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Der Israelit · 1915-02-25 · Heft 9 (25.2.1915) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 9 (25.2.1915)
Date
1915-02-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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M 9 £r<tttJtfttri a. M.» den 25. Februar 1915. 11. Adar 6675. M 9. Der „Frankfurter Israelit" wird mit dem JSraeltt" abonniert- Vboumtmtai für beide Blatter zusammen Mk. 1.60 vierteljährlich (Inlands. Inserate im „Frankfurter JSraeltt" kosten 38 Pfg. für die fechSgefpattene Lolonelzette- Rabatt nach Tarif. Inhalt. Die Gedächtnisfeier in der Agudas Jisroel Jugend- Organisation. — Die Woche: 1. Frau Prof. Altmann rrv. 2. Frau Einstädter rry. 3. Dr. Gustav Levi S'T. 4. Mädchengruppe der Agudas Jisroel. 5. Zimmernachweis der A. I. Jugendgruppe. - Bereinstalender. — Familiennachrichten. Gebetzeiten. — Alte Frankfurter Privat-Minjonim. Die Gedächtnisfeier in der Agudas Wroei Zugend- Srganifaäon. Es bedulfte einer geraumen Zeit der Sammlung und Erholung aus dem ersten lähmenden Entsetzen, um dem Schmerze ob der jungen Freunde, die uns der grausame Krieg geraubt, lauten Ausdruck zu verleihen. Der siebende Adar, der Todes- und Geburtstag des großen Führers, war für dieses ehrende Gedenken so recht geeignet. Und einen besseren Dolmetsch unserer Schmerzgefühle hatten wir garnicht finden können, als wie wir ihn in dem jungen Redner, Herrn Wolf S. Jacobsohn aus Hamburg, vor uns hatten. Jugendkrast und jüdische Hoffnung weinten hier um früh gebrochene Jugend und Kraft und zertretene Hoffnungsblüten, und das tiefe Weh wurde gemildert durch das aussöhnende Gefühl, daß mit den tapferen jungen Helden ihre jüdische Arbeit nicht in das Grab gesunken ist, daß diese von gleichgestimmten, für die jüdischen Ideale gleich begeisterten Freunden wie ein heiliges Erbe angetreten und fortgesetzt wird. In Anknüpfung an den Satz in Koheleth: „Die Sonne ging auf, die Sonne ging unter", erinnerte der Redner an die sonnigen Tage der Jugendversammlung im Winter des vorigen Jahres. Rasch aber erlebten wir das V&OTi «21 mit Ausbruch des grausigen Krieges, der nicht allein die Arbeit der Aguda unterbrach, sondern uns schon in den ersten Wochen die jungen Führer fällte. „Die durch Liebe zum Judentum im Leben aneinander so eng gekettet waren, sie blieben im Tode ungetrennt". Zuerst Sally Michel, diese jüdische Frohnatur, der ideale, für das Judentum treubesorgte und in der jüdischen Arbeit mit seinrn Freunden so eng verbundene Arbeiter. Kurz daraus fiel Referendar David Schlesinger, Marburg, deffen Leben, von starken Idealen beherrscht, dem rmnn Tiü’S gewidmet war, der so warmherzig und so warmblütig mit der ganzen Glut seiner Seele unter seinen akademischen Brüdern, wie überall unter seinen Freunden sich für die Hochziele des Judentums, wie sie ihm in der Agudas Jisroel entgegenleuchtete, sich einsetzten. Ihnen folgte aber dann unserer Besten, Edelsten und Tapfersten einer: Martin Feist, Über den wir mit dem Propheten klagen dürfen: „Gefallen ist uns die Krone vom Haupte". Wie er, all den Versuchungen des Retchtumes trotzend, dem Judentum sein Bestes, ja sein Ganzes gab, schilderte der Redner mit packenden Worten und Bildern aus Talmud und Midrasch. „Wie dieser junge Held nicht sich, sondern den Andern gelebt, so ist er auch dcn Andern und allen, dem hbo gestorben". Auch seine Liebe und Arbeit