Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-12-28 · Heft 101 (28.12.1894) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 101 (28.12.1894)
Date
1894-12-28
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448504--39904-2488074
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

XXXV. Jahrgang. Weite Beilage zu M 101 -es „Israelit". Leitender Artikel. Kohelelh, Hamlet und Faust. . Em Ungenannter aus Süddcutschland thut m^ in Nr. 98 (S. 1887) die Ehre an, sich mit meinem in Hamburg gehaltene,' Vortrage „Die dret Räthselbücher der Menschheit Kohelet, Hamlet und Faust" zu beschäftigen. Ec steht in dem Vergleiche,, eine Prosanirung von pvnn*, hielt ihn für ganz unzutreffend, konirasttrend." Im Gegensätze zu Kohelet sind die Rest xioncn der damit in Verbindung gebrachten Werke derart, daß von vornherein das Bewußtsein von Gott ausgeschlossen, zu solchem niemals gelangt wird, eine Parallele daher an und für sich unzulässig ist." (3) r ganze Satz, dessen Kern ich hier wtedergebe, war mir zu lang, dieser Punkt von dem Einsender die Hauptsache.) Man wird annehmen, daß der Unbekannte meinen Vortrag gehört oder gelesen hat. Man höre aber: „Ohne den eigentlichen Vortrag näher zu kennen, an die gedachte Rezension uns haltend, können wir nicht umhin, unserer gegentheiligen Ansicht öffentlich Ausdruck zu geben." Weßhalb hat er aber sich nicht brieflich vorher an mich gewandt, ehe er mit „Profantrung" „unzutreffend", „kontrastirend" um sich warf? Hätte ich ihm über die Punkte, die ihm anstößig erschienen, nicht bereitwillig Auskunft gegeben oder dieselben selbst richtig gestellt? Ich könnte also schon aufhören, aber der Gegenstand ist nicht so unwichtig: Gerade das, was er bezügl. des Gottesgedankens in den dret Werken sagt, betone ich ja ebenfalls. In Kohelet ist der Gottcsglaube der Panzer, der vor Weltverzweiflung bewahrt, im Faust findet sich eine Sehnsucht danach und der Mangel desselben führt zur Zerfahrenheit. Im Kohelet ist also der Nachweis positiv, im Hamlet und Faust negativ. Auf die T h a t, im Gegensätze zur einseitigen Grübelet weisen sie alle hin, es ist also falsch, wenn Einsender bei Kohelet über „philosophische Betrachtungen" spricht; der weise König zeigt nur das Unzulängliche derselben. Dabei steht der prophetische Geist des Buches fest, er wird nicht im Geringsten dadurch berührt. Gerade der vom Einsender angegebene Midraschsatz des Omerabschnittes bildet, ohne daß ich ihn angeführt, den Hauptgedanken meines Vortrages. Das hätte jeder Zuhörer deffelben, das hätte ich auch selbst ihm sagen oder schreiben können. Er scheint aber diesen Etnwurf vorausgesehen zu haben. Er sagt nämlich zum Schluffe noch einmal ganz vorsichtig, „selbst wenn es nicht für eine Profanirung birm vnp gehalten werden sollte," d. h. die Hauptfrage lautet nicht nach dem Inhalte des Vortrags, selbst wenn derselbe noch so ansprechend wäre, ist er als Vergleich zwischen biblischen und außerbiblischen Werken verwerflich. Nun, wenn dem so wäre, so sind alle die zu tadeln, die jemals den Vergleich zwischen Aristoteles und dem Judenthum gewagt haben. Wir Beide, Einsender und ich sind gewiß nicht werth, einem Maimonides das Schuhband zu lösen; aber was er und Tausende nach ihm im Großen gethan haben, das thun wir im Bewußtsein unserer Winzigkeit im Kleinen. Thora und Aristoteles ist noch lange nicht dasselbe, wie Kohelet, Hamlet und Faust. Richtet sich der Einsender nach dem *nr>? Nun, dieser unser Hauptpoßek, der den douj mio in den ersten jtro des iyk gebracht hat, hatte den Standpunkt des Rambam. Einem Meharschal gegenüber hat er in einer strenghalachischen Frage daran mit der Begründung festgehalten, wenn stch Widersprüche Herausstellen, so folge man der Thora. Und hält er das in unserer Zeit für gefährlich? Ich komme hier auf „die Vorthetle solcher und vergleichenden Betrachtungen" zu reden, die er bezweifelt. In unserer Zeit, wo sich jetzt eine antisemitische Gegnerschaft gegen den Geist der Bibel regt, wo der vergiftende Gedanke in die Massen geworfen wird, die Bibel gehöre nicht in die Sittenanschauungen unserer Zeit und des germanischen Geistes — da ist es schon unseren eigenen Kreisen gegenüber nothwendig, zu zeigen, daß das Beste, was der außerbiblische d. h. vermenschliche Geist hervorgebracht hat, seine Größe nur der Gedankennähe zum göttlichen Geiste, zur Bibel verdankt: beabsichtigt oder absichtslos — auf dem Boden der Bibel ist's doch gewachsen. Und wenn wir die Antisemiten nicht überzeugen — in unserer eigen en Mitte muß die Bibel als unantastbares Gut feststehen, die Verehrung daran darf nicht antisemitischen Spitzfindlern preisgegeben werden. Ich hätte mich nicht so ausgedehnt, wenn nicht die eben geäußerten Gedanken mir selbst wichtig genug wären, um vor Verkennung gesichert zu werden. Dr. Ludwig, A. Rosenthal, Rabbiner in Rogasen. Briefkasten der Nedaction. A. F. in B. In welcher Stadt besteht die Stiftung? Nach Mittheilung erhalten Sie die gewünschte Auskunft.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.