Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 13-14 (25.3.1915)
- Date
- 1915-03-25
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 18. Rr. 13 u. 14. _ - Löweuthal, die eine Wiederwahl ablehnten, wurden die Herren Philipp Wolfs und Emanuel Kauffman gewählt. Die an den Bericht anschließende Diskussion war sehr anregend,' es wurden zwei Kommissionen gebildet, die die Beschlüsse der Generalversammlung zur Tat umsetzen sollten. Jur KruäKrrmssfrage. Die Versammlung der jüdischen Hausfrauen und Hausangestellten in der Loge Adler, Seiterstraße 22, findet nicht, wie irrtümlich angegeben war, am 22. d. Ms., sondern erst nächsten Samstag, den 2 7. März 41/ä Uhr nachm, statt. Die Einladung geht von der Ortsgruppe d e sJ ü dis chcnFrauenbun des, nebst den ihr angeschlossenen Vereinen und der Jüdisch en Franenvereinigung aus. Borträge halten „Zur ErnahrungSfrage während des Krieges" Fräulein Bertha Pappen heim und Frau Amalie RosentHaler. Anfragen werden nach den Vorträgen gern beantwortet. Eintritt frei. Km SVMriges Jubiläum im Syuagogeuchor der Israelitischen Weligionsgesell/chaft. Am Pessachfest wird es ein halbes Jahrhundert, daß Herr Jsaae Jsaac (Bergweg 8) im Synagogenchore als treues, wertvolles Mitglied wirkt. Wie vor fünf Jahrzehnten, so widmet er heute noch seine ungeschwächte Kraft und Kunst mit äußerster Pflichttreue dem Verein und trägt so zur Hebung der Andacht und Verschönerung des Gottesdienstes bei. Von seinen Kollegen, die in ihm den liebwerten Freund und Senior schätzen, wird ihm eine Ehrung im Rahmen einer kleinen Feier zu teil werden. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, in gleicher körperlicher und geistiger Frische noch lange Jahre dieser ihm lieben und heiligen Aufgabe zu dienen. Iran Ketene Ipett n"y- In diesen Tagen, da der eherne Schritt zahlloser Heeresmassen Europas Fluren zertritt und der Tod so reiche Ernte hält, scheint das Einzelleid im tiefen Meere des Gesamtwehs unterzugehen, und die Feder der Chronisten verweilt zumeist nur bei denen, die den Heldentod auf dem Felde der Ehre starben. Aber auch die stille Häuslichkeit kann ein Feld der Ehre sein für Menschen, deren Leben ein Heldentum genannt Das Proviantamt in derSchützenfiraße. Der Krieg erfordert von uns höchste Energieaufbtetung, weckt in Wohlleben schlummernde Kräfte und entwickelt in uns ungeahnte Talente und Fädigkeiten, deren wir uns nie bewußt waren. Wer hätte es beispielsweise zu Frtedenszeiten den Herren in Schwarz mit den Vollbärten, die ihr Leben am Schreibtisch, am Schulkatheder, oder im Bureau des Geschäfts zugebracht haben, wer hätte es den würdigen Männern zugetraut, daß sie, wenn es die Not erheischt, auch als Expediteure, Verkäufer, ja Packer ihren Mann stehen werden? Wer in diesen Tagen das gemeindehistorische graue Haus Nr. 14 in der Schützenstraße aufsuchte, konnte eines dieser ungeahnten Kciegswunder erleben. Hat man sich durch all die Kisten und Kasten und das ganze „peah"artige Kunterbunt in Flur und Vorhof glücklich und heit bis zum Oberstock hinaufgearbcitet, fo bietet sich unseren Augen em reges, buntfarbenes, vielgeschäftiges Leben und Treiben, das ungefähr an das Leben in den Bahn- und Bekleidungsämtern in den ersten Mobtlmachungtagen erinnert. Es gilt die Versorg^w unserer im Felde stehenden Brüder mit derWiuellen Pefsach-Kost. Das schöne Fest/El Israel mit der Natur seine Erlösung feiei^^naht heran. Wie aber könnte der Jude des Festes froh werden, wie mit gutem Gewissen die Einladung: „Wer hungrig ist, ramme und esse!" in die Nacht Hinausrufen, wollte er nicht derer gedenken. Me* in tausend Nöten mit Einsetzung ihres ganzen Jchs für der „Der Israelit". zu werden