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Der Israelit · 1915-05-18 · Heft 22 (18.5.1915) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 22 (18.5.1915)
Date
1915-05-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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\ Der Israelit EinCentraloraaii für das orthodoxe Judentuin s/li^R Ul waggpg Begründet oon Dr. Lehmann in Mainz issss RA lahmanA Cwanbfiivf a IT? Ann 18. 19l€) 99m tiu. juiiiyuiiy« aiunniuii 5. Siwan 6675. i/K» «Houueueeut pro Blerteltavr: «ewöbnlichr Ausgabe Rk. UH), HeftauSgabe (Kunstdruck) Mk. fc—. AuSlandSvreisr: Gewöhnlich? AuSgabr: Orsterreich-Unaarn » Kr., Rußland 1 Bab« England t *h Amerika 60 cfa»., Niederlande 1.10 11., Frankreich Fr». 1£0. Abonnements bei allen vostanstalteu, Buchhandlungen, sowie direkt 6«i dem Verlaa. SettanSaabe «nr direkt Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate: 30 Pfennig für die sech-gespaltene Tolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Juseratenannabme durch den Verlag deS JSraelit <8. m. b. H., Frankfurt a.M., Br. lkschenheimerstr. 33 Tel.S84S.Amt Hansa, sowie sämtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. VlatzvorfchrMra ohne Nrrdmdttchdett.! Aohlunge« können außer direkt an den Verlag erfolg« per Touto bet de» Jt. «. Vostfp «taste »Wien Mo. 79 MS. Konto toi de» ». Gostfpartastenamt Budapest 9t».184S4 «s*t» toi de» Vttgaer Gounuerzdaut i» Mtgo und der« Nüal« Der nadidrudi der Artikel und Correfponden?en des „Israeli!“ iff nur unter genauer Quellenangabe, und, soweit es lick um gröbere fluffäfce handelt nur nach vorheriger ßenehmigung gestattet Anhattsüverstcht 1. Leita rttkel: Rabb. Dr. M. Lewin, Wreschen: Das Geyetmniß unserer Kraft. -- 2. Aussätze: Eine christliche Stimme über Zionismus und Thora-Judentum. — Die „Igudas Kisroel" im Weltkriege. — 3. Kleines Feuilleton: Dr. A. Neuwirth, Mainz: Dir Sephiratage im Wandel der Zeit. — Händler und Helden. - Geschäft und Kanonendonner. — 4. Korrespondenzen und Nachrichten: Frankfurt a. M. (Wochenfest-Urlaub.) — Straßburg (Konttgentierung des Scbächtens in Straßburg.) — Aus den okkupierten Gebt eten: Lodz, Lodz, Kalisch. — Aus den Gemeinden: Budapest- Neutra. — Larnow (Die Russen in Tarnow.) — Mailand (Eine Ber ammlung italienischer Juden.) — New-Uork (Leo Frank zum Tode verurteilt.) — 5. B erm i s ch tes: Frankfurt a. M. — Darmstadt. — ®eeftemütibe. — Gelnhausen — Offenburg. — Metz. — Oldenburg. — 6. Familiennachrichten. =7. Beilagen: Jüdischer Bolksfreund: Soldatenfürsorge. — Wirtschaftliche Kehren des Krieges. -Willy Wolf, Köln: Zum Schewuoth'Frste. — Kriegsphilofophke. — Spende,!. — Feuilleton-Beilage: Die Kraft der Thora, — P. M.: Eine Kchwnaus-Uacht in Jerusalem. — Kinde.ecke (Das Gespräch der Berge.) Das Geheimnis unserer Kraft. Eine Schtvrrairs Betrachtung. Bon Rabbiner Dr. M. Lew»« in Wreschen. Wie zur Feier unseres Festes hat sich die Natur in ihr schillerndes, farbenprächtiges Feiergewand gehüllt. Sie ist ja der ewige stille Zeuge des Bundes, den der Weltenmeister mit Israel geschl.ssen, als er am Sinai das Volk seiner Wahl mit der Hut seines Willens betraute und der Welt der Sittlichkeit ihre zrhu ehernen Säulen verlieh. Daß die Natur ist, wie sie war, daß Himmel und Erde nicht ins Tauhu Wowauhu von ehedem zurücksankelt, ist ein . Zeugnis für Israels hingebende Treue, für „die Liebe seiner Jugend", mit der es Gott folgte und sich opferwillig und opferfreudig als würdiger Stamm seines großen Ahns für alle Zeiten ihm vexband. In der Stunde der Offenbarung Men für eine Weile die Natur gehemmt, 11B2C rHö mb H1H als der Vogelfang verstummte und kein Ftügelschlag sich regte, aber bald strahlte sie um so herrlicher und glänzender. da sie in Israel einen Genoffen fand, der sie so schön und anmutsvoll sieht und preist, weil sie in der ewigen vom Schöpfer ihr verliehenen Hülle pranget,' und ihr gleich die ewigen Bahnen wandelt, die der Gesetzgeber ihm vorgezeichnet. Ein doppeltes Fest ist mri2tf, ein Fest der Natur und ein Fest der Offenbarung. Auch die Natur singt alljährlich neu das Lied von Gottes Größe und Allmacht, von seiner