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Der Israelit · 1915-03-25 · Heft 13-14 (25.3.1915) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 13-14 (25.3.1915)
Date
1915-03-25
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 16. No. 13 u. 14. Gut begründeten Sammlung 83.04 M., Emanuel Marx Remscheid 7 M., A. Nordheim, Geldern 10 M., Frau Jos. Heymann, Ahrweiler 5 M., Frau B. Wallerstetn, Siegburg 2 M-, Teil' der Sammlung durch Herrn Lehrer Seelig-Siegburg: Mos. Walther 5 M., Marx Wallerftein 2.50 M., Julius Abraham 5 M., Heinr. Levisohn 5 M., Sim. Marx 3 M., M. Feith 2.50 M., E. Neumann 1.50 M., Frau Leonh. Feith 1.50 M., Hugo Neumann 1 M>, Albert Neumann O.50 M., Hoffmann 1.5O M., Jul. Koppel 1 M., B. Walter 1.50 M., Marcus 0.75 M., Abraham Lazer 0.75, S. Schöneberg 1.50, Hulda Isaak 0.5O M., Oesterreicher 1.50 M-, B. Lins 1.50 M., Abrah. Marx 1.50 M., Hamberg 0.50 M., I. Feith 1.50 M., Frau Fröhlich 0.50 M., Frau E. Oswald 1 M., Bock 0.50 M., Frank 0.50 M., Abrah. Walter 2.50 M., Eduard Hirschfeld 1.50 M., Frau Wwe. Stern 1 M., Aron Schulze 2.50 M., Jos. Marx 2.50 M., G. Boß 1.50 M., L. Meyer 1.50 M. Der Sabbat und das peffachwunder. Von Willy Wolf, Köln. In einer Zeit, in der die erhebende Kraft des Gebetes Triumphe feiert und geschichtliche Gedanken im Vordergründe des geistigen Lebens stehen, verdient die feinsinnige Art unserer Weisen, das Gebetbuch mit geschichtlichen Momenten auszustatten, ein besonderes Interesse. Die Begebenheit des Pessachwunders liefert hierzu ein treffliches Beispiel. Während in allen Gebeten und Kidduschsprüchen der Festtage die Erinnerung an den Auszug aus Egypten wieder- .kehrt, fehlt sie im Sabbat-Gebete gänzlich — und eben das Schweigen, welches die erleuchteten Meister unseres Volkes hier mit Vorbedacht beobachten, redet, wie es scheint, auf historischem Gebiet eine lehrreiche Sprache. Daß wir dem Andenken an den Auszug aus Egypten an den Festtagen begegnen, dünkt uns nicht rätselhaft. Verdanken doch die herrlichen Feste, mit welchen die Tauroh im Wechsel der Jahreszeiten unfern Lebensweg geschmückt, sämtlich ihr Dasein der Tatsache unserer Befreiung aus den Banden der egyptischen Knechtschaft und hat ja die Taurohs selbst bei dem ersten und letzten, bet Pessach und Sukkoth, den Hinweis auf die Erlösung aus Mtzratm vermerkt. Dagegen erhebt sich die Frage, weshalb wir wohl im Sabbat-Gebete nicht einmal eine Anspielung auf dieses große Wunder antreffen. Aus dem Kranze der Gebete, den unsere Weisen um alle Tage unseres hiniedigen Lebens geflochten, ragt es durch die Eigentümlichkeit hervor, daß es abends, morgens und nachmittags immer in anderem Wortlaute erscheint, während uns sonst am Morgen und Nachmittage stets das gleiche Gebet beschäftigt, das abends zuvor unser Inneres durchdrungen. Zeigt es aber bei allem Wechsel des Inhalts die übereinstimmende Gleichheit, daß durchweg das Gedenken des Auszugs aus Egypten fehlt, so läßt uns für diese Merkwürdigkeit gerade die Verschiedenheit des Wortlautes die Begründung ahnen. Rabbi Joses Wolf hat unabhängig von anderen Erklärern die schöne Erklärung gegeben, daß die drei Sabbat-Gebete den Sabbat aus seinem Gange durch die Geschichte zur Darstellung bringen. In unserem Aufsatze „Das Sabbatgeber", (Jüdischer Volksfreund, 9. Jahrgang, Nr. 2 u. 3), haben wir versucht, sie schriftlich niederzulegen und erlauben uns auf denselben zu verweisen. Heben wir indes den Grundzug der Erklärung hervvr: Da tritt uns im Abendgebete der Sabbat der N atur entgegen mit der Lehre, daß der Sabbat seit der Schöpfungswoche besteht und mithin schon zeitlich dem Peffachwunder weit vorangeht, daß er indes auch der Gesamtnatur und der'in sie eingesetzten Gefamtmenschhrit angehört, eine Tatsache, die „Der Israelit." uns wohl