Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 17 (15.4.1915)
- Date
- 1915-04-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 17 Der Israelit Limburg, verließ am 31. März feine Berufstätigkeit. Er begr.nn seine Laufbahn im Jahre 1805 zu Meudt, von wo er nach fünfjähriger Wirksamkeit nach Holzappel übersiedelteseit 1872, volle 43 Jahre lang, lebt und arbeitet er in unserer Stadt. Als der Jubilar die hiesige Stellung antrat, war die Gemeinde noch gering an Zahl. Seitdem wuchs sie mit der ausblühenden Stadtheute zählt sie 80 Familien, und ihre Synagoge ist eine Zierde des Stratzenbildes. Unserer Kultusgemeinde war Herr Blumenthal seit mehr als einem Menschenalter Lehrer, Religionslehrer, Erzieher. Die Gegenwart ist zu öffentlichen Festlichkeiten nicht geeignet Deshalb beschränkte die Kultusgemeinde sich aus eine offizielle Beglückwünschung im Hause des Jubilars und aus oie Ueberreichung eines entsprechenden wertvollen Andenkens. Sahn 20. März. Nachdem vor einiger Zeit Herr Dr. Mar R o s e n t h a l, Feldunierarzt, das Eiserne Kreuz erhallen, ist dessen jüngerer Bruder, Adolf Rosenthal, Bizewachtmeister der Reserve im Feld-Artillerie-Reglrnent Nr. 23, ebenfalls mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichuet worden. Beide sind Söhne von Sanitätsrat H. Rosenthal-Sayn. Prag 1. April. Am Rüsttage des Sabbats, am 19. März, haben wir bei einer Beteiligung, die seit dem Tode des weit berühmten Prager Oberrabbiners hier nicht gesehen wurde, Herrn Samuel Lieben, das beliebteste Mitglied unserer altehrwürdigen Gemeinde zur letzten Ruhestätte begleitet. Der Verklärte ei tstammte sowohl väterlicherwie mütterlicherseits der hervorragendsten Gelehrtenfamilie unserer Stadt, an deren Spitze der Name des unsterblichen Lipmann Heller, Verfasser der Tosfos Jom Tow leuchtet. Bon seinen frommen Eltern wurde er chon in zartester Jugend zum eifrigen Thorastudium angehaltcn und diese traditionelle Liebe zum Gotteswort, diese ererbte Anhänglich'eit zum Väierglauben blieb zeitlebens auch das köstlichste Gut seiner eigenen Seele, die treibende Kraft, die starke Basis für die ganze segensreiche Tätigkeit, welche er zum Nutzen der Gesamtheit mit nie erlahmender Begeisterung entwickelt hat. Mit seltenen Geistesgaben, mit einem raschen Auffassungsvermögen ausgestattet, ist es ihm trotz seiner kaufmännischen Betätigung möglich geivesen, sich auf rabbinisch-talmudischem Gebiete ein derart ausgedehntes und gründliches Wissen anzueignen, daß er selbst den größten rabbinischen Korriphäen imponieren mußte. Seine wahre und vielfach bewunderte Größe bildete jedoch sein gutes, goldenes Herz, an das der Hilfesuchende niemals vergeblich appellierte. Cr besaß eine von Gott begnadete glückliche Hand, so oft es galt, ein größeres Hilfswerk zu unternehmen und zu Ende zu führen. Die hohe Verehrung, die man ihm allseits entgegengebrachte, war für ihn eine reiche, ausgiebige Fundgrube zur Herbeischaffung der zur Linderung der Not erforderlichen Mittel. Und darum beweinen heute in ihm die zahlreichen Armen ihren besten Fürsprecher, ihren väterlichen Freund und Ratgeber. Mit Recht konnte der Verklärte der gütigen Vorsehung dafür auch dankbar sein, daß ihm das große Glück eines wahrhaft Frommen beschicken war, die Grundsätze edler Menschenliebe und lauterster Gottesfurcht mit Hilfe seiner