Liebe und Weisheit. Doch der Menschengeist vermochte aus diesem Bucke die rechte Kunde nicht immer zu schöpfen. Nur einzelnen Auserwählten g'ng der Sinn und das Verständnis all' der Ordnung und Pracht auf, die ihr Auge gewahrte, und den Engeln gleich riefen sie ihr dreimaliges Heilig: „11122 p*rr *?2 «Sö, voll ist die ganze Erde seiner Heiligkeit." In ihrer Gesamtheit aber achteten die Menschen über dem Geschöpf nickt auf den Schöpfer und dünkten sich selbst als Götter, wenn sie nicht Himmel und Erde oder das, was sie füllt, verehrten. Da kam der sechste Siwan, und Gottes machtvolles Wort zerriß den Sckleier, der das Menschenauge trübte,'und es zerstoffen die Nebel, die die Wahrheit verhüllten, und es stürzten die Altäre ein, die den falschen Göttern errichtet waren. Eine neue Welt des Lichts und Heils ward ins Dasein gerufen und zu ihrem Wächter Israel bestellt, das befreite Sklavenvolk, das in harter Frohnde Mizraims der Väter beillge Traditionen treu gehütet und so zum Volke des Herrn erstarkte. Seitdem ergänzt die Offenbarung die Kunde aus der Natur und begeht Israel N1P12V als rin doppeltes Fest. Feierte Israel ehedem sein „Fest der Gesetzgebung", solange es noch ein Heiligtum besaß, so opferte es die v'1122 als rrtfin nn:o, als neue Festgabe, und bekundete damit, daß Gottes die Natur ist und alles, was sie spendet. Für unser Geschlecht ist diese Feier nur eine Erinnerung und Hoffnung. Unsere v'1122 aber: der Dank des Herzens, die Spende unserer Lippen für die reichen Gaben, die uils der H:rr in der Natur bietet, wie unser Bekenntnis und unsere Weihe zur alten Fahne,. die durch die Flucht der Zeiten unsere Glaubensgemeinschaft durch Nacht zum Tage, durch Kampf zum Siege geführt hat, sind auch dem Herrn wohlgefällige Opfer. Mit jugendfrischem Mute und einmütigem Sinne sprachen unsere Väter noch ehe der Tag vom Sinai aufieuchtete, kaum daß sie den Heilsruf des Herrn aus dem Munde Moses vernahmen, die denkwürdigen Worte: „IttK fW3 '1 ‘121, alles, was Gott gesprochen, wollen wir tun." Später ergänzten sie ihren Treuschwur: „riattw nw; 'i 121 iwk^d, alles, was Gott gesprochen, wollen wir tun und hören." Hiermit gelobten sie Treue nicht nur dem aus dem Munde Gottes vernommenen und von Gott durch Moses ihnen mitgeteilten Gesetz, sondern auch allem, was in aller Zukunft durch eifriges Hören und hingebungsvolles Kennenlernen desSchrijftwortes und des Mündltchüberlieferten sich ihnen als Gottes Willen kundgeben würde. Da haben unsere Ahnen sich mit einer zwiefachen Krone geschmückt, sie haben ihren Willen geadelt und ihren Geist geweiht. Ihr Gehorsam sollte kein knechtischer sein, sondern der des freien Menschen, eine freudige und willige Hingabe, die in Liebe und Verehrung wurzelt. Und zu dem Gehorsam sollte sich hinzugesellen das geistige Streben und Ringen nach Erkenntnis und Wahrheit, die aus dem Quell der ewigen Wahrheit sprudeln. Das ist der Weg, der dem jüdischen Volke vorgezeichnet wurde. Tun und wirken, lernen und lehren ist die heilige Priesteraufgabe, zu der der Treuschwur unser Väter unsere Bekennerschar verpflichtete. Israel ist und webt und wirkt trotz aller Nacht und ihren Schatten, die über es hinweggegangen, weil es seiner Doppelaufgabe getreu geblieben. Das ist der Schlüffel zum Verständnis unserer so wunderbaren Geschichte, das erklärt unsere Widerstandskraft und verbürgt unsere Ewigkeit. In ihrer sinnigen Art verherrlichen Israels Lehrer die zwiefache Bestimmung unserer Priesteraufgrbe mit folgenden Worten: Als sich Israel zur Tat weihte und dann erst hinzufugte: pVV3 „wir wollen auch hören," da ließ sich eine Stimme vernehmen: niirn '2A^VV m TI 'Hb rbl 'S 12 stVSIVv, wer hat meinen Kindern das Geheimnis enthüllt, besten sich die Engel bedienen, von denen es heißt: 121 N2 '122 1'2R^v '1 1212, preiset den Herrn, ihr seine Engel, die ihr kraftgerüstet sein Wort vollbringt, seinem Wort zu gehorchen?" Das ist etwas Engelhaftes, das sich Israel zueigen gemacht, unter allen Umständen, ohne zu deuteln und zu mäkeln, Gottes Wort zu vollbringen, um seinem Worte zu gehorchen.

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