begreifen lehrt: Wo die Bestimmung der ganzen Erdwelt und aller Menschen zu Worte kommt, bildet der Auszug aus Egypten wohl eine bedeutsame, aber immerhin nur eine Episode,- d. h. der Schöpfungssabbat faßt die Bedeutung des Peffach-Wunders in sich. Da gesellt sich im Morgengebete zur Sabbatpredtgt der Natur das Sabbatgesetz der Tauroh, das der Schöpfer in seiner Bundesbeziehung zu Israel als Zeichen seiner Schöpferherrschaft über Himmel und Erde gestiftet, und weil dieses Gebet somit Israel als den Träger des Sabbatgesetzes feiert, der dem Gedanken des „Sabbats der Natur" durch die Tat aufrecht erhält, so stimmt es von selbst mit dem Abendgebete darin überein, daß es von dem Gotteswunder in Egypten zu schweigen vermag. Und schließlich das Minchahgebet! Der Ausblick, den es enthüllt, ist so weit gesteckt, wie ihn der Menschengetst nur zu erschauen imstande ist, denn er entspricht dem Endziele der Weltgeschichte. Was wunder, daß in ihm die Erinnerung des an sich so großartigen Wunders unserer Erlösung aus Egypten fehlt, das ja nur einen Beitrag zur Erreichung dieses Zieles geleistet. Der Gedanke, daß der Inhalt des Gebetes die Tragweite des Pessachwunders überragt, leuchtet aus dem Minchagebete so deutlich hervor, daß e8! dazu eines Kommentars eigentlich nicht bedarf. Wer findet nicht tu dem Anfangsworte: „Du bist einzig und Dein Name ist einzig" mit Rabbi Wolf b"X1 einen Anklang an die Prophetensteüe: „An jenem Tage wird Gott einzig sein und sein Name einzig!" Wer fühlt nicht mit demselben Meister der Schrifterklärung in der Zeitform: „Abraham wird dann jubeln,Jsaac wird dann jauchzen, Jacob und seine Söhne werden an ihm (dem Sabbat) Ruhe genießen", den Hinweis auf die einstige herrliche Zukunft, wo die Toten ihre Auferstehung erleben und das Ideal ihres Lebens, die Gesamtmenschheit in Gottesverehrung geeint, schauen werden? Wohlan! Die ernste Zeit, die uns umfängt, schenkt uns für diese Wahrheit, die Rabbi Wolf dem einfachen Wortsinne des Gebetes entnommen, ein vermehrtes Verständnis. Wie viele edle Menschen hat der unerbittliche Krieg, seit wir zuletzt das Pessachfest begingen, dahingerafft. Jünglinge, die schon so Treffliches geleistet, in weiteren Kreisen vorbildlich und anregend gewirkt und den Stolz und die Hoffnung der Judenhett bildeten, schieden plötzlich aus dem Leben. Ihr Werk blieb unvollendet zurück, und weit ausschauende edle Pläne sanken jäh ins Grab. Daß die Herrlichen einst, wenn die ganze Menschheit Gott als den Einzigen verehrt, wieder auferstehen, sich der Verwirklichung der Ideale, denen sie htnteden in jugendlicher Begeisterung nachgestrebt, freuen und ob der Vollendung des Werkes, an dessen Ausbau sie im Diesseits bis zum letzten Atemzuge treulich mitgewirkt, jubeln werden, ist unsere trostreiche Gewißheit, welche die Weisen im Minchagebete des Sabbats an den Gestalten unserer Stammväter in so klaren, überzeugenden Worten geschildert. Abraham, Jsaac und Jakob sind ja im Sinne der Tauroh die Typen für jedes Geschick, das den Juden zu treffen vermag, und wie sie, werden ihre Nachkommen tat zukünftigen Leben ihre tiefbegründete volle Befriedigung finden — freilich, ein Ausblick auf eine Zeit, zu»welcher der Auszug aus Aegypten erst den Anfang bildet. Hier infolge der Unzulänglichkeit der Menschen ein bald verscherztes, dort ewiges, ungetrübtes Glückhier die Gottesverehrung in Israel, dort im ganzen Menschenkreise. * * Wenn aber diese drei Sabbat-Gebete darin zusammen stimmen, daß sie alle ein noch so schlichtes Gedenkwort an unsere Erlösung aus Aegypten vermissen lassen und auch im herrlichen Wortklange des Mußaph-Gebetes der Widerhall des Peffach-Wunders fehlt, erregt es in desto stärkerem Maße unsere Aufmerksamkeit, daß der Sabbat-Ktddusch mit den Festtagen übereinstimmt, indem