Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1915)
- Date
- 1915-03-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 2 Nr. 13 Der I-raeltt. " I, t. I i, r r!■ w Charakter, als -ah sie anders behandelt werden könnte. Ich besitze keinerlei Stolz auf meine eigene Meinung in dieser Frage, ich bin auch nicht töricht genug, mn zu glauben, -atz ich die Wünsche und Ideale Amerikas besser kenne, als die Körperschaft seiner erwählten Vertreter sie kennt, Ich verlange nur Belehrung unmittelbar von denen, deren Geschicke mit unseren und denen aller Menschen innig verknüpft sind." Soweit Präsident Wilson. Man wird dieses Dokmmnt einerwahrhaft menschlichen und weitherzigen Gesinnung nicht ohne Ergriffenheit lesen können, und der Präsident darf für diese Kundgebung des Dankes nicht nur aller Juden, sondern aller menschlich empfindenden Bürger, welcher Nation und Konfession auch immer, sicher sein. Welcher Segen für die Menschheit könnte aber erwachsen, wenn Präsident Wilson die gleichen Gesinnungen, wie sie hier zu Tage treten, auch gegenüber dem durch die amerikanische Waffenausfuhr ins Unendliche verlängerten Menschenmorden auf den Schlachtfeldern Europas zur Geltung bringen wollte! Hoffen wir, daß auch dieser Tag nicht fern ist! Me Mzzos-Versorgung im Deutschen Reich. Die Bundesratsverordnung vom 25. Januar über die „Regelung des Verkehrs mit Brotgetreide und Mehl" schuf für die Herstellung und den Vertrieb der Mazzos in Deutschland vierfache Schwierigkeiten. Das bereits bestellte, aber noch nicht vermahlene Getreide für Mazzoszwecke unterlag ebensowohl der Beschlagnahme wie das noch bei den Mühlen befindliche Mehl, und die Kommunen und Kommunalverbände wagten bei allem guten Willen vielfach nicht, die Freigabe anzuordnen. War diese Klippe umschifft, so untersagte § 4f den Bäckern, die nicht schon in der Zeit vom 1.—15. Januar Mazzos gebacken hatten, ihren Backbetrieb fortzuführen, und endlich verhinderten die kommunalen Ausfuhrverbote die Ablieferung der glücklich fertiggesteüten Mazzos an die an anderen Orten wohnenden Kunden. In den allerletzten Tagen trat zum Nebersluß noch die Schwierigkeit hinzu, den Mazzos-Konsum dem Brotkarten-System anzupassen. Glücklicherweise scheint es nunmehr, da wir vor dem Feste stehen, doch fast überall gelungen zu sein, der Schwierigkeiten Herr zu werden. Für Preußen ist unterm 3 März eine von gründlichem Studium der Verhältnisse zeugende Der psalmist öder die Erziehung des Menschengeschlechts. jPsalm ) Bon Rabbiner I. Nobel in Schrrcideuiühl. Gibt es einen Fortschritt in der Erziehung des Menschengeschlechtes zu sittlicher Vollkommenheit'? Die bejahende Antwort liegt in der gleichen Meinung begründet, die der Psalmist durch die Absichtlichkeit des veränderten Ausdrucks kundgibt, der auf die ursprüngliche Passivität (-:xtp;n und dann :xtp) und spätere Aktivität aller Kulturentwicklung hinweist. Ein Gedanke, dem Schiller in seiner„Naiven und sentimentalen Dichtung" durch die Ideen des Naiven und Unbewuhten am Anfang der menschlichen Entwicklung und des Bewußten im Fortgang dieser Entwicklung Ausdruck verleiht. Die Erlösung erblickt er in einer Naivität, die gleichsam vom Bewußten getränkt, gesättigt und getragen ist. Als Beweis für die Richtigkeit einer solchen Auffassung darf auch das typische Wort xb n 'öPi crfr 'njmi gelten. „Erhebet Ihr Tore (der Zeit) Verordnung des Ministers des Innern an die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" ergangen, worin prinzipiell angeordnet wird, daß die in den Kommunalverbänden auf Grund der §§ 34ff. der Bekanntmachung über die Regelung des Verkehrs mit Brotgetreide und Mehl vom 25. Januar 1915 erlassenen