gleichstrebenden Gattin auch auf alle seine Kinder zu übertragen, sie zu Hütern und Pflegern eines echt jüdischen Lebens zu erziehen. Und dieses Bewußtsein der herrlichstett Vollendung seinerirdischen Pilgerfahrt machte es ihm gewiß leicht, sein müdes, mildes Auge zum ewigen Schlafe zu schließen. Das Andenken dieses Frommen wird gewiß noch viele, viele Jahre in unserer Gemeinde segensreich fortwirken. Nachrufe wurden mit Rücksicht aus den Nisaumonat nicht gehalten und es wird dem Vernehmen nach später eine eigene ehrende Trnnerfeier in der Gemeinde stattsinden. n"S5J:ri Endin gen (Schweiz), 2 April. An, nee bv pn« wurden die sterblichen Reste des ältesten und ehrlvürdigsten Mitgliedes unserer Gemeinde zu Grabe getragen. Herr Samuel Wyler, Gemeinderat, der das hohe Alter von 92 Jahren erreichte, verdient es, daß seiner in der jüdischen Presse ehrend gedacht werde. Der Verblichene gehörte zu jenen immer seltener werdenden Männern aus alter Zeit, die, geboren und groß geworden unter den drangvollen Verhältnissen, unter d»ilen früher die Juden lebten, den Uebergang in die besseren Zettverhnltnifse mitgemacht haben, sich aber in diese die Innigkeit des Glaubens, die frommen Sitten, die religiöse Anhänglichkeit und Treue, welche ein Erbteil früherer Tage waren, herübergerettet haben. Von echt jüdischem Geiste durchdrungen, hielt er an allen Satzungen der unwandelbar fest und gab duich sein frommes und bescheidenes Leben ein glänzendes Beispiel den eigenen Nachkommen, sowie der ganzen Gemeinde, die in Verehrung und Liebe zu ihm durch viele Jahrzehnte aufblickte. 35 Jahre Vorsteher und nb'sn bvz der Gemeinde, Ijat er viel zur Befestigung des religiösen Gefühls und zur Hebung der Gemeinde und ihrer Institutionen beigetragen. Die legte Zeugnis von der Liebe und Verehrung ab, deren sich der Verstorbene allüberall erfreute. rrzi^n. Vereinsnachrichten. Perlin, 2t». März. Die B I. A im Bunde Jüdischer Akademiker kann über das Kriegssemester 1014,15 ei freulicherweise günstigen Bericht geben. Durch intensives Zusammenarbeiten eines stattlichen Kreises aktiver Bundesbrüder wurde unter reger Anteilnahme der A. H. A. H. in wissenschaftlicher Hinsicht so fleißig gearbeitet, daß wohl kaum ein früheres Semester das nunmehr verflossene übertroffen hat. Zurück trat an den Bereinsabenden nur die Geselligkeitihr konnten wir angesichts des Ernstes der Zeit und im besonderen wegen der Verluste, die wir leider erlitten, endlich auch im Hinblick auf die Mühen und Gefahren, denen unsere Bundesbrüder im Felde ausgesetzt sind, nicht huldigen wie sonst. Der Vorstand setzt sich zusammen aus den Bundesbrüdern: Dr. med G. Knoller, 1. Vorsitzender, Rabb. Dr. E. Munk, 2. Vorsitzender, A. Rau, 1. Schriftführer, phil. C. Breslauer, 2. Schriftführer, tnr. I. Kut, Kassierer. Anstelle von Dr. Knoller, der bald einberufen wurde, wählte die Vereinigung Dr. med. O. Wolfsberg zum Präsidenten- Furmajor war Dr. med. Hofmann. Außer zahlreichen regelmäßigen Schiurim in “p und n*iö: wurden folgende Vorträge gehalten: 1. Biblische Kriegsgesetze, Bbr. Dr. med. Hofmann, 2. Erinnerungen an Prof. Barth ^*an, Bbr. Dr. I. Carlebach, 3. Mechanistische Weltanschauung, Bbr. moth. E. Sirein, 4. Methoden der Forschung, Bbr. med. O. Wolfsberg, 5. Mikrobiologische Bererbungsfragen, Bbr. Dr. I. Levy, 0. Goethe und die