Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 20 (6.5.1915)
- Date
- 1915-05-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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6. Mai 1915 Der Jsraeltr No. 20 Sette 5 Türkei. Die Lage der ausländifdien Juden in der Türkei Konstantinopel, 19. April. Die „Turquie" veröffentlicht einen Artikel, in welchem Darstellungen der feindlichen und neutralen Presse über die angebliche schlechte Lage der fremdländischen Juden in Palästina widerlegt werden. Der Artikel erinnert daran, daß die Regierung sich vor 20 Jahren genötigt gesehen habe, gewisse einschränkende Maßnahmen gegen die jüdische Einwanderung nach Palästina zu treffen. Aber diese Maßnahmen könnten in keiner Weise mit denen in anderen Ländern, zum Beispiel Rußland, verglichen werden, da sich die türkischen Maßnahmen daraus beschränkten, Ausländern, die sich dort niederlaffen wollten, den Eintritt ins Reich zu verwehren. Als der Krieg mit dem Dreiverband ausbrach, beschloß man überdies, den Juden, denen es gelungen war, sich in Palästina seßhaft zu machen, eine begünstigte Behandlung zuteil werden zu lassen und gewährte ihnen ausnahmsweise Erleichterungen bei Erwerbung der ottomanischen Staatsangehörigkeit. Dieselben Erleichterungen wurden auch den ausländischen Juden außerhalb Palästinas zugestanden. Diejenigen von ihnen, die von diesen Begünstigungen keinen Gebrauch machen wollten, wurden aufgefordert, die Türkei zu verlassen. Die Pforte hätte mithin den Juden gegenüber einen Beweis ihres guten Willens gegeben. Amerika. Aus der Lilgenfabrih der Entente, Ikw-York, 6. April. Die „Wahrheit" läßt sich aus London telegraphieren, daß die deutschen Juden beschlossen hätten, nur während der beiden ersten Pessachtage Mazzos zu genießen, weil die Regierung die Benutzung des Weizenmehls für Ostern verboten habe. Kommentar überflüssig. Personalien. Berliu, 4. Mai. Wie man hört, hat für den Berliner Universitäts-Lehrstuhl des verstorbenen Professors Barth der Privatdozent Professor Dr. Eugen Mittwoch einen Ruf als außerordentlicher Professor für semitische Philologie, insbesondere für Arabisch, erhalten. Osterode (O.-Pr.) 26. April. Unser Religionslehrer und Prediger, Herr Jacob Sturmann, konnte am verflossenen 1. April aus eine gesegnete Tätigkeit von 50 Jahren in hiesiger Gemeinde zurückblicken. Von einer größeren Feier mutzte wegen des Ernstes der Zeit abgesehen werden. Beim Morgengotiesdienste war der Platz des Jubilars mit Blumen geschmückt. In der Behausung des Jubilars erschienen inmitten der Kinder und Enkel des Jubiliars am Vormittage der Vorstand und die Repräsentanten der Gemeinde, der Vorstand des Frauenvereins, der Chewra Kadischa und des Literaturvereins und der größte Teil der Gemeinde, Männer, Frauen und Kinder, zum größten Teil Schüler des Jubilars. Der Vorsitzende des Vorstandes, Herr L. W ittenbe r g, beglückwünschte namens der Gemeinde in einer längeren herzlichen Ansprache, in welcher er die Verdienste des Jubilars zu würdigen wußte und überreichte ein Ehrengeschenk. Ihm folgte die Anwrache des Vorsitzenden der Repräsentanten, Herrn S a l o m o n, der Vorsitzenden der anderen Vereine, die ebenfalls Ehrengeschenke überreichten, und des Herrn Bürgermeisters Dr. H e rbst, Eine Schülerin der Religionsschule trug ein selbstverfaßtes Gedicht vor und überreichte ein Geschenk der Religionssrhulen. Herr Kantor All ernste in überbrachte die Glückwünsche des Lehrervereins in Form einer künstlerisch gearbeiteten Adresse, in welcher der Jubilar zum Ehrenmitglied ernannt wird. Für den Vorstand überreichte er ein Bild des Tempelplatzes in Jerusalem in einem kostbaren Goldrahmen. Bromberg, 27. April. Am 1. Juni d . Js. begeht der erste Lehrer der Synagogengemeinde zu Bromberg, I. Herzberg, sein 25jähriges Ortsiubiläum. Am selben Tage begeht Herr Herzberg sein 40jähriges Dienst- und Amtsjubiläum. H. ist als Schriftsteller besonders auf dem Gebiete der Jugendliteratur bekannt. Kirchhain, 2. Mai. Am 26. April beging das älteste Mitglied der hiesigen Gemeinde, Herr Meyer Strauß, in seltener körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische seinen achtzigsten Geburtstag. Der alte Herr hat als langjähriger Stadtverordneter an der Entwickelung unserer Stadt regen Anteil gehabt; seine erfolgreiche Tätigkeit als Schrift- und Rechnungsführer des „Roten Kreuzes" wurden vor Jahren durch Verleihung des Roten Kreuz-Ordens an höchster Stelle