für das heilige Land, das er einst besuchte, dürfe als ein bezeichnender Zug im Charakterbtlde Martin Feist's nicht fehlen, dessen Grundwesen bedingt war von den Worten: Lernen und Handeln. Mit einem begeisternden Appell, daS Erbe der gefallenen Freunde fortzusetzen, es „zu erwerben, um es zu besitzen", und mit einem besonderen Ausblick aus die Bruderliebe und ülfe erheischende Not in Galizien, schloß der ebner seine vom zahlreichen Auditorium in wahrer Weihestimmung aufgenommene Gedenkrede. Herr Jacob Rosenheim wollte, wie er einleitend bemerkte, nur einen Ton der verklungenen Trauershmphonte aufgreifen. Der Sturm, der jetzt über die Welt hinfege, schaffe eine neue Zeit. Das große Suchen nach Gott ist kein bloßer Zufall. Ist uns doch jetzt zum Bewußtsein gekommen, daß aller Besitz und aller Genuß nur da ist, um geopfert zu werden dem großen Weltengeiste, der Menschen und Völker lettet. Wir Juden werden, eingedenk der Mischkanlehre der jetzigen Wochenabschnitte, dies zuerst begreifen und freiwillig opfern für die, welche jetzt die bittere Not aus Haus und Hof gejagt, und denen die Lage heute die größten Opfer, die je Menschen getragen, auferlegt. Wie sollten wir froh unseres Lebens werden, im Gedanken an unsere Brüder im Osten, die, rin Tell von uns, das Jammergeschick bis zur Neige kosten müssen? In eindringlichen Worten fordert der Redner die Versammlung auf, am Htlfswerke der Agudas Jisroel teilzunehmen. Alte Frankfurter Privat-Minjonim. Der Heimgang Salomon Niederhofheims der sich in seiner großen Bescheidenheit jedweden Nachruf verbeten hat, gibt mir Veranlassung, in diesen Blättern einiges über den Ursprung, des von ihm Jahrzehnte lang geleiteten s':a — die Niederhofheim'sche Schul' — zu berichten. Das alte Frankfurter *?np besaß und besitzt eine ganze Reihe von Nebenschulen und Privatminjonim, wie z. B. „Träubsche-Schul", Kippestub, Löb Reiß'sche Synagoge, Mainz'sche Synagoge, Klaus- Synagoge u. A. m., sowie die bereits eingangs erwähnte „Niederhofheim sche Schul". Letztere ist unstreitbar die älteste und eigenartigste der genannten Nebenschulen, ihr gelten meine heutigen Ausführungen. Ganz Allgemein fei bemerkt, daß die Erhaltung unserer qlten Nebenschulen, denen so häufig jede Daseinsberechtigung Äbgesprochen wird, nicht nur aus praktischen Gründen und Privatrückstchten, sondern auch aus idtellen Gründen, sehr zu wünschen war,-. Daß man die Nebenschulen, und speziell die Privatminjomm im BolkSmund mit „Heckenwirtschaften" bezeichnet, finde ich nichts weniger als schön. Schon ihres ehrwürdigen Alters wegen sollte man diese Nebenfchulen achten und alles aufbieten, sie dem Frankfurter Tnp zu erhalten. Die Niederhofheimsche Synagoge blickt wohl auf ein über I^Ojähriges Bestehen zurück. Sie wurde von dem weit über die Grenzen Frankfurts berühmt gewordenen Rabbi Nathan Adler ‘txt gegründet. Bis auf den heutigen Tag hat sich die „Niederhofheim'sche Schul" den von ihrem Gründer eingeführten Minßag Titt nyrw (ry "> :n:o zum größten Teil erhalten. In dem bekannten Buche von Horooitz. „Frankfurter Rabbinen", IV. Band, Seite 45 u. s. w. wird dieses pro zuerst erwähnt, es heißt daselbst. „Auch der im Hause R. Nathans abgehaltene Gottesdienst erhielt durch Aufnahme wesentlicher Abweichungen von der in der Gemeinde herrschenden Liturgie einen ausgesprochenen kabbalistischen Anstrich". Bgl. Chatham Sofer Aurach Chajim § 15. Vitt '"'Kn -IHM H1BD