Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 102 (31.12.1894)
- Date
- 1894-12-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXV. Jahrgang. M 102 Der Israelit. Ein Aentrak-Hrgan für das orthodore Zudentyum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 31. Dezember 5055 (1894). Da mit dem 1. Jan. 1895 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1895 eingetragen unter Nr. 3445. Leitender Artikel. Are Hßränen Zosepßs und Israels. (Zu Paraschath rn.) Mainz, 30. Dezember. In der ewig ergreifenden Wtedererkennungs- Scene zwischen Joseph und seinen Brüdern, welche unsere dieswöchentliche Sidra schildert, wird uns berichtet, daß sie sich unter lautem Weinen Josephs vollzog. An diese Thatsache knüpft die Weisheit unserer Weisen folgende Bemerkung: vbx vnx nx rpv dvd xtw duo ’aaa i^p na }rvi rvaa “-pno x^>x NX Vxu irx rvapn *p N'333 . (rs 's nm smo) o^mx iriunnai 1x1a» ’aaa idmj» „Er g ab setnerStimme freienLauf" (I. B. M., C. 45, V. 2.) Wie Joseph seine Brüder weinend versöhnte, jo erlöst auch der Heilige, gepriesen sei er, Israel nur mitten im Weinen, denn es ist gesagt: „Mit Weinen werden sie kommen und mit Flehen werde ich sie heimbringen." (Jeremijah Cap. 31, V. 8.) Um den Gedanken aufzufinden, dem die Weisheit der Weisen durch die Parallele Ausdruck geben will, wollen wir uns einige Hauptzüge aus diesem farbenreichen Bilde zum Bewußtsein bringen. — Man findet in der Erzählung von Joseph und seinen Brüdern den Umstand auffallend, daß Joseph während der langen Zeit seiner Abwesenheit seinem trauernden Vater keine Nachricht von seinem Befinden und überhaupt von seinem Dasein gab, und hat diese Schwierigkeit in verschiedener Weise zu erklären gesucht. Daß Joseph, so lange er in dienender, abhängiger Stellung und gar so lange er im Gefängniß lebte, seinen Angehörigen keine Nachricht zukommen ließ, dürfte weniger auffallend sein. Er war unter diesen Verhältnissen wohl nicht in der Lage es zu thun. Aber als Herr und König von Eygpten müßte es ihm doch ein leichtes gewesen sein, seinen Vater von seiner glänzenden Stellung oder doch wenigstens von seinem Leben zu unterrichten. Es muß nun zunächst daran erinnert werden, daß Joseph wahrscheinlich gar nichts davon wußte, daß die Brüder seinen zerrissenen blutgetränkten Rock dem Vater gesandt hatten, um den Glaub,n zu erwecken, als sei Joseph nicht mehr unter den Lebenden. Joseph wußte, daß die Brüder den nach Eygpten veikauften Sklaven noch für am Leben halten mußten, so lange ihnen nicht das Gegentheil bekannt war. Auch Jakob wußte, nach Josephs Ansicht, nur, daß er seiner Zeit fortgegangen und nicht wieder zurückgekehrt war. Ohne den blutgetränkten Rock seines Kindes hätte ja auch der Vater nicht an die Möglichkeit seines Todes gedacht. — Nachdem Joseph nun an sich erfahren hatte, wessen der Haß seiner Brüder gegen ihn fähig war, konnte er daran denken in das elterliche Haus zmück zu kehren? Mußte er nicht, je inniger tr an seinem Vater hing, um so mehr darauf bedacht sein, diesem das Herzeleid zu ersparen, welches der Vruderhaß ihm dann jeden Tag auf's neue zu bereiten drohte? Heute hatte der Vater keine Ahnung davon, daß die Lieblosigkeit der Brüder es war. die den Bruder aus dem Wege geräumt hatte. Käme aber Joseph wieder nach Hause, sähen die Brüder, daß ihre Gewaltthat nicht den gewünschten Erfolg hatte, und sie schmiedEten neue Pläne gegen ihn und führten sie aus, mirtzte dann Joseph nicht davor zittern, dem greisen Vater eine schwereren Gram zu bereiten als derjenige war, den er beseitigen wollte? War dieser Gram des