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Der Israelit · 1915-03-11 · Heft 11 (11.3.1915) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 11 (11.3.1915)
Date
1915-03-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit Ein Centraloroan Iflr das orfhodoxe Juienfnm u(ll JJJ raggg Begründer oon Or. Lehmann in fflainz bks ia 11. März I9l5 56. Jahrgang. SSS Sranhfurf a. M . Sen ttlMUMCftt »ro »terttliahrr ArwShnliche »uSgabe Mk.1.50. b,ftim»gabr (KmtstLruM «t. ^uSlandSvvis«: GewSbnlich- AnSgabr: Vestnreick-llaa-rn t Ki„ Kttfilanb l Bub., England 8 *h„ Imerifo SO et*., Wtmtienbe 1.10 fl., Kravftri» Fra. tJK, EßoimemefltS bei allen Aollanüattm, Buchbandlangen. sowie Sei den» Verlas. HeitauSaabe nur hbtdt. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate: 30 Pfennig für die sechSgespaltene Colonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenaunahme durch den Verlag deS Israelit A. m. b. H., Frankfurt a.M., Ar. Eschenbeimerstr. 23 Del.584S.Amt Hansa, sowie sämtl. Annoncen-Srped. deS In- und Auslands. ptatzvorschrtfte» ohne UerbindlkchKett. Zahlungen rLanL.n auher deren ün den 8rrlaa erfolgen per Lonto »et der 8k. 8k. Bostsparkaste «stie» «o. 7V 6®?'. Tont« Set denr ». Vostsparkastenanet Nndastest x.svi fs S-4 id«r 4lo»»erzÄa«8 t» SW«* ” •*» deren Filialen. Der RadtRruch 9er Rrfihel un9 Corre[pon5en?en 9es „Israelit“ iR nur unter genauer Quellenangabe, un5, soweit es sieh um größere Quffä&e hanöelt, nur nach vorheriger Genehmigung gehaftet* JtttzaUsSvevstcht 1. Leitartikel: Gin „englisches" Palästina. — 2. Aufsätze: Das seelische Glend der jüdische« Flüchtlinge ans Galizien und Bukowina. — 3. Vermißte jüdische Familien. — 4. Homiletik: In schwerer Jett. — 5 Kleines Feuilleton: Aus einem Feldpostbriefe. — Feldpostgedicht. — Der „Wisnitzer Rebbe". — tt. Korrespondenzen und Nackrichten: Berlin (Die Staatsangehörigkeit jüdischer Religionsbeamter.) — Berlin (Reprctsentanten-Bersammlung). — Berlin (Aus Deutsch-Mlawa) — Bremen (Jüdische Feldgeistliche). — Wien (Die Russenherrschaft in Galizien und in der Bukowina.) — Aus den Gemeinden: Budapest, Budapest, Jliava. — Karlin-Pinsk (Rabbi David Friedmann — Petersburg (Verweigert). — Warschau (Das „Neueste" aus Warschau). — Wilna (Hinter der Front). — London (Palästina-Fürsorge). — New-Z)ork (Amerikanische Hilfe für Palästina). — New-Z)ork (Die amerikanische Einwanderungsvorlage.) — New Ä)ork („American Jewish Relief-Comitee"). — 7. Personalien: Sobernheim. — Heilbronn. — Hamburg. — 8. Vermischtes: Berlin. — Berlin. — Berlin. — Berlin. — Würzburg. — Würzburg. — Posen. — Bremen. — Köln. — Seligenstadt. — Wiesbaden. — Mergentheim. — Memmingen. — Plauen. — Esens. — 9. Be re insna chrich ten: Altona. — 10. Sprechsaal. — Familiennachrichten. — 11. Feuilleton-Beilage: Was nun mit dem Krirfe? Gin „englisches" Palästina. Bekanntlich heißt das neueste Lockmittel, mit dem man in den Kreisen der Ententemächte die Sympathien der Juden zu gewinnen sucht, „Palästina". Zangwill, mit seinem bekannten Brief an die Juden Amerikas dem Fluche der Lächerlichkeit verfallen, hofft ganz besonders, sich mit jenem Worte, dessen Zauberklang noch nie seine tiefe Wirkung auf das jüdische Herz verfehlt hat, rehabilitieren zu können und entfaltet in letzter Zeit eine rege Agitation dahin, die Palästinafrage auf die Tagesordnung des künftigen Friedenskongresses, den er schon im Geiste unter dem Diktate Sir Edward Greys arbeiten sieht, zu stellen. Er glaubt, mit dieser einschmeichelnden Zukunftsmusik den bösen Eindruck zu verwischen, den sein kindischer Appell in Amerika gemacht hat. Einen Hintergrund findet diese Agitation in allerlei von der englischen Regierung in die Preffe lanzierten Notizen, in denen so ganz-unbestimmt und unverbindlich von einer Autonomie in Palästina gesprochen wird, ohne nur andeutungsweise zu sagen, ob und inwiefern diese zu Gunsten der Araber oder der Juden ausfallen wird. Man möchte es fürs erste mit beiden Völkerteilen nicht verderben. Das ist die bekannte Sprache der englischen Diplomatie, aus der alles und nichts herauszuhören ist, in diesem Falle aber, in Einschätzung der Bedeutung, die Palästina besonders für den Ostjuden hat, darauf berechnet, Hoffnungen und Erwartungen zu nähren, die England und seiner Politik dienen sollen. Unter diesen Umständen ist es gar nicht uninteressant, den