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Der Israelit · 1915-04-29 · Heft 19 (29.4.1915) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 19 (29.4.1915)
Date
1915-04-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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J Organ des Bundes geseftesfreuer jOdisdier Lehrer Deufsdifands. >Was hat die Darbietung der Biblischen Geschichte sachlich zu leisten? Die Wittung der Biblischen tsreschichle aufs (sSemüi hängt von der Lebcndigteit ihrer Darstellung ah. Die dramatische .rinnst zeigt uns, unter welchen Bedingungen der Hörer ad er Zuschauer tum einem 3^üf^’ und seiner Darbietung gepackt wird. 1. t5ino Grundbedingung für die Wirkung eines Dramas (und jedes lebensvolle Bild der Biblischen cheschichte ist ein kleines Drama haben doch eine j'h’cihe biblischer Darstellungen den Stofs für die dramatische Dichtkunst geliefert!) ist der stimmungsvolle A tt f l) a u d e r Szenerie. (Ein kaum zu über treffendes Äluster, wie durch Einführung in den landschaftlichen Hintergrund einer Darstellung die Stimmung schon vor Beginn der Handlung wirkungsvoll geschaffen wird, gibt Schillers Dell. In der Reproduktion dieser LandfchaftSfzenerie bleibt die Wirkung der für das Auge berechneten Bnhnenkunst in der Regel iccU hinter der Pha n t a s i e v v r st e l l nn g des nur vom Wocct gefangenen Hörers zurück ein'deutlicher Beweis, daß das lebendige Wort die Porstetlung des Schauplatzes frisch und lebhaft gestalten kann, wo, wie im Untetrichte, Mittel zur Veranschaulichung durch dar- Auge nicht, oder in einer die Wirkliciifcit nur in sehr unzulänglicher f Weise wieder >gebenden Darstellung zur Versügiiug stehen.) Tie Einsühtuug in den L ch « u P l a tj d e r >beschicht e hak schon, wie gezeigt, mit der „Vorbereitung" begonnen. Ist an der Hand der .starte die räumliche Lrientiernng erfolgt, dann beginnt die Darbietmrg tu der Regel damit, durch die Schilderung des Lehrers dre Eigenart des Landschaftsbildcs plastisch herausztchebcn. Dieser erlänterirde Vortrag tann in die Darbietung der (beschichte mit eingeflochten taerden. Wie das praktisch zu machen ist, zeigen lvir an dem schon früher benutzten Beispiel (Gideon): „Sv oft Israel gesät hatte, kamen die Midjanirer und Amaletiter und andere Bölterschaften des Lstens über sie her. Mit ihren Herden und Jetten kamen sie angerückt wie die Heuschreckenschwärme: um den zahllosen Herden ihrer z.'amele überfluteten sie (an der .starte zeigen!) die weiten (ärasebeue» des Dstlandes und richteten alles (Gewächs des Landes zugrunde. .Hinab in die Ivrdanebene (zeigen!) stiegen!sie, Fruchtfeldcr, Wieferr, Weinberge, altes verwüstend. Bon Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt, wälzte sich der Schwarm, die Ställe und Speicher ausplüuoerud Schafe, Rinder, Esel, Korn und Del, überhaupt alle Lebensmittel, deren sie habhaft werden konnten, schleppten sie mit sich fort. Die fruchtbaren 'Auen der breiten Ebene von Iesreel mit ihren wogenden Weizenfeldern (zeigen!j hatten es ihnen besonders angetan. Und weiter führte ihr Weg in die Wiesen und Fruchtgärten des .stüstcinaudes bis nach Gaza l hinab (zeigen!). Raubend und sengend, ja bisweilen Menschen als Sklaven miknchmeud oder sie mordend, fielen sie sieben Jahre lang. Jahr für Jahr ins Land. Durch diese Raubzüge der Midjaniter verhärmte Israel u.s.w. Wer die Bibel aufmerksam liest und die .starte zu [ Rate zieht, wird finden, daß der Bibeltert selbst zu Beginn feiner Erzählung den Leser sehr genau mit dem Schauplatz bekannt macht. In noch