Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 19 (29.4.1915)
- Date
- 1915-04-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite W No. is. Der Israelit. 22. April 1915 Kai PC »md sollen; zu ihnen gehört nach der Tradition die uralte Sitte, am Sabbar Volksversammlungen abzuhalten, in welchen das Thema „Sabbat" Gegenstand der Belehrung und der Besprechung bildete. Dem „Wüstengeschlecht, das die Sorge um das tägliche Brot nicht drückte, muhte die Einführung und Beibehaltung solcher und ähnlicher sabbatlicher Veranstaltungen besonders eingeschärsl werden, um cs in Anbetracht der Arbeitslosigkeit in der Wüste über die Wochentagsstimmung h inäuszuhebcn; außerdem hatte sie noch den besonderen Z weck, zrrrh rrtrrt rs rx*j>7 Israel durch Gewöhnung dahin zu bringen, dah die Ruhe am Sabbat als heilige Pflichtübung vom Vater auf Sohn und Enkel für alle Zeiten übergehe. Vers VT stellt dann das Schluhergebnis m:T*? fest. Als Entwurf für die unterrichtliche Behandlung des Stoffes mag die folgende Einteilung gelten: Das Sabbatgcbot nach 2. M. 31, 12—17. 1. Einleitung: Gründe für die Einstellung der Ärmst — sowohl für U’—pr; rrxSc als Vnr: — am Labbai. L> Der Sabbat sei für Israel r:x, Zeichen der besonderen Gotiangehörigleit. b> Der Sabbat sei für die Außenwelt Merkmal, daß Israel noch heute unter dem heiligenden Einflüsse feines Gottes steht. H. Ausführung. A. Die Strafbestimmung für Sabbatschändung bei 3) ü'~pi 1. in der Oeffentlichkeii, 2 irn Geheimen, b» rzvhr.: 1. in der Oeffcntiichkeir, 2. im Geheimen. 8. Die Borbeugungsmaßregelu zur Sabbatschändung. III. Schluß: Die ewige Dauer des Sabbats. Aus der prüfungs-Mappe eines Aeligionsschul-Inspektors. IV. Die öffentlichen Religionsschulprnsungen, wie sie bei uns säst überall noch gang und gäbe sind, haben keine Erislenzberechtigung mehr und doch entschließt man sich so ungern dazu, sie abzuschaffen, weil sie so ziemlich die einzige Gelegenheit find, bei der die Gemeinde mit ihrer Rcligionsschule in nähere Berührung kommt. Es gehört aber ein feiner Takt seitens des Inspizierenden dazu, um einerseits zu vermeiden, daß die Prüfung zu einer Parade herabsinkt, in der alles am Schnürchen geht und anderseits eine Bloßstellung des Lehrers hintanzuhalien, die in den Augen des Laienpublitüms oft schon dann hervorgerufen wird, , wenn sich eine kleine Stockung in dem Prüsungsgeschäft ergibt. Ich halte cö so. daß bei öffentlichen P.üsungen der Lehrer prüft, nachdem ich das Thema angegeben, während ich selbst nur selten eingreife. Dagegen halte ich von Zeit zu Zeit Schul Visitationen ab, in denen das Verhältnis umgekehrt ist. V. Ich mußte heute Herrn S. eine kleine Enttäuschung bereiten. Er hatte mir triumphierend erzählt, daß erden ganzen Lesestoff der Fibel in knapp 0 Wochen mit den Schülern seiner Elementarklaffe, zwei geweckten Jungen, durchgenommen habe. „Das ist gar keine Kunst". erwiderte ich ihm, besonders da Ihre Kleinen die deutsche Schrift schon beherrschen, bevor sie mit dem Hebräischen beginnen. - Biel mehr Vergnügen hätte es mir bereitet, wenn Sie mir berichtet hätten, daß sie die in der Fibel befindlichen Uebungen über x; xitr und r; XX, pT” b?;*t und v:~f rfro: bvbz von den 3 untersten Jahrgängen jeden Monat wiederholen lassen". Nach meiner Erfahrung wird die Fibel