Eindruck festzustellen, den die dunklen Versprechungen im jüdischen Rußland machen, und wie man hier, im Kreise der Nächstbeteiligten, über das eventuelle Gnadengeschenk Palästinas aus der Hand Englands denkt. Die einzige hebräische Monatsschrift Rußlands, „H a sch i l o a ch", die Anspruch darauf machen darf, die Ansichten der national-jüdischen Kreise in Rußland widerzuspiegeln, befaßt sich in ihrer letzten Nummer an leitender Stelle mit dieser Frage. Es muß vorausgeschickt werden, daß der Redakteur des Blattes schon aus Höflichkeit gegen die Verbündeten, aber noch mehr aus Furcht vor dem gestrengen Herrn Zensor, der heure in Rußland Allherrscher ist, und mit den Machtmitteln von „Zuchthaus" und „Sibirien" arbeitet, mit Worten und Urteilen höchst vorsichtig umgehen muß. Was die Juden Rußlands nach dieser Richtung von England und Frankreich erhoffen, drückt sich dennoch in jeder Zeile, in jedem Worte und zwischen den Zeilen und Worten dieses beachtenswerten Artikels genugsam aus. Es wird hier unumwunden anerkannt, was England auf kolonisatorischem und wirtschaftlichem Gebiete für Palästina zu tun im Stande und auch gewillt sein würde. Aber — „das alles könnte uns nur dann locken, wenn wir kein anderes Ziel vor Augen hätten, als einige Juden in höhere, bessere Lebensstellungen zu bringen. Da wir aber in erster Reihe an unser Palästina denken und an die Masse, so haben wir von einem englischen Palästina nicht viel zu erwarten. Gewiß würde England, wie es in Aegypten getan hat, den besten und ertragreichsten Boden ankaufen. Das würde auch einzelnen Juden zugute kommen. In unserem Streben jedoch, in Palästina geordnete national-ökonomische Zustände zu schaffen, würden wir damit um keinen Schritt weiter gekommen sein. Unser Wunsch geht nicht nach reichen Juden, sondern nach jüdischem Reichtum auf der Basis der nationalen Arbeit. Das englische Handelsvolk würde, so es festen Fuß in Palästina fußt, den Tod der jüdischen Kolonisation bedeuten. i „Zu diesen national-ökonomischen gesellen sich f aber die schweren politischen Bedenken. England pflegt die okkupierten Staaten mit der Erteilung weitgehender politischer Freiheit für sich zu gewinnen. Davon würden aber, wie die Dinge heute in Palästina liegen, einzig und allein die Araber profitieren, die die Majorität im Lande sind. Wer die arabische Bevölkerung Palästinas kennt, den muß eine solche Perspektive mit banger Sorge erfüllen. Die Juden, die kaum den siebenten Teil der Bevölkerung bilden, würden die Hand der zu Macht und Herrschaft gelangten arabischen Vettern bald genug zu spüren bekommen. „Und gar die jüdische Kuliur und die hebräische Sprache, die noch eine gar zarte Blüte ist, und ohnedies einen bitteren Kamps nach vielen Fronten: mit Alliance, Hilfsverein, dem Jiddischn, dem jidisch-spaniolischen Jargon und dem Arabischen zu führen hat! Solange sich Regierung und Verwaltung neutral verhielten und zugunsten keiner dieser Sprachen etngriffen, konnte sich das Hebräische halten, um so mehr, als es der eigentlichen Landessprache, dem Arabischen, an der inneren Kraft gebrach, den Konkurrenzkampf mit dem Hebräischen aufzunehmen. Gegen das Englische würden sie alle machtlos sejn. Gerade die Art der Engländer, ihre Sprache und Kultur den Vasallenvölkern nicht aufzuzwingen, sondern sie schonend und mählich mit dem Anscheine der Absichtslosigkeit im Lande tiefe Wurzeln schlagen zu lasten, kann sich besonders in dem für alles Neue empfänglichen Palästina großen Erfolg versprechen. Man weiß es genügend aus der Geschichte, wie der Jude, dem de^ Sturm den Mantel seiner Eigenart nicht zu entreißen vermag, diesen willig ablegt, sobald er vom ersten blassen Strahl der Frethettsonne heuchlerisch geküßt wird. Die Auswanderung der palästinensischen Juden nach England und Amerika würde durch die nahe Berührung mit der englischen Sprache und Kultur eine Förderung erfahren, die die ganze Arbeit von vielen Jahrzehnten in Frage stellen müßte. „Man sieht bereits im Geiste den jüdischen Ueberpatrioten aus London in Jaffa landen, um dort oder in Jerusalem ein englisches Gymnasium zu gründen. Es würde ihm ein leichtes sein, die mit dem Strome schwimmende Masse für seine Zwecke zu gewinnen. Man braucht nur an die Erfolge der englischen Mission in Palästina zu denken, die doch gewiß

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