HSAn '»7 "DP DV2 "N. Um R. Nathan scharten sich zahlreiche Schüler. Während sich jedoch der Lehrer, ob seines reichen Wissens und seiner großen Bescheidenheit allgemeiner Sochachtung und Beliebtheit erfreute, machten sich die chüler, durch ihr herausforderndes Benehmen und ihre kabbalistischen Treibereien, mit welchen fie die Gemüter der Gemeindemitglieder beurlruhigten, unliebsam bemerkbar. Die Folge davon war, daß Rabbinat und Vorstand der Gemeinde am 3. Ellul 5539, Ende Sommer 1779 durch Synaaogenanschlag bekannt machen ließen, daß das s'.'v bei R. Nathan Adler verboten »vird und daß es niemand besuchen dürfe. Bei Uebertretung des Verbotes wurde mit Bann und Ausweisung gedroht, R. Nathan kümmerte sich um diese Verfügung nicht, er unterhielt weiter sein pw und wurde dafür von Oberrabbinat, R. Pinschas Horwitz 7"Xr am 19. Ellul selbst mit dem Banne bedroht, während viele seiner Schüler der Stadt verwiesen wurden. R. Nathan beachtete auch diese erneute Verfügung nicht, sein p:o fand weiter statt. Die Sache kam vor die städtischen Behörden und schließlich vor das Reichsgericht, welches die Verfügung des Rabbinats guthietz. R. Nathan apellierte, wurde abgewiesen und mußte sich fügen. Dem dadurch für beide Teile unangenehmen Zustand wurde durch die Wahl R. Nathans als Rabbiner nach Boskowitz im Jahre 1782 ein Ende gemacht. R. Nathan nahm die Wahl trotz Abratens vieler seiner Schüler an, legte jedoch bald das Amt wieder nieder und kehrte nach Frankfurt zurück. Immer mehr Schüler schaarten sich um den Heimgekehrten. Rabbinat und Gemeindevorstand erneuten im Jahre 1782 den alten Bann von 1779 in seiner ganzen Schars«. ES wurde erneut die Veranstaltung eines jeglichen PrivatminjanS verboten R. Nathan selbst riet seinen Anhängern und Schülern, den Bann zu achten. Mit der Zeit wurden auch seine Verehrer besonnen, besonders unter dem Einfluß R. Löb Emmerichs und auch für R. Nathan kehrte die allgemeine Achtung wieder, die er vor den Kämpfen in der Gemeinde stets besessen. R. Nathan lebte zurückgezogen und wenn auch der sin offiziell noch nicht aufgehoben war, so belästigte ihn niemand mehr, man ließ ihn gewähren. Auch sein p;o fand wieder statt. Erst im Jahre 1800 findet sich eine Notiz im Gemeindebuch, daß keiner berechtigt sei, dem frommen R. Nathan (er war damals schwer erkrankt) vorzuhalten, er habe den Bann von 1779 übertreten. R. Nathan habe gewiß für feine Handlungsweise triftigen Grund gehabt. Damit jedoch keiner eine unvernünftige Auffassung darüber habe, wurde der Bann am 11. Ellul 1800 als aufgehoben und nichtig erklärt (Horowitz: „Frankfurter Rabbinen", IV, Seite 51.) Wenige Tage darauf verschied R Nathan Adler b'ti, von Rabbinat und Gemeinde aufs tiefste betrauert. Sein Minjan wurde von seinem hervorragendsten Schüler, Reb Löb Emmerich txt, unter genauer Einhaltung des Minhags wettergeführt. Damals befand sich das Betlokal im Emmerich'schen Familienhause in der Judengaffe 128 und verblieb auch dort, als nach dem Tode R. Löb Emerichs, deffen Schwiegersohn R. Bär Dann Vst die „Schul" übernahm. Auch Bär Dann führte das pc in der von Rabbi Nathan Adler überlieferten Weise fort. Nach seinem Tode übernahm fein Schwiegersohn R. Benjamin Niederhofheim das po, welches er in unveränderter Art, allerdings als „Frühschul" weiterführte. Die Schul befand sich damals noch immer im Hause Juden-

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