Anordnungen auf die Herstellung und den Vertrieb der ungesäuerten Brote keine Anwendung finden sollen. Es wird ferner ein Ouantum von 300 Tonnen Mehl bei der Kriegsgetreidegesellschaft zur Verfügung gestellt, aus dem die durch Beschlagnahme der Mazzosfabrtkation etwa entzogenen Mengen ersetzt werden können. Der Erlaß, der nebst einigen zu seiner Ausführung nötigen Erläuterungen durch die „Freie Vereinigung" anfangs März sämtlichen preußischen Synagogengemeinden im Wortlaut übermittelt wurde, bemerkt am Schluffe über die Brotkarten folgendes: Die hier getroffene Regelung hat zur Voraussetzung, daß die rechtgläubigen Juden an den Tagen, während welcher sie aus den Genuß der ungesäuerten Brote verwiesen sind, sich der Beschaffung sonstigen Brotes unbedingt enthalten und die etwa für diese Zeit empfangenen Brotkarten oder Brotbücher dem Kammunalverband wieder .zur Verfügung stellen werden. Die Mazzos fallen somit in ganz Preußen nicht unter die Verbrauchsregelung durch Brotkartendagegen ist es Ehrenpflicht jedes Juden, in Würdigung des vom Ministerium betätigten Entgegenkommens die auf Peßach entfallenden Brotkarten den Kommunalverbänden freiwillig zurückzuerstatten. Im Großherzogtum Hessen ist eine der preußischen analoge Mtntstertalverfügung ergangen, während ffch in Baden das AÄnisterium des Innern — praktisch hoffentlich mit der gleichen Wirkung — damit begnügt hat, den Kommunalverbänden durch Erlaß vom 8. März die gebührende Würdigung der für ein Entgegenkommen sprechenden religiösen Gründe zu empfehlen. Der „Oberrat der Israeliten" empfiehlt dabei, zu beantragen, daß die etwa geforderten Brotkarten für Mazzos erst den Kartenheften für April entnommen zu werden brauchen. Der badische Erlaß nimmt übrigens an, daß auf Mazzos der § 20, Abs. 2 der Verordnung vom 5. Januar Anwendung finde. Aus Bayern ist uns bisher kein die Angelegenheit regelnder Ministerialerlaß bekannt geworden, doch haben einzelne Kommunen, wie z. B. Würzburg, nach dem Beispiele Preußens Eure Häupter". Die Häupter sind die Zinnen der Tore, die als Inschrift die Gotteserkenntnis,I die Aufgabe und das Ziel aller Zeiten verewigt halten. Der Psalmist will sagen: Werdet getragen, ihr Eingänge der Zeitewigkeit, damit schließlich am Ende dex Zeiten der König der Herrlichkeit kommen kann. Die Zinnen, L'nprr» nrxn tragen das Ziel. Die vbip ’nriB, das sind die Flügeltore der Zeit und der Zeitalter selbst. Sie müssen am Anfang der Menschheitsentwlcklung von der göttlichen Vorsehung noch getragen und geleitet werden. Die Flügelkraft der Ideen muß den Völkern, den Erzvätern, den Propheten o’:b *7« cas zugetragen werden. Nicht bloß die Thora nnx *:a niai, sondern auch die Offenbarung, die. leitende Vorsehung entspricht der Charakterstufe jedes bestimmten Zeitalters. Die Welt ist noch nicht vollendet, so lange die Gotteserkenntnis nicht vollendet ist. Gottes Mitarbeit ist im prägnanten >sinne erforderlich als die des ray tbji, des nen*?a Ta;. Die schlummernde sittliche Vernunft tastet in den frühesten Zeitaltern noch im Halbdunkel. Es ist ein Ahnen und Sehnen, aber keine beftinimte Gotteserkenntnisdie Frage des Psalmisten bringt dieses unsichere Tasten in der Unbestimmtheit des Ausdrucks m 'v johne x;n) zur Verkörperung Sie sucht nach dem bestimmten eindeutigen Gottesnamen: N7. Sie hat aber noch nicht die Sicherheit der Ueberzeugung, die in dein uin (ht rnn ’ö) gewichtig sich kundgibt. Wenn die Natur der sittlichen Weltordnung den Menschen beseelt und die Sittlichkeit seine zweite Natur wird, wenn die Flügelkraft und das keimfrohe Wesen der Idee mit den Menschen und den Geschlechtern so identisch wird, daß sie selbst die Flügeltore