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Der Israelit · 1915-04-29 · Heft 19 (29.4.1915) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 19 (29.4.1915)
Date
1915-04-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette 6 Nr. 19 29 April 1915 ■ L“ t' bracht worden. Außerdem übernahm die Gemeinde noch tausend Flüchtlinge von Warschau. Wilna übernahm deien 300. Im Stäbchen Trocky starb der Ortsrabbiner, Rabbi Nachum Grünhaus. Der Verstorbene war auch im Westen bekannt. Er gehörte zu den Gründern der Misracht-Fraktion, aus welcher er nach dem zehnten Kongreß mit vielen anderen austrat. Er galt als hervorragender L2N und stand seiner Gemeinde in ihrer Not als treuer Führer bei. Amerika. bebenLMiffellmnLpott nadi dem Heiligen Lande- Aerv-HZark, 5.zApril. Der Dampfer „Vulkan" hat, wie bereits früher mitgeteilt, vor k"rzem den Hafen non Newyork mit 1000 Tonnen Lebensmittel für Erez-Jisroel verlassen. Da die Ausreise sich aus verschiedenen Gründen so stark verzögert hatte, das; an ein Eintreffen vor Pesfach nicht mehr zu denken war, so umrben die ursprünglich zur Verfügung gestellten Mazzossendungen weggelassen, zumal ohnedies mit Rücksicht auf die Länge der Reise von Sachverständigen ein Verderben dieser Mazzosvorräte für nicht unwahrscheinlich gehalten wurde. Man zweifelt aber nicht daran, daß auch nach den Pessachfeiertagen die Lebensmittel,- die der Dampfer bringt, von unseren Glaubens^ genossen im heiligen Lande als wahrhafte Rettung betrachtet werden und vor allem dazu' beitragen, um die hochgeschraubten Lebensmittelpreise auf dem palästinensischen Lebensmittelmarkte ein wenig zu drücken. Die amerikanischen Vertreter in Palästina werden dafür Sorge tragen, daß die Lebensmittel ausschließlich ihrer Bestimmung dienen und weder direkt noch indirekt der türkischen Streitmacht zugutekommen werden. (Wie aus Jaffa telegraphisch berichtet wird-, ist der Dampfer dieser Tage dort wohlbehalten eingetrosfen. Red.) Jerusalem unter deutfdiem Kommando- Wew-YorK, 6. April. Hiesige Blätter bringen Nachrichten! aus Jerusalem, wonach die Stadt vollkommen unter deutschem militärischen Kommando steht. .Sowohl die Post als die gesamte sonstige Zensur werden voll Deutschen beaufsichtigt unb ausgeübt. Unter den Zensoren befinden sich auch eine Anzahl jüdischer Herren für Hebräisch, Jargon und Rumänisch. Die Oberaufsicht über die Militärhospitäler in der Türkei liegt in den Händen eines österreichischen Glaubensgenossen, Ingenieur Hecker. Tie Oberschwester des Misgabladoch-Hospitals, Iran Lischanski, ist mit der Leitung der Krankenpflege in sämtlichen Militärhospitälern Jerusalems betraut worden. Personalien. Heinrich Herz Schwäbisch-Hatt, 25. April. Es würde dem jüdischschlichten Wesen des Verstorbenen durchaus widersprechen, hier der Worte zu viel zu gebrauchen. Aber es bedarf deren in der Tat kaum. Der Name Heinrich Herz ny genügt, um die ganze Größe des Verlustes uns furchtbar ins Bewußtsein zu rufen. Am 22. Omertag geleiteten wir den teueren Freund im Alter von 66 Jahren zur letzten Ruhe. Noch niemals sah die jüdische Gemeinde einen Trauerzug von solcher Würde und Bedeutung. Eine unübersehbare Zahl Teilnehmer sämtlicher Kon- Der JSraelit fefsionen aus nah und fern, fünf Rabbiner und die Spitzen der Behörden schritten im Zug einher. Heinrich Herz ny war eilte ltefreligiöfe Natur. Thora- und Talmudstudium betrieb er mit besonderer Vorliebe und brachte es darin zu großer Fertigkeit und tiefgründigem Wissen. Er hatte von früher Jugend aus gelernt und lernte bis die Sonne seines Gebens unterging. Sein Liebltngsaufenthalt war sein Haller Beth-Hamidrasch, dessen Ausgestaltung er besonders gern förderte. Wiewohl er m seinem umfangreichen Geschäfte viel zu tun hatte, widmete er dennoch jede freie Minute den heiligen Folianten. Sein Scharfsinn, seine gute Auffassungsgave, sein reiches jüdisches und weltliches Wissen, seine vornehme Gesinnung und Charakterstärke stempelten ihn zu einer Persönlichkeit, die infolge ihrer geschlossenen Harmonie jedermann Achtung abringen mutzte. Er war Vorsteher der jüdischen Gemeinde, gehörte dem Rate der Israelitischen Oberkirchenbehörde des Königreichs Württemberg an, war Ausschußmitglted der Freien Vereinigung", Vorsitzender