verdient, weil dieses Leben gleichbedeutend war mit opferfreudiger Hingebung, froher Selbstbescheidung und unausgesetzter jüdischer Pflichttat! Ein solch ehrenvolles, gegen alle Stürme tapfer ankämpfendes Leben hat mit dem Heimgang an Frau Helen? Apelt seinen Abschluß gefunden. Am 5. Nissan ging sie, die edle und treue Gattin des vor 8 Jahren verstorbenen Lehrers an der Htrschschen Schule, im Alter von 68 Jahren zum ewigen Leben ein. In Darmstadt als Tochter des Vorbeters Nehm Hirsch Leucht geboren und ein Enkelin des allbekannten und verehrten Neb Mendel Rosen bäum au§ Zell, war es ihres Lebens oberste Richtschnur, die Tradition ihres elterlichen und großelterlichen Hauses in unverbrüchlicher Treue und nie nachlassenden Herzenswärme weiter zu verpflanzen. Gefördert wurde dieses Streben durch eifrige Lektüre der Werke Rabbiner Htrschs y'Xi. So gestaltete sich ihr Leben zu einem fortgesetzten Gottesdienst. Ihr ganzes Denken, Wirken, Hoffen und Wünschen war ein unausgesetzte- Sorgen für andere, für den Gatten, dessen Wirken sie verständnisvoll begleitete, für ihre Kinder und Enkel, denen sie allezeit treue Erzieherin, Vorbild und Helferin war, für die Armen und Verlassenen, die niemals vergeblich an ihre Türe pochten. Froh mit den bescheidenen Glücksgütern, die ihr das Leben zuetteilte, hat sie sich manches versagt im Drange, anderen Gutes und Liebes zu erweisen. So fand sie in der Zurückgezogenheit ihres häuslichen Lebens ein reiches Feld der Betätigung, und keiner ist ihrem Heime genaht, der nicht die jüdische Wärme und Pfltchtfreudtgkeit empfunden hätte, die von ihr ausging. Sie war darum eine glückliche Frau, glücklich, weil sie sich sagen durfte, ihre jüdische Lebensaufgabe allezeit ernst und gewissenhaft genommen zu haben und weil sie im wackeren Heranblühen der Häuser ihrer Kinder ersehen durfte, daß ihr Erziehungswerk auf fruchtbaren Boden gefallen war. Manche Sorge ist ihrem Hause genaht, aber ihr Gottvertrauen ließ sie aufrecht bleiben, und kam allwöchentlich der da wuchsen ihrer Zuversicht stets neue Schwingen. Ihr letzter Wunsch war an ihre Kinder gerichtet, das Taurohlerneu alltäglich zu pflegen, in Gottesfurcht zu leben und besonders die mrotP heilig zu halten, denn nur dann habe sie und ihr seliger Mann nicht umsonst gelebt. Menschheit Frühling und Erlösung kämpfen? Die „Freie Vereinigung" übernahm diese „Mag?nsorge," die in Wahrheit eine Seelsorge im schönsten Sinne ist und gab durch Aufrufe und Bestellzettel bekannt, daß sie Mazzos, Eß- Chokolade, Kraftgebäck, Wein, Conserven und dergleichen mehr laut Auftrag, wenns Not tut, auch unentgeltlich, ins Feld versendet. Dem lag eine Preisliste bet, die sich wie eine Widerlegung der Havas-Legende von der Hungersnot und Lehensmittelteurung in Deutschland ausnahm. Da regnete es Bestellungen. Wahre Sturzwellen von ausgefüllten Bestellzetteln prasselten auf den großen eichenen Tisch in der Schützenstraße 14 herab. Es bestellten nicht nur sorgliche Väter und zärtliche Mütter, es bestellte jeder, der seinem Freund, seinem Kameraden im Felde eine Festfreude bereiten wollte. Es bestellten Vereine für ihre Mitglieder und Schulen für ihre ehemaligen Schüler. Ja vom Felde selbst kamen die Bestellungen, wo Bemittelte der Unbemittelten kameradschaftlich gedachten. Nun kam die letzte Woche und es galt, die Hände ausfindig zu machen, um all die unzähligen Aufträge ordnungsmäßig zu erledigen. Es war nicht leicht, aber es ging. Es mußte gehen. Auch hier war das Kriegswunder vollbracht. Man machte Me Jugend rnolbtl und zog so die Jahresklaffen 1898—1900 beiderlei Geschlechtes ein, soweit sie die Realschule als abkömmlich abgab. Aeltere Herren stellten sich