viel schärferen Umrissen erscheint der lokale Hintergrund, aus Idem alsbald die Hauptperson der Handlung erscheinen soll: „Es kam ein Engel des Herrn und setzte sich unter die EiKe zu Ofra, das Joas von Abieser gehörte: sein Sohn Gideon klopfte (mit dem Stocke!) eben Weizen in der .Steirer, ihn vor Michail zu flüchten." Wer die landschaftliche Eigenart und die wirtschasttichen Verhältnisse des biblischen Landes *) kennt, vor dessen 'Auge baut sich eine Lattdschastsszenerie aus, wie sie keine Brihnenknnst anschaulicher dar zustellen vermag: ,,Dorr in der Iesreelebene, (vermutlich) an ihrem Rande, wo das Land in sanften Hügeln gen Süden anzusteigen beginnt, liegt das Dorf Lira, bewohnt von der Familie Abieser aus dem Stamme Mauasse illt'tgl. Iösiiil, )7fJ und Richter (5, 11 u. I.V) Bin der großen Eiche vor dem Dorfe schweift der Blick, über die weite Ebene und die srette der Hügel, eine Gegend, deren fruchtbarer Boden in früheren Jahren um diese Feit die Maiensonne stand hoch am Himmel von einem unabsehbaren Meer wogender Weizenfelder bedeckt war. Wie sieht es aber jetzt hier aus! Die Flur liegt verödet. Wie ein Heuschrecke'i'.schwarm war der Feind mit endlosen Herden gefräßiger .siamele wieder über die Gegend dahingefcgt. Die Ernte ist vernichtet. Nur hie und da ist ein kümnrerlicher Rest, den ein Hügel dem spähenden Feinde verdeckt hat, stehen geblieben. Auch die Weingärten im Dale sind zertreten, die Reben samt ihren halbrciset. Drau den bis auf die Wurzelstöcke algefrefsen. Und gar erst die Daunen aus len Hügeln! Und was war das doch f o n st um diese Jahreszeit ein Leben, wenn von dom hvchgesch ich roten Getreidehausev Garbe um Garbe unter die Füße der breitschultrigen Rinder gelvorfen wurde oder der Dreschschlitten .ruf dem harlgestampsteu Boden iiber die Aehren walzte, daß die .Störner sprangen! Jetzt liegt die Tenne verödet, alles scheint ausgestorben... Doch in der Nähe der Eiche vor dem Dorfe, da regt es sich! Zwischen den Hügeln tritt ein Mann hei vor. er kommt vom Felde. Er hat ein Bund Weizen unter dem Arme. Wie er sich scheu umblickt, ob ihn nach niemand sieht! Und nun mit raschen Schlittert hinein in den Weingarten und schon ist er in der Ai etter der zementierten Grube im Weinberge verschwunden. Mit einem Stvcke klopft er hier — leise, daß man es leine 10 Schritte weit hört die Aehren des Weizens. Jetzt schnell das Korn geborgen, daß kein Feind eS entdeckt. Unter der Eiche ranchi plötzlich eine Gestalt ans sie tritt auf die Grube zu und spricht den erschreckt Auffahrenden an: „(Gideon, Du wackerer Mann der Herr isst mit Dir" ... Was wir mit dieser breit angelegten Schilderung dein >tinde geben wollen, dürste klar sein ntld es braucht kann! gesagt zu werden, daß alles in die Erzählung einaeschöbene Detail, das in dem Bibeltert tlur „zwischen den Feilen" zu lesen ist, wegülciben kann, wenn der landschaftliche Hintergrund ln seiner nirtschaststulturellen Eigenart mir feiner Tenne und Kelter, seinem Feld- und Weinbau den Kindern bereits hinlänglich bekannt ist. In diesem Falle mag oet Bibeltert allein für die erste Tarbielung genügen und das „Fwischen den Feilen lesen" eine Ausgabe der nachfolgenden Besprechung unter Ansporn der Selbsttätigkeit der Kinder sein. Jedenfalls ober ist'die stimmungsvolle Einführung in den Schauplatz der Geschichte zumindest so, wie ihn der Bibeltext bei meisterhafter Kürze doch in voller Plastik vor das Auge treten läßt, ein Haupterforderuis einer dramatisch lebendigen Geschichtserzählung. Und lvir verstehen jetzt, wie weit der trockene