Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 17 (15.4.1915)
- Date
- 1915-04-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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17. Frankfurt a. M., den 15. April 1915. 1. Jjar 6675. M 17, Der „Frankfurter JSraelit" wird mit dem Israelit" abonniert: Adorurewent für beide Blätter zusammen Mk. 1Ä) vierteljährlich (Inlands. Inserate im „Frankfurter Israelit" kosten 25 Pfg. für Me sechsgespaltene Tolonelzeile; Rabatt nach Tarif. Inhalt. Jüdische Frauen - Bereinigung. — Die Woche: 1. Bereinigung mim rxnp. 2. Palästinatag. 3. Verein Montefiore. — Bereinstalender. — Familiennachrichten. Mische Krauenvereiniglmg. Der siebente Jahresbericht der Jüdische n F r a u e n v e r e i n i g n n g gibt vornehmlich Auskunft über die Kriegsfürsorge der Bereinigung. Nachdem die Anforderungen an die soziale Fürsorgetätigkeit durch den Krieg gewaltig gewachsen waren, erkannte man, daß eine gedeihliche Lösung der schweren Aufgaben nur durch ein harmonisches Zusammenarbeiten aller gleichstrebenden jüdischen Frauenvereine ermöglicht werde. Dieft Zusammenarbeit wurde in einer am >3. August 1914 durch den israelitischen Fraucnverein »Weibliche Fürsorge" einberufenen Sitzuvg, zu der Delegierte sämtlicher jüdischer Frauenverrüle geladen waren, beschlossen und jru gedeihlichen! Ende in die Wege geleitet. Die seit Kriegsbeginn durchgesührte Zusammenarbeit mit der »Werblichen Fürsorge" und den anderen Instituten auf den Gebieten der Wohlfahrtspflege und Unter stütznngstätigkeit hat sich vortrefflich bewährt und den gehegten Erwartungen ganz und voll entsprochen. Wiewohl die Stellenvermittlung von den ungünstigen Zeitverhältnissen nicht beeinflußt blieb, sind von der Vereinigung auch in diesem Jahre 242 Stellen besetzt worden. Der Mädchen Hort, im Vorjahre unter der sachkundigen Teilnahme des Jugenopstegeausschusses der Jsr. Volksschule und insbesondere seines Mitgliedes, des Arztes Herrn Dr. Siegfried Oppenheimer,- geschaffen, steht im Dienste einer hohen Pflicht. In der Turnhalle der Jsr. Volksschule ist ein Heim geschaffen, wo ernste' Arbeit und heiteres Spiel sich ablösen. Unterricht und anregende Unterhaltung stehen unter der Leitung einer geprüften Lehrerin und freiwilliger Helferinnen. Die Kinder erhalten regelmäßig nachmittags Milch und Brot. Für 40 Zöglinac war der Hort eingerichtet, die Not des Krieges hat sie auf 67 vermehrt. Noch irnmer aber kommen neue Anfragen: ihnen gerecht zu werden ist unbedingte Pflicht, doch bedarf es hierzu größerer Mittel, die ihm die zahlreichen Göntzer,. deren sich der Hort erfteut und denen er bereits so viel verdankt, gewiß nicht versagen werden. — Die Kommission für Jugendfürsorge hat in diesem Jahre unter einem Mangel au Hilfskräften zur Erteilung von Unterricht an mittellose Kinder und Erwachsene gelitten. Freundlichen 'Helferinnen, die es ermöglichten, 17 Schülern und Schülerinnen, darunter 4 Erwachsenen- Nachhilfe- oder Fachunterricht zu verschaffen, wäre die Vereinigung sehr dankbar. Insbesondere handelt es sich jetzt um Flüchtlinge aus Belgien- Galizien und Russisch-Polen, denen der Mangel an genügender Kenntnis der deutschen Sprache den Eintritt in die Schule oder die Ausnahme iu ein Geschäft erschwert. An belehrenden und geselligen Veranstaltungen ist zunächst der Vortragszyklus des Herrn Rabb. Dr. S Breuer über den „Geist der jüdischen Gesetze" zu nennen. Im „Lesezirkel fürjung e M ä d ch e n" wurden dieses Jahr unter der Leitung von Frau Adelheid Meyer und Frau Regina Baer hauptsächlich klassische Stücke gelesen. An Stelle der bisherigen geselligen Nachmittage und Abende fanden dieses Jahr StrickNachmittage zu Gunsten der „Kriegsfür^orae" statt. Dabei kam geeignete Lektüre zum Vortrag. In dein Betriebe der H e r r m a n tt Lehmann-Schule in Osfenbach hat der Krieg einige beträchtliche Veränderungen hervorgcrusen. Die Schulräume, die bisher von der Stadt Osfenbach in der großen Schule am Matbildenplatz in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt waren, mußten militärischen Zwecken dienstbar gemacht werden. So wurde der Unterricht in der Mädchenschule an der Kaiserftraße erteilt. Der eine Lehrer, Herr Morgenrot, mußte zum Militärdienst einrücken, der andere Lehrer, Herr Diamant, ist aber seit Anfang November an der Fortsetzung seiner Tätigkeit verhindert. Glücklicher Weise fand er ia Herrn W. Lot heim, Lehrer a. D. von hier, einen geeigneten Vertreter. Zu gleicher Zeit wurde der Schule infolge der an russische Untertanen ergangenen Ausweisungsbefehle ein erheblicher Teil unserer Zöglinge entzogen. Die übrigen, etwa 50 Kinder, erhalten nunmehr regelmäßigen Unterricht von Herrn Lotheim. — Die Louis Fei st -Kasse erhielt noch mehrere Spenden. Die Zinsen dieser Kasse werden für Zwecke des „Mädchenhortes" und der „Herrmann^ Lehmann-Schule" verwandt. Dank der Mitarbeit zahlreicher Frauen und Mädchen war es wiederum möglich, eine große Anzahl Bedürftiger, Kranker und Arbeitsloser, rmt Rat und Tat zu unterstützen. Wie alljährlich oerhalf die Vereinigung jungen Mädchen zu Lehrstellen und gewährte ihnen monatliche Beiträge zum Unterhalt. Auch die Einrichtung zur Verabreichung von Mittagstischen bewährte sich wieder in segensreicher Weife. Ungefähr 50 bedürftigen Familien konnte man durch Beschaffung von Ostcrgeschirr eine dankbar empfundene Unrerstütznno leisten. Die segensreiche Arbeit des Bikknr-Cholim-Vereins unterstützte die Vereinigung in der gewohnten Weise, indem sie durch ihre Dame: die Hilfsbedürftigen in ihren Wohnungen besuchen und ihre Verhältnisse prüfen ließ, damit ihnen die ihrer Lage entsprechende Hilfe zu teil werten konnte. Mit dem Monat August eröfsnete sich der Vereinigung das große Arbeitsgebiet der Kriigsfürsorge. In den Beratungen der jüdischen Frauenvereine zur Durchführung der gemeinsamen Arbeit wurde die gegenseitige Delegierung der einzelnen Vereine zu den regelmäßigen Sitzungen der Unterstützungskommissi»- nen bc schloßen. Von den Leistungen der Kriegsfürsorge seien erwähnt: Die Einrichtung einer Nähstube, über die eine besondere Rubrik in diesem Bericht näheren Ausschluß erteilt, die Schaffung eines Kleider- und Wäschedepots für Flüchtlinge, die beständige Beaufsichtigung von etwa 60 obdachlosen Armen, Männern, Frauen und Kindern Die Mitwirkung der Bereinigung bei der Verteiluna von Lebensmitteln und ihre tättge Mithilfe in dem im vormaligen von Rothschildschen Geschäftshause, Fahrgasse, eingerichteten Flnchtlingsheim, in dem zumeist aus Belgien und Galizien durch den Krieg vertriebene Familien beherbergt und verköstigt werden. Gleich nach Beginn des Krieges hatte eine der Damen aus eigener Initiative Kleider und Wäsche, Stiefel usw. gesammelt und sie in ihrer Privatwohnung auibewakrt, um Flüchtlinge und Ausgewiesene mit den nötigsten Bekleidungsstücken zu versorgen. Da ein größerer Raum und vermehrte Hilfskräfte sich bald als notwendig erwiesen, Hai die Vereinigung das Kleiderdepot übernommenwozu ihr die Jsr. Religionsgesellschaft ihr ein großes Zimmer zur Verfügung gestellt. Ueber 300 Personen wurden bis Ende des Jahres mit bem Nötigsten versorgt, außerdem gingen größere Sendungen tvarmer Kleider an Flüchtlinge nach auswärts, besonders an die von grenzenlosem Elend heimgesuchten galizischen Flüchtlinge. Mit der Schaffvna der „Nähstubc für die Zwecke der Kriegsfürsorge" kam man dem Wunsche vieler nach, für unsre Krieger im Felde sowie für die in den Feld- und Etappenlazaretten oder aus denr Heimtransport beftndlichen Verwundeten zu sorgen. In zweiter Linie galt es, den indirekt vom Kriege Betroffenen helfend beizusteyen, der, vielen brotlos gewordenen Familien, den zahllosen Flüchtlingen, den hier weilenden, aus Feindesland stammenden, mittellosen Glaubensgenossen. Nach einiger Zeit war es notwendig und dank der Zuwendung und Unterstützung vieler Freunde auch möglich, neben den freiwilligen Hilfskräften auch bezahlte anzunehmen, un>- auf diese Weise jüdischen Frauen und Mädchen Verdienst zu verschaffen. hiouseocI »Ws unsortiert- 12$ . -sortiert 1S*K G.M.HOLZ i J HOFLIEFERANT v! __FRANKFURT