anerkannt; auch als Kreisvorsteher der Israeliten hat er sich reiche Verdienste erworben. Als m;ri p und mni vom alten Schlage übt er aus die hiesige Gemeinde einen guten Einfluß aus, wie er überhaupt ein warmer Förderer aller Bestrebungen des orthodoxen Judentums ist. Um den ihm zugedachten Aufmerksamkeiten zu entgehen, verbrachte er die letzten Tage auswärts. Hamburg, 21. April. Im hohen Alter 88 Jahren starb der langjährige Sekretär der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, Herr Ad. M Heymann. Die Bestattung fand am Dienstag nachmittag statt. Im Srerbehaus war der Gesamtvorstand der Gemeinde, sowie der Vorsitzende und viele Mitglieder der Repräsentantenkollegiums und die Rabbinen von Hamburg-Altona nebst einer großen Zahl von Freunden und Bekannten des Verblichenen erschienen. Oberrabbmer Dr. Spitzer entwarf an der Hand eines Schriftwortes ein getreues Lebensbild des Verstorbenen, der, einer althamburgischen Familie entstammend, mehr als ein halbes Jahrhundert im Dienst der Gemeinde als deren erster Beamter gewirkt und sich durch seine seltene Pflichttreue und sein zuvorkommendes Wesen gegen jedermann nicht nur die Liebe und Achtung seiner Vorgesetzten, des Gemeindevorstandes, sondern auch aller Gemeindemitglieder zu erwerben gewußt habe; der Verstorbene sei die wandelnde Ueberlieferung, die lebende Tradition der altehrwürdigen hamburgischen jüdischen Gemeinde, deren historische Entwicklung, sowie die ihrer Institutionen er wie keiner kannte, gewesen; bis ins hohe Alter hinein, und selbst als sich bereits die Schalten des Todes auf seine Schultern senkten, sei er in seinem über alles geliebten Beruf tätig gewesen. Im Namen des Vorstandes und der Beamtenschaft der Deutsch-Israelitischen Gemeinde widmete dann Syndikus Dr. Nathan dem Verstorbenen einen ehrenden Nachruf. rraauri Vermischtes. Karlsruhe, 4. Mai. Vor einiger Zeit machte bei Erteilung des Geschichtsunterrichts in der Obersekunda des Friedrichs-Gymnasiums in Freiburg i. B. ein Lehramtskandidat eine Aeußerung, die geeignet war, die Juden zu verdächtigen und herabzusetzen. Auf die von jüdischer Seite erhobene Beschwerde erteilte das Badische Ministerium des Kultus und Unterrichts einen Bescheid, in welchem zwar geäußert wurde, bei der Wiedergabe der wirklich gefallenen Worte des Lehramtskandidaten dürften diese mißverstanden und aufgebauscht worden sein, ayer doch wörtlich erklärt wurde: „Wir sind aber gleichwohl der Ansicht, daß die ganze Erörterung ein bedauerlicher Mißgriff gewesen ist, und haben deshalb dem Lehramtspraktikanten unsere Mißbilligung und Verwarnung für die Zukunft ausgesprochen". Dieser ist auch nicht mehr in Freiburg, sondern in einer anderen badischen Stadt tätig. Könisberg, 33. April. Im Jahre 1756 erbauten die hiesigen Juden ihre erste Synagoge, die aber bei dem großen Brande im Jahre 1811 mit von den Flammen verschlungen wurde. Infolge der Schwere der napoleonischen Kriege konnte die Fertigstellung und Einweihung des Neubaues erst im April 1815 Für de« Neklameteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ausschließlich Sache der Leser, die i« Reklaweteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Baren oder sonstiger «n. gaben religionsgesetzlichen LharakterS uns ihre Zuverlässigkeit ft« prüfen. Kaiser Friedrich Quelle -■ Offenb&eh a. M. — Gegen Gieht and Rheumatismus bew&hrt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stelle, Frankfurt &. M., GOnthersburgallee 87. Tel.259n.7U Familiennachrichten. Geburten Einen Sohn: Joseph Karpf (Stern), Fulda. — Eine Tochter: Rabbmer Dr. Bamberger (Nußbaum), Schönlanke. — Lehrer und Kantor Moses Plaut (Mariansky), Landsberg (Ostpr.) Labbat- Anfang u. Ausgang. •»nprp "na nav O ■ Ta I Anfang Ausgang Inbr lMiwIlSISl 5675 Uhr jMin. 8 25. 8 45 Arnnkfnrt a. M. 7 25 Mai Aiar Berlin .... — — — — München . . . 7 15 8 21 Strakbnrg . . 7 30 8 40 Stuttgart. . . — — — — Posen .... — — — — Nürnberg. . . 7 15 8 28 Hrmbnrg. . - — — — — N. JSR AEL bpandauer Str. 16 E3 EZZ EP 1 j Gegenüber Königstrasse 11-14 1—) Lw 1 \ Lw 1 1 1 V demRatharse GEGRÜNDET 18»5 i-33®Kj :T1-. .. XI Kaufhaus für Leinen und Wäsche, Konfektion, Manufakturwaren, Gardinen, Teppiche, MobeL -—--\ Wohnungs- Einrichtungen Übernahme voflständ. Einrichtungen von Wohnungen,Villen,Landhäusern Man verlange den reich illustrierten Haupt-Katalog „J“^ Wäsche- Ausstattungen Die Anfertigung erfolgt in eigenen Zuschneiderei- und Näherei-Sälen