Bibel, Bbr. Dr. L. Deutschländer, 7. mvco Herr Dr. M. Munk (als Gast), 8. Naturwissenschaftliche Probleme, Bbr. Dr. W. Halberstadt, 0. Fabeltiere in Bibel und Talmud, Bbr. Dr. Th. Breslauer, 10. Diskussion über das Buch Hiob, Bbr. E. Streim, 11. Referat über die Reform, Bbr. phil. M. Hildesheim, 12. S. D. Luzzatto, Bbr. tnr. A. Rau, 13. Ueber die Voraussetzungslosigkeit der Wiffenschast, Bbr. Rabb. Dr. E. Munk, 14. Ueber schöne und korrekte Aussprache des Hebräischen, Bbr. phil. B. Cohen. Wir hoffen, daß das nächste Semester, das wohl auch noch, wenigstens zum Teil, unter dem Zeichen des Krieges stehen wird, auch die Arbeit leisten wird, die die V. I. A. sich als Ziel gesteckt hat. Hoffentlich ist die Zeit nicht fern, wo der Frieden unsere Tätigkeit im Dienste des Judentums fördert. Vermischtes. Frankfurt a. M., 15. April. Folgender auf dem Truppenübungsplatz in Darmsta dt unter dem 12. April erlaffene Kommandantur beseht wird uns übermittelt: Für die tm Lager untergebrachten jüdischen Soldaten wird vom 14. ds. Mts. ab in dem Hause des Bierverlegers Muth am Westausgang des an das Lager grenzenden Wirtschaftsviertels ein „Israelitisches Soldatenhetm" eröffnet, in dem die israelitischen Mannschaften ihre Mahlzeiten nach ritueller Vorschrift jederzeit etnnehmen können. Die Einrichtung untersteht dem israelitischen Militärseelsorger, Rabb. Dr. Max-Darmstadt. Die Truppenteile haben stets die neu einrückenden Mannschaften israelitischen Glaubens an dem Tage, an dem sie den Truppenübungsplatz beziehen, auf die rituelle Speisung in vorgenanntem Soldatenhein» hinzuweisen. Den jüdischen Mannschaften ist aus Antrag das Menagegeld auszuzahlen. gez.: v. Linker. Hamburg, 23. März. In der festlich geschmückten Turnhalle der Talmud-Thora-Realschule, Grindelhof 30, fand am Dienstag die Entlassung der Abiturienten statt, verbunden mit der Feier zum 100-jährigen Geburtstag Bismarcks. Die Nortragsordnung enthielt auf die Bedeutung des Tages bezügliche Deklamationen, abwechselnd mit Gesangvorträgen des Schülerchors. Ganz besonders hervorzuheben ist ein Solovorrrag eines ehemaligen Schülers, des Herrn H. Rimberg, der ein von dem Pianisten Herrn R. Philipp komponiertes Lied: „Deutsches Gelöbnis" sehr wirkungsvoll zu Gehör brachte. Die Festrede hielt Herr Direktor Dr. Goldfchmidt, der in kurzen Zügen den Werdegang des großen Kanzlers und seine Bedeutung für Deutschlands Erhöhung und Zukunft schilderte. Mit eindringlichen Worten an die scheidenden Schüler schloß die erhebende Feier. Leipzig, 10. April. Die feltfamen Schicksale einer jüdischen Frauenleiche, die infolge mer> würdiger Launen ihrer Hinterbliebenen fünfmal den atlantischen Ozean kreuzte und schließlich noch Gegenstand eines langwierigen Prozesses wurde, beschäftigte am 10. April nun zum letzten Male das Reichsgericht. Die Vorgeschichte ist unseren Lesern bekannt. Bor einigen Jahren starb in Amerika, wo sie bet ihrer älteren Tochter Frau Anna Reinshagen gewohnt hatte, die aus Breslau gebürtige jüdische Witwe Strich. Da die R'fchen Eheleute sowieso aus geschäftlichen Gründen nach Europa übersiedeln wollten, ließ die R. die Leiche ihrer Mutter von Amerika nach Europa transportieren und verhandelte mit der Israelitischen Synagogengemeinde zu Breslau über die Ueberlaffung eines Erbbegräbnisses auf dem Breslauer jüdischen Friedhof. Den von der