viel zu rasch beiseite gelegt. Ein korrektes Lesen läßt sich nur dann erzielen, wenn die genannten Uebungen durch häufige Wiederholung dem Schüler so fest im Ohr liegen, daß er gar nicht anders als richtig lesen kann- . VI. Zu der diesjährigen Prüfung in O. nahm ich Herrn St., einen jungen Anfänger, mit, nachdem ich dazu die Einwilligung des dortigen Lehrers eingeholr hatte. Er wirkt unter ziemlich ungünstigen Verhältnissen, die Gemeinde ist neu —, aber seine Schule steht ganz auf der Höhe. Aus der Heimfahrt rühmte ich das Ergebnis der Prüfung unter Hervorhebung mehrerer Einzelheiten. „Ja, aber .... unterbrach mich Herr St. mehrmals und machte mich aus diese und jene Schwäche, die die Schüler gezeigt hatten, aufmerksam „Ihre Beobachtungen stimmen ganz mit den weinigen überetn", agte ich ihm endlich, aber ich habe Sie eigentlich um Ihre Begleitung gebeten, weil ich Ihnen eine gute Schule zvigen wollte". VII. Den ganzen Pentateuch zu übersetzen, dieses so wünschenswerte Ziel wird heute leider nur noch in sehr wenigen Schulen erreicht. Eine Auswahl ist also Nötig. Ich überlaste sie ruhig den Lehrern und sie finden in der Regel das für ihre Schule Geeignete heraus. Aber eine Gepflogenbeit des Herrn N. habe ich in allen Schulen meines Rabbinats zur Einführung empfohlen. Er läßt von jeder Wochensidra einige Verse lernen und bespricht im Anschluß daran, den Inhalt der ganzen Sidra. So führt er seine Schüler durch das ganze rroir. Der jüdische Lehrer als Gärtner. Unsere Feinde gedenken uns auszuhungern. Daß diese ihre Hoffnung zu schänden wird, davon sind wir alle felsenfest überzeugt. Aber jedermann muß sein redlich Teil dazu beitragen, daß wir mit einer genügenden Reserve an Lebensmitteln in das neue Erntejahr hinübergehen und zwar nicht nur dadurch, daß wir mit den vorhandenen Vorräten sparsam umgehen, sondern auch — soweit das angängig ist - durch eigene Erzeugung von solchen. Unsere Leser wissen, daß seitens der staatlichen und städtischen Behörden die Anlegung kleiner Gärten behuss Anbau des Eigenbedarfs an Gemüsen durch Zuweisung von 7)00 qm Land in ivenestgehender Weise unterstützt wird. Es soll keine Handbreit Erde unbenutzt liegen bleiben. Es ist selbstverständlich Ehrensache, daß auch die Juden sich nach der angedeuteten Richtung hin betätigen und der jüdische Lehrer, besonders der auf dem Lande, ist es, der auch hier mit gutem Beispiel vorangehen muß. Wir haben an dieser Stelle wiederholt darauf hingewiesen, welche ideelle und materielle Vnrteile der Besitz und die eigene Bewirtschaftung eines Gartens dem jüdischen Lehrer bieten. Wir erwähnen auch in diesem Zusammenhang die verdienstvollen Leistungen des badischen Oberrats nnd der Herren Kollegen Hauptlehrer Seligmann in Müllheim jBaden» und Lehrer Sulzbacher in Groß-Bieberau < Starken - bürg). Heute wird das, was vor Jahren wertvoll und nützlich erschien, zu einer vaterländischen Pflicht. Ihre Erfüllung wird dadurch noch ganz besonders erleichtert, daß die Evnsul Simon iche Stiftung in Hannover alle aus den Gartenbau hinzielenden Bestrebungen durch Geldmittel unterstützt. Wir hoffen, daß die Anregung, die der Krieg uns nach dieser Richtung hin gibt, auch für die Zukunft fördernd wirken wird und daß er sich auch hier als ein Teil jener Kraft erweist, die stets das Böse rvill und doch das Gute schafft. Sorrespondenzen und Aachnchten. Aus Hessen. In der jüngsten Nummer des ,,2ct]iübütcn für Hessin" sinder sieh das folgende Ansschreiben: „L e o p o I st c\> vlds ch m i d i's che Stiftung z u '))! n i n Zweck der Srislung ist: „im t^ebiet der Provinz Rheiubessen nitd nair.