Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 9 (25.2.1915)
- Date
- 1915-02-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2448506-2448516--67343-2488218- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sette 4 ' No. S Der JSraeltt. lange sie von 1—3 Personen bewohnt werden, die aber für 8—10 Personen zur Hölle werden müssen. Was Wunder, daß die Armen die kalte ungastliche Straße dem noch kälteren und ungastlicheren Heime vorziehen! Die beiden Botemidrasch und die vielen kleinen Betlokale gewähren nur verhältnismäßig Wenigen und auch nur für beschränkte Zeit Unterkunft. Einem Erwerb können mit Rücksicht auf den Schabbos nur ganz Wenige nachgehen. Einige hundert Mädchen finden in eigenerrichteten Nähstuben Beschäftigung bei der Herstellung von Militär- Wäsche etc. Einige Galizianer haben koschere Restaurationen errichtet, und so sind in unserer Stadt, wo man bisher höchstens einen koscheren Prlvattisch finden konnte, eine ganze Reihe dieser Etablissements. Eine besondere Golusblüte sind die vielen neuen Fleischbänke, an denen zumeist auch ein oder mehrere Rabbiner interessiert sind, die durch die Einnahmen aus der „jatke" ihr allzukärgliches Einkommen erhöhen wollen. Daß eS nicht an jüdischen Bäckern und Kolonialwareühändlern fehlt, ist klar, der kommende Pessach dürste ihre Zahl noch bedeutend steigern. Eine segensreiche Einrichtung beginnen jetzt die Bnei Brithlogen, etnzuführen, Tee- und Suppenanstalten, die von verläßlichen galizischen Familien geleitet, um ein paar Heller etwas Warmes und Aufenthalt in luftigen, geheizten Räumen bieten sollen. An gelegentlichen Angriffen fehlt es;a auch in Prag nichts so hat der Bürgermeister der Prager Vorstadt Weinberge einen Aufruf an alle Bürger der Stadt erlassen, in dem er auf Grund übertreibender Schilderungen von Schmutz und Krankheit dieser bedauernswertesten Kriegsopfer aus hygienischen Rücksichten fordert, daß niemand an Galizianer Wohnungen vermiete. Der Aufruf blieb nur kurze Zeit plakatiert, die Stadthalterei ließ ihn sofort entfernen. Diesem Rtschus von Außen stellt sich würdig das Rtfchus von Innen zur Seite. Es gibt in Böhmen einige Rabbiner, die mit Rücksicht auf den Mehlmangel und die hohen Kosten der Mazzos, die öffentliche Meinung im allgemeinen und die Wohltättgkettsvereine im besonderen dahin beeinflussen wollen, Heuer den Pessach, soweit er die Mazzos und damit den Geldbeutel betrifft, auf Met Tage einzuschränken. Es haben sogar eine Menge ahnungsloser Herren eine solche Agitation in der Prager Kultusgemeinde versucht, unzählige Unterschriften auf eine dahingehende Petition gesammelt, sind aber selbstredend abgefallen. Wie es aber im Land werden wird, das auszumalen vermag ich nicht. Hier wird der Pessach bei der großen allgemeinen Teuerung ungeheuere Summen erfordernwo die aufgebracht werden sollen, ist vorläufig noch unklar. Nächstens mehr davon! Karte beherzigen und den lieben Gott anrufen, er möge doch mich und uns alle, die wir im Felde stehen, wieder gesund und mit allen Kräften nach Hause in unsrer lieben Heimat senden, damit ich das, was ich an Gottesfurcht und Glauben gelernt habe, ausnützen und vollbringen kann und bitte zu gleicher Zeit den Allmächtigen, -atz er Sie alle und meine l. Eltern und Geschwister segnen, behüten und gesund erhalten möge, damit wir, wenn ich auch mit Gottes Hilfe heim komme, im Vereine aller unsere Kräfte, die wir Menschen aufweisen können, in der Weise verwerten, Gottes Gebote genau zu erfüllen und treu zu halten." Es sei mir noch