er dem Andenken an den Auszug aus Aegypten wieder Ausdruck verleiht und dazu die gleichen Worte „eiste Erinnerung an den Auszug aus Aegypten" wählt, die uns die Gebete und in denKidduschsprüchen der Festtage auf die Lippen legen. Ja, wip an den Festtagen geht ihnen das Wort: „Mtkroh Kaudesch" voran, das die Tauroh als kennzeichnendes Merkmal aller Festtage geprägt. Und wie der Schrifttext (3. B. M. Kap. 23, 3) dem Festkapitel den Sabbat als „Mtkroh Kaudesch" — „Berufung zum Heiligtum" voranstellt, so stellt der Kiddufch in entsprechender Weife den Sabbat als den Beginn der „Berufungen zum Heiligtume" dar. Wer wollte nicht in diesem Hinweise auf die Feste einen inneren Zusammenhang des Sabbat-Kiddusch mit der vornehmlichen, einheitlichen Bedeutung der Feste und zugleich einen Aufschluß über die Erscheinung erblicken, daß hier wie dort das Peffachwunder sein Denkmal findet? Die Feste sind sämtlich Berufungen zum Heiligtume und erinnern in ihrem Dasein und ihrer Bestimmung an den Auszug aus Aegypten. Sie gelten speziell Israel und auch der Inhalt des Sabbat-Kiddusch betrifft nur Jsroel. Geleitet er doch den Sabbat ins jüdische Haus, ans jüdische Mahl, um ihm dort eine Stätte heiliger Verehrung in Wort, Tat und Genuß darzubieten. Wie treffend weiß ja ohnedies die Ueberlieferung die Bezeichnung „Mtkroh Kaudesch" auf die Ehrung des Sabbat in Speise, Trank und Kleidung mttzubeziehen, eine Ehrung, welche die Festtage so sehr mit ihm teilen, daß sie-sogar für den Jom Kippur wenigstens hinsichtlich der Kleidung bestehen bleibt. ..Berufung zum Ideale des Heiligen" bis zum äußeren Lebensgenüsse und zur äußeren Erscheinung ist ja die wesentliche Aufgabe, zu deren Lösung uns in Aegypten die Stunde der Freiheit schlug. Wie sie an den Festen durchgehends ihren Ausdruck findet, spricht sie sich am Sabbat in dem Spruche aus, der dem vornehmlich jüdischen Teile der Sabbatbestimmung an der besonderen Stätte ihrer Verwirklichung am sinnbildlichen Mittelpunkte des häuslichen Lebens, beim Mahle, seine Weihe verleiht. Der Sabbat, den die Gebete verherrlichen, ist daher zwar seiner Bestimmung gemäß der Gesamtnatur und Gesamtmenschheit gewidmet. Der Sabbat des Kid dusch aber ist der Sabbat Jsroels, der fteilich „eine Erinnerung an den Auszug aus Aegypten" bildet, weil er sich wie die erst seit dem Auszuge aus Aegypten bestehenden Feste mit heiligenden Pflichten an Jsroel wendet. Der Sabbat der Gebete ist der Sabbat Gottes, der Sabbat, den er als Weltenschöpfer der Natur etnverletbt und als Lenker der Geschichte der Menschheit für die einstige Zukunft aufbewahrt. Der Sabbat des Kid dusch ist der Sabbat Jsroels, den es in seinen Häusern und Familien den am Sinai empfangenen Vorschriften entsprechend begeht. Das Fehlen des Andenkens an das Peffachwunder in den Sabbat-Gebeten redet dem Sabbat des Weltalls und der Menschheit stummberedt das Wort. Das Gedenken des Pessachwunders im Sabbat-Kiddusch zeigt Jsroel seit dem Auszuge aus Aegypten als den Hort des Sabbatgedankens in einer jeweiligen Gegenwart und somit den Sabbat selbst als den zu jeder Zeit leuchtenden Vorstrahl der einstigen Vollendung, der schon hienieden allwöchentlich für die Dauer seines Daseins die Sorge und den Kummer aus den Herzen seiner Getreuen bannt und den unvergleichlichen Zauber auf sie ausübt, den noch kein sterblicher Mund in Worte gekleidet. * * * Heil den Weisen, die es so meisterhaft verstanden, unser Gebet mit geschichtlichen Wahrheiten zu durchdringen, auf diese Weise dem Betenden lehrreiche fürs Leben berechnete Gelanken zu vermitteln und ob sie reden oder chweigen, unfern Blick von großer Vergangenheit n eine noch größere Zukunft zu lenken wissen, vom Judentum zur Allmenschhett.

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