^ntckich in den Landgemeinden ange stellten 2i!;nH'..!mni oder Lehrerinnen ,welche sirb durch Berusstrrne bewährt haben, Gratifikationen \\i kommen zn lassen." -Anmeldungen u.f.w. Die hessischen Volksschullehrer werden zwar ganz anständig bezahlt. Ihr pensionsfähiges Einkommen beträgt auf der.l kleinsten (Gehöft 4100 Mk. <3600 Mark Gehalt und .700 Mt. Wohnnttgsgeldentstliädigungi. Dazu komm: noch das Honorar für den Drganistendienst (2 .700 Mk.) nnd für den obligatorischen Iorrbildungsrnrierricht <ea. 200 Mk. p. I.» Aber die Slistung ist darum doch nicht überflüssig und wir sind stolz daraus, daß ein W I a u b e lt s g e n u s s e sie in? Leben gerufen. Der Berns der Vvltsschuilehrer ist anstrengend und aufreibend nnd es tut ihnen ivvhl, wenn ihre Bernfstreue neben dem stattlichen «behalt aito der gesicherten Lebensstellung auch von p r i p a t e r Seite durch ein äußeres k l i ri g e n d e s Zerrheu oer Anerkennung belohnt loird. tknd nun o;o .oolnjoito der 'MebailLc. 2ic jüdischen Rchtgionslehrer auf dem Lande und in den kleinen <Züc>ten arbeiten für wahre Hungerlöhne. Das Grrßherzogtiun Hessen erfreut sich bekanntlich des traurigen Ruhms, feine Religiouslehrer materiell und rechtlich am schlechtesten unter allen deutschen Staaten zu stellen und von de,- drei hessischen Provinzen sind sie in ))i h o i lr h esse n am übelsten daran, denn dort ist die Lebenshaltung ocr Bevölkerung auch a n f dem Lande verhältnismäßig hoch Wein bei fast jeder Mahlzeit! - und ihr stehen die niedrigsten Gehalte von 360 Mk. pro Jahr, nicht etwa pro Monat anfangend gegenüber. Es trifft bei diesen Landlehrern auch nicht zu, daß sie mehr auf „gute Behandlung" als auf hohen Lohn sehen. Wir haben vor nicht langer Zeit an dieser Stelle eine ganze Anzahl trasser Fälle veröffentlicht und gezeigt, wessen sich ein Religiouslehrer in Hessen zu versehen hat. Wir könnten heute noch mi: einigen aus der jüngsten Zeit auswarten und nach weisen, daß auch der K r i e o unsere Vorstände nicht milder stimmt- - aber wir rvollcn es,, weil zwecklos, besser unterlassen. Tie jüdischen Lehrer halten trotz allem und altem wacker aus und an Berufstreue stehen sie ihren christlichen .Kollegen wahrlich rticht nach. Sie wird auch auf Lehrerkollfereuzen von Justiz und Kommerzienräten sowie sonstigen Inhabern kul tusgemcindlicher Ehrenstelleu gebührend anerkannt ::.2 „ 1..... 4,%:,, Sv«*. Leider findet sich aber kein Glaubensgenosse, der. gerichtete Ausschreiben finden ähnlich dem im „Schul boten für Hessen". Aus Basen. -Am 23. d. Bits, begehen Hauptlehrer A. H e i d i n g s f e l d in F r c i b u r g und Oberlehrer A. Weil' in Eichstetten ihr .70jähriges Dienst' jubiläum. Der Ernst der Zeit ist incht dazu angetan,, und es entspricht auch nicht dem stillen Sinn der Jubilare, Jubelfeste zn feiern. Aber die beiden Bete'' ranen, die ihre Vorbereitung für ihren Beruf gemein sam im Lchrerstminae l in Karlsruhe genossen und ihre berufliche Tätigkeit ,eit Jahrzehnten in einen, und demselben Schult,eis ansüben, dürfen an diesem Tage mir innerer Befriedigung ans das abgelnufem Iahthllndert .,:uückblicken. 