gestattet, bevor ich rechnungs mäßig Rechenschaft ablege und alle Spender und Spenden namentlich aufführe, die mir auf Grund meines ersten Berichtes im „Israelit" reiche Ge schenke an Kleidern, Ritualien und Geld für die Flüchtlinge überwiesen haben, allen schon jetzt von Herzen zu danken. Ganz besonders habe ich größere Summen aus Fürth, Heilbronn, Lübeck, München, Frankfurt a. M. erhalten, eine große Zahl von Büchern, Ritualien aus Altona, Fürth, Jchen hausen, Heilbronn, Kleider und Wäsche in ganz besonders reichem Maße von Fürth, München, Flehingen, Jchenhausen erhalten. Ich konnte in einer ganzen Reihe von Fällen Kranke und Wöchnerinnen unterstützen, Rabbinern und Thora kundigen neben Geld auch Bücher, vielen Tksilin und Tallessim geben. Bon den Kleidern und Büchern habe ich einen großen Teil aufs flache Land schicken können. Ich hätte nur noch den Wunsch, mir weitere Sendungen von Kleidern, Büchern, Ritualien nur womöglich in Postpaketen zugehen zu lassen, weil ich damit viele Plackereien erspare, da 5 Kilo^ Pakete zollfrei sind. Vermißte jüdische Familien. XVH. Es sucht: S. teuerstem, Halberstadt, Hartleberstr. in. Leib Pell, Gelsenkirchen. H. Karniol, Nürnberg, Bolprechtstr. 12. Meldungen nimmt „Israelit" entgegen. Es werden gesucht: Aron Pariser u. Frau aus Tyrez (Rnss.-Polen.) Hinde Pell geb. Alter- Winter aus Grodik- Jagelonski (Galizien) mit 2 Kindern. Mine Karniol Rikel „ Issk Wolf „ Feige Weber Meilech Karniol Sprinze „ Feige „ Pessel Israel „ auch die Expedition des S (Unterbrechung der Arbeiten des Deutsche« Paiäftina-Bereins.) Wegen des Krieges hat der Deutsche Verein zur Erforschung Palästinas seine geplanten Arbeiten einstweilen aufgeschoben. Das letzte Jahr hatte eine Reihe sehr interessanter Grabungen dort gebracht. Im vorigen Jahre arbeitete mit den Mitteln des Barons Rothschild in Paris Hauptmann Weil. Sein Ziel war offenbar das Grab Davids: es wurde vom Südende des Hügels der Davidstadt der Oftabhang bis auf den Felsen freigelegt. Der durch Schick schon bekannt gewordene Kanal von Gihon wurde auf diesem Gebiet ein Stück weiter untersucht, sonst die Linie der Ostmauer der Davidstadt festgestellt: auch einige Gräber und Zisternen wurden gefunden. Das in dieser Gegend zu erwartende Davkd-Grab trat aber nicht hervor. Umfassende SteinbruchSarbeiten hatten vieles zerstört. Lorrespondenzen und Aachrichten. Kerrtfihes Keiry. Das tlygienifche Institut in Jerusalem im Dienste des Roten Halbmondes Werkln, 15. Febr. Bekanntlich wurde das von Herrn Nathan Strauß begründete Jewish Health Office vor etwa zwei Jahren mit den von der „Jüdischen Gesellschaft für sanitäre Interessen in Palästina" begründeten Abteilungen in der Weise zusammengelegt, daß ein neues Institut, das Gesundheitsamt, mit vier Abteilungen geschaffen wurde: einer hygienischen unter Herrn Di*. Brünn, der eine Abteilung zur Bekämpfung der Augenkrankheiten unter Herrn Dr. Feigenbaum angegliedert wurde, einer serologischen und Tollwutschutz-Abtetlung unter Herrn Dr. Beham und einer bakteriologischen Abteilung unter Herrn Dr. Goldberg. Das Deutsche Komite zur Bekämpfung der Malaria beteiligte sich mit einer besonderen Malartaabteilung, die indes bet Ausbruch des Krieges von ihrem Leiter, der Palästina verließ, geschlossen wurde. Dagegen gelang es Herrn Nathan Strauß und einigen Freunden des Instituts, durch die gütige Vermittlung des amerikanischen Botschafters in Konstantinopel, Herr Morgenthau, 75000 Frcs. zuc Verfügung seiner Abteilung des Gesundheitamtes nach Jerusalem zu schaffen. Das Institut arbeitete überaus segensreich. Es wurden Soldaten der türkischen Armee, die 25. Februar 1015 von tollwütenden oder der Tollwut verdächtigen Tieren gebissen waren, von Herrn Br. Beham in der Tollwut-Jmpfstation in der üblichen Weise behandelt. Bald aber wandte sich der Komandant von Jerusalem an unseren Arzt mit dem Vorschlag, das Institut in den Dienst des Roten Halbmondes zu stellen. Herr Dr. Beham stimmte natürlich zu und die Herren des Instituts organisierten zunächst gemeinsam mit der Jüdischen Aerztegesellschast in Jerusalem vierwöchentliche Krankenpflege-Kurse, für die sich sogleich gegen hundert Schüler und Schülerinnen meldeten. Die in hebräischer Spracht abgey'altenen Kurse behandeln die Grundzüge der Körperlehre, die Lehre von den ansteckenden Krankheiten, allgemeine Chirurgie, Berbandlehre mit praktischen Uebungen, erste Hilfe, Desinfektion, Kranken- und Berwundeten-Pflege, praktische Uebungen in Krankenhäusern und auf dem Felde- Prüfung. Auf Vorschlag der Regierung würde sogleich nach Abhaltung der Prüfungen die erste Schwesterngruppe zusammengesteüt. Ebenfalls auf Ersuchen der Regierung stellte sodann das Institut für die Armee mehrere Vaccine her. Herr Dr. Behams Vorschlag, für die Bedürfniffe des Heeres auch anderweitige Sera, insbesondere Dysenterie-, Divhtherie-, Streptococcen- und, wenn möglich, auch Tetanusserum hezustellen, wurde von Herrn Generalarzt Dr. Jungels mit Freude begrüßt. Die Heeresleitung stellte, da die Anfertigung dieser Sera bisher im Institut nicht erfolgt war, alles Notwendige zur Verfügung, sie beschaffte dem Institut auf schnellstem Wege aus Berlin und Wien Pockenlymphe, ferner die Stadtard-Sera für Wertbemessung der Diphtherie und Tetanus- Heilsera von Ehrlich und Paltauf-Wien. Ebenso wurden dem Institut die notwendigen Tiere, besonders Pferde und Kälber, zur Verfügung gestellt. Da sich überall in Palästina, auch in der Nähe der jüdischen Kolonien, Pockenherde finden, so war es längst unser Wunsch gewesen, Pockenlymphe im Institut herzustellen, die bisher aus Konstantinopel oder gar aus Bern, Paris oder Rußland beschafft werden mußte. Als in Jerusalem gerade einige Pockenfälle vorkamen, impfte Herr Dr. Beham 365 Kinder verschiedener'jüdischen Schulen, doch war nicht genügend Material für weitere Impfungen vorhanden. Auf Wunsch der Regierung sollen nun von dem Institut monatliche Berichte bei dem Sant» tätsamt eingereicht werden. Jedermann begreift, welchen Nutzen eine ausgedehnte Tätigkeit des Instituts nicht nur der Bevölkerung Palästinas, sondern auch der türkischen Armee bringen kannist doch bet ungenügender Ueberwachung der ersten Jnfektionsfälle die Zahl der von Epidemien geforderten Kriegsopfer meist um das Vielfache höher als die Zahl der im Kriege Gefallenen. Durch diese exakt-wissenschaftliche Tätigkeit des Instituts ist man imstande, die Jnfektionspforten rechtzeitig zu erspüren und zu verstopfen. Der Bestandes Instituts muß daher unter allen Umständen sichergestellt werden. Nachdem es gelungen ist, hauptsächlich mit Hilfe einer großen Zahl kleiner Beiträge die Grundlagen für das Institut zu schaffen und gleich im ersten Jahre eine ansehnliche praktische und wiffenschaftliche Tätigkeit zu ^Vhachen Sie sich den Kopf mU 2Q% mit \feilchengemch Vorzüge: VOU^Ä, «UbuendM Haar im™ mnlgM Hi»«f Tie Im» -; VonOgllctu! Reinigung des "»tiiinilaiin unraklt dem ochivaKieiiflCopf Alleinige Fabrüt: Hans Sdwawknnt. M- Erhältlich in Apotheken, Drogerien. Partämfrle- und Friuur-Qesehmen. ' ' .. ‘ W.I 1 U'.'I