Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 4 (21.1.1915)
- Date
- 1915-01-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ein Centraloroan Iflr das flfthodnxe Judentum (IfjBB inflp III weaagg Begründe! non Dr.Lehmann in niainz csssa VA^Hr i Rfi lahrnann ES&SCJl a M Ann J^NUar 1915 A£ JL. wv« »umyuny aiuiiiiiuil "" """ 6. Schebat 5675. t/rS* m$nmmrn »« «tterttlj«*** «ewö-nliche Ausgabe SH.1JO, HeftanSgabe (Kunstdruck) «k. 8,—. Auslandspreise: Gewöhnlich» Ausgabe: vesterreich-Uuaaro » Ar., Rußland 1 Bub* England » «fc,, Amerika 60 et,.. Niederlande 1.10 fl., Frankreich Fn. uo, Abonnements bei allen Postanstalten, Buchhandlangen, sowie direkt hei d-n, Nerlaa. ISffhm«aolie nur fcfreft. Der Israelit erscheint jeden Douuerstaa. Inserate: 30 Pfennig für die sech-gespaltene Colonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnferatenannahme durch dm Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a.M., Gr. Eschmbeimerstr. 23 Lel.884S.Amt Hansa, sowie sSmtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. VlatzvorfchrMea otzue NerdmdUchdrU. Zahlungen Ifattcn außer dirdt an dm Vedas erfolgen per Conto bet der K. K. Gastsparkaste ß»ten Mo. 71M6. Cant« Id de« C. flMfW**C«fett«ttt flN*«*e1l 9ta. 184M. haß in in IH|i und der« Filialen. Der natfidruA Ser llrfihel und CorrefponOenjen 9es „Israelit“ iß nur unter genauer Quellenangabe, unS, soweit es Rdi um größere fluffäfce handelt, nur na<h vorheriger Genehmigung gestattet. JuhaUsSverstchl. 1. Leitartikel: Km Krirgslager. — 2. A!ufsätze: Dokumente des Krtdes. 3. Uermißte jüdische FamUteu. — 4.KleineS Feuilleton: Dir Jüdische Kiterarische Gesellschaft. — Fritz Reck-Malleczewen: Kod;. — Mir dir „Ageure Havas" derrits im Jahre 1870 tag. — Echt russische Helden. — Ein Held von Tisza Etzlar gestvröen.---5. Korrespondenzen und Rackirichten: Frankfurt a. M. („Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums".) — Berlin (Hilfe für die notleidende Bevölkerung in Polen.) — Güttingen (Gefangenenfürsorge.) — Wien (Das Budget der Wiener Kultusgemeinde.) — Aus den Gemeinden: Budapest, Klem Wardein. — Jerusalem (Araber und Juden in Palästina.) New-Iork (Die amerikanische Hülfsaklion.) — New-Aork (Wettere Hilfeleistung. — Ein Lebensmittelschiff fiir Palästina.) — New-Aork (Franks Hinrichtung aufgeschoben.) — Netv-Aork (Die Einwanderungs-Bill.) — 6. Personalien: Leipzig. — Gatlingen. — Frankenberg. (H.-N.) — Scheinfeld i. Bayern.) — Leer (Ostfr.) — 7. Vermischtes: Berlin. — Berlin. — Berlin. — Berlin. — München. — Würzburg. — Elbing. — Groß- Bieberau. — Sübingen. — 8. Briefkasten. — Familien- Nachrichten. — 9. Feuilleton-Beilage: Der Schatz im St. — Kinderecke: Gideons Nachtangriff. Zm Kriegslager.' II. Die jüdische Religion lehrt uns, des Lebens Not und Schwere als Gottesprüfung, [l'O2, begreifen und tragen. Verlangt doch Gott, der hb^ - — D’soin nn *r6nöi n'ns? nswo 12?n '2Sv, der das Licht des Glückes vor dem Düster des Ungemaches hinwegrollt, bisweilen im Wechsel der Zeilen die höchste Anspannung unserer Kräfte für seine Aufgabe. Der Wille ist es, der Wille, der die Wege schafft, der hierbei erprobt werden soll. Zu keiner Zeit sonst haben wir so sehr Gelegenheit, des Menschenwillens Allgewalt zu erkennen und zu bewundern als in Zetten des Krieges, der in der Mobilmachung der gesamten Volkskraft jenes Gesamtwollen schafft, das Uebermenschliches, wahre Wunder des Bollbringens zu Land und zu Luft und zu Waffer zeitigt. Welche ungeheure Macht doch dieser Mensch, der kleine und hinfällige, dar- *) Die Artikelserie „Im Kriegslager", die in der Hauptsache einen Zyklus volkstümlicher Lernvorträge wiedergibt, bewegt sich in dev Gedankenwelt des rabbinischen BelehrungS- und ErbanungSbncheS für Soldaten und totejwManB» nno von Rabbi Israel Friedman« stellt, wenn er, einmal aus seiner satten, kleinmenschlichen Bequemlichkeit herausgeriffen, stch in eine Gesamtmacht, in einen Gesamtwillen etnordnet! Der Krieg zeigt es uns, was wir alles können, wenn wir nur wollen, müssen, welche eminente Kräfte in uns schlummern, die nur geweckt zu werden brauchen/ um wundertätig zu wirken. Und wie wenig der Schöpfer demgegenüber von uns verlangt im Laufe des Einzellebens, wie gering ist doch der dem Menschen auferlegte Tribut der Pflichterfüllung im Vergleiche zu unserem körperlichen und seelischen Vermögen! „Und nun — was verlangt der Ewige, dein Gott von dir mehr, als daß du ihn fürchtest und ihm dienest." — „Nicht im Himmel ist sie — die Thora —, daß man sagen könnte, wer steigt da zum Himmel hinauf und holt sie uns herunter, und auch nicht jenseits des Meeres, —- denn nahe ist dir die Sache, in Mund und Herz gelegt, um sie zu vollbringen." Ja, unser religiöses Wollen wird auf die Probe gestellt und mit dem Maßstabe unseres körperlichen Könnens gemeffen. Und so gesehen und begriffen, wird der jüdische Soldat, der wohlgerüftet und unerschrocken in die Gefahren hinauszieht und alle Entbehrungen und Mühsale willig und freudig auf sich nimmt, sich auch mit der geistigen Kraft wappnen für den Kampf mit der Feinde gefährlichstem, dem Jezer Hora, der im Schlachtgetümmel den Menschen und Juden tn ihm in tausendfacher Gestalt umdräut. Bestehen wir mit dem Heldenmut unserer Alten, die uns von Gott auferlegte Prüfung. Wir alle: Vater und Sohn, Mutter und Eheweib! Zuweilen entrang sich unseren Pattanim, wenn sie um das Motiv der Opferung I aks ihre Verse kunstvoll reihten, der dumpfe Ruf: DVn JTH'pr NL2. „Wieviele der Opferungen beweinen wir in diesen Tagen! „Damals, im Mittelalter klang es wie eine bittere Anklage gegen eine Welt des Haffes. Heute, da Israel solchergestalt mit etnerWelt um das ihr verlorengegangene Kleinod des Friedens weint, hat der Ruf etwas vom Stolze und Trotze der Alten an sich, die stahlhart und leidgeprüft ein f)'D2 zu tragen wußten, die den Begriff von „Liebesleiden-, nanK bw plv', prägten und die da wußten, daß der Menschheit höchste Güter — nuno 2?^2? k*?k 12.12 *6 d*?idi nan D^ijn Sktt' pK nmn D'TD' 'T by — nur in Kampf und Leid errungen werden können. So seien wir denn peinlich daraus bedacht, den auf die Probe gestellten Willen zum Judentum bei unseren Söhnen und Freunden möglichst zu stärken. Bergeffen wir nicht, den hundert schönen, nützlichen Sachen, die vorsorgliche Mutterliebe in den Tornister gepackt hat, die heiligen Requisiten beizulegen,wieTephtlin, Tephtlah u. s. w., die die Krieger auch dann begleiten, wo eine Möglichkeit ihrer Benutzung nicht sehr wahrscheinlich ist. Es find dies die Marksteine, die Wegezeichen, von denen der Prophet Jtrmejahn in seinem Abschiedsgruß an das ins Exil ziehende Volk sagt: 'v'2?n D'2VX "[*? '3'2en robn ttt nb'DD*? 'n'2? onnnn 71? bx“iE?' nbim. „Stelle dir Zeichen, errichte dir Denksäulen, merke auf den Weg, den du gegangen bist, daß du zurückkehren kannst, Jungfrau Israel!" Wohlverstanden: Konnte jemand auf dem Wege, der ihn weit von der lieben Heimat wegführt, auf der breiten Heerstraße bleiben, wohl ihm, er wird den Rückweg, wenn die Stunde der Heimkehr geschlagen, leicht finden. Wer aber durch den Zwang eiserner Umstände vom breiten Fahrwege abgedrängt wurde, der behalte doch wenigsten die Marksteine und Wegezerchen fest im Auge und achte darauf, tunlichst tn deren Sehsphäre zu bleiben, damit er nicht ganz wegeverloren und ohne Zielrichtung herumtrrt. Darum: '2'2tN Q'21'L "p. Schaffen wir den durch das eherne Geschick vom Wege Abgedrängten die Zeichen und Wegweiser, die sie später auf den richtigen Pfad zu des Vaters HauS bringen. Es find dies vor allem jene heiligen Gegenstände, die der Soldat zu jeder Zeit, die ihm die Möglichkeit ihrer Benutzung bietet, bereit und bequem zur Hand haben muß. Die moderne Strategie legt nicht den höchsten Wert auf das unausgesetzte Vorwärtsdrtngen, sondern sichert sich bet jedem neu unternommenen Schritt die rückwärtige Verbindung, ohne welche jeder Fortschritt wertlos, jeder Augenblickserfolg sich in eine unheilvolle Niederlage wandeln kann. Auch unser Tun und Trachten sei darauf gerichtet, unseren Söhnen die rückwärtige Verbindung mit ihrer Vergangenheit, mit ihrem Vaterhause, mit ihrem Judentum zu sichern. Lasten wir es an den nötigen Wegezeichen nicht fehlen. Oft hört man in den Kreisen der bester und tiefer Denkenden, der bangen Sorge Ausdruck verleihen: Wie wird es mit der Moral der f ''