der Ewigkeit vorwärts, aufwärts bewegen und die Inschrift der B'-w nwn auf eigenen Schultern tragen, dann ist es Zeit für den TDsn *f?D. Dann ist dieser Taan __ 18. März 1915 auf die Forderung von Brotkarten beimMazzosbezug verzichtet. * * Die Versorgung der tm Felde stehenden jüdischen Krieger mit Mazzos und sonstigen Peßach-Nahrungsmitteln vollzieht sich in großem Maßstab durch die Bersandstelle der „Freien Bereinigung", und es ist insbesondere erfreulich, daß auch viele Gemeinden es als Liebespsticht betrachten, für ihre im Felde stehenden Angehörigen durch Bestellung von Mazzos, Kraftgebäck und Conserven zu sorgen. An einzelnen Stellen der Front sind auf Initiative der Feldrabbtner die jüdischen Soldaten durch Armeebefehl aufgefordert worden, sich zur Aufgabe ihrer Adressen an die Versandstelle zu melden, soweit sie auf rituelle Verköstigung Wert legen. * * Für die Zehntausende russisch-jüdischer Kriegsgefangener in den deutschen Gefangenenlagern, unter denen sich sicherlich Tausende befinden, die in tiefster Seelennot der nahenden Festeszeit mit ihrem 'IUI JirPOy) pan Ss '2 gedenken, wird eine notdürftige Versorgung mit Mazzos noch angeftrebt, gesichert ist sie erst zum Teile- Der Kriegshilfsfonds der Agubas Wroel. Von Klausrabbiner Dr. PH. Frankl in Hatberstadt. Eine stehende Rubrik in den Zeitungen und besonders in den jüdischen Zeitungen bilden die Berichte über die von der russischen Soldateska an den Juden Galiziens wie auch an den Juden ihres eigenen Landes verübten Grausamkeiten. Es werden da Bilder vor unseren Augen entrollt, die all das überbieten, was man sich bis zum 20. Jahrhundert unter Jnquisitionsgreuel und mittelalterlicher Tortur vorgestellt hat. Bilder, die an nichts vor den Schrecken der Kreuzzüge und der Brunnenvergiftungen des Mittelalters zurückstehen. In allen Städten und Dörfern Russisch-Polens zählt man zu Hunderten die jüdischen Waisenkinder, nicht bloß der in den Kämpfen für ihre stiefmütterliche Heimat Gefallenen, sondern Waisen von unschuldig Ermordeten, die der Mord- und Raubgier einer trunkenen und entmenschten Soldatenhorde zum Opfer gefallen sind. Es krampst sich in tiefem Schmerz das Herz zusammen, wenn man in einem dieser Berichte liest, daß in so manchem Orte die jüdischen Chederschulen feiern müssen, weil es den Kindern an Fuß- und sonstiger Bekleidung mangelt, und nicht mehr ein tb;i tw, sondern mxast Tt, er ist derselbe Gott von Urbeginn her, aber die Kräfte und Ideen, die Lehren der Völker und diese selber dienen ihnr nicht nur, getragen (wwn), sondern tragend, nicht unbewußt, sondern als ein bewußtes Gottesheer. „Tarn xin Er ist". Darin liegt die allerpositivfte Erkenntnis seines Daseins ausgesprochen, seiner majestätischen Königsherrlichkeit niaan "[^o, die durch Krieg und Gewalt nicht mehr gefördert zu werden braucht und durch solche nicht erhöht werden kann. Kleines Feuilleton. Leichenbegängnis. Bon Michael Levai. Uebersetzt von Z. V. sM. Am Ende der Hauptstraße sind noch die rauchenden Trümmer der eingeäscherten Häuserreihen sichtbar. Noch hört man das surrende Sausen der verirrten Granaten, die pfeifend durch die Luft schwingen, dann aber mit gewaltigem Donner auf den Boden krachen und die aufgewühlte Erde turmhoch ln die Höhe schleudern. Die Verwundeten sind bereits aus der Feuerlinie gehoben. Ernst und entschloffen trugen bejahrten Landstürmer die Toten auf den Friedhof. Das breite Grab erwarte! mit weitgeöffnetem Schlund seine Opfer, die jetzt mit geschloffenem Auge hinauf in den schwarzen Himmel starren, wo der Mond im bleichen Schauer zittert. Eine weiße Schneekruste ist das Leichenleinen, aus dem sie langgestreckt ruhen. Auch