der Gefepestreuen Landesorganisatton Württembergs, Stadtrat der Stadt Hall und Inhaber vieler anderer Ehrenämter. Bekannt, weit über die Grenze des Landes hinaus, war seine Mildtätigkeit Die Thoraanstalten im Jn- und Auslande, denen er reichste Förderung angedeihen ließ, werden feine Hilfe vermissen. Witwen und Waisen Jerusalems werden an der heiligen Mauer klagen, da ein großer Wohltäter dahingegangen. Sein ganzes Leben war, wie einer der Redner bemerkte, an dauernder DHcon r.v, dessen Thoraabschnitt man gerade am dieswöchentlichen mo nnx nar an heiliger Stätte verliest. Am Grave sprachen: Herr Bezirksrabbiner Dr. Berlinger-Hau, Schwiegersohn des Verblichenen,' Herr Lehrer H ä h n l e t n-Hall als langjähriger Mitarbeiter und Freund. Ferner gaben den Gefühlen der Trauer Ausdruck Herr Hirsch-Stuttgart namens der Israelitischen Oberkirchenbehörde, Herr Distriktsrabb. Dr. Kohn aus Ansbach für die,-Freie Bereinigung", Herr Bezirksrabbtner Dr. K a hn- Mergentheim als Vertreter des nachbarlichen Rabbinatsbeztcks. Weiter kamen zu Wort: Herr 1. Bürgermeister der Stadt Hall im Namen der städtischen Kollegien) Herr Kreidrabbiner Dr. ^saak Stein-Memel im Namen der Verwandten und Freunde) Herr Rabbiner Dr. AnSbacher-Heilbromr für die dortige israelitische Religionsgesellschaft; Herr D. I. W e i l-Frankfurt a. Al. als langjähriger Hausfreund. Der AUgütige spende Trost den Trauernden, insbesondere der geveugten Gattin und den Kindern, damit sie das Werk ihres Vaters fortsetzen können zum Heile und zur Ehre Israels.' rraXJfl. Mainz, SO. April. Am 14. Jjar waren 25Jahre verflossen, seitdem Herr Rabbiner Dr. Bon dt zum geistigen Führer der hiesigen „Israelitischen ReligionsgeseUschaft" berufen wurde. Die große Schar der Verehrer, Freunde und Schüler des verdienstvollen Mannes würde gar zu gerne diesen Tag des Gedenkens zu einem Jubelfeste gestaltet haben, hätte der Jubilar selbst ntcyt mit aller Entschiedenheit unter Berufung aus die Anschauungen seines großen Vorgängers ^*jit sich jede Festfeier strengstens verbeten. Die Vielseitigkeit der Leistungen Rabbiner Dr. Bondis, der in Schule und Gemeinde, auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege wie der Klallarbeit im Großen, als Schriftsteller und befruchtender Anreger auf dem Felde der jüdischen Wissenschaft in den Dezennien seiner Wirksamkeit Großes und Dauerndes geschaffen hat, spricht für sich selbst und bedarf im Kreise der Zeitgenosse», keiner besonderen Darstellung. (Wir rufen unserem geschätzten Mitarbeiter ein herzliches 3311 r6x ncx bv zu. Red. des „Israelit".) Freidurg i. Br., 20. April. Sie haben bereits die Trauernachricht gebracht, daß Musketier Max Weil, einer der Besten aus unseren Reihen auf dem Felde der Ehre in Nordfrankreich gefallen ist und dem Schmerze der Familie Ausdruck verliehen. Aber weit über den engeren Kreis der Familie und der Freunde hinaus hat die Hiobspost unsere ganze Stadt in liefe Trauer versetzt, uns alle, die ihn kannten und wissen, daß mit Max Weil Vitt einer der besten Söhne des Judentums in eine bessere, ewige Heimat eingezogen ist. Wir beklagen seinen Tod wegen seiner tiefernsten Frömmigkeit, die schon manche Probe ausdauernder Standhaftigkeit abgelegt hat. Seitdem er in, Feldzuge — nunmehr find es drei Monate — in der Front mitkämpfte, hat er, selbst unter den schwierigen Verhältnissen der Feldpost nur koscher gegeffen. „Wenn er in sein Gebet vertieft war, so schreibt einer seiner Kameraden aus dem Felde, so vermochte nichts, nicht das heftige Gewehrfeuer, nicht die rechts und links einschlagenden Granaten ihn in seiner Andacht zu stören." Neben dieser Frömmigkeit zeichnete den herrlichen Jüngling ein wohltätiges Herz aus. Kein Armer betrat jemals die Mauern unserer Stadt ohne daß er ihm mit Rot und Tat hilfreich zur Seite gestanden hätte. Für die ortsfremden durchziehenden Armen hat er eine in hebräisch geschriebene Liste der wohltätigen Familien angefertigt, um so auch den der deutschen Schrift Unkundigen die Möglichkeit zu geben, ihre kleinen Gaben zu sammeln. Während sich andere am Sabbatnachmittag der Ruhe Hingaben oder einen Erholungsspaziergang gönnten, fand er keine Zeit dazu, sondern eilte, um einem blind gewordenen alten Mann