Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 101 (28.12.1894)
- Date
- 1894-12-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXT. Jahrgang. M löi. Der Israelit Sin Aentrat-Hrgan für das orlhodore Iudenthum. VLZründel von Dr. Lehmann in Mainz. Freitag, de« 28. Dezember 5655 (1894). Da mit dem 1. Jan. 1895 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns,ehre geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das / Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1895 eingetragen unter Nr. 3445. AM" Feiertage halber erscheint diese Nummer erst heute. ""WE Leitender Artikel Dem König die Ehre! (Zu Paraschath Mikez.) Mainz, den 26. Dezember. Als kürzlich im Reichstage eine Partei dem Kaiser die schon durch Rücksichten des Anstandes und der Höflichkeit gebotene Ehrerbietung versagte, haben wir bereits darauf hingewiesen, wie unsere Feinde den Umstand ausschlachten werden, daß der Vertheidiger dieses Vorgehens ein Jude war. Wir sagen absichtlich nicht ein Glaubensgenosse, denn nichts zeigt cs so sehr als eine solche Handlungsweise, daß derjenige, welcher sie begeht, kein Genosse deffen ist, was wir glauben, wenn er auch durch Geburt und Abstammung Jude ist. Wir haben bereits in einem beliebig herausgegriffenen Beispiel gezeigt, wie der Jude über die dem Fürsten zu zollende Ehre denkt. — Inzwischen wird in der antisemitischen Presse und in Versammlungen dieses Vorgehen dem Juden Singer und dann generalisnend allen Juden in so wenig verschämter Weise aufs Conto gesetzt, daß wir es als unsere Pflicht erachten, noch einmal darauf zurückzukommen. Man hat noch nie gehört, daß die Tugenden und Fehler der Herren Bebel, Liebknecht und Genoffen dem Christenthum aufgemutzt werden, in welchem sie geboren sind. Noch weniger hat man es gewagt, alle Bekenner des Christenthums des Umsturzes und der Ausschreitung zu beschuldigen, weil einzelne als Christen geborene Socialdemokraten sich gegen die bestehenden Verhältntffe auflehnen. Angesichts dieses zweifachen Maatzes sind die damit Messenden so vollständig in den Augen aller billig Denkenden gerichtet, daß wir zu ihrer Widerlegung kein Wort verlieren. Die folgenden Zeilen wollen zur Aufklärung und Belehrung unserer wirklichen Glaubensgenossen beitragen und zeigen, daß ihre Treue zum Landesfürsten und die Ehrerbietung vor ihm hoch über politische und sociale Erwägungen und Parteiungen erhaben i't. Die irdische Majestät als Abglanz der himmlischen, göttlichen zu ehren, hat die Welt erst von dem „Volke der Bibel" gelernt, welchem der.Lästig überall als „Gesalbter Gottes" geläufig ist. Diese Thatsache wird kein noch so wüthtger Judenhaß in Abrede zu stellen wagen. Weniger dürste demselben bekannt sein, wie der viel verlästerte Talmud gar einen Segensspruch beim Anblick eines Fürsten vorschreibt, den der gefitzestreue Jude noch heute, wo sich ihm Gelegenheit dazu bietet, spricht und der in allen unseren Gebetbüchern feit Jahrtausenden und noch heute zu finden ist. Derselbe lautet: .Dil *lEOb 1*11320 JPJff D^iyn 'M "1 nnN “J113 „Sei gepriesen Gott, König der Welt, der von seiner Herrlichkeit (einen Theil) auf Fleisch und Blut übertragen hat." Ja, daß wir in dieser, wie in allen sonstigen Benedlktionen für Gott keine höhere Bezeichnung kennen, als „K ö n i g", „König der Welt" überhM uns ieden anderen Nachweises nach dieser Seite hin. Wie weit zurück aber diese ehrerbietige Rücksicht bei dem jüdischen Stamme reicht, und in wie zarter, feinfühlender Weise sie sich geltend macht, dafür wollen wir ein Beispiel aus unserem Wochenabschnitt anführeu. Derselbe erzählt uns, wie Joseph mitten aus langjähriger Kerkerhaft vor den König von Egypten berufen wurde, um dessen Träume zu deuten. Bet diesem Anlaß wird uns berichtet, daß Joseph seine