Leitsadenstil, der z. B. über den lokalen Vergleiche „I. (2toll, Biblische Gerichte im Sichte der geographischen Wissenschaft", Festschrift zum 50 jährigen Bestehen der Israel. Lehrerbildungsanstalt Wärzbnrg. Hinlergrurrd, aui dom der Held der Erzählung auitvitt, mit den Worten hinweggeht: „Ein Engel er schien dem G-dcon", weder vom sachlichem, noch vom pädagogischen Gesichtspunkte aus irgendwelche Berechtigung in der Sick ule beaniprucheu rann. Er verwischt' mit krasser Igrrnr.luz inbezug aus den Bibellert nichr nur alles, was die biblische Darveil rings tunst von Farbe und Erd schul''enge, och, an Licht und Sonneilgtanz über die Szene ausgegosseu hat, ergeht ebenso verständnislos vorbei an dev Bediirf nissen der kindlichen Auschauungswelt und an den Bedingungen eines geruhlswatmen, Leben weckenden Unterrichts. Wenn auch die mnstergiltige Vorerzähluug der Geschichte dura: den Lehrer vvni Geschichtsbuch«.' vorausgesetzt wird, und dre weitere Ausführung von Details, die „zwischen den Feilen" angedeutet sind, nur in dem freien Unterrichte erfolgen darf, so ist nur umsomehr die vollständig e u n d er - schöpfende Darstellung des i e inen Bibe lt c i; t e s Aufgabe des B u ch e s , das im Unterricht in der Biblischen (beschichte u u ch der tebenSvollen Behandlung durch den Lehrer noch einen Dienst leisten und feine Dnsein.-bercchtigung behaupten will (Schluß folgt.» Aus der Praxis. Bon Lehrer Wolfs Aurich. (Schluß.) Es ist nur noch zu untersuchen, weshalb im vorigen Verse bei Bnpn rexte der Ausdruck rr^nc und hier bei *?TS rrx^O der Ausdruck ntryrr bz steht. Ausfallend ist die Pluralsorm in;r^r<E, die durch das ' zum Ausdruck kommt: und wir meinen, lvenn es sich aus Mts* allein beziehe, hätte es ^br.c oder auch r^tne heitzen müssen; n'bbnc muß sich darum aus beides beziehen: aus rzv? und rcxSo, und der Sinn wäre dann: wer am Sabbat zwecks Herstellung eines ir-pn roxte ar beitet, hat den Sabbat und das hergesteüte Werk entweiht, entheiligt. 2>->p rvjryfci x*t Das hätte zur Wirkung, daß das Resultat einer Arbeit, die am Sabbat zwecks Herstellung eines BHpn rix*?:: verrichtet wird, nie zur weiteren Benutzung sreigeqeben werden darf, während es bei raxTw bei dem Grundsätze verbleibt ttnp pppyo px* X'n, d. h. ein Werk, das am Sabbat selbst "HOS angeserligt worden ist, wird für die spätere Benutzung freigegeben, und so heißt es in diesem Falle nicht sondern nur ntryn bs. Hierbei könnte man aus die Konseguenzen Hinweisen, die sich aus dem Schristwort für Synagogen ergeben, an denen auch am Sabbat gebaut worden ist. Bers 10 ist ts gelehrt, d. h. er enthält wieder eine Augenblicksbestimmung und ist in erster Linie an -omn T-i ger.chiet. Er greift wieder auf cnpn rsx^c zurück und steht somit, da der vorige Vers als Paranthese zu betrachten ist, mit Bers 14 in Verbindung. Der Gedankengang ist folgender: Wenn nun in der Folge die StiftShütte mit allem Zubehör fertigestellt fein wird, im Wüstenlager keine besonderen Arbeiten ausgeführt werden brauchen und ein Tag in feiner Eintönigkeit dem andern gleicht, daß selbst der Sabbat mit seiner Ruhepflicht vor den andern Wochentagen nichts voraus hat, da kommt das noen und mahnt, wie es oben (B. 14) schon im allgemeinen geschehen, hier in dem besonderen Falle noch einmal zu rn'vv xntP. Es sollen nach dem Wortlaut der Thora „nov)* besondere Veranstaltungen getroffen «erden, die hie Sinder Israels in die rechte Sabvatflimmung versetzen Nr. 19, S. 8 -14: Die Seitenreihenfolge ist fehlerhaft.

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