'In ihnen verkörpert sich ein gutes Stück badischer Schulgeschichte: bis zm Einführung der Sin,ultanschnle Religionslehrer, durchkosteten sie die Leiden und Ireuden des nach dem einmütigen Beschluß der letzten badischen Synode nun einer besseren Zeit entgegengeacnden Religionslehrers, wie auch die mannigfachen Entwicklungsstufen des badischen Volksschullehrerstandes in den vergär, g'.nren 40 Jahren. Die Ernennung Weils zum Ober 'lehre, zeigt, iuic die oberste Schulbehörde in Baden dem Geist der Simuttamchule gemäß volle Objektivst rät und Vorurteilslosigkeit dein jüdischen Lehrer gegen über nialten läßt. Die fegensreiche Tätigkeit der beiden wurde schon vor längerer Zeit durch Per leihung des Verdiensttrenzes des Zähringer Löwen ovm Großherzog anerkannt. Besondere Hervorhebung verdient die hingebungsvolle Arbeit HeidingSfelds als Vorsitzender des Ravhlali Cpstein-Bereins, den er seit Drießens Tode führt, rind der Ortsgruppe Fre, bürg des „Zentralvereins deutscher Staatsbürger indischen Glaubens." Mögen den Jubilaren noch viele Jahre jugendirifcher Schaffenstraft und Arbeitsfreu digkeit in: Kreist der ihrigen befchieden fein! (Rüdigheim <Baden». Am 17. v. M. fand in de, h,engen Synagoge eine Trauerfeier seitens der Ge meinde und Lehrer des Rabbmalsbezirks Mosbach für den in Nordsrankrelch gefabenen Lehrer E. Hausmann statt. Herr Rabbiner Dr. Listvenstein-Alosbach, der schon vorher im Trauerhanse einen "XEn abgehalten hatte, schilderte, unter Vcwendung des lehrreichen Bildes der riC-x Institution, denGesallenen als einen gewissen haften Lehrer, dem das Pflichtgefühl als das Höchste galt, bis der Tod seinem Leben im Kampf für das Vaterland ein Ende setzte „Nur das Irdische vergeht, der Geis« aber und die Ideale bleiben ewigsie werden in de, Gemeinde Eubigheim, woselbst Hausmann 7 Jahr amtiert, unvergänglich weiter wirken." Herr Lehrer Thalmann-Werlheim sprach im Namen des badischen Lehrervereins Er betonte, daß H. immer ein treuer, liebenswürdiger Kollege und ein allezeii hilfsbereiter, braver Mensch, ein starker und großer Eharakter gewesen, der Zeder des Libanon vergleichbar, bei dem das Wort des Psalmisten zutreffe: x1* j n*“X x r-EX. Als dritter Redner erinnerte Herr Lehrer Wertheimer-Hardheim an einen Vortrag, den der Ver siorbene kurz vor Ausbruch des Kriegs auf einer amtj lichcn Vezirkskonferenz in Werlheim über den Propheten Jirmijah gehalten und in dem er die glü^ertbe ] Vaterlandsliebe des Propheten als nachahmenswertes Beispiel hervorgehoben habe. H. habe durch seine anerkannte Tapferkeit und durch seinen Tod gezeigt, das; | er selbst bereit war, alles dem Vaterlande zu opfern.! Die weltliche Obrigkeit habe ihn als Anerkennung für seine brave Führung zum Unteroffizier ernannt, Gott s aber habe ihm die e'rr 7^ vzzz aufgedrückt, jene Feuer münze, die Gott am Sinai dem Mosche als Symbolj der Schenkelspende gezeigt. Ter Redner bat die anwesenden Lehrer, für den gefallenen Kollegen einen I Jahrschiur zu lernen und schloß mit dem Wunsche, daß bald die Zeit einrreten möge, wo dem Kriege am Erden ein Ziel gesetzt sei, denn rx-c pnnv 'hz 'M z'hvz xy rs iie- ’n arv 'mb r? ri “emo z'hvr\ vf%\ ü