die Sidrah vorzulesen. Ganz unersetzlich aber ist uns der Verstorbene, wenn wir an die Fähigkeit dieses idealen Jünglings denken, werbend unter seinen Altersgenossen für 7>ir»np rnt? einzutreten, sie anzufpornen zur Erfüllung von niXüi min. Vor allen Dingen aber war er von Liebe für das jüdische Volk erfüllt. Dies befähigte ihn die Agudas Jisroel Jugendgruppe in Freiburg zu gründen, deren Schöpfung seinem Namen Ewigkeitsdauer verleiht. Hingebungsvoll hing er an dieser jungen Ortsgruppe, für die er es, wie kein zweiter verstand, unter der Jugend zu wirken. Für sie brachte er in mühevoller Arbeit eine kleine Bibliothek zusammen, ihr hinterließ er, wie es die letztwillige Verfügung des' gefallenen Kriegers vorschreibt, sei'n erworbenes Besitztum. Wie die andern für die Agudas JtSroel begeisterten Jünglinge, deren Heimgang die gesetzestreue Juden' heit leider schon in so großer Zahl zu beklagen hat, hätte auch er die große Sache gefördert, durch die Kraft und die Begeisterung, mit denen er sich ihr widmete. Nun ist er dahin und mit den Angehörigen bleibt auch uns nur als einziger Trost das glückliche Bewußtsein, Max Weil b’it besessen zu haben. Auch mit diesem Heldentod wurde ein junges, liebes, hoffnungsvolles jüdisches Leben, das völlig aufging in Tauroh und Awaudo, beschlossen. .tssür Köln, 24. April. Ein wegen seines großen Wohltäigkeitssinnes in weiten Kreisen der hiesigen Bürgerschaft bekannter und beliebter Mitbürger, Schneidermeister August Abraham, feierte am 14. d Mts. in bester Gesundheit feinen 80. Geburtstag. Herr Abraham hat den Beweis erbracht, daß man als schlichter, biederer Handwerksmeister gleichzeitig auch ein großer Philanrrop sein kann, denn ungemein zahlreiche Hilfsbedürftige und Kranke hat er, unermüdlich unterstützt von seiner gleichgesinnten Gattin, in seinem geseg. eten Leben Hilfe und Pflege gebracht. Am Geburtstage wie am darauffolgenden Sabbat erschienen alle die vielen Gratulanten aus allen Kreisen, an ihrer Spitze Rabbiner Dr. Carleb ach und der Vorstand der Gemeinde Adatz Jeschurun, mit sinnigen Geschenken. Eine seltene Auszeichnung erhielt der Gefeieirte durch Ueberreichung des I2n-Titels durch Herrn Rabbiner Dr. Carlebach. Möge dem wackeren, wahrhaft fromm- und edelsinntgen Menschenfreund noch ein langer und glücklicher Lebensabend beschieden sein, tray. Vermischtes. Berlin, 27. April. In der Synagoge in der Fasanenstraße fand zum Besten der jüdischen Kriegshilfe ein Konzert statt, bei dem es zu einem aufsehenerregenden Zwischenfall kam. Hedwig Mangel vom Schauspielhause las aus dem „Alten Testament" vor, ging dabei plötzlich und fast unmerklich in das „N e u e T e ft a m e n 1" über und schloß ihr<Byrlesung mit einem christlichen Zitate. Es erhob sich ein unbeschreiblicher Lärm. Die Orgel mußte einsetzen, und erst das Eingreifen des Vorstandes vermochte die Ruhe wieder herzustellen. Enthaarungs-Mittel „Jsraw stets prompt wirkend und äußerst angenehm im Gebrauche. Zu beziehen die Dose ä 65 Pfg. und Mk. 2.—. durch Hiraek-Apotkaka und ekea. pkirn. Laknratoriun Wirsbarg Kohlen und Koks -5 sowie alle sonstigen Brennmaterialien in erstklasfiger Qualität zu den billigste» Preisen. (3228 18. Moses & Co., Sandweg 32. Telefon Amt Hansa 990. — Lager Osthafen. Für den Inseratenteil Ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ausschliesslich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesetzlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. escßurun. -- Monatsschrift fürLehreu. Leben im Judentum Herausgeber Dr. I. Wohlgemuih. Heft 4 beS „Jeschurun" ist erschienen und enthält die Aussätze: „Als Jude im Felde" von Harry Levy, Berlin. — „Sprüche XII, 27" von Geh. Regierungsrat I. Barth s. A. — „Der Psalter Davids im Wechsel der Tage" (Schluß) von Oberlehrer Dr. Joseph Carlebach. Berlin. — „Die Ehrerbietung vor dem Brote" von Rabb. Dr. I. Unna. Mannheim. — „Noch einmal über Tierschutz" von Rabb. Dr. S. Kaatz, Hindenbnrg 0. S. — „Jacob Barth" vom Herausgeber. (3322) Abonnemente zum Preise von Mk. 6.— für Deutschland, 7 Kr. sür Oesterreich-Ungarn. Mk. 7.— für das übrige Ausland nimmt entgegen Uevtag des Jesthrrrrrn, Kerttn N 24 Krausnilkstraste Sr L-

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