie in den Nachbarorten Lehe und Bremerhaven hat der von der „Deutsch-Holländischen Palästina- Verwaltung" angeregte „Palästinatag" schönen Erfolg gezeitigt. Herr Lehrer Bachonheimer verstand es durch seine Ansprache das Mitgefühl in den Herzen seiner Zuhörer so stark wachzmusen, daß eine Haussammlung seiner Schüler znianimen mit den Synagogenspenden die Summe von 838,50 M. erbrachte Gelnhausen, 11. Mai. Das Eiserne Kreuz wurde dem Gefreiten Arnold Strauß, Sohn des Lehrers M. Strauß in Gelnhausen, verliehen. Bei den Kämpfen unr Upern hat er sich derart durch Tapferkeit hervorgetan, daß er sowohl vom Regimentsals auch vom Brigadekommandeur zu dieser Auszeichnung vorgeschlagen wurde. ÖftenblltS, 12. Mai Das Eiserne Kreuz erhielt: Alfred Hauser, stuck jur., Kriegsfreiwilliger Gefreiter, 15. Landwehr - Sanitäts-Komp., Sohn deS Herrn Jacob Hauser, in Firma Hauser u. Leoi, Offenburg. Metz, o Mai. Der Soldatenheim-Ausschuß der Lothringen-Loge in Metz sendet uns im Anschluß an die in voriger Nummer enthalten« Notiz über die Versorgung der jüdischen Soldaten in der Metzer Garnison eine längere Darstellung, aus der sich ergibt, daß sich die Lothringen-Loge die Soldatenfürsorge irr sehr anerkennenswerter Weise angelegen sein läßt. Sowohl am vergangenen Peffachfeste' als vorher am Rasch haschonoh und Jomkippur wurden mehrere hundert Soldaten rituell verpflegt, und es fand ein feierlicher Sederabend statt. Im allgemeinen geschieht von Seiler» der Loge und der Gemeinde alles Mögliche, um den jüdischen Mannschaften den Aufenthalt in Metz so angenehm wie nur irgend denkbar zu machen. Oldenburg, iS. Mai. DerJü d i scho Landesgemeinde-Rat hat beschloffen, für die Gefallenen aus sämtlichen Synagogengemeinden des Herzogtums in der Synagoge der Hauptgemcindc Oldenburg eine Ehrentafel zu errichten. Der vorgelegte künstlerische Entwurf wurde angenommen. Die Krone wird ein Licht erhalten, welches am Jahrzcittagc der einzelnen Gefallenen brennen soll. Frankfurt a. M, 17. Mai. DaS in München erscheinende „Jüdische Echo" legt Wert auf die Feststellung der bedeuturlgsvollen Tatsache, daß der in voriger Nummer erschienene Nachruf auf Frau Rahel Fränkel dem „Echo" entnommen ist und mit „E8" gezeichnet war. Kür den Aellameteil ist die Aebaktio» «tcht verantwortlich; insbesondere ist es ausschließlich Sache der Leser, die i» »ekla«eteil enthaltene» Empfehlungen ritueller Waren oder sonstiger Angabe« religionSgesehliche« Charakters ans ihre Zuverlässigkeit t« Prüfe». Kaiser Friedrich Quelle — OffVnbaeh a. M. — — Gegen Gicht and Bhenmatfamni bewährt Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Staht, Frankfurt a. 1L, Gftnthersburgallee 37. Tel.259 n. 714 Familiennachnchten. Gednrte«. Eine Tochter, Dr. Gerson Feinberg jPollak) Seminar lehrer, Würzburg. Verstorbene. Ernestine Gutmann geb. Heß' Philippsburg i. Baden, 57 Jahre alt. Labbat-Anfang u. Ausgang. AVI mv O 1 Ti Anfang Datum Ausgang Uhr,Mm. Uhr iMin. 19151 5675 28 9. Frankfurt a. M. 7 35 Mai Siwan 8 55 Berlin . . . — - München . . . 7 15 8 42 Straßburg . . 7 30 tt — Stuttgart. . . — — — — Pose» .... — — — — -törubera 7 30 8 51 Hamburg - — — — 1 § 4 \ü ■;] j ■1 i» | I ff

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