Gemeinde geforderten tarifmäßigen Preis von 4000 Mark hielt jedoch die R. für zu hoch und brachte kurz entschlossen die Leiche nach Amerika zurück. Nach längerer Korrespondenz erkannte 15 April M 1n indessen Frau R. die Bedingungen der Gemeinde daher trat nun d e Leiche abermals eine Europa, an, kehrte aber nach nochmaligem Scheitern der Handlungen zum zweiten Male nach Amerika z wo sie einstweilen beerdigt wurde. Inzwischen erfolgte eine Einigung mit der Gemeinde, die wurde wieder auSgegraben, passierte zum fünften« n den Ozean und wurde am 14. September 1013 Breslau im neuerwvrbenen Erbbegräbnis beerdigt ein Grabmonument in Auftrag gegeben. Die sollte indeffen noch nicht zur Ruhe kommen Ende 1013 hatte sichs die Iran R. anders über! wollte doch lieber in Amerika wohnen bleibe» stellte an die Gemeinde das Ansinnen, zwecks 1 führung nach Amerika die Exhumierung der Leich, dulden, nachdem das Polizsipräsidium die Genehmig und den L.'ichenpaß erteilt hatte. Die Gemeinde gerte sich aber, da solch pietätloses Umherschleppen Leichen das allgemeine und jüdische Sittengesetz ue und auch die zweite Tochter, Frau Perlmann, spruch gegen die Ausgrabung ihrer Mutter erhöbe Frau R. verlangte darauf im Klagewege von Gemeinde die Gestattung der Exhumierung Landgericht Breslau wies jedoch am 26 Febr 1014 die Klage ab. Das Oberlandesgericht Br lau gab indessen der Berufung der R. statt und urteilte am 10. Juli 1914 die Gemeinde, die Ausgrab zu dulden. Die beklagte Gemeinde focht diese Entscheid durch Revision beim Reichsgericht an. Nach Reichsgerichtsrechtfprechung bestimme allein die Ge! heit der Hinterbliebenen der Leiche. Daher hätte £ Perlmanns Mitbestimmungsrecht und Wieder^ beachtet werden müssen. Es heiße, die Leiche als herrenlose Sache betrachten, leite man lediglich dem Bestattuugsvertrag, das Alleinverfügungsrecht R. über die im Erbbegräbnis beigesetzte Leiche Der Eigentümer des Beerdigungsplatzes brauche Exhumierung nur aus besonders dringlichem Gr« Men; eiche endl sechste Oz g vor d nach Lü R e i ch s g lrteil des ab. Sr Ruhe. Sad Düi lej nicreffe il inner Fi n Winter x eröffnet möglichen für d der Be At n,g unter peller Familiennachrichten. Geburten. Einen Sohn: Lehrer Julius Sim (Mohl), Cöln-Deutz, Reischpl. 6. Sabbat-Anfang u. Ausgan mxa ntn row OH Ti Anfang Datum AuS, Uhr!Min. 1915 5675 Uör { 17. H. Stanffint a. M. 6 50 Avril Jiar 8 BerU« — — — Münchs« « 45 7 Strahburg 7 — 8 Stuttgart. . . — — — Pose« .... — — — Nürnberg. . . 0 45 Hamburg — Kür den Reklameteil Ist die Redaktion «;igen direl verantwortlich; insbesondere ist eS anSschiies Innonc.-E Sache der Leser, die i« Reklameteil enthalt Empfehlungen ritueller Gare« oder sonstiger gaben religtonSgefetzliche« Charakters ans Zuverlässigkeit zu prüfen. Kalter Friedrioh Quell — Offenbaeh a. M.- Gegen Gieht und Rhenmatismos bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrioh. St Frankfurt a. M., Günthersburgallee 37. Tel. 2590. , April 1 den Ins dienen r suchen 1 lichst -Sin ißrr und t AllltSw ommen. irrigen W n zu richi mma Lanit, llenaesu llenang« nstbotei »ch&ftski ei ligung flberhf ich an relij 86 wend< am best ira 55. Jahr; pro Ze lag des b.H.Franl inlieit per so »"'tag u. io k»es _ r Telegramm-Adresse: Neaop Frankfurtmain. Telephon: Nr. 8Z. Amt Hansa. 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