bereitwillig zur Disposition. Und nun entwickelte sich ein Leben, der großen, eisernen Zeit 35 März 1915. Eine ITOK ist mit ihr dahingegangen, die in ihrer Bescheidenheit, ihrem frommen Wirken bet allen, die sie kannten, unvergessen bleiben wird, und an deren Seelenadel sich alle zu erheben vermögen, denen die Erfüllung des Gottesgesetzes heilige Herzenssache ist. Den Ihrigen möge Gott Trost gewähren und es vergönnt sein, der Mutter Wirken fortzusetzen zur Ehre des Judentums, so wird in Wahrheit n"32Hn- An der Agudas Irsrset Wädchengruppe. Es ist Mittwoch Abend. Die hellerleuchteten Klubröume der A. I. Mädchengruppe laden uns zum Eintritt ein. Die Mädckengruppe hält ihren Handarbeitsabend ab. Fleißige Hände fettigen Wäsche und Kleidungsstücke für unsere durch den Krieg in Not geratenen Glaubensgenossen an. — Reger Eifer und Schaffensfreude beseelen die jungen Helferinnen. — Geschickte Hände schneiden Stoffs zu, es wird gemessen, gereiht und genäht, die Maschinen rasseln und nach kurzer Zeit liegen schon einige fertige Stücke vor uns, deren Ausarbeitung auch von dem Sinne für das Schöne zeugen. Wir wünschen der neuen Einrichtung viele fleißige und treue Teilnehmerinnen, wünschen ihr Gönner und Gönnertnnen, die sie mit Stoffen für Kleider und Wäsche unterstützen. Die Leitung ist bewährten Händen anvertraut, doch Förderung r^d Aufmunterung aus Kreisen Erfahrener können den so lobenswerten Bemühungen der Mädchengruppe gewiß zum Vorteil gereichen. M. Vereinskalender. I Verein Mekor Chairm. Samstag, 4 Uhr! nachm, im Bereinslokale: Mikro-Vortrag- Herr Josef Bender. Sonntag, Uhr vorm, im Bereinslokale: Gemoro- Herr R. A. Posen. 57* Uhr nachm, tm Bereinslokale, Langestr. 18: Aus der Hagada schel Pesiach; Herr Redakteur S. Schachnowitz. Samstag I2"mn rotp, 4 nachm, im Vereinslokale: Schir Haschirim- Herr Rabbiner Rottenberg, Agudas Jisroel Jugendgruppe. Samstag, 11 Uhr vorm.: Rascht zur Torah; Herr Lehrer Hirschberg. 11 Uhr vorm.: Gemoro; Herr Dr. M. La n g e. 4 Uhr nachm.: Hagadah; Herr Direktor Dr. G. Lange (Damen u. Herren). Mittwoch, den 7. April, 9 Uhr nachm.: Nwijim; Herr S. Unna. 9 Uhr abends: Stenographie; Herr B. Stern. Donnerstag, den 8. April, 9 Uhr abends: der Anspannung aller Kräfte durchaus würdig. Alle Büros dieses dem Klall gewidmeten Hauses mußten der Invasion weichen und ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Im Mittelztmmer quartierte sich der Generalstab, bewährte Arbeiter, ein. Ein Befehl von dieser Zentralstelle aus und einige Dutzend leichte Füßchen bewegen sich und es regen sich geschäftig die zarten Hände. Kisten und Körbe werden herbetgefchleppt. Treppauf, treppab huschen hinauf und hinunter die freiwilligen Träger und Packer. Ganze Berge von Kons:rvenkisten und roten Schokoladetasein häufen sich, die liebevolle Hände mit großer Gewandhett in die handlichen Feldkartons packen. Andere schreiben Adressen. Wieder andere ziehen und schneiden die roten und grünen Schnürchen für die Verpackung zurecht. Es liegt etwas von .der romantisch gruseligen Jugendfteude des Schützengrabens, gepaart mit jener beseligenden Wonne der jüdischen Mizwohtat über dem Ganzen. Die lieben Gesichter der kleinen Damen und der jungen Mannschaft strahlen vor Freude und Tatkraft. Es ist noch vieles zu tun und manch einem der älteren Herren entringt sich beim Anblick der aufgeschtchteten Tausende von Paketen und der noch nicht erledigten Bestellzettel ein Seufzer der Sorge. Aber ein Blick auf die Jugend und Kraft und Freude im anderen Raume verscheucht jede« Anstug von banger Sorge. Wie sagte doch da neulich Deutschlands großer Feld marschall: „Meine Jungens, die machens." Und sie machten es wirklich. Sch.