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Der Israelit · 1915-01-01 · Heft 1 (1.1.1915) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 1 (1.1.1915)
Date
1915-01-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Tonto lei de« Jt* Bndape» ft*. 184*4 Tante deß de» VtßGae» GonnnrrrdanS in «iga and deren WKale». Der nadiflru* 5er Urflkel und £orre|ponden?en des .Israelit* iff nur unter genauer Quellenangabe, und, soweit es fidi um größere RuQfibe handelt, nur na<h vorheriger Denehmigung gestattet I«tzaU«üvevstcht 1. Leitartikel: Das Schicksal -er polnische« Jude». --- 8. Aufsätze: Geistige Kriegsfürsorge. — Dir Kriegsuot im heiligen Kande. -- 3. Vermißte jüdische Familie». — 4. Kleines Feuilleton: Chanukka im SchÜtzrngradr». — Rudolf Presöer: An seine liebe« A»dr«. — Lion Wolff-Tempelvurg: Jüdischer Gottesdienst im Gefangenenlager;» Hammerstrtn, M.-Pr. — Politik und Humanität. ----- 5. Korrespondenzen und Nachrichten: Frankfurt a. M. (Kriegsnot im heiligen Lande.) — Darmstadt (Chanukkagruß an die jüdischen Krieger.) — Hannover (Gemeindewahlen.) — Aus d en Gemeinden: Benyhad, H. Naduvar, Unsdorf. Mskolz, Budapest, Budapest. — Bukarest (Die Moskowiter in der Bukowina.) — Jaffa (Wegnahme von Lebensmitteln für palästinenfischen Armen durch die Engländer. ---- 6. Personalien: Berlin. — Aschbach. — Wien. — 7. Sprechsaal. — Familien - Nachrichten. --- Feuilleton-Betlage: Amold Kiß: Unser Krutnant. — Mir es Joseph Kraft t» der „feindlichen" Synagoge erging. Das Schicksal der polnischen Juden. II. Wir haben an dieser Stelle vor vierzehn Tagen einige andeutende Züge aus dem jammervollen Leidensgeschick der Juden in Polen zur Darstellung gebracht. Was in der Zwischenzeit an Nachrichten aus Polen auf dem Wege über die neutralen Länder zu uns gelangt ist, steigert womöglich noch das Entsetzen über die kritische Lage der Dinge, die sich aus dem Zusammenwirken der wirtschaftlichen Kriegsnot und des national-polnischen Judenhasses ergibt. In England soll sich, Blättermeldungen zufolge, ein Komitee gebildet haben, das dem Elend in Polen einigermaßen steuern will, und auch das amerikanische Hunderterkomitee ist inzwischen mit einem flammenden Aufruf an die Oeffentlichkeit getreten. Es ist natürlich, daß neben diesen unmittelbaren praktischen Aufgaben der. Lage der Blick immer wieder in die Zukunft schweift, daß immer wieder die bange Frage' sich -eMötz was in den kommenden Tagen aus den Millionen Brüdern werden soll, die trotz aller Verschiebungen der letzten Jahrzehnte noch immer den Kern der jüdischen Gesamtheit bilden. Za den Problemen, die mit dieser Frage in Zusammenhang stehen, liegen einige bedeutsame Aeußerungen vor, die wir zunächst aus Gründen der journalistischen Pflichterfüllung registrieren möchten, ohne vorläusig selbst dazu Stellung zu nehmen, ob sich die angedeuteten Problemlösungen vom Standpunkte der thoratreuen Judenheit empfehlen. Unter dem Titel: „Der Krieg. Eine Schicksalsstunde des jüdischen Volkes", (Verlag von Marcus u. Weber in Bonn) hat Wladimir W. Kaplun-Kogan, ein Schriftsteller, der sich durch ein größeres Buch über die Wanderbewegungen der Juden einen guten Namen gemacht hat, Gedanken über das künftige Geschick der polnischen Juden veröffentlicht, die besonders deshalb intereffant sind, weil sie ziemlich genau die politischen Wünsche und Anschauungen der national - jüdischen Kreise Deutschlands und Oesterreichs widerspiegeln, wenigstens derjenigen Gruppe, die realpolitisch genug denkt, um in dem Worte „Palästina" allein keine endgültige Lösung der Judenfrage zu erblicken. Kaplun geht von bestimmten politischen Voraussetzungen über den Inhalt der künftigen Friedensverträge aus, die sich im Augenblick nicht diskutieren lassen. Er nimmt an, daß das jetzige Russisch-Polen zusammen mit anderen russischen Gebieten, also insbesondere Ostseeprovinzen und Ukraine e!n staatsrechtlich einheitliches Gebilde werden wird, innerhalb dessen es dann gelte, durch gerechte und gleichmäßige Berücksichtigung der verschiedenen nationalen Volksgruppen, also der Polen, Deutschen, Letten, Ukrainer und nicht zuletzt der Juden eine Abgrenzung der Interessensphären und damit den wahren Frieden und die wahre Sicherheit zu schaffen. Den Juden sollte, so meint Kaplun-Kogan, eine sich auf kulturelle und wirtschaftliche Beziehungen erstreckende BolkSautonomie gegeben werden, die mit Rücksicht auf die deutsche Artung der jüdisch-polnischen Kultur durchaus im deutschen Interesse liegen würde. Gin gewisses Gleichgewicht der nationalen Kräfte wäre dadurch hergestellt, ohne daß irgend eine andere Nationalität sich, über Zurücksetzung oder Unter» drückung beschweren könnte. Kaplun-Kogan glaubt, daß durch eine solche Organisation die sicherste Grundlage für eine gesunde Entfaltung der geistigen, sittlichen und wirtschaftlichen Kräfte der jüdischen Millionen- Bevölkerung Polens und der angrenzenden Gebietsteile geschaffen wäre, daß das beschämende und kulturwidrige Schauspiel charakterloser Assi» mtlation, wie es uns die Geschichte des deutschen Judentums in der Nach-Mendelsobn'schen Zeit bietet, vermieden, und daß alle überlieferten jüdischen Kulturwerte — von dem grundlegenden und alles andere bedingenden Kulturfaktor, der jüdischen Religion, spricht Kaplun allerdings nicht — zum Besten der Zudenheit wie des Botksganzen in ungeschwächter Kraft erhalten bleiben würden. Fände durch eine jüdische Volksautonomie innerhalb des Staates eine reiche Fülle aufstrebender jüdischer Kräfte und Talente ausreichenden Spielraum für öffentliche Betätigung, erhöbe sich in dem solchergestalt erstehenden jüdischen Zentrnm eine jüdische Hochschule für den studienbefliffenen jüdischen Nachwuchs, und wären auch die Vorbedingungen für eine wirtschaftliche Entfaltung im eigenen Kreise geschaffen, so würde damit am wirksamsten einer Ueberflutung Deutschlands und des Westens überhaupt durch die aus dem Ghetto befreiten jüdisch-polnischen Massen vorgebeugt werden. Durch den letzteren Hinweis sucht der Verfasser offenbar, den Gedanken der staatlich anerkannten jüdischenBolksindividualttät den jüdtsch-liberalen Kreisen Deutschlands, die davon an sich zweifellos äußerst peinlich berührt sein werden, schmackhaft zu machen. Allein man muß das eine jedenfalls zugestehen, daß auch vom religiösen Standpunkte aus jedes Mittel, das eine allzu plötzliche Expansion der seit Jahrzehnttn von Lust und Licht modernen Geisteslebens abgesperrten jüdischen Massen verhindern kann, ernster Würdigung bedarf. Geht Kaplun-Kogan so von der auch von uns wiederholt unterstrichenen Voraussetzung aus, daß auf lange Zeit hinaus das polnischrussische Judenproblem auf der polnischen Scholle selbst gelH werden muß, und daß es gar keinen Zweck hat, sich über eine rasche Mtllionen-Besiedelung Palästinas Illusionen htnzugeben, so ist es interessant auf der anderen Seite zu beobachten, wie die durch den Weltkrieg in Bewegung gesetzten Gedankenmaffen doch immer wieder das Land der Väter als Zentralpunkt für die über die Erde zerstreuten Söhne